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katzenwelt

Milch und Milchprodukte für Katzen: Was verträglich ist

Christoph · 7 Min. Lesezeit

Getigerte Katze auf einem Gartentisch taucht die Pfote in einen Milchkrug
Milch lockt viele Katzen an – vertragen wird sie längst nicht von allen
Inhalt9 Abschnitte
  1. Warum Milch für erwachsene Katzen kein Getränk ist
  2. Wie viel Laktose in Milchprodukten steckt
  3. Fett und Kalorien: das unterschätzte zweite Problem
  4. Was Milchprodukte der Katze bieten – und was nicht
  5. Was nie in den Napf gehört
  6. So geben Sie Milchprodukte, wenn überhaupt
  7. Welche Katzen besser ganz verzichten
  8. Wenn die Katze Milch nicht verträgt
  9. Häufige Fragen

Milch und Milchprodukte sind für Katzen kein Futter, sondern bestenfalls eine seltene Nascherei. Viele erwachsene Katzen vertragen Milchzucker (Laktose) schlecht und bekommen von Kuhmilch Durchfall. Gereifte und fettreiche Produkte wie Hartkäse oder Butter enthalten kaum Laktose, dafür viel Energie. Wer seiner Katze gelegentlich einen Teelöffel Naturjoghurt oder ein erbsengroßes Stück Käse gibt, schadet ihr nicht – nötig ist nichts davon.

Warum Milch für erwachsene Katzen kein Getränk ist

Katzenwelpen trinken Muttermilch, die nach dem MSD Veterinary Manual rund 4,9 % Laktose enthält. Um diesen Zucker zu verdauen, bilden sie im Dünndarm das Enzym Laktase. Nach dem Absetzen geht die Laktase-Aktivität bei den meisten Katzen deutlich zurück. Was dann an Laktose nicht mehr gespalten wird, gelangt in den Dickdarm. Dort vergären Bakterien den Zucker, es entstehen Gase, und der Darm zieht Wasser an: Blähungen, Bauchgrummeln und weicher Kot oder Durchfall sind die Folge.

Wie stark eine Katze reagiert, ist sehr unterschiedlich. Manche vertragen einen Schluck Milch ohne sichtbare Beschwerden, andere bekommen schon von einem Teelöffel Durchfall. Vorhersagen lässt sich das nicht, auch nicht daraus, ob die Katze als Kätzchen Milch bekommen hat. Das Schälchen Milch vor der Tür ist deshalb ein Bild aus alten Zeiten, keine Empfehlung. Das einzige Getränk, das eine Katze braucht, ist frisches Wasser – mehr dazu unter Was dürfen Katzen trinken?

Wie viel Laktose in Milchprodukten steckt

Beim Käsen wandert der größte Teil des Milchzuckers in die Molke, und während der Reifung bauen Milchsäurebakterien einen weiteren Teil ab. Bei Joghurt und Quark geschieht das nur zum kleinen Teil. Die Übersicht zeigt gerundete Richtwerte aus gängigen Nährwerttabellen und wie wir die Produkte für eine gesunde erwachsene Katze einschätzen.

ProduktLaktose je 100 gEinschätzung
Kuhmilch, H-Milch, Ziegenmilchetwa 4–5 gnicht geben; viele Katzen bekommen Durchfall
Buttermilchetwa 3,5–4 gkein Vorteil gegenüber Milch
Kondensmilchetwa 10–12 gtabu, gezuckerte Sorten erst recht
Naturjoghurtetwa 3–4 gein Teelöffel ab und zu
Quark naturetwa 2–4 gein Teelöffel ab und zu
Sahne, saure Sahneetwa 3 gsehr fett, höchstens zum Ablecken
Butterunter 1 gkaum Laktose, aber fast reines Fett
Alter Hartkäse ohne Rindepraktisch keineerbsengroß, selten; salzig

Laktosefreie Produkte aus dem Kühlregal enthalten nach deutscher Praxis weniger als 0,1 g Laktose je 100 g; dort wurde der Milchzucker mit zugesetztem Enzym gespalten. Das löst das Verdauungsproblem, nicht aber die Frage nach Fett und Kalorien. Katzenmilch aus dem Handel ist ebenfalls laktosereduziert und als Leckerli gedacht, nicht als Getränk – mehr im Beitrag Katzenmilch.

Fett und Kalorien: das unterschätzte zweite Problem

Wer nur auf die Laktose schaut, übersieht die Energie. Eine kastrierte Wohnungskatze mit 4 kg braucht nach den Richtwerten der europäischen Heimtierfutterindustrie (FEDIAF) nur etwa 130 bis 190 kcal am Tag. Ein Teelöffel Butter (rund 5 g) bringt es auf knapp 40 kcal, ein Esslöffel Schlagsahne auf etwa 45 kcal, ein Schälchen mit 50 ml Vollmilch auf gut 30 kcal. Gemessen an einer Katze sind das keine Kleinigkeiten, sondern ein Fünftel bis ein Viertel der Tagesration.

Übergewicht ist das häufigste Ernährungsproblem bei Katzen und begünstigt Diabetes, Gelenkbeschwerden und eine kürzere Lebenserwartung. Eine verbreitete tierärztliche Faustregel lautet deshalb, dass alle Leckerlis zusammen höchstens etwa zehn Prozent der Tagesenergie liefern sollten. Wie viel Ihre Katze insgesamt braucht, schätzt der Futterrechner ab; wie sich Leckerlis einplanen lassen, steht unter Leckerlis für Katzen.

Fettreiche Happen wie Butter und Sahne können außerdem Erbrechen und Durchfall auslösen, besonders bei Katzen mit empfindlichem Darm. Bei Hunden gelten sehr fette Mahlzeiten als typischer Auslöser einer Bauchspeicheldrüsenentzündung; bei Katzen ist dieser Zusammenhang weniger klar, Zurückhaltung schadet trotzdem nicht.

Was Milchprodukte der Katze bieten – und was nicht

Milch, Quark und Käse liefern hochwertiges Eiweiß, Kalzium und Phosphor. Für den Menschen ist das ein Argument, für eine Katze kaum: Ein Alleinfuttermittel enthält bereits alle Nährstoffe im passenden Verhältnis, zusätzliches Kalzium und Phosphor braucht eine gesund ernährte Katze nicht. Was Katzen als obligate Fleischfresser wirklich brauchen – Taurin, Arachidonsäure, vorgebildetes Vitamin A –, liefert Milch nur in Spuren. Warum das so ist, erklärt der Beitrag Nährstoffbedarf der Katze.

Milcheiweiß kann auch eine Futtermittelallergie auslösen. Häufiger sind bei Katzen zwar Rind, Fisch und Huhn, doch wer eine Ausschlussdiät macht, lässt Milchprodukte vollständig weg – sonst ist das Ergebnis wertlos. Mehr dazu unter Futtermittelallergie bei Katzen.

Und warum ist die Katze dann so versessen auf Milch und Sahne? Sie riechen nach Fett und Eiweiß, und darauf sprechen Fleischfresser stark an. Süß schmecken Katzen übrigens gar nicht: Ihnen fehlt ein funktionierender Rezeptor dafür.

Was nie in den Napf gehört

Das Milchprodukt selbst ist oft das kleinere Problem, gefährlich sind die Zutaten:

  • Schokolade, Kakao, Kaffee: Pudding, Schokomilch, Tiramisu, Kaffeejoghurt – Theobromin und Koffein sind für Katzen giftig. Mehr unter Dürfen Katzen Schokolade essen?
  • Zwiebeln, Knoblauch, Schnittlauch: Kräuterquark, Tzatziki, Kräuterbutter, Dips. Lauchgewächse schädigen die roten Blutkörperchen, auch in kleinen Mengen und gekocht.
  • Trauben und Rosinen: Fruchtquark, Müslijoghurt, Quarkkuchen mit Rosinen. Bei Hunden verursachen sie Nierenversagen; bei Katzen ist die Datenlage schwächer, Vorsicht ist trotzdem geboten.
  • Zucker und Süßstoffe: Vanillequark, Eis, Milchreis, Desserts. Zucker liefert nur leere Kalorien; Xylit ist für Hunde hochgiftig, bei Katzen schlecht untersucht.
  • Salz und Gewürze: Feta in Lake, Parmesan, gesalzene Butter in größeren Mengen.

Einen Überblick über alles Gefährliche finden Sie unter Giftige Lebensmittel für Katzen, einzelne Lebensmittel schlagen Sie im Lebensmittel-Lexikon nach.

So geben Sie Milchprodukte, wenn überhaupt

  1. Pur wählen. Naturjoghurt, Quark natur, alter Hartkäse ohne Rinde – ohne Zucker, Frucht, Kräuter oder Gewürze.
  2. Laktosefrei bevorzugen. Wo es die Wahl gibt, ist die laktosefreie Variante die verträglichere.
  3. Klein bleiben. Ein Teelöffel Joghurt oder Quark, ein erbsengroßes Stück Käse. Mehr bringt der Katze nichts.
  4. Selten geben. Ein- bis zweimal pro Woche genügt, nicht täglich und nicht als Ritual.
  5. Erst testen. Beim ersten Mal eine halbe Portion geben und die Katze einen Tag lang beobachten.
  6. Anrechnen. Wer regelmäßig etwas gibt, zieht die Energie von der Futterration ab.

Welche Katzen besser ganz verzichten

Keine Milchprodukte ohne Rücksprache mit dem Tierarzt bekommen Katzen mit Niereninsuffizienz, denn Milchprodukte sind phosphorreich und nierenkranke Katzen brauchen eine phosphatreduzierte Diät. Dasselbe gilt für Katzen mit Harnsteindiät, mit Diabetes, mit Übergewicht, mit chronischem Durchfall oder einer Futtermittelallergie sowie für Katzen, die ein Diätfuttermittel bekommen: Jedes Extra kann dessen Wirkung schmälern.

Katzenwelpen brauchen ein vollwertiges Kittenfutter und Wasser, sonst nichts. Verwaiste Kätzchen bekommen eine spezielle Aufzuchtmilch für Katzen, niemals Kuhmilch – und wer mutterlose Kätzchen findet, wendet sich sofort an eine Tierarztpraxis oder ein Tierheim.

Wenn die Katze Milch nicht verträgt

Eine Unverträglichkeit zeigt sich meist innerhalb von 8 bis 24 Stunden mit weichem Kot, Durchfall, Blähungen oder Erbrechen. Klingen die Beschwerden innerhalb eines Tages ab und ist die Katze munter, genügt es, das Milchprodukt künftig wegzulassen und Wasser anzubieten.

Zum Tierarzt sollte Ihre Katze, wenn der Durchfall länger als ein bis zwei Tage anhält, Blut im Kot ist, sie mehrmals am Tag erbricht, matt wirkt oder länger als 24 Stunden nichts frisst – bei Katzenwelpen, alten und vorerkrankten Tieren früher, weil sie schneller austrocknen. Hat die Katze etwas mit Schokolade, Knoblauch, Zwiebeln oder Rosinen erwischt, rufen Sie sofort die Praxis oder den tierärztlichen Notdienst an, auch wenn sie noch unauffällig ist. Lösen Sie dabei kein Erbrechen aus.

Die klare Empfehlung: Milchprodukte braucht keine Katze. Wer seiner Katze eine Freude machen will, bleibt bei einem Teelöffel Naturjoghurt oder Quark, einem Stückchen altem Hartkäse oder einem Leckerli, das für Katzen gemacht ist – selten, klein und pur. Zum Trinken gibt es Wasser.

Häufige Fragen

Welches Milchprodukt vertragen Katzen am besten?

Lang gereifter Hartkäse und Butter enthalten kaum Laktose, sind aber salzig bzw. fast reines Fett. Laktosefreier Naturjoghurt oder laktosefreier Quark ist der beste Kompromiss aus Verträglichkeit und Energie. In allen Fällen gilt: teelöffelweise und nicht täglich.

Dürfen Katzen Eis essen?

Besser nicht. Speiseeis enthält Laktose, viel Zucker und Fett, oft auch Schokolade oder Früchte. Ein einmal abgeleckter Löffel Vanilleeis ist für eine gesunde Katze kein Notfall, Schokoladeneis ist dagegen wegen Theobromin gefährlich.

Ist Ziegenmilch besser als Kuhmilch?

Nein. Ziegenmilch enthält ähnlich viel Laktose wie Kuhmilch und wird deshalb nicht besser vertragen. Für verwaiste Kätzchen ist sie ebenso wenig geeignet wie Kuhmilch; sie brauchen Aufzuchtmilch für Katzen.

Sind Eier auch ein Milchprodukt?

Nein, Eier gehören nicht dazu und enthalten keine Laktose. Gekocht sind sie für Katzen ein gutes Leckerli, roh bergen sie Risiken. Mehr dazu unter Dürfen Katzen Eier essen?