Futtermittelallergie bei Katzen: Ausschlussdiät und Monoprotein

Inhalt9 Abschnitte
- Woran Sie eine Futtermittelallergie erkennen
- Was sonst dahinterstecken kann
- Warum Bluttests nicht weiterhelfen
- Die Ausschlussdiät Schritt für Schritt
- Monoprotein aus dem Handel: die versteckte Falle
- Jeder Bissen zählt
- Häufigste Auslöser und die Sache mit dem Getreide
- Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss
- Häufige Fragen
Eine Futtermittelallergie zeigt sich bei Katzen vor allem durch Juckreiz an Kopf, Hals und Ohren, manchmal auch durch Erbrechen oder Durchfall. Nachweisen lässt sie sich nur auf eine Weise: mit einer strengen Ausschlussdiät über mindestens acht Wochen, bei der die Katze ein Futter bekommt, auf das sie nicht reagieren kann, und einem anschließenden Provokationstest mit dem alten Futter. Bluttests, Haar- oder Speicheltests helfen dabei nicht. Die Diät ist anstrengend, lohnt sich aber, denn eine bestätigte Futtermittelallergie lässt sich mit dem richtigen Futter meist gut in den Griff bekommen.
Woran Sie eine Futtermittelallergie erkennen
- Juckreiz, besonders an Kopf, Gesicht, Hals und Ohren, das ganze Jahr über und nicht nur im Sommer.
- Kratzwunden und Krusten an Kopf und Hals, oft durch die Hinterpfoten verursacht.
- Kleine, krustige Knötchen am Rücken, die man eher fühlt als sieht (miliare Dermatitis).
- Kahle Stellen an Bauch, Innenschenkeln oder Flanken, weil die Katze sich übermäßig beleckt – mehr dazu unter Katze leckt sich kahl.
- Magen-Darm-Beschwerden bei einem Teil der Katzen: häufiger Kotabsatz, weicher Kot, Durchfall, Erbrechen.
Eine Allergie kann sich gegen ein Futter entwickeln, das die Katze seit Jahren problemlos frisst. „Sie frisst das doch schon immer“ schließt eine Futtermittelallergie also nicht aus.
Von der Allergie zu unterscheiden ist die Futtermittelunverträglichkeit, bei der das Immunsystem nicht beteiligt ist. Sie betrifft eher den Darm. Für die Diagnose macht das wenig Unterschied: In beiden Fällen hilft die Ausschlussdiät weiter.
Was sonst dahinterstecken kann
Juckreiz hat bei Katzen viele Ursachen, und die Futtermittelallergie ist nicht die häufigste. Bevor eine aufwendige Diät beginnt, sollte der Tierarzt diese Ursachen prüfen oder behandeln:
- Flohspeichelallergie, die häufigste Allergie der Katze. Ein einziger Flohbiss genügt. Deshalb gehört ein konsequenter Flohschutz immer dazu, siehe Katzenflöhe erkennen und loswerden.
- Umweltallergien gegen Pollen, Hausstaub- oder Vorratsmilben, siehe Pollenallergie bei Katzen.
- Parasiten wie Ohr- oder Haarbalgmilben, Hautpilz und bakterielle Hautinfektionen.
- Stress, der zu übermäßigem Putzen führen kann.
Mehrere Ursachen können zusammenkommen, etwa eine Futtermittel- und eine Flohallergie.
Warum Bluttests nicht weiterhelfen
Im Internet und in manchen Praxen werden Bluttests auf Futterallergene angeboten, dazu Haar- und Speicheltests oder Bioresonanz. Nach den Übersichtsarbeiten der Dermatologen Thierry Olivry und Ralf Mueller kann kein handelsüblicher Labortest eine Futtermittelallergie bei Hund und Katze zuverlässig nachweisen. Die Ergebnisse sind schlecht reproduzierbar und führen oft zu falschen Schlüssen. In einer Studie an Hunden lieferten Haar- und Speicheltests sogar für eingeschickte Kunstfellproben und Wasser „Allergie“-Ergebnisse. Sparen Sie sich das Geld und investieren Sie es in eine gute Diät.
Die Ausschlussdiät Schritt für Schritt
- Futtergeschichte aufschreiben. Notieren Sie alles, was die Katze je gefressen hat: Sorten, Leckerlis, Tischreste. Daraus ergibt sich, welche Eiweißquellen „verbraucht“ sind.
- Diätfutter wählen. Infrage kommen ein hydrolysiertes Futter, dessen Eiweiß so klein gespalten ist, dass das Immunsystem es kaum erkennt, oder ein Futter mit einer einzigen neuen Eiweißquelle, die die Katze noch nie bekommen hat, etwa Pferd, Kaninchen, Ziege oder Insekten. Welche Quelle noch „neu“ ist, hängt von der Futtergeschichte ab.
- Acht Wochen lang nur dieses Futter. Nach den Übersichtsarbeiten von Olivry und Mueller sind nach sechs Wochen mehr als 80 Prozent und nach acht Wochen mehr als 90 Prozent der Katzen mit Futtermittelallergie beschwerdefrei. Wer zu früh aufhört, verpasst die Diagnose.
- Flohschutz weiterführen. Sonst bleibt unklar, ob der Juckreiz vom Futter oder von Flöhen kommt.
- Provokation. Geht es der Katze deutlich besser, bekommt sie wieder ihr altes Futter. Nach der Auswertung von Olivry und Mueller zeigen mehr als 90 Prozent der futterallergischen Katzen innerhalb von sieben Tagen wieder Beschwerden, fast alle innerhalb von zwei Wochen. Erst dann ist die Diagnose gesichert.
- Einzeln testen. Danach lassen sich einzelne Zutaten nacheinander prüfen, um herauszufinden, was die Katze verträgt.
Zu Beginn der Diät kann der Tierarzt den Juckreiz kurzzeitig mit Medikamenten lindern. Das ist sinnvoll, damit die Katze sich nicht wund kratzt; die Medikamente werden aber rechtzeitig vor der Beurteilung abgesetzt.
Monoprotein aus dem Handel: die versteckte Falle
Viele Futter mit der Aufschrift „Monoprotein“ oder „nur eine Fleischsorte“ eignen sich schlecht für eine Ausschlussdiät. Olivry und Mueller werteten Studien aus, nach denen bis zu 83 Prozent der untersuchten Tierfutter Bestandteile enthielten, die nicht auf dem Etikett standen, meist zusätzliche Tierarten. Für eine gesunde Katze ist das unerheblich, für eine Diagnose ist es fatal. Für die Ausschlussdiät empfehlen Tierärzte deshalb Diätfuttermittel, die unter kontrollierten Bedingungen hergestellt werden. Die EU-Verordnung 2020/354 nennt sie Futter „zur Minderung von Ausgangserzeugnis- und Nährstoffintoleranzerscheinungen“, mit einer empfohlenen Dauer von drei bis acht Wochen und, wenn die Beschwerden abklingen, bis zu einem Jahr.
Selbst gekochtes Futter mit einer einzigen Fleischsorte ist eine weitere Möglichkeit, weil man genau weiß, was drin ist. Für die Dauer der Diät muss es aber tierärztlich berechnet und ergänzt werden, sonst fehlen Taurin, Kalzium und Vitamine. Mehr dazu unter Katzenfutter selber kochen.
Jeder Bissen zählt
Die meisten Ausschlussdiäten scheitern nicht am Futter, sondern an Kleinigkeiten:
- Leckerlis, Katzenmilch, Schleckcremes und Tischreste
- Futter anderer Katzen oder des Hundes im Haushalt
- Beutetiere und Futter bei Nachbarn, wenn die Katze Freigang hat
- Tabletten mit Geschmack, Tablettenpasten, aromatisierte Zahnpasta
Füttern Sie in Mehrkatzenhaushalten am besten alle Katzen mit dem Diätfutter, zumindest aber getrennt. Freigänger sollten für die acht Wochen möglichst drinnen bleiben. Als Belohnung dienen Bröckchen desselben Diätfutters.
Häufigste Auslöser und die Sache mit dem Getreide
Nach einer Übersichtsarbeit von Mueller, Olivry und Prélaud reagieren futterallergische Katzen am häufigsten auf Rind, Fisch und Huhn, seltener auf Milchprodukte, Getreide oder Lamm. Getreidefreies Futter ist deshalb kein Allergikerfutter; es enthält oft genau die häufigen Fleischsorten. Mehr dazu unter Katzenfutter ohne Getreide.
Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss
Mit Juckreiz sollten Sie in den nächsten Tagen einen Termin machen, bevor eine Diät beginnt. Rasch in die Praxis gehört Ihre Katze, wenn sie sich offene, nässende Wunden kratzt, das Gesicht anschwillt, sie mehrmals am Tag erbricht, blutigen Durchfall hat oder länger als 24 Stunden nichts frisst. Die Empfehlung lautet: erst Flöhe und andere Ursachen ausschließen, dann eine konsequente Ausschlussdiät über acht Wochen mit tierärztlicher Begleitung – und auf Bluttests verzichten.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis eine Katze auf das neue Futter reagiert?
Manche Katzen sind nach wenigen Wochen beschwerdefrei, bei anderen dauert es bis zu acht Wochen. Magen-Darm-Beschwerden bessern sich oft schneller als der Juckreiz.
Muss meine Katze das Diätfutter für immer fressen?
Nicht unbedingt. Mit schrittweisen Provokationstests lässt sich herausfinden, welche Eiweißquellen die Katze verträgt. Dann kann sie ein normales Alleinfutter ohne die Auslöser bekommen. Viele Halter bleiben aber beim bewährten Diätfutter.
Kann eine Katze plötzlich eine Futtermittelallergie bekommen?
Ja, eine Allergie entsteht oft gegen ein Futter, das die Katze schon lange frisst. Sie kann in jedem Alter auftreten.
Hilft ein häufiger Futterwechsel gegen Allergien?
Nein. Ständig wechselnde Sorten machen eine spätere Ausschlussdiät schwerer, weil kaum noch „neue“ Eiweißquellen übrig bleiben. Wählen Sie lieber ein gutes Alleinfutter und bleiben Sie dabei, solange die Katze es gut verträgt.



