Zum Inhalt springen
katzenwelt

Nährstoffbedarf der Katze: Eiweiß, Taurin, Vitamine

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Eine getigerte Katze mit weißem Bauch frisst auf einer Straße ein Stück Fleisch
Katzen sind obligate Fleischfresser – einige Nährstoffe liefert nur tierisches Gewebe
Inhalt9 Abschnitte
  1. Warum die Katze ein obligater Fleischfresser ist
  2. Eiweiß: der wichtigste Baustein
  3. Taurin: lebensnotwendig für Herz und Augen
  4. Fette und Arachidonsäure
  5. Vitamine: Katzen können weniger selbst herstellen
  6. Mineralstoffe: das Verhältnis zählt
  7. Kohlenhydrate, Ballaststoffe und Wasser
  8. Die wichtigsten Werte auf einen Blick
  9. Häufige Fragen

Katzen brauchen viel tierisches Eiweiß, dazu Taurin, Arachidonsäure, vorgebildetes Vitamin A, Niacin und Vitamin D aus der Nahrung – Stoffe, die andere Tiere teilweise selbst herstellen. Kohlenhydrate braucht eine Katze dagegen nicht zwingend. Ein gutes Alleinfuttermittel ist so zusammengesetzt, dass es diesen Bedarf deckt. Wer selbst kocht oder rohes Fleisch füttert, muss ihn dagegen genau kennen.

Warum die Katze ein obligater Fleischfresser ist

Hund und Mensch sind Allesfresser, die Katze ist ein reiner Beutegreifer. Über Jahrtausende bestand ihr Futter aus Mäusen, Vögeln und Insekten – viel Eiweiß, mittlerer Fettgehalt, kaum Kohlenhydrate. Ihr Stoffwechsel hat sich darauf eingestellt und dabei einige Fähigkeiten verloren, die sie bei dieser Kost nie brauchte. Das MSD Veterinary Manual zählt Taurin, Arginin, Arachidonsäure, Vitamin A und Vitamin D zu den Nährstoffen, deren Bedarf eine Katze nur mit tierischem Gewebe sicher decken kann.

Deshalb ist eine vegetarische oder vegane Ernährung für Katzen nicht zu empfehlen, siehe Vegetarisch oder vegan für Katzen?. Welche Grundregeln daraus für den Alltag folgen, fasst Artgerechte Katzennahrung zusammen.

Eiweiß: der wichtigste Baustein

Katzen verbrennen Eiweiß nicht nur für den Aufbau von Muskeln und Gewebe, sondern auch als Energiequelle. Ihre Leber stellt ständig Traubenzucker aus Eiweißbausteinen her und kann diesen Weg auch dann kaum drosseln, wenn wenig Eiweiß im Futter ist. Eine Katze baut bei zu eiweißarmer Kost deshalb schnell eigene Muskelmasse ab.

Die FEDIAF, der europäische Heimtierfutterverband, empfiehlt für Alleinfutter erwachsener Katzen mindestens 25 g Rohprotein je 100 g Trockenmasse, für wenig aktive, kastrierte Katzen mindestens 33,3 g. Für Wachstum und Fortpflanzung gelten 28 bzw. 30 g. Der höhere Wert für ruhige Katzen ist kein Druckfehler: Sie fressen weniger, also muss jedes Gramm mehr Nährstoffe enthalten.

Unter den Eiweißbausteinen ist Arginin besonders heikel. Katzen brauchen es, um Ammoniak zu entgiften. Nach dem MSD Veterinary Manual entwickeln Katzen bei argininfreiem Futter eine schwere Ammoniakvergiftung, die tödlich verlaufen kann. In Fleisch ist genug Arginin enthalten; ein Problem wird es nur bei selbst zusammengestellten Rationen mit Fehlern.

Taurin: lebensnotwendig für Herz und Augen

Taurin ist eine Aminosulfonsäure, die Katzen zum Aufschließen von Gallensäuren verbrauchen. Anders als Hunde können sie Taurin nur in sehr geringen Mengen selbst bilden. Ein Mangel führt nach den FEDIAF-Leitlinien zu einer Netzhautdegeneration bis zur Erblindung, zu einer Erweiterung des Herzmuskels (dilatative Kardiomyopathie) und zu Fortpflanzungsstörungen.

Ende der 1980er-Jahre erkrankten viele Katzen, obwohl ihr Fertigfutter nach damaligem Wissen genug Taurin enthielt. Später stellte sich heraus, dass Hitzebehandlung in der Dose den Taurinabbau im Darm verstärkt. Deshalb empfiehlt die FEDIAF für Nassfutter etwa doppelt so viel Taurin wie für Trockenfutter: mindestens 0,20 g je 100 g Trockenmasse im Nassfutter und 0,10 g im Trockenfutter (bei ruhigen Katzen 0,27 bzw. 0,13 g). Muskelfleisch, besonders Herz, enthält viel Taurin; beim Kochen geht ein Teil ins Kochwasser über.

Fette und Arachidonsäure

Fett liefert Energie und fettlösliche Vitamine und macht Futter schmackhaft. Die FEDIAF nennt mindestens 9 g Fett je 100 g Trockenmasse. Wichtig ist die Zusammensetzung: Katzen brauchen Linolsäure und zusätzlich Arachidonsäure, eine Omega-6-Fettsäure, die sie aus Linolsäure kaum selbst bilden können. Arachidonsäure steckt nur in tierischem Fett. Omega-3-Fettsäuren aus Fisch sind vor allem im Wachstum wichtig; wer sie zufüttert, sollte an genug Vitamin E denken.

Vitamine: Katzen können weniger selbst herstellen

  • Vitamin A: Katzen können Beta-Carotin aus Pflanzen nicht in Vitamin A umwandeln. Sie brauchen vorgebildetes Vitamin A, wie es in Leber vorkommt. Zu viel Leber kann umgekehrt zu einer Vitamin-A-Vergiftung führen.
  • Vitamin D: Katzen bilden in der Haut kaum Vitamin D und sind auf die Nahrung angewiesen.
  • Niacin: Katzen können dieses B-Vitamin nicht wie andere Tiere aus der Aminosäure Tryptophan herstellen und haben einen hohen Bedarf.
  • Vitamin B1 (Thiamin): Roher Fisch mancher Arten enthält das Enzym Thiaminase, das Vitamin B1 zerstört. Ein Mangel zeigt sich an Nervenstörungen.
  • Vitamin E: Der Bedarf steigt mit der Menge an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, also bei viel Fisch.

Mineralstoffe: das Verhältnis zählt

Kalzium und Phosphor müssen nicht nur in ausreichender Menge, sondern auch im richtigen Verhältnis im Futter sein. Die FEDIAF empfiehlt für erwachsene Katzen mindestens ein Verhältnis von 1 : 1 und höchstens 2 : 1. Reines Muskelfleisch enthält viel Phosphor und kaum Kalzium. Wer Katzen längere Zeit nur mit Fleisch ohne Knochen oder Kalziumzusatz füttert, riskiert eine Knochenentkalkung, die besonders bei Kitten zu Verformungen und Brüchen führt. Deshalb braucht selbst gekochtes Futter immer einen Plan und Mineralstoffzusätze, siehe Katzenfutter selber kochen.

Kohlenhydrate, Ballaststoffe und Wasser

Einen Mindestbedarf an Kohlenhydraten haben Katzen nicht, weil sie ihren Traubenzucker selbst aus Eiweiß herstellen. Gekochte Stärke können sie trotzdem verdauen; in Trockenfutter wird sie für die Form der Brocken gebraucht. Viel Zucker braucht dagegen keine Katze. Ballaststoffe in kleinen Mengen unterstützen die Verdauung und helfen gegen Haarballen.

Wasser ist der Nährstoff, der am schnellsten fehlt. Als grobe Faustregel braucht eine Katze täglich etwa so viele Milliliter Wasser, wie sie Kilokalorien zu sich nimmt – aus Futter und Napf zusammen. Wie stark die Futterart dabei hilft, beschreibt Nassfutter oder Trockenfutter?.

Die wichtigsten Werte auf einen Blick

Die folgenden Mindestwerte stammen aus den Nährstoff-Leitlinien der FEDIAF für Alleinfutter erwachsener Katzen (Tabelle III-4a). Sie gelten je 100 g Trockenmasse; der erste Wert für Katzen mit normalem Energiebedarf, der zweite für ruhige oder kastrierte Katzen.

NährstoffWozuMindestens je 100 g Trockenmasse
RohproteinMuskeln, Enzyme, Energie25 g / 33,3 g
Taurin (Nassfutter)Herz, Netzhaut, Fortpflanzung0,20 g / 0,27 g
Taurin (Trockenfutter)wie oben0,10 g / 0,13 g
FettEnergie, fettlösliche Vitamine9 g / 9 g
ArachidonsäureHaut, Blutgerinnung, Fortpflanzung6 mg / 8 mg
KalziumKnochen, Zähne0,40 g / 0,53 g
Vitamin ASehen, Haut, Immunsystem333 IE / 444 IE

Für den Alltag heißt das: Ein Alleinfuttermittel, das nach diesen Leitlinien hergestellt ist, deckt den Bedarf einer gesunden Katze vollständig. Nahrungsergänzungen sind dann überflüssig und können bei Vitamin A oder D sogar schaden. Wie Sie am Etikett erkennen, was ein Futter enthält, zeigt Katzenfutter-Etikett lesen. Bei kranken, sehr alten oder säugenden Katzen verändert sich der Bedarf; das bespricht man mit dem Tierarzt.

Häufige Fragen

Braucht meine Katze zusätzlich Taurin?

Nein, wenn sie ein Alleinfuttermittel bekommt. Dem ist Taurin in ausreichender Menge zugesetzt. Zusätzliches Taurin brauchen nur Katzen mit selbst zusammengestellter Ration nach Plan oder mit einer tierärztlich festgestellten Herzerkrankung.

Sind Kohlenhydrate im Katzenfutter schädlich?

Nicht grundsätzlich. Katzen verdauen gekochte Stärke, brauchen sie aber nicht. Problematisch sind große Mengen, vor allem bei übergewichtigen Katzen und bei Diabetes, und zugesetzter Zucker, der nur der Optik oder dem Geschmack dient.

Brauchen ältere Katzen weniger Eiweiß?

Gesunde ältere Katzen brauchen eher mehr gut verdauliches Eiweiß, weil sie Muskelmasse verlieren und Nährstoffe schlechter verwerten. Eine Eiweißbeschränkung ist nur bei bestimmten Erkrankungen wie einer fortgeschrittenen Niereninsuffizienz sinnvoll, und dann nach tierärztlicher Diagnose.

Kann ich den Bedarf mit Fleisch vom Metzger decken?

Nicht mit Fleisch allein. Muskelfleisch liefert Eiweiß und Taurin, aber zu wenig Kalzium, Vitamin A, Vitamin D und einige Spurenelemente. Wer selbst füttert, braucht einen berechneten Plan, am besten von einer tiermedizinischen Ernährungsberatung.