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katzenwelt

Katzenfutter richtig auswählen: Worauf es ankommt

Christoph · 7 Min. Lesezeit

Getigerte Katze frisst aus einem Keramiknapf, daneben ein Wassernapf
Futter und frisches Wasser gehören nebeneinander – welches Futter in den Napf kommt, entscheidet das Etikett
Inhalt11 Abschnitte
  1. Warum Katzen besonderes Futter brauchen
  2. Kriterium 1: Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel
  3. Kriterium 2: passend zum Lebensabschnitt
  4. Kriterium 3: die Zusammensetzung
  5. Kriterium 4: die Analysewerte
  6. Nassfutter, Trockenfutter oder beides?
  7. Werbeaussagen richtig einordnen
  8. Diätfutter nur mit Diagnose
  9. Die richtige Menge und der Wechsel
  10. So gehen Sie beim Kauf vor
  11. Häufige Fragen

Gutes Katzenfutter ist ein Alleinfuttermittel, das zum Alter und Zustand Ihrer Katze passt, reichlich tierisches Eiweiß liefert und von der Katze gern gefressen wird. Ob es teuer ist, in der Dose oder im Beutel steckt, mit „Premium“ oder „natürlich“ wirbt, ist zweitrangig. Was zählt, steht auf der Rückseite der Packung – und dieser Artikel zeigt, in welcher Reihenfolge Sie die Angaben prüfen.

Warum Katzen besonderes Futter brauchen

Katzen sind obligate Fleischfresser. Sie brauchen Nährstoffe, die fast nur in tierischem Gewebe vorkommen oder die sie nicht selbst herstellen können: die Aminosäure Taurin, die Fettsäure Arachidonsäure, fertiges Vitamin A (Katzen können es nicht aus Beta-Carotin bilden) und viel Eiweiß, das sie auch zur Energiegewinnung nutzen. Das MSD Veterinary Manual begründet genau damit die Einordnung als obligater Fleischfresser. Fehlt Taurin, drohen eine Herzmuskelerkrankung und Netzhautschäden, die zur Erblindung führen können.

Deshalb ist Hundefutter für Katzen auf Dauer ungeeignet, und eine vegane Ernährung ist es auch. Mehr dazu unter Nährstoffbedarf der Katze und Vegetarisch oder vegan für Katzen?.

Kriterium 1: Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel

Die wichtigste Angabe steht oft klein gedruckt: die Futtermittelart. Nach der EU-Verordnung 767/2009 (Artikel 3) ist ein Alleinfuttermittel so zusammengesetzt, dass es für die tägliche Ration ausreicht. Ein Ergänzungsfuttermittel reicht dagegen nur zusammen mit anderen Futtermitteln aus. Die Angabe ist Pflicht (Artikel 15 der Verordnung), Sie finden sie also auf jeder Packung.

Viele Schälchen mit „Filet in Gelee“ oder „Thunfisch pur“ sind Ergänzungsfutter. Das ist kein Mangel, solange Sie es wissen: Als Beigabe sind solche Produkte in Ordnung, als alleinige Nahrung fehlen ihnen Vitamine, Mineralstoffe und oft Taurin. Wer seine Katze wochenlang nur mit Ergänzungsfutter füttert, riskiert Mangelerscheinungen, die man erst spät bemerkt.

Kriterium 2: passend zum Lebensabschnitt

Kitten brauchen im Verhältnis zum Körpergewicht mehr Energie, Eiweiß und Mineralstoffe als erwachsene Katzen. Ein Alleinfutter „für alle Lebensphasen“ oder ausdrücklich für Kitten deckt diesen Bedarf; ein Futter nur für erwachsene Katzen nicht unbedingt. Details stehen unter Kittenfutter.

Bei älteren Katzen gibt es keinen festen Stichtag für ein „Senior“-Futter. Entscheidend sind Gewicht, Zähne und Blutwerte. Manche Katzen werden im Alter dünner, andere setzen an. Worauf es dann ankommt, lesen Sie unter Futter für ältere Katzen. Nach der Kastration sinkt der Energiebedarf spürbar; viele Katzen nehmen zu, wenn die Portion gleich bleibt.

Kriterium 3: die Zusammensetzung

Unter der Überschrift „Zusammensetzung“ stehen die Zutaten nach Gewicht absteigend geordnet (Artikel 17 der Verordnung 767/2009). Bei Katzenfutter sollte eine tierische Zutat oder die Kategorie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ an erster Stelle stehen.

Zwei Dinge sollten Sie dabei wissen. Erstens darf Heimtierfutter statt einzelner Zutaten auch Sammelbegriffe nennen, sogenannte Kategorien. Dann steht dort zum Beispiel „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, Getreide, Mineralstoffe“, ohne dass Sie erfahren, welche Teile genau drin sind. Zweitens wird nach dem Gewicht beim Mischen gezählt, einschließlich Wasser. Frisches Fleisch rutscht deshalb leicht nach vorn, obwohl es zu drei Vierteln aus Wasser besteht.

Wie Sie die Zusammensetzung Schritt für Schritt lesen, erklärt Katzenfutter-Etikett lesen. Was hinter den Prozentangaben steckt, steht unter Fleischanteil im Katzenfutter.

Kriterium 4: die Analysewerte

Unter „Analytische Bestandteile“ muss ein Katzenfutter Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche angeben (Anhang VII der Verordnung 767/2009), bei feuchtem Futter außerdem den Feuchtegehalt. Direkt vergleichen lassen sich diese Werte nur, wenn Sie sie auf die Trockenmasse umrechnen. Ein Nassfutter mit 11 % Rohprotein und 80 % Feuchtigkeit enthält in der Trockenmasse 55 % Protein – mehr als ein Trockenfutter mit 32 % Rohprotein.

Die FEDIAF, der europäische Verband der Heimtierfutterhersteller, gibt in ihren Nährstoff-Leitlinien für erwachsene Katzen einen Mindestgehalt an Protein von 25 bis gut 33 g je 100 g Trockenmasse an, je nachdem, wie viel die Katze frisst. Gute Futter liegen meist deutlich darüber. Die Kohlenhydrate stehen nicht auf dem Etikett, lassen sich aber aus den übrigen Werten schätzen – wie das geht, steht im Etikett-Artikel.

Nassfutter, Trockenfutter oder beides?

Beides kann ein vollwertiges Alleinfutter sein. Die Unterschiede liegen woanders:

NassfutterTrockenfutter
Wassergehaltmeist 60 % und mehrhöchstens 14 %
Energie je Grammniedrig, große Portionenhoch, kleine Portionen
Kohlenhydrateoft wenigmeist mehr (Stärke ist für die Herstellung nötig)
Haltbarkeit offengekühlt etwa ein bis zwei Tageverschlossen mehrere Wochen
Achtung beiKatzen, die offenes Futter lange stehen lassenÜbergewicht, wenig trinkenden Katzen

Katzen trinken von Natur aus wenig, weil ihre Beutetiere viel Wasser enthalten. Nassfutter kommt dem nahe und hilft besonders bei Katzen mit Neigung zu Harnsteinen oder Nierenproblemen. Trockenfutter ist praktisch, aber wegen der hohen Energiedichte schnell überfüttert – ein paar Bröckchen zu viel am Tag summieren sich über Monate. Ausführlich vergleicht beides der Artikel Nassfutter oder Trockenfutter für Katzen?.

Werbeaussagen richtig einordnen

Die Vorderseite der Packung ist Werbung, die Rückseite ist Pflichtangabe. Nach Artikel 11 der Verordnung 767/2009 darf die Kennzeichnung nicht irreführen, etwa indem sie Eigenschaften hervorhebt, die alle vergleichbaren Futter ohnehin haben. „Mit Taurin“ ist bei einem Katzen-Alleinfutter eine Selbstverständlichkeit. Futter darf außerdem nicht versprechen, Krankheiten zu verhindern oder zu heilen (Artikel 13).

Begriffe wie „getreidefrei“, „ohne Zucker“ oder „ohne tierische Nebenerzeugnisse“ klingen nach Qualität, sagen aber für sich genommen wenig. Warum, erklären die Artikel Katzenfutter ohne Getreide, Zucker und Zusatzstoffe im Katzenfutter und Tierische Nebenerzeugnisse im Katzenfutter. Auch der Preis ist kein verlässlicher Maßstab: Teures Futter kann schlecht zur Katze passen, günstiges kann solide sein.

Diätfutter nur mit Diagnose

Für kranke Katzen gibt es Diätfuttermittel, etwa bei Nierenerkrankungen, Harnsteinen oder Futtermittelallergien. Nur solche Futter dürfen das Wort „Diät“ tragen (Artikel 18 der Verordnung 767/2009), und auf dem Etikett steht, dass vor der Verwendung der Tierarzt gefragt werden sollte. Setzen Sie Diätfutter nicht auf Verdacht ein: Ein Nierenfutter mit wenig Eiweiß und Phosphor ist für eine gesunde junge Katze ungeeignet, und ein Harnsteinfutter löst nur bestimmte Steinarten auf. Die passende Diät gehört zur Behandlung, ersetzt sie aber nicht.

Die richtige Menge und der Wechsel

Die Fütterungsempfehlung auf der Packung ist ein Startwert. Nach den FEDIAF-Leitlinien braucht eine aktive, unkastrierte Katze etwa 100 kcal je Kilogramm Körpergewicht hoch 0,67, eine kastrierte oder reine Wohnungskatze nur 52 bis 75 – für eine 4 kg schwere Katze sind das grob 250 kcal beziehungsweise 130 bis 190 kcal am Tag. Die meisten Hauskatzen gehören in die zweite Gruppe. Ihre Katze ist die beste Waage: Sind die Rippen leicht zu fühlen, aber nicht zu sehen, stimmt die Menge. Eine Orientierung liefert der Futterrechner.

Stellen Sie neues Futter über etwa eine Woche schrittweise um, indem Sie es unter das gewohnte mischen. Ein abrupter Wechsel führt bei manchen Katzen zu Durchfall oder Futterverweigerung. Wie das im Einzelnen klappt, steht unter Katzenfutter umstellen.

So gehen Sie beim Kauf vor

  1. Futtermittelart prüfen. Für die Hauptmahlzeit nur „Alleinfuttermittel“.
  2. Tierart und Lebensabschnitt prüfen. Für Katzen, passend zu Kitten, erwachsener oder älterer Katze.
  3. Zusammensetzung lesen. Tierische Zutaten vorn, möglichst konkrete Angaben statt nur Kategorien.
  4. Analysewerte auf Trockenmasse umrechnen. So werden Nass- und Trockenfutter vergleichbar.
  5. Probieren. Kaufen Sie erst kleine Packungen. Das beste Futter nützt nichts, wenn die Katze es verschmäht.
  6. Beobachten. Glänzendes Fell, stabiles Gewicht und gut geformter Kot nach einigen Wochen sprechen für das Futter.

Wer zwei oder drei gute Alleinfutter mit verschiedenen Fleischsorten im Wechsel füttert, beugt einer Fixierung auf eine einzige Sorte vor und hat Ausweichmöglichkeiten, falls eine Sorte nicht mehr erhältlich ist. Eine Katze, die gesund ist, ihr Gewicht hält und gern frisst, bekommt vermutlich bereits ein passendes Futter – dann gibt es keinen Grund, ständig zu wechseln.

Häufige Fragen

Ist teures Katzenfutter automatisch besser?

Nein. Der Preis hängt auch von Marketing, Verpackung und Handelsweg ab. Vergleichen Sie Alleinfutter anhand der Zusammensetzung und der auf Trockenmasse umgerechneten Analysewerte. Ein günstiges Alleinfutter, das Ihre Katze gut verträgt und bei dem sie ihr Gewicht hält, ist besser als ein teures, das sie stehen lässt.

Darf ich Katzenfutter verschiedener Sorten mischen?

Ja, solange die Hauptmahlzeiten aus Alleinfuttermitteln bestehen. Mischen Sie nicht so, dass Ergänzungsfutter den größten Teil ausmacht, und rechnen Sie die Menge insgesamt, nicht je Sorte, sonst wird aus zwei halben Portionen schnell eineinhalb.

Wie viel Leckerlis sind neben dem Futter in Ordnung?

Als tierärztliche Faustregel gilt: Leckerlis und alle Extras zusammen höchstens etwa 10 % der täglichen Energie. Den Rest liefert das Alleinfutter. Mehr dazu unter Leckerlis für Katzen.

Meine Katze frisst ihr neues Futter nicht – was tun?

Mischen Sie es langsamer unter das alte, wärmen Sie Nassfutter kurz auf Körpertemperatur an und bieten Sie es in einem flachen, sauberen Napf an. Lassen Sie Ihre Katze dabei nie hungern: Frisst sie länger als 24 Stunden gar nichts, gehört sie zum Tierarzt, weil eine lebensgefährliche Leberverfettung droht – besonders bei übergewichtigen Katzen.