Katzenfutter-Etikett lesen: Alleinfutter, Deklaration, Analysewerte

Inhalt10 Abschnitte
- Was auf jedem Etikett stehen muss
- Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel
- Die Zusammensetzung: Reihenfolge und Kategorien
- Prozentangaben und was „mit Rind“ bedeutet
- Die analytischen Bestandteile
- Nass- und Trockenfutter über die Trockenmasse vergleichen
- Kohlenhydrate selbst schätzen
- Die Zusatzstoffe
- Was das Etikett nicht verrät
- Häufige Fragen
Das Etikett von Katzenfutter ist durch die EU-Verordnung 767/2009 genau geregelt, und wer weiß, wo was steht, kann Futter in wenigen Minuten einschätzen. Die entscheidenden Angaben sind die Futtermittelart (Allein- oder Ergänzungsfutter), die Zusammensetzung, die analytischen Bestandteile und die Zusatzstoffe. Dieser Artikel geht das Etikett Zeile für Zeile durch und zeigt, wie Sie aus den Zahlen mehr herauslesen, als auf den ersten Blick dasteht.
Was auf jedem Etikett stehen muss
Die Verordnung (EG) Nr. 767/2009 regelt das Inverkehrbringen und die Kennzeichnung von Futtermitteln in der EU, auch für Heimtiere. Nach Artikel 15 und 17 gehören auf die Packung eines Katzenfutters:
- die Futtermittelart: „Alleinfuttermittel“ oder „Ergänzungsfuttermittel“
- die Tierart, für die es bestimmt ist, und Hinweise zur richtigen Verwendung
- die Zusammensetzung, also die Zutaten
- die analytischen Bestandteile
- die Zusatzstoffe
- der Feuchtegehalt, wenn er über 14 % liegt
- Name und Anschrift des Verantwortlichen, Zulassungsnummer des Betriebs, Losnummer, Nettomenge und Mindesthaltbarkeit
Speziell für Heimtierfutter verlangt Artikel 19 zusätzlich eine kostenlose Telefonnummer oder einen anderen Kontaktweg, über den Sie mehr über Zusatzstoffe und über die hinter Sammelbegriffen versteckten Zutaten erfahren können. Diese Auskunftsstelle wird selten genutzt, ist aber ein echtes Recht.
Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel
Diese eine Angabe entscheidet, wie Sie das Futter verwenden dürfen. Ein Alleinfuttermittel reicht nach Artikel 3 der Verordnung wegen seiner Zusammensetzung für die tägliche Ration aus. Ein Ergänzungsfuttermittel reicht nur zusammen mit anderen Futtermitteln aus. Snacks, Pasten, Soßen, viele „Filets“ und fast alle Leckerlis sind Ergänzungsfutter. Für die Hauptmahlzeit Ihrer Katze kommt nur ein Alleinfuttermittel in Frage. Wie Sie darüber hinaus ein passendes Futter finden, steht unter Katzenfutter richtig auswählen.
Die Zusammensetzung: Reihenfolge und Kategorien
Unter „Zusammensetzung“ stehen die Einzelfuttermittel in absteigender Reihenfolge nach Gewicht (Artikel 17 Absatz 1 Buchstabe e). Gewogen wird zum Zeitpunkt des Mischens – die Branche nennt das das „Mixing-Bowl-Prinzip“. Frisches Fleisch wird also mit seinem vollen Wassergehalt gezählt, getrocknetes Fleischmehl dagegen ohne. Deshalb sagt die Reihenfolge nur, was beim Mischen am schwersten war, nicht, was am meisten Nährstoffe liefert.
Bei Heimtierfutter darf der Hersteller statt der einzelnen Zutaten auch Kategorien nennen (Artikel 17 Absatz 2 Buchstabe c). Diese Sammelbegriffe gehen auf eine ältere EU-Richtlinie zurück und lauten zum Beispiel:
- Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse
- Fisch und Fischnebenerzeugnisse
- Milch und Molkereierzeugnisse, Eier und Eiererzeugnisse
- Getreide, Gemüse, pflanzliche Nebenerzeugnisse, pflanzliche Eiweißextrakte
- Öle und Fette, Mineralstoffe, Zucker, Hefen
Eine Deklaration nach Kategorien ist legal, aber wenig aussagekräftig. „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ kann Muskelfleisch, Herz, Leber, Lunge oder Knochen bedeuten, ohne dass Sie das Verhältnis erfahren. Futter mit einer offenen Deklaration („Hühnerfleisch 40 %, Hühnerherzen 15 %, Rinderleber 5 % …“) ist transparenter. Was hinter dem Sammelbegriff steckt, erklärt Tierische Nebenerzeugnisse im Katzenfutter.
Prozentangaben und was „mit Rind“ bedeutet
Hebt eine Packung eine Zutat in Worten, Bildern oder Grafiken hervor, muss ihr Gewichtsanteil in Prozent angegeben sein (Artikel 17 Absatz 2 Buchstabe a). Wie viel drin sein muss, damit ein Name erlaubt ist, regelt der Kennzeichnungskodex der FEDIAF, den die EU-Verordnung als Leitlinie vorsieht:
| Bezeichnung auf der Packung | Mindestanteil der genannten Zutat |
| „Rindgeschmack“ | 0 % möglich – der Geschmack darf allein aus einem Aroma stammen |
| „mit Geschmack von Rind“, „aromatisiert mit Rind“ | mehr als 0 %, aber unter 4 % |
| „mit Rind“ | mindestens 4 % |
| „reich an Rind“, „extra Rind“ | mindestens 14 % |
| „Rind“ oder „Rindermenü“ im Namen | mindestens 26 % |
| „nur Rind“, „ausschließlich Rind“ | keine weiteren Zutaten außer Zusatzstoffen, Mineralstoffen, nötigen Kleinstmengen und Wasser |
Die Zeile „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (davon 4 % Rind)“ bedeutet also: Das Futter enthält 4 % Rind, der Rest der Kategorie kann von anderen Tieren stammen. Mehr zu diesen Zahlen steht unter Fleischanteil im Katzenfutter.
Die analytischen Bestandteile
Für Katzenfutter sind vier Werte Pflicht (Anhang VII der Verordnung): Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche, bei Nassfutter zusätzlich Feuchtigkeit. „Roh“ bedeutet nicht ungekocht, sondern bezeichnet die Laborverfahren, mit denen die Werte bestimmt werden.
- Rohprotein: Eiweiß aus allen Quellen, tierisch wie pflanzlich. Wie gut es verdaulich ist, verrät die Zahl nicht.
- Rohfett: der Fettgehalt, der Hauptenergielieferant neben dem Eiweiß.
- Rohfaser: unverdauliche Faserstoffe, vor allem aus pflanzlichen Zutaten.
- Rohasche: der Mineralstoffgehalt – das, was beim Verbrennen übrig bleibt. Asche wird nicht zugesetzt; hohe Werte deuten auf viel Knochen oder Mineralstoffe hin.
- Feuchtigkeit: der Wasseranteil. Nassfutter liegt meist bei 60 % und mehr, Trockenfutter bei höchstens 14 %.
Nass- und Trockenfutter über die Trockenmasse vergleichen
Die Werte beziehen sich auf das Futter, wie es in der Packung ist – mit Wasser. Um Futter vergleichbar zu machen, rechnen Sie auf die Trockenmasse um:
- Trockenmasse bestimmen. 100 minus Feuchtigkeit. Bei 80 % Feuchtigkeit bleiben 20 % Trockenmasse.
- Wert teilen. Den Nährstoff durch die Trockenmasse teilen und mal 100 nehmen. 11 % Rohprotein ÷ 20 × 100 = 55 % Protein in der Trockenmasse.
- Genauso beim Trockenfutter. 32 % Rohprotein bei 8 % Feuchtigkeit: 32 ÷ 92 × 100 = knapp 35 %.
Das Nassfutter in diesem Beispiel liefert also deutlich mehr Eiweiß je Gramm Nährstoff, obwohl die Zahl auf der Dose kleiner ist. Die Beispielwerte sind typisch, aber ausgedacht; rechnen Sie mit den Angaben Ihres eigenen Futters.
Kohlenhydrate selbst schätzen
Kohlenhydrate müssen nicht angegeben werden. Sie lassen sich aber schätzen, weil sich alle Bestandteile auf 100 % addieren: 100 minus Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und Feuchtigkeit ergibt die sogenannten stickstofffreien Extraktstoffe, vor allem Stärke und Zucker.
Beim Trockenfutter aus dem Beispiel mit 32 % Protein, 15 % Fett, 2,5 % Faser, 7 % Asche und 8 % Feuchtigkeit bleiben 35,5 %, auf die Trockenmasse umgerechnet knapp 39 %. Beim Nassfutter mit 11 % Protein, 5 % Fett, 0,5 % Faser, 2 % Asche und 80 % Feuchtigkeit bleiben 1,5 %, in der Trockenmasse 7,5 %. Das Ergebnis ist eine Schätzung, weil die Analysewerte Toleranzen haben. Warum das für Katzen mit Übergewicht oder Diabetes interessant ist, steht unter Katzenfutter ohne Getreide.
Die Zusatzstoffe
Unter „Zusatzstoffe“ stehen Stoffe, die dem Futter bewusst zugesetzt werden. Mit Menge angegeben werden müssen vor allem solche, für die ein Höchstgehalt gilt, etwa Vitamin D sowie Spurenelemente wie Zink, Kupfer oder Jod. Bei Konservierungsmitteln, Antioxidationsmitteln, Farbstoffen und Aromastoffen genügt nach Anhang VII der Verordnung die Angabe der Gruppe, zum Beispiel „mit Antioxidationsmitteln“. Genauere Angaben muss der Hersteller Ihnen auf Anfrage mitteilen.
Taurin steht meist ebenfalls hier, in Milligramm je Kilogramm. Nach den Nährstoff-Leitlinien der FEDIAF soll Nassfutter mehr Taurin enthalten als Trockenfutter, weil bei der Herstellung von Dosenfutter und im Darm mehr davon verloren geht. Was die einzelnen Zusatzstoffgruppen bedeuten und welche davon Sie kritisch sehen dürfen, erklärt Zucker und Zusatzstoffe im Katzenfutter.
Was das Etikett nicht verrät
Das Etikett sagt nichts über die Qualität der einzelnen Zutaten, über ihre Verdaulichkeit oder darüber, ob Ihre Katze das Futter mag und verträgt. Es sagt auch nicht, wie viel Energie das Futter liefert, sofern der Hersteller sie nicht freiwillig angibt. Und Aussagen wie „natürlich“, „frisch“ oder „Premium“ auf der Vorderseite unterliegen nur den allgemeinen Regeln gegen Irreführung und dem freiwilligen Branchenkodex – „frisch“ darf danach nur Zutaten beschreiben, die außer Kühlung keine Behandlung erfahren haben, also etwa nicht gefroren wurden.
Nutzen Sie das Etikett deshalb als Filter: Es trennt ungeeignetes Futter von geeignetem. Welches der geeigneten Futter am besten passt, zeigt Ihnen Ihre Katze – an Gewicht, Fell und Verdauung. Die passende Tagesmenge können Sie mit dem Futterrechner überschlagen.
Häufige Fragen
Warum steht auf dem Etikett keine Kalorienangabe?
Die Energieangabe ist für Katzenfutter nicht vorgeschrieben. Viele Hersteller nennen sie freiwillig, oft als kcal je 100 g oder je Kilogramm. Fehlt sie, fragen Sie über die Kontaktadresse auf der Packung nach – für die Berechnung der Tagesmenge ist sie der wichtigste Wert.
Was bedeutet die Zeile „Zusatzstoffe je kg“?
Dort stehen die zugesetzten Mengen, meist in Internationalen Einheiten (IE) für Vitamine und in Milligramm für Spurenelemente und Taurin. Die Werte beziehen sich auf ein Kilogramm Futter, wie es in der Packung ist. Natürlich enthaltene Mengen, etwa Vitamin A aus Leber, sind darin nicht eingerechnet.
Ist ein hoher Aschegehalt schlecht?
Nicht unbedingt. Rohasche ist der Mineralstoffgehalt, und Katzen brauchen Kalzium und Phosphor. Sehr hohe Werte können auf viel Knochen hinweisen. Für Katzen mit Nierenerkrankung ist vor allem der Phosphorgehalt wichtig, den Sie beim Hersteller erfragen können; die passende Diät bespricht der Tierarzt.
Warum unterscheiden sich Etikett und Laborwert manchmal?
Die EU erlaubt bei den analytischen Bestandteilen Toleranzen (Anhang IV der Verordnung 767/2009), weil Rohstoffe schwanken. Kleine Abweichungen sind deshalb normal. Große, wiederholte Abweichungen können Sie der Futtermittelüberwachung Ihres Bundeslandes melden.



