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katzenwelt

Nassfutter oder Trockenfutter für Katzen?

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Zwei getigerte Katzen fressen gemeinsam Nassfutter aus einer flachen Metallschale
Nassfutter bringt neben den Nährstoffen auch viel Wasser in den Napf
Inhalt9 Abschnitte
  1. Der eigentliche Unterschied: Wasser und Kalorien
  2. Warum Wasser im Futter für Katzen so wichtig ist
  3. Trockenfutter und Übergewicht
  4. Was Trockenfutter besser kann
  5. Der Zahnmythos
  6. Nass und trocken mischen
  7. Wenn die Katze nur noch eine Sorte frisst
  8. Worauf es bei beiden ankommt
  9. Häufige Fragen

Nassfutter und Trockenfutter können eine Katze beide gesund ernähren – vorausgesetzt, es handelt sich um ein Alleinfuttermittel. Für die meisten Katzen ist Nassfutter als Grundlage trotzdem die bessere Wahl, weil es viel Wasser mitbringt und weniger Kalorien pro Gramm hat. Trockenfutter ist praktisch und haltbar, muss aber genau abgewogen werden. Wer beides kombiniert, macht nichts falsch, solange die Tagesmenge insgesamt passt.

Der eigentliche Unterschied: Wasser und Kalorien

Bei den Nährstoffen unterscheiden sich gute Nass- und Trockenfutter weniger, als viele denken. Beide müssen als Alleinfutter alle Nährstoffe liefern, die eine Katze braucht. Der große Unterschied liegt im Wassergehalt und damit in der Energiedichte.

MerkmalNassfutterTrockenfutter
Wassergehaltmeist rund 75–82 %meist unter 10 %
Energie je 100 g (grobe Spanne)etwa 70–110 kcaletwa 350–420 kcal
Tagesration einer 4-kg-Wohnungskatzeetwa 170–270 getwa 45–55 g
Haltbarkeit im Napfwenige Stunden, bei Wärme kürzerein Tag, wenn trocken und sauber
Sättigunggroßes Volumen, sättigt gutkleine Menge, leicht überfüttert

Die Spannen sind Richtwerte. Wie viel Energie ein bestimmtes Futter enthält, steht auf dem Etikett oder beim Hersteller. Wie Sie daraus die richtige Tagesmenge berechnen, erklärt der Beitrag Wie viel Futter braucht eine Katze?.

Warum Wasser im Futter für Katzen so wichtig ist

Die Vorfahren unserer Hauskatzen lebten in trockenen Gegenden und deckten einen großen Teil ihres Wasserbedarfs über die Beute. Eine Maus besteht zu rund zwei Dritteln aus Wasser. Katzen haben deshalb bis heute ein eher schwaches Durstgefühl und trinken oft weniger, als gut für sie wäre.

Mit Nassfutter nimmt eine Katze einen großen Teil ihrer Flüssigkeit automatisch auf. Katzen, die nur Trockenfutter bekommen, trinken zwar mehr, gleichen den Unterschied aber meist nicht ganz aus. Ihr Urin ist dann konzentrierter. Das spielt vor allem bei Erkrankungen der Harnwege eine Rolle: In einer im Fachjournal JAVMA veröffentlichten Studie von 1999 hatten Katzen mit idiopathischer Blasenentzündung deutlich seltener Rückfälle, wenn sie die Nassvariante eines Futters statt der Trockenvariante bekamen. Mehr dazu unter Harnsteine bei Katzen.

Für gesunde Katzen heißt das nicht, dass Trockenfutter krank macht. Es heißt aber: Wer vor allem trocken füttert, sollte besonders auf das Trinken achten – mit mehreren Wasserstellen, breiten Schalen oder einem Trinkbrunnen, fern vom Futternapf und vom Katzenklo.

Trockenfutter und Übergewicht

Übergewicht ist das häufigste Ernährungsproblem bei Katzen. Nach den Nährstoff-Leitlinien der FEDIAF, des europäischen Heimtierfutterverbands, ist etwa jede dritte erwachsene Katze in Tierarztpraxen übergewichtig oder fettleibig, bei Katzen mittleren Alters fast jede zweite.

Trockenfutter ist daran nicht allein schuld, macht es aber leicht. Zehn Gramm zu viel sehen im Napf nach nichts aus und sind doch rund 40 Kilokalorien – bei einer kastrierten Wohnungskatze ein Fünftel des Tagesbedarfs. Ein ständig gefüllter Trockenfutternapf verführt zusätzlich zum Fressen aus Langeweile. Wiegen Sie Trockenfutter deshalb mit der Küchenwaage ab, statt es mit dem Messbecher oder nach Augenmaß zu portionieren. Nassfutter sättigt durch sein Volumen besser und ist bei abnehmenden Katzen oft die leichtere Wahl, siehe Übergewicht bei Katzen.

Was Trockenfutter besser kann

Trockenfutter hat echte Vorteile, und für viele Haushalte gehört es selbstverständlich dazu:

  • Es verdirbt im Napf nicht so schnell und zieht im Sommer keine Fliegen an.
  • Es eignet sich für Futterautomaten, wenn Sie tagsüber lange außer Haus sind.
  • Es lässt sich in Futterbälle und Fummelbretter füllen, mit denen die Katze sich ihr Futter erarbeitet – eine gute Beschäftigung für Wohnungskatzen.
  • Es ist auf den Nährwert gerechnet meist günstiger und leichter zu lagern.

Einzelne Trockenfutterbrocken aus der Tagesration sind außerdem ein kalorienneutrales Leckerli.

Der Zahnmythos

Dass Trockenfutter die Zähne reinigt, hält sich hartnäckig. Für gewöhnliches Trockenfutter stimmt das kaum: Katzen zerbeißen die Brocken nur kurz oder schlucken sie ganz, der Belag am Zahnfleischrand bleibt. Spezielle Zahnpflegefutter mit großen, faserigen Brocken können die Belagbildung etwas bremsen, ersetzen aber weder das Zähneputzen noch die Kontrolle beim Tierarzt. Rote Zahnfleischränder, Mundgeruch oder Sabbern sind ein Grund für einen Termin in der Praxis.

Nass und trocken mischen

Viele Halter füttern morgens und abends Nassfutter und stellen tagsüber eine kleine Portion Trockenfutter hin. Das ist in Ordnung, wenn Sie die Kalorien beider Futter zusammenrechnen. So gehen Sie vor:

  1. Tagesbedarf bestimmen. Eine kastrierte Wohnungskatze mit 4 kg braucht nach FEDIAF etwa 190 kcal am Tag.
  2. Nassfutter anrechnen. 100 g Nassfutter mit 85 kcal je 100 g liefern 85 kcal.
  3. Rest mit Trockenfutter füllen. Es bleiben 105 kcal; bei 380 kcal je 100 g sind das knapp 28 g Trockenfutter.

Beide Futter können getrennt oder im selben Napf gegeben werden. Eingeweichtes Trockenfutter verdirbt wie Nassfutter und sollte nicht lange stehen. Dass die Katze gemischtes Futter nicht verdauen könne, ist ein Mythos.

Wenn die Katze nur noch eine Sorte frisst

Manche Katzen werden auf Trockenfutter geprägt und rühren später kein Nassfutter an. Eine Umstellung braucht dann Geduld: Mischen Sie über ein bis zwei Wochen immer mehr Nassfutter unter, wärmen Sie es auf Körpertemperatur an und probieren Sie verschiedene Konsistenzen. Die Schritte stehen unter Katzenfutter umstellen.

Frisst eine Katze plötzlich kein Nassfutter mehr, aber noch Trockenfutter, kann das am Futter liegen, etwa an einer neuen Rezeptur oder Futter, das in der Wärme schnell unappetitlich wird. Es kann aber auch ein Zeichen für Zahnschmerzen, Übelkeit oder eine andere Erkrankung sein. Frisst die Katze länger als 24 Stunden gar nichts, muss sie zum Tierarzt – besonders übergewichtige Katzen können sonst eine lebensgefährliche Leberverfettung entwickeln.

Worauf es bei beiden ankommt

Wichtiger als die Frage nass oder trocken ist die Qualität. Achten Sie auf die Bezeichnung „Alleinfuttermittel“ – nur dann ist das Futter so zusammengesetzt, dass es alle Nährstoffe liefert, siehe Nährstoffbedarf der Katze. Ergänzungsfuttermittel, etwa Filets in Gelee oder viele Snacks, sind nur als Beigabe gedacht. Wie Sie Zusammensetzung und Analysewerte lesen, erklärt Katzenfutter-Etikett lesen.

Unsere Empfehlung: Für die meisten Katzen ist ein gutes Nassfutter als Grundlage ideal, weil es Flüssigkeit liefert und die Menge leichter im Rahmen hält. Trockenfutter kann gut dazukommen – abgewogen, als Teil der Tagesration und gern in Futterspielzeug. Für Katzen mit Harnwegs- oder Nierenproblemen, Übergewicht oder Diabetes bespricht man die Futterart am besten mit dem Tierarzt.

Häufige Fragen

Darf eine Katze nur Trockenfutter bekommen?

Ja, ein vollwertiges Trockenfutter kann eine gesunde Katze ernähren. Sie muss dann aber zuverlässig genug trinken, und die Menge muss abgewogen werden. Bei Katzen, die zu Harnwegserkrankungen neigen oder wenig trinken, ist ein Anteil Nassfutter die bessere Wahl.

Wie lange darf Nassfutter im Napf stehen?

Bei Zimmertemperatur höchstens einige Stunden, im Sommer deutlich kürzer. Angetrocknetes oder warm gewordenes Nassfutter rühren viele Katzen ohnehin nicht mehr an. Geöffnete Dosen gehören abgedeckt in den Kühlschrank; vor dem Füttern auf Zimmertemperatur bringen.

Kann ich Trockenfutter in Wasser einweichen?

Ja, das erhöht die Flüssigkeitsmenge und kann älteren Katzen mit Zahnproblemen helfen. Eingeweichtes Trockenfutter verdirbt aber so schnell wie Nassfutter. Weichen Sie deshalb nur die Portion für eine Mahlzeit ein und entfernen Sie Reste.

Ist Nassfutter für Kitten besser?

Kitten brauchen vor allem ein Futter, das für das Wachstum ausgelegt ist. Ob nass oder trocken, ist zweitrangig. Viele Züchter und Tierärzte raten dazu, Kitten beide Formen kennenlernen zu lassen, damit die Katze später nicht auf eine einzige Sorte festgelegt ist.