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katzenwelt

Katzenfutter ohne Getreide: sinnvoll oder Werbung?

Christoph · 5 Min. Lesezeit

Reifes Weizenfeld mit goldenen Ähren unter blauem Himmel
Weizen und anderes Getreide brauchen Katzen nicht – verteufeln muss man es deshalb nicht
Inhalt8 Abschnitte
  1. Brauchen Katzen Kohlenhydrate?
  2. Was „getreidefrei“ auf dem Etikett bedeutet
  3. Getreidefrei heißt nicht kohlenhydratarm
  4. Getreide und Allergien
  5. Die Herzfrage: getreidefreies Futter und DCM
  6. Wann wenig Kohlenhydrate sinnvoll sind
  7. Die Empfehlung
  8. Häufige Fragen

Katzen brauchen kein Getreide, getreidefreies Futter ist aber nicht automatisch besser. Gesunde Katzen können gekochte, aufgeschlossene Stärke gut verdauen. Und viele getreidefreie Futter enthalten statt Weizen oder Mais einfach Kartoffeln, Erbsen oder Linsen – mit ähnlich viel Kohlenhydraten. Worauf es wirklich ankommt, ist der Kohlenhydratanteil insgesamt und die Frage, ob Ihre Katze einen besonderen Bedarf hat.

Brauchen Katzen Kohlenhydrate?

Nein, jedenfalls nicht aus dem Futter. Katzen sind obligate Fleischfresser und bilden den Traubenzucker, den Gehirn und rote Blutkörperchen brauchen, selbst aus Eiweiß. Das MSD Veterinary Manual stellt fest, dass Kohlenhydrate für erwachsene, nicht tragende Hunde und Katzen keine unverzichtbaren Nährstoffe sind. Eine Maus besteht nur zu einem sehr kleinen Teil aus Kohlenhydraten.

Das heißt aber nicht, dass Katzen Stärke nicht verwerten könnten. Laut MSD Veterinary Manual verdauen gesunde Katzen richtig verarbeitete Stärke effizient. Roh ist Stärke schwer verdaulich, durch Kochen oder Extrudieren wird sie aufgeschlossen. Kohlenhydrate liefern dann Energie – und genau da liegt das eigentliche Thema: Energie, die eine Katze nicht braucht, landet auf den Rippen. Welche Nährstoffe Katzen wirklich brauchen, steht unter Nährstoffbedarf der Katze.

Was „getreidefrei“ auf dem Etikett bedeutet

„Getreidefrei“ oder „ohne Getreide“ heißt nur, dass keine Getreidearten wie Weizen, Mais, Reis, Gerste oder Hafer verwendet wurden. Über den Kohlenhydratanteil sagt das nichts. Trockenfutter braucht für die Herstellung in der Regel eine Stärkequelle, damit die Kroketten ihre Form bekommen. Fehlt Getreide, kommt die Stärke aus anderen Zutaten:

  • Kartoffeln und Süßkartoffeln
  • Erbsen, Linsen, Kichererbsen und Bohnen (Hülsenfrüchte)
  • Tapioka (aus Maniok)

Der Kennzeichnungskodex der FEDIAF unterscheidet übrigens zwischen „ohne Zusatz von Weizen“ – dann darf es Spuren aus der Produktion geben – und „weizenfrei“, was auch Spuren ausschließt. Solche Aussagen sollen nach dem Kodex nicht den Eindruck erwecken, Futter mit dieser Zutat sei gefährlich.

Getreidefrei heißt nicht kohlenhydratarm

Den Kohlenhydratanteil können Sie selbst schätzen: 100 minus Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche und Feuchtigkeit. Rechnen Sie das Ergebnis auf die Trockenmasse um, damit Nass- und Trockenfutter vergleichbar werden. Wie das geht, zeigt Schritt für Schritt Katzenfutter-Etikett lesen.

Was getreidefreies Futter bieten kann
  • oft mehr tierische Zutaten, wenn die Stärke nicht einfach ersetzt wird
  • eine Alternative bei nachgewiesener Getreideunverträglichkeit
  • bei Nassfutter häufig sehr wenig Kohlenhydrate
Was es nicht garantiert
  • weniger Kohlenhydrate als Futter mit Getreide
  • weniger Kalorien oder Gewichtsabnahme
  • Schutz vor Allergien
  • ein ausgewogenes Alleinfutter

Bei Nassfutter ist der Unterschied oft gering, weil viele Nassfutter ohnehin nur wenig Getreide enthalten. Bei Trockenfutter lohnt das Nachrechnen besonders: Ein getreidefreies Trockenfutter mit viel Kartoffel kann mehr Kohlenhydrate enthalten als eines mit etwas Reis.

Getreide und Allergien

Ein häufiges Argument für getreidefreies Futter sind Allergien. Tatsächlich reagieren Katzen mit einer Futtermittelallergie meist auf Eiweiße, und die häufigsten Auslöser sind tierischen Ursprungs. Eine Auswertung der vorhandenen Studien von Mueller, Olivry und Prélaud (BMC Veterinary Research, 2016) nennt für Katzen Rind, Fisch und Huhn als häufigste Allergenquellen; Weizen und andere Getreide spielen eine kleinere Rolle.

Ob eine Katze eine Futtermittelallergie hat und worauf sie reagiert, lässt sich nur mit einer Ausschlussdiät über mehrere Wochen klären, die der Tierarzt begleitet. Bluttests sind dafür nicht zuverlässig. Ein Wechsel auf „getreidefrei“ auf eigene Faust ersetzt diese Diät nicht, weil das neue Futter meist wieder die gleichen Fleischsorten enthält. Mehr dazu unter Futtermittelallergie bei Katzen.

Die Herzfrage: getreidefreies Futter und DCM

2018 begann die US-Behörde FDA zu untersuchen, ob bestimmte Hundefutter mit einer Herzmuskelerkrankung (dilatative Kardiomyopathie, DCM) zusammenhängen. Viele der betroffenen Futter waren als getreidefrei gekennzeichnet und enthielten viel Erbsen, Linsen oder Kartoffeln. Eine Ursache wurde nicht nachgewiesen; die FDA kündigte im Dezember 2022 an, erst bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen wieder zu berichten. Die Meldungen betrafen fast ausschließlich Hunde, bei Katzen gab es nur wenige Fälle.

Für Katzen ist ein anderer Zusammenhang seit Langem gesichert: Taurinmangel verursacht DCM. Seit das bekannt ist, wird Katzenfutter gezielt mit Taurin versorgt, und die Erkrankung ist selten geworden. Ein getreidefreies Alleinfutter mit ausreichend Taurin ist nach heutigem Wissen kein Herzrisiko für Katzen. Achten Sie trotzdem darauf, dass Taurin unter den Zusatzstoffen angegeben ist.

Wann wenig Kohlenhydrate sinnvoll sind

Für die meisten gesunden Katzen ist der Kohlenhydratanteil zweitrangig, solange die Energiemenge stimmt. Es gibt aber Situationen, in denen er zählt:

  1. Diabetes mellitus. Tierärztliche Leitlinien empfehlen für diabetische Katzen meist ein eiweißreiches, kohlenhydratarmes Futter; bei manchen Katzen trägt es dazu bei, dass die Erkrankung sich zurückbildet. Das gehört in die Hand des Tierarztes, weil sich der Insulinbedarf durch die Futterumstellung ändern kann. Details unter Ernährung bei Diabetes der Katze.
  2. Übergewicht. Ein eiweißreiches Futter hilft, beim Abnehmen Muskeln zu erhalten. Entscheidend bleibt aber die Kalorienmenge; abnehmen soll eine Katze höchstens etwa 1–2 % ihres Körpergewichts pro Woche. Mehr unter Übergewicht bei Katzen.
  3. Katzen, die zu viel Trockenfutter fressen. Hier liegt der Kohlenhydratanteil oft hoch; ein teilweiser Wechsel auf Nassfutter senkt ihn und erhöht die Wasseraufnahme.

Die Empfehlung

Kaufen Sie Katzenfutter nicht nach dem Getreide, sondern nach dem Gesamtbild: ein Alleinfuttermittel mit tierischen Zutaten an erster Stelle, einem hohen Proteinanteil in der Trockenmasse und einem Kohlenhydratanteil, der zu Ihrer Katze passt. Ob die Stärke dann aus Reis oder aus Kartoffeln stammt, ist für eine gesunde Katze nebensächlich. Weitere Kriterien stehen unter Katzenfutter richtig auswählen.

Häufige Fragen

Muss Katzenfutter getreidefrei sein?

Nein. Getreide ist für Katzen nicht nötig, schadet einer gesunden Katze in üblichen Mengen aber auch nicht. Wichtiger ist, dass das Futter ein Alleinfuttermittel mit viel tierischem Eiweiß ist und dass die Energiemenge zum Gewicht der Katze passt.

Ist getreidefreies Futter für Kitten sinnvoll?

Kitten brauchen ein Aufzuchtfutter, das ihren hohen Bedarf an Energie, Eiweiß und Mineralstoffen deckt. Ob Getreide drin ist, spielt dabei keine Rolle. Achten Sie darauf, dass das Futter ausdrücklich für Kitten oder alle Lebensphasen geeignet ist. Mehr unter Kittenfutter.

Gibt es getreidefreies Nierenfutter?

Ja, aber bei Nierenerkrankungen zählen andere Werte: vor allem ein reduzierter Phosphorgehalt und angepasstes Eiweiß. Ein Nierendiätfutter wählen Sie mit dem Tierarzt nach Blutwerten und Stadium aus, nicht nach dem Getreide. Details unter Nierenfutter für Katzen.

Ist Reis im Katzenfutter schlecht?

Nein. Gekochter Reis ist gut verdaulich und wird auch in Schonkost verwendet. Er liefert Energie, aber keine Nährstoffe, die eine Katze dringend bräuchte. In kleinen Mengen als Teil eines Alleinfutters ist er unproblematisch. Mehr unter Dürfen Katzen Reis essen?.