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katzenwelt

Tierische Nebenerzeugnisse im Katzenfutter: Was drin ist

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Rohe Leber in Scheiben auf einer Schieferplatte mit Messer
Leber ist ein typisches tierisches Nebenerzeugnis – nährstoffreich, aber nur in Maßen gesund
Inhalt8 Abschnitte
  1. Was als tierisches Nebenerzeugnis gilt
  2. Was das Recht erlaubt – und was nicht
  3. Warum Innereien für Katzen wertvoll sind
  4. Das eigentliche Problem: der Sammelbegriff
  5. So finden Sie heraus, was drin ist
  6. „Ohne tierische Nebenerzeugnisse“ – ein gutes Zeichen?
  7. Nebenerzeugnisse bei selbst zusammengestellten Rationen
  8. Häufige Fragen

Tierische Nebenerzeugnisse sind Teile von Schlachttieren, die nicht als Lebensmittel für Menschen verkauft werden: vor allem Innereien wie Herz, Leber, Nieren, Lunge und Pansen, außerdem Blut, Knochen, Knorpel oder Geflügelhälse. In Katzenfutter dürfen nach EU-Recht grundsätzlich nur solche Teile landen, die von gesund geschlachteten Tieren stammen. Schlecht sind Nebenerzeugnisse also nicht – viele davon frisst eine Katze in der Natur als Erstes. Das Ärgernis ist ein anderes: Auf dem Etikett erfahren Sie meist nicht, was genau drin ist.

Was als tierisches Nebenerzeugnis gilt

Im Futtermittelrecht meint „Fleisch“ die Skelettmuskulatur. Alles andere vom Schlachttier fällt unter die Nebenerzeugnisse. Heimtierfutter darf beides zu einer Kategorie zusammenfassen: „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“. Diese Kategorie umfasst nach der Definition, die auch der Kennzeichnungskodex der FEDIAF übernimmt, alle Fleischteile geschlachteter warmblütiger Landtiere sowie alle Erzeugnisse und Nebenerzeugnisse aus der Verarbeitung ihrer Tierkörper. Fisch und Fischnebenerzeugnisse bilden eine eigene Kategorie.

Typische Nebenerzeugnisse im Katzenfutter sind:

  • Herz, Leber, Nieren, Lunge, Milz
  • Pansen, Blättermagen, Geflügelmägen
  • Blut und Blutplasma
  • Knochen, Knorpel, Geflügelhälse und -karkassen
  • Sehnen, Schwarten, Euter
  • getrocknete und gemahlene Tierproteine (in Trockenfutter)

Was das Recht erlaubt – und was nicht

Tierische Nebenprodukte teilt die EU-Verordnung 1069/2009 in drei Kategorien ein. Material der Kategorien 1 und 2 birgt ein Risiko für Mensch oder Tier, etwa weil es von verendeten Tieren oder aus Seuchenverdacht stammt; es darf nicht ins Heimtierfutter. Heimtierfutter darf nach Artikel 35 der Verordnung grundsätzlich nur aus Material der Kategorie 3 hergestellt werden.

Kategorie 3 umfasst laut Artikel 10 unter anderem Teile geschlachteter Tiere, die für den menschlichen Verzehr tauglich wären, aber aus kommerziellen Gründen nicht dafür verwendet werden, außerdem Blut von schlachttauglichen Tieren und Nebenprodukte aus der Lebensmittelherstellung. Ausdrücklich ausgeschlossen vom Heimtierfutter sind nach Artikel 35 Küchen- und Speiseabfälle. Hinter „Nebenerzeugnis“ steckt also kein Abfall im hygienischen Sinn, sondern meist Ware, die Menschen hierzulande schlicht nicht essen mögen.

Zur Kategorie 3 gehören allerdings auch Teile mit geringem Nährwert für Katzen, zum Beispiel Geflügelköpfe, Füße, Häute oder Federn von geschlachteten Tieren. Ob und in welcher Menge solche Teile verwendet werden, zeigt das Etikett nicht.

Warum Innereien für Katzen wertvoll sind

Eine Katze, die eine Maus fängt, frisst Muskelfleisch, Organe, Knochen und Fell. Genau diese Mischung macht die Beute zu einer vollwertigen Mahlzeit. Viele Nebenerzeugnisse liefern Nährstoffe, die im reinen Muskelfleisch fehlen oder knapp sind:

Herzeiweißreich, liefert Taurin – vor allem Geflügelherzen sind eine gute Quelle
Lebersehr reich an Vitamin A, dazu B-Vitamine, Eisen und Kupfer; in großen Mengen gefüttert droht ein Vitamin-A-Überschuss
Niere, MilzSpurenelemente und B-Vitamine
Knochen, KnorpelKalzium und Phosphor im passenden Verhältnis – im Muskelfleisch fehlt Kalzium fast ganz
BlutEiweiß und Eisen
Lunge, Panseneiweißreich, aber weniger nährstoffdicht, eher Füllstoff

Ein Katzenfutter aus reinem Muskelfleisch wäre deshalb nicht besser, sondern unvollständig. Welche Nährstoffe eine Katze insgesamt braucht, steht unter Nährstoffbedarf der Katze. Einzelne Innereien als Zugabe behandelt der Artikel Dürfen Katzen Leber essen? – dort steht auch, warum Leber in Maßen bleiben sollte.

Das eigentliche Problem: der Sammelbegriff

Für die Katze ist nicht entscheidend, ob Nebenerzeugnisse drin sind, sondern welche und wie viele. Eine Kategorie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse 60 %“ kann zu großen Teilen aus Muskelfleisch und Herz bestehen – oder zu großen Teilen aus Lunge, Pansen und Bindegewebe. Rechtlich ist beides zulässig. Die EU-Verordnung 767/2009 erlaubt Heimtierfutterherstellern ausdrücklich, statt der einzelnen Zutaten die Kategorie anzugeben (Artikel 17 Absatz 2 Buchstabe c).

Futter mit einer offenen Deklaration nennt dagegen jede Zutat einzeln, oft mit Prozentangabe, etwa „Hühnerfleisch 35 %, Hühnerherzen 20 %, Hühnerleber 5 %, Hühnerhälse 5 %“. So lässt sich einschätzen, ob die Mischung stimmt. Wie Sie die Zusammensetzung und die Analysewerte insgesamt lesen, erklärt Katzenfutter-Etikett lesen.

So finden Sie heraus, was drin ist

  1. Offene Deklaration bevorzugen. Konkrete Zutaten sagen mehr als eine Kategorie.
  2. Die Kontaktangabe nutzen. Nach Artikel 19 der Verordnung 767/2009 muss auf Heimtierfutter eine kostenlose Telefonnummer oder ein anderer Kontaktweg stehen, über den Sie erfahren können, welche Einzelfuttermittel sich hinter einer Kategorie verbergen.
  3. Konkret fragen. Etwa: Welche Tierarten und welche Teile sind enthalten? Wie hoch ist der Anteil Muskelfleisch? Wie viel Leber?
  4. Analysewerte prüfen. Ein hoher Proteinanteil in der Trockenmasse spricht für viele tierische Zutaten, ein sehr hoher Aschegehalt für viel Knochen.

Antwortet ein Hersteller ausweichend, ist das ebenfalls eine Information.

„Ohne tierische Nebenerzeugnisse“ – ein gutes Zeichen?

Futter mit dem Hinweis „ohne tierische Nebenerzeugnisse“ enthält nach eigener Aussage nur Muskelfleisch als tierische Zutat. Das klingt hochwertig, ist aber nicht automatisch besser. Damit ein solches Futter vollständig ist, müssen Kalzium, Vitamine und Spurenelemente zugesetzt werden, die sonst aus Innereien und Knochen kämen. Der Branchenkodex der FEDIAF hält fest, dass solche „Ohne“-Aussagen nicht den Eindruck erwecken sollen, Futter mit dem betreffenden Stoff sei gefährlich.

Die Sorge vor „Schlachtabfällen“ ist verständlich, trifft aber den Kern nicht. Die bessere Frage lautet: Ist das Futter ein Alleinfuttermittel mit hohem tierischem Anteil, und verrät der Hersteller, was drin ist? Wer so auswählt, landet bei einem guten Futter – mit oder ohne Nebenerzeugnisse. Weitere Kriterien finden Sie unter Katzenfutter richtig auswählen und Fleischanteil im Katzenfutter.

Nebenerzeugnisse bei selbst zusammengestellten Rationen

Wer barft oder selbst kocht, verwendet Nebenerzeugnisse bewusst: Herz als Taurinquelle, etwas Leber für Vitamin A, Knochen oder ein Kalziumpräparat für den Mineralstoffhaushalt. Die Mengen müssen dabei stimmen. Zu viel Leber über lange Zeit kann bei Katzen zu einer Vitamin-A-Vergiftung mit Knochenzubildungen an der Wirbelsäule führen, zu wenig Kalzium zu Knochenschäden. Lassen Sie eine solche Ration deshalb von einer tierärztlichen Ernährungsberatung berechnen. Hinweise dazu stehen unter BARF für Katzen. Rohes Schweinefleisch und rohe Schweine-Innereien sind wegen des Aujeszky-Virus für Katzen tabu.

Häufige Fragen

Sind tierische Nebenerzeugnisse Schlachtabfälle?

Umgangssprachlich ja, hygienisch nein. Es handelt sich um Teile von Tieren, die als schlachttauglich eingestuft wurden, die aber aus kommerziellen Gründen nicht als Lebensmittel verkauft werden. Material von verendeten oder kranken Tieren (Kategorie 1 und 2 nach der Verordnung 1069/2009) ist für Heimtierfutter nicht zugelassen.

Stecken Federn oder Hufe im Katzenfutter?

Rechtlich gehören Federn, Füße oder Häute geschlachteter Tiere zu Material der Kategorie 3 und sind damit nicht ausgeschlossen. Hydrolysierte Federn werden zum Beispiel als Eiweißquelle in manchen Spezialfuttern für Allergiker verwendet. Ob ein bestimmtes Futter solche Teile enthält, erfahren Sie nur über eine offene Deklaration oder auf Nachfrage beim Hersteller.

Ist Katzenfutter ohne Zucker, Getreide und Nebenerzeugnisse das beste?

Nicht automatisch. Jedes dieser „Ohne“ kann sinnvoll sein, sagt aber nichts darüber, ob das Futter vollständig und gut verdaulich ist. Mehr dazu unter Zucker und Zusatzstoffe im Katzenfutter und Katzenfutter ohne Getreide.

Sollten Futter- und Wassernapf nebeneinander stehen?

Viele Katzen trinken lieber, wenn das Wasser nicht direkt neben dem Futter steht, und manche bevorzugen fließendes Wasser oder breite, flache Gefäße. Probieren Sie verschiedene Plätze aus, besonders wenn Ihre Katze wenig trinkt. Tipps dazu stehen unter Katzennapf und Katze trinkt nicht.