Zucker und Zusatzstoffe im Katzenfutter

Inhalt10 Abschnitte
- Warum Katzen Zucker nicht schmecken
- Warum trotzdem Zucker im Futter steckt
- Ist Zucker für Katzen schädlich?
- Welche Zusatzstoffe es gibt
- Unverzichtbar: Vitamine, Spurenelemente, Taurin
- Konservierungsmittel und Antioxidationsmittel
- Farbstoffe und Aromastoffe
- Salz, Soße und Gelee
- Was Sie beim Kauf beachten sollten
- Häufige Fragen
Katzen brauchen keinen Zucker, und sie schmecken ihn nicht einmal. Steht „Zucker“ in der Zusammensetzung eines Katzenfutters, dient er meist der Farbe oder Konsistenz und damit dem Menschen, der das Futter kauft. In den üblichen kleinen Mengen ist er für eine gesunde Katze nicht gefährlich, aber überflüssig. Bei den übrigen Zusatzstoffen lohnt ein genauerer Blick: Manche sind unverzichtbar, andere dienen vor allem der Optik.
Warum Katzen Zucker nicht schmecken
Der Geschmackssinn für Süßes beruht bei Säugetieren auf einem Rezeptor aus zwei Bausteinen. Bei der Katze ist das Gen für einen dieser Bausteine (Tas1r2) durch eine Mutation funktionslos geworden. Das haben Forschende des Monell Chemical Senses Center 2005 in der Fachzeitschrift PLoS Genetics beschrieben; die gleiche Veränderung fanden sie bei Tiger und Gepard. Als reine Fleischfresser brauchten Katzen diesen Sinn offenbar nicht mehr.
Wenn eine Katze an Kuchen oder Eis leckt, lockt sie also das Fett oder das Milcheiweiß, nicht der Zucker. Wer auf Süßes als Belohnung setzt, belohnt die Katze nicht, sondern füttert nur Kalorien. Was stattdessen gut ankommt, steht unter Leckerlis für Katzen.
Warum trotzdem Zucker im Futter steckt
Zucker gehört bei Heimtierfutter zu den zulässigen Kategorien der Zusammensetzung („Zucker“ steht für alle Zuckerarten). Meist wird er in kleinen Mengen eingesetzt, damit Soße und Fleischstückchen beim Erhitzen bräunen und appetitlicher aussehen – gegartes Fleisch wird sonst grau. Auch bei der Bindung von Gelee und Soße kann er eine Rolle spielen.
Für die Katze hat das keinen Nutzen. Ob die Menge nennenswert ist, lässt sich am Etikett kaum ablesen, weil Zucker nicht in Prozent angegeben werden muss. Steht er weit vorn in der Zusammensetzung oder enthält ein Futter mehrere zuckerhaltige Zutaten, etwa Melasse, Karamell oder Sirup, ist das ein Grund, zu einem anderen Futter zu greifen. Zucker kann auch über Zutaten wie Früchte oder Gemüse in kleinen Mengen hineinkommen, ohne dass er einzeln aufgeführt wird.
Ist Zucker für Katzen schädlich?
In den geringen Mengen, die in Katzenfutter üblich sind, gibt es keine Belege, dass Zucker eine gesunde Katze krank macht. Das Problem liegt woanders: Zucker liefert Energie ohne Nährstoffe, und Übergewicht ist das häufigste Ernährungsproblem von Katzen. Übergewicht wiederum ist ein wichtiger Risikofaktor für Diabetes mellitus.
Für Katzen, die bereits an Diabetes erkrankt sind, gilt: Das Futter sollte eiweißreich und kohlenhydratarm sein, und das bespricht der Tierarzt im Rahmen der Behandlung. Mehr dazu unter Ernährung bei Diabetes der Katze und Übergewicht bei Katzen. Den Gesamtgehalt an Kohlenhydraten können Sie aus den Analysewerten schätzen; wie, erklärt Katzenfutter-Etikett lesen.
Welche Zusatzstoffe es gibt
Zusatzstoffe sind Stoffe, die dem Futter bewusst zugesetzt werden, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Jeder muss in der EU nach der Verordnung 1831/2003 zugelassen sein. Die Zulassung legt fest, für welche Tierarten ein Stoff verwendet werden darf und oft auch, in welcher Höchstmenge. Die Verordnung teilt Zusatzstoffe in Kategorien ein:
| Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe | Vitamine, Spurenelemente wie Zink, Kupfer, Jod und Selen, Aminosäuren und Taurin – sie machen ein Alleinfutter vollständig |
| Technologische Zusatzstoffe | Konservierungsmittel, Antioxidationsmittel, Verdickungs-, Gelier- und Bindemittel – sie sorgen für Haltbarkeit und Konsistenz |
| Sensorische Zusatzstoffe | Farbstoffe und Aromastoffe – sie beeinflussen Aussehen und Geruch |
| Zootechnische Zusatzstoffe | zum Beispiel Verdauungsförderer wie bestimmte Mikroorganismen |
Unverzichtbar: Vitamine, Spurenelemente, Taurin
Ein Katzen-Alleinfutter ganz ohne ernährungsphysiologische Zusatzstoffe ist die Ausnahme. Beim Erhitzen und Lagern gehen Vitamine verloren, und der Gehalt der Rohstoffe schwankt. Damit das Futter über die gesamte Haltbarkeit den Bedarf deckt, werden Vitamine, Spurenelemente und Taurin gezielt zugesetzt. Taurinmangel führt bei Katzen zu einer Herzmuskelerkrankung und zu Netzhautschäden. Nach den Nährstoff-Leitlinien der FEDIAF muss Nassfutter mehr Taurin enthalten als Trockenfutter, weil bei der Herstellung und im Darm mehr davon verloren geht.
Werbung mit „ohne Zusatzstoffe“ meint deshalb meist nur einen Teil: keine Farb-, Aroma- oder Konservierungsstoffe. Bei einem Alleinfutter sollten Sie prüfen, woher dann Vitamine und Spurenelemente kommen. Mehr zum Bedarf unter Nährstoffbedarf der Katze.
Konservierungsmittel und Antioxidationsmittel
Nassfutter in Dose oder Beutel wird nach dem Verschließen sterilisiert und ist dadurch haltbar; zusätzliche Konservierungsmittel sind dafür in der Regel nicht nötig. Trockenfutter enthält Fett, das mit Sauerstoff reagiert und ranzig wird. Ranziges Fett schmeckt nicht nur schlecht, es zerstört auch Vitamine. Deshalb enthalten Trockenfutter fast immer Antioxidationsmittel, häufig Tocopherole (Vitamin-E-Verbindungen) oder Rosmarinextrakt, manchmal synthetische Stoffe.
Die EU prüft solche Stoffe regelmäßig nach. Ein Beispiel: Die Zulassung des Antioxidationsmittels Ethoxyquin wurde 2017 mit der Durchführungsverordnung (EU) 2017/962 für alle Tierarten ausgesetzt, weil seine Unbedenklichkeit nicht ausreichend belegt war. In den USA darf Propylenglykol, das Feuchtigkeit bindet, nicht in Katzenfutter verwendet werden, weil es bei Katzen die roten Blutkörperchen verändert. Solche Beispiele zeigen: Zusatzstoffe sind zugelassen, weil sie geprüft wurden, und die Prüfung geht weiter.
Farbstoffe und Aromastoffe
Farbstoffe haben für die Katze keinen Nutzen. Katzen sehen Farben anders als Menschen und wählen ihr Futter vor allem nach Geruch, Temperatur und Konsistenz. Bunte Kroketten sind für den Menschen gemacht, der das Futter kauft. Aromastoffe dagegen können die Akzeptanz erhöhen, besonders bei Trockenfutter.
Für diese Gruppen gilt eine vereinfachte Kennzeichnung: Nach Anhang VII der EU-Verordnung 767/2009 genügt die Angabe der Funktionsgruppe, also etwa „mit Farbstoffen“ oder „mit Antioxidationsmitteln“. Welche Stoffe es genau sind, muss der Hersteller Ihnen auf Anfrage mitteilen; die Kontaktangabe dafür steht nach Artikel 19 auf jeder Packung.
Salz, Soße und Gelee
Katzen brauchen Natrium, und Futter enthält es natürlicherweise. Gesunde Katzen scheiden Überschüsse über die Nieren aus. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen kann der Tierarzt ein Futter mit angepasstem Natrium- und Phosphorgehalt empfehlen. Soßen und Gelees werden mit Verdickungs- und Geliermitteln gebunden; das ist unbedenklich, macht das Futter aber nicht nahrhafter. Manche Katzen schlecken nur die Soße und lassen die Stückchen liegen – dann bekommen sie weniger Nährstoffe, als die Packung verspricht.
Was Sie beim Kauf beachten sollten
Bevorzugen Sie Alleinfutter, bei denen Zucker nicht oder nur weit hinten in der Zusammensetzung steht und die ohne Farbstoffe auskommen. Verlangen Sie keine Futter „ganz ohne Zusatzstoffe“, sondern prüfen Sie, ob Vitamine, Spurenelemente und Taurin angegeben sind. Und behalten Sie die Gesamtmenge im Blick: Eine Katze, die ihr Gewicht hält, profitiert mehr von der richtigen Portion als von einem zuckerfreien Etikett. Die übrigen Kriterien fasst Katzenfutter richtig auswählen zusammen.
Häufige Fragen
Meine Katze hat Zucker gefressen – ist das gefährlich?
Ein wenig Haushaltszucker ist für eine Katze nicht giftig. Achten Sie aber darauf, was sonst in dem Gefressenen steckte: Schokolade und Kakao sind für Katzen giftig, und bei Trauben und Rosinen ist Vorsicht geboten, auch wenn die Datenlage bei Katzen schwächer ist als beim Hund. Mehr dazu unter Dürfen Katzen Schokolade essen? und Giftige Lebensmittel für Katzen.
Warum ist Zucker in Katzenfutter überhaupt erlaubt?
Zucker ist ein zulässiges Einzelfuttermittel und gilt in üblichen Mengen als unbedenklich. Die Kennzeichnung muss ihn in der Zusammensetzung aufführen, bei Kategorienangabe unter „Zucker“. Ein Verbot gibt es nicht; es liegt an Ihnen, Futter ohne Zucker zu wählen.
Sind „natürliche“ Zusatzstoffe besser als synthetische?
Nicht grundsätzlich. Synthetisch hergestellte Vitamine sind chemisch identisch mit den natürlichen und oft stabiler. Entscheidend ist, dass der Stoff für Katzen zugelassen und richtig dosiert ist. Der Branchenkodex der FEDIAF regelt, wann ein Futter „natürlich“ genannt werden darf; zugesetzte synthetische Vitamine und Mineralstoffe müssen dann eigens erwähnt werden.
Brauchen Leckerlis Zucker?
Nein. Da Katzen Süßes nicht schmecken, ist Zucker in Leckerlis überflüssig. Kleine Stücke gegartes Fleisch oder gefriergetrocknete Fleischsnacks ohne Zusätze sind eine gute Alternative, solange alle Extras zusammen höchstens etwa 10 % der täglichen Energie ausmachen.



