Vegetarisch oder vegan für Katzen?

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Nein, Katzen sollten weder vegan noch vegetarisch ernährt werden. Sie sind obligate Fleischfresser und brauchen Nährstoffe, die natürlicherweise nur in tierischem Gewebe vorkommen: Taurin, fertiges Vitamin A und Arachidonsäure. Zwar lassen sich einige davon synthetisch zusetzen, doch in Untersuchungen fehlten veganem Katzenfutter immer wieder wichtige Nährstoffe, und vegan ernährte Katzen erkrankten an Mangelerscheinungen. Tierärztliche Verbände und der Deutsche Tierschutzbund raten deshalb ab.
Was „obligater Fleischfresser“ bedeutet
Hunde und Menschen sind Allesfresser. Katzen dagegen haben sich über Jahrmillionen auf Beutetiere spezialisiert, und ihr Stoffwechsel hat dabei Fähigkeiten verloren, die sie mit Fleisch nie brauchten. Was andere Tiere selbst herstellen, muss die Katze fertig mit der Nahrung aufnehmen:
- Taurin. Katzen können es nicht in ausreichender Menge bilden. Mangel führt zu einer Herzmuskelerkrankung (dilatative Kardiomyopathie), zu Netzhautschäden bis zur Erblindung und zu Störungen bei Fortpflanzung und Entwicklung der Kitten. Taurin kommt in Pflanzen nicht vor.
- Vitamin A. Katzen fehlt das Enzym, um Beta-Carotin aus Karotten und anderem Gemüse in Vitamin A umzuwandeln. Sie brauchen fertiges Vitamin A, wie es in Leber und anderen tierischen Geweben steckt.
- Arachidonsäure. Diese Fettsäure können Katzen kaum aus pflanzlichen Fettsäuren herstellen.
- Niacin und Vitamin B12. Niacin muss die Katze fertig aufnehmen; Vitamin B12 steckt natürlicherweise nur in tierischen Lebensmitteln.
- Viel Eiweiß mit den richtigen Aminosäuren, darunter Arginin, Methionin und Cystein. Der Eiweißbedarf der Katze ist deutlich höher als der des Hundes, und ihr Stoffwechsel kann ihn bei knappem Angebot kaum herunterfahren.
Dazu kommt ein praktisches Problem: Pflanzliche Kost macht den Urin eher alkalisch. Bei Katzen begünstigt das Struvitsteine in der Blase – bei Katern ein Risiko für einen lebensgefährlichen Harnröhrenverschluss. Mehr dazu unter Harnsteine bei Katzen.
Eine ausführliche Übersicht über den Bedarf gibt Nährstoffbedarf der Katze.
„Aber es gibt doch synthetisches Taurin“
Das stimmt. Das Taurin in handelsüblichem Katzenfutter wird ohnehin meist synthetisch hergestellt, und auch Vitamin A, Vitamin B12 und Arachidonsäure lassen sich ohne Tierbestandteile erzeugen. Auf dem Papier lässt sich deshalb ein veganes Futter zusammenstellen, das die Mindestwerte erreicht. Die Probleme liegen woanders:
- Die Zusammensetzung stimmt oft nicht. Eine Untersuchung US-amerikanischer Tierernährer (Kanakubo und Kollegen, 2015) fand bei einem Viertel der geprüften vegetarischen und veganen Tierfutter Mängel bei den Aminosäuren, dazu fehlerhafte Etiketten. Eine brasilianische Studie (Zafalon und Kollegen, 2020) stellte bei einem veganen Katzenfutter zu wenig Eiweiß, Taurin, Kalium und Arginin fest.
- Verwertbarkeit ist ungewiss. Ob Nährstoffe aus Pflanzen und Zusätzen im Körper der Katze so ankommen wie aus Fleisch, ist wenig untersucht. Viel Ballaststoff kann zum Beispiel den Taurinverlust über die Galle erhöhen.
- Mängel zeigen sich spät. Ein Taurinmangel am Herzen oder an der Netzhaut entwickelt sich über Monate. Wenn er auffällt, sind Schäden oft schon da. In der Fachliteratur ist der Fall zweier Katzen beschrieben, die mit einem veganen Futter gleich mehrere Mangelerkrankungen entwickelten.
Was die Studien zeigen – und was nicht
Befürworter verweisen auf eine Online-Umfrage britischer Forscher von 2023, in der Halter von knapp 1.400 Katzen über deren Gesundheit berichteten; vegan ernährte Katzen schnitten dabei nicht schlechter ab. Die Aussagekraft ist aber begrenzt: Die Halter haben selbst geantwortet, die Katzen wurden nicht untersucht, Blutwerte oder Herzultraschall fehlten, und wer vegan füttert und an einer solchen Umfrage teilnimmt, dürfte seine Katze eher positiv sehen. Eine systematische Übersicht über die bisherigen Studien kam 2023 zu dem Schluss, dass es kaum belastbare Daten gibt – die Studien sind klein, kurz und methodisch schwach.
Kurz gesagt: Es fehlt nicht nur der Beweis, dass vegane Ernährung schadet, es fehlt vor allem jeder solide Beweis, dass sie auf Dauer sicher ist. Solange das so ist, trägt die Katze das Risiko.
Was Tierärzte und Tierschützer sagen
Die britische Tierärztevereinigung BVA stellt klar, dass Katzen als obligate Fleischfresser nicht vegetarisch oder vegan ernährt werden sollen. Der Deutsche Tierschutzbund lehnt die rein vegane Ernährung von Katzen in seinem Positionspapier aus Tierschutzsicht ab: Sie entspreche nicht den Grundbedürfnissen der Katze, und es sei nicht auszuschließen, dass der Katze Schmerzen, Leiden und Schäden entstehen. Nach § 2 des Tierschutzgesetzes muss, wer ein Tier hält, es seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren.
Eine vegetarische Ration mit Eiern und Milchprodukten hält der Tierschutzbund für grundsätzlich möglich, aber nur mit einer vom Tierarzt exakt berechneten Ration und regelmäßiger Kontrolle. Das ist aufwendig, fehleranfällig und bringt der Katze keinen Vorteil. Hinzu kommt, dass viele erwachsene Katzen Milchzucker schlecht vertragen. Wir raten deshalb auch von vegetarischer Fütterung ab.
Ein Futterspezialist mit Folgen
Der Tierschutzbund weist auf einen oft übersehenen Punkt hin: Katzen gewöhnen sich stark an ein bestimmtes Futter. Wurde eine Katze lange vegan gefüttert und erkrankt dann, etwa an den Nieren, lässt sie sich kaum noch auf ein fleischhaltiges Diätfutter umstellen. Auch das spricht dagegen, es zu versuchen. Wie schwierig Umstellungen bei wählerischen Katzen sind, beschreibt Mäkelige Katze.
Was Sie mit gutem Gewissen tun können
Wer selbst vegan lebt und Tiere schützen möchte, steht bei der Katze vor einem echten Zielkonflikt. Ganz auflösen lässt er sich nicht, aber einiges ist möglich:
- Nicht überfüttern. Übergewicht ist das häufigste Ernährungsproblem bei Katzen. Wer bedarfsgerecht füttert, verbraucht weniger Futter und hält die Katze gesünder; der Futterrechner hilft beim Einschätzen.
- Nebenerzeugnisse akzeptieren. Viele Katzenfutter verwerten Teile von Schlachttieren, die Menschen nicht essen – Innereien, Herz, Magen. Das ist ernährungsphysiologisch wertvoll und nutzt, was sonst weggeworfen würde. Mehr dazu unter Tierische Nebenerzeugnisse im Katzenfutter.
- Auf Haltungsbedingungen achten. Futter mit Fleisch aus besserer Tierhaltung oder aus Bio-Erzeugung ist eine Möglichkeit, ethische Ansprüche mit den Bedürfnissen der Katze zu verbinden.
- Nichts wegwerfen. Angebrochene Dosen richtig lagern, passende Packungsgrößen kaufen.
- Beim Tierarzt beraten lassen. Wer ein ungewöhnliches Futterkonzept erwägt, bespricht es vorher mit einer auf Ernährung spezialisierten Tierärztin oder einem Tierarzt – nicht nach dem Umstieg.
Die klare Empfehlung: Füttern Sie Ihre Katze mit einem vollständigen Alleinfuttermittel auf Fleischbasis. Wie Sie ein gutes erkennen, erklärt Katzenfutter richtig auswählen. Die Entscheidung für eine Katze ist auch die Entscheidung, einen Fleischfresser zu versorgen.
Häufige Fragen
Kann meine Katze gelegentlich vegetarisch essen?
Ein Happen gekochtes Gemüse oder ein Stück Ei schadet einer gesunden Katze nicht, siehe Gemüse für Katzen. Die Hauptmahlzeiten sollten aber immer aus einem vollständigen Katzenfutter mit tierischem Eiweiß bestehen. Einzelne „fleischlose Tage“ bringen der Katze nichts.
Ist veganes Katzenfutter in Deutschland verboten?
Ein ausdrückliches Verbot gibt es nicht. Nach dem Tierschutzgesetz ist der Halter aber verpflichtet, sein Tier artgerecht zu ernähren. Erleidet eine Katze durch die Fütterung Schäden, kann das ein Verstoß sein.
Woran erkenne ich einen Nährstoffmangel bei meiner Katze?
Oft zunächst gar nicht. Mögliche Zeichen sind stumpfes Fell, Gewichtsverlust, Muskelabbau, Mattigkeit, Sehprobleme oder Atemnot bei Herzschwäche. Wurde Ihre Katze vegan oder vegetarisch ernährt, lassen Sie sie untersuchen, auch Herz und Augen, und stellen Sie langsam auf ein vollständiges Katzenfutter um.
Gibt es Alternativen zu Fleisch, etwa Insekten?
Futter mit Insektenprotein wird angeboten und erforscht. Insekten sind tierisches Eiweiß, also kein veganes Futter. Wie gut solche Futter für Katzen auf Dauer geeignet sind, ist noch wenig untersucht. Wer es ausprobieren möchte, wählt ein Alleinfuttermittel für Katzen und bespricht das mit dem Tierarzt.
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