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katzenwelt

Fleischanteil im Katzenfutter: Was die Prozentangaben bedeuten

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Stück rohes Rindfleisch und gewürfeltes Fleisch auf einem Holzbrett
Muskelfleisch ist die Grundlage guten Katzenfutters – wie viel davon drin ist, verrät die Prozentangabe
Inhalt9 Abschnitte
  1. Warum Fleisch für Katzen unverzichtbar ist
  2. Was die Prozentangaben auf der Packung bedeuten
  3. Fleisch, Nebenerzeugnisse und die Kategorie dazwischen
  4. Die Wasserfalle: frisches Fleisch gegen Fleischmehl
  5. Woran Sie ein fleischreiches Futter wirklich erkennen
  6. Hoher Fleischanteil ist gut – aber nicht alles
  7. Wie viel Fleisch braucht eine Katze am Tag?
  8. Worauf Sie beim Kauf achten sollten
  9. Häufige Fragen

Der Fleischanteil im Katzenfutter ist wichtig, aber die Prozentzahl auf der Packung bedeutet oft etwas anderes, als man denkt. „Mit Huhn“ heißt nach dem europäischen Branchenkodex nur, dass mindestens 4 % Huhn enthalten sind, und auch „70 % Fleisch“ zählt das Wasser im frischen Fleisch mit. Dieser Artikel erklärt, wie die Angaben zustande kommen, woran Sie ein fleischreiches Futter wirklich erkennen und wie viel Fleisch eine Katze überhaupt braucht.

Warum Fleisch für Katzen unverzichtbar ist

Katzen sind obligate Fleischfresser. Sie brauchen viel Eiweiß und Nährstoffe, die in dieser Form fast nur in tierischem Gewebe vorkommen: Taurin, Arachidonsäure und fertiges Vitamin A. Anders als Hunde können sie ihren Eiweißstoffwechsel kaum drosseln, wenn wenig Eiweiß ankommt. Ohne tierische Zutaten lässt sich eine Katze deshalb nicht gesund ernähren – wer fragt, ob eine Katze ohne Fleisch überleben kann, findet die Antwort unter Vegetarisch oder vegan für Katzen?. Welche Nährstoffe im Einzelnen gebraucht werden, steht unter Nährstoffbedarf der Katze.

Was die Prozentangaben auf der Packung bedeuten

Hebt ein Futter eine Zutat hervor, muss es deren Anteil in Prozent angeben (Artikel 17 der EU-Verordnung 767/2009). Welche Bezeichnung wie viel voraussetzt, regelt der Kennzeichnungskodex der FEDIAF, des europäischen Verbands der Heimtierfutterhersteller:

Auf der Packung stehtDas muss mindestens drin sein
„Huhngeschmack“0 % möglich, der Geschmack darf aus einem Aroma kommen
„mit Geschmack von Huhn“mehr als 0 %, aber unter 4 % Huhn
„mit Huhn“4 % Huhn
„reich an Huhn“, „extra Huhn“14 % Huhn
„Huhn“ oder „Hühnermenü“ als Name26 % Huhn
„nur Huhn“, „pur“Huhn und sonst nur Zusatzstoffe, Mineralstoffe und Wasser

Ein Futter „mit Rind“ kann also zu 96 % aus anderen Zutaten bestehen, darunter reichlich Fleisch anderer Tiere. Das ist nicht verboten und nicht unbedingt schlecht; es sagt nur wenig über den gesamten Fleischanteil. Wie das übrige Etikett aufgebaut ist, steht unter Katzenfutter-Etikett lesen.

Fleisch, Nebenerzeugnisse und die Kategorie dazwischen

Im Futtermittelrecht ist „Fleisch“ enger gefasst als im Alltag: Der EU-Katalog der Einzelfuttermittel versteht darunter Skelettmuskulatur. Herz, Leber, Nieren, Lunge oder Pansen sind tierische Nebenerzeugnisse. Heimtierfutter darf beides unter dem Sammelbegriff „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ zusammenfassen.

Steht dort „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse 60 % (davon 4 % Rind)“, dann stammen 60 % des Futters aus Schlachttieren, und nur 4 % davon sind sicher Rind. Wie viel davon Muskelfleisch ist, erfahren Sie nicht. Für die Katze ist das nicht per se ein Nachteil: Innereien liefern Vitamine und Spurenelemente, die im Muskelfleisch fehlen. Was sich hinter der Kategorie verbergen kann, erklärt Tierische Nebenerzeugnisse im Katzenfutter.

Die Wasserfalle: frisches Fleisch gegen Fleischmehl

Die Prozentangaben zählen das Gewicht beim Mischen, einschließlich Wasser. Frisches Muskelfleisch besteht zu etwa drei Vierteln aus Wasser, das bei der Herstellung von Trockenfutter größtenteils verdunstet. Ein Trockenfutter mit „40 % frischem Huhn“ klingt deshalb nach mehr Fleisch, als nach dem Trocknen davon übrig ist. Ein anderes Futter mit „25 % getrocknetem Geflügelprotein“ kann tatsächlich mehr tierisches Eiweiß enthalten, weil in getrockneten Zutaten kaum Wasser steckt.

Auch die Reihenfolge der Zutaten folgt dem Gewicht mit Wasser. Frisches Fleisch landet so leicht an erster Stelle, während Getreide und Trockenzutaten dahinter zusammen mehr Trockenmasse liefern können. Der Kodex der FEDIAF verlangt übrigens, dass „frisch“ nur für Zutaten verwendet wird, die außer der Kühlung keine Behandlung erfahren haben – gefroren oder gekocht gilt nicht als frisch.

Woran Sie ein fleischreiches Futter wirklich erkennen

  1. Tierische Zutaten stehen vorn. Die ersten Positionen sind Fleisch, Innereien oder die Kategorie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“.
  2. Die Deklaration ist offen. Konkrete Zutaten mit Prozentangaben sagen mehr als Sammelbegriffe.
  3. Das Rohprotein ist hoch. Auf Trockenmasse umgerechnet liegen fleischreiche Nassfutter meist deutlich über 40 %. Die FEDIAF-Leitlinien nennen als Untergrenze für erwachsene Katzen 25 bis gut 33 g Protein je 100 g Trockenmasse.
  4. Die geschätzten Kohlenhydrate sind niedrig. Viel Stärke bedeutet im Umkehrschluss weniger Platz für tierische Zutaten.
  5. Pflanzliches Eiweiß ist nachrangig. Stehen „pflanzliche Eiweißextrakte“ oder Erbsenprotein weit vorn, stammt ein Teil des Rohproteins nicht aus Fleisch.

Wie Sie auf Trockenmasse umrechnen und die Kohlenhydrate schätzen, zeigt Schritt für Schritt der Artikel zum Etikett.

Hoher Fleischanteil ist gut – aber nicht alles

Ein hoher Fleischanteil allein macht noch kein gutes Futter. Muskelfleisch enthält wenig Kalzium, aber viel Phosphor; eine Katze, die nur Fleisch frisst, entwickelt auf Dauer Knochenschäden, weil das Kalzium fehlt. Außerdem fehlen Vitamine und Spurenelemente, die in Beutetieren aus Leber, Knochen, Blut und Fell kommen. Ein Alleinfutter gleicht das durch Innereien, Mineralstoffe und Zusatzstoffe aus.

Wer Fleisch pur füttern möchte, sei es roh oder gekocht, braucht deshalb eine berechnete Ergänzung. Wie das geht und wo die Risiken liegen, lesen Sie unter BARF für Katzen und Katzenfutter selber kochen. Ob rohes Fleisch überhaupt eine gute Idee ist, beantwortet Dürfen Katzen rohes Fleisch essen?. Rohes Schweinefleisch ist wegen des Aujeszky-Virus für Katzen tabu.

Wie viel Fleisch braucht eine Katze am Tag?

Eine feste Grammzahl gibt es nicht, denn es kommt auf die Energie an, und die hängt vom Fettgehalt ab. Nach den FEDIAF-Leitlinien braucht eine erwachsene Katze mit 4 kg Körpergewicht grob 190 bis 250 kcal am Tag, kastrierte Wohnungskatzen eher am unteren Ende. Wer ein Alleinfutter füttert, hält sich an die Fütterungsempfehlung und korrigiert nach Gewicht; den Startwert liefert der Futterrechner.

Fleisch als Zugabe zum Alleinfutter, etwa ein Stück gegartes Hähnchen, zählt zu den Extras. Die gängige tierärztliche Faustregel lautet: Alle Extras zusammen höchstens etwa 10 % der täglichen Energie. Mehr zu erlaubten Sorten steht unter Fleisch und Wurst für Katzen.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Ein gutes Alleinfutter für Katzen hat tierische Zutaten an der Spitze, einen hohen Proteinanteil in der Trockenmasse und eine möglichst offene Deklaration. Lassen Sie sich von großen Zahlen auf der Vorderseite nicht blenden und prüfen Sie, worauf sie sich beziehen: auf eine einzelne Tierart, auf Fleisch und Nebenerzeugnisse zusammen oder auf frische Zutaten mit Wasser. Das Futter, das diese Prüfung besteht und das Ihre Katze gern frisst und gut verträgt, ist das richtige. Weitere Kriterien finden Sie unter Katzenfutter richtig auswählen.

Häufige Fragen

Ist ein Futter mit 90 % Fleisch besser als eines mit 60 %?

Nicht zwingend. Es kommt darauf an, was als Fleisch gezählt wird und wie viel Wasser darin steckt. Vergleichen Sie das Rohprotein auf Trockenmasse und prüfen Sie, ob es sich um ein Alleinfuttermittel handelt. Ein Futter mit sehr hohem Fleischanteil braucht zusätzlich Mineralstoffe, damit Kalzium und Phosphor im richtigen Verhältnis stehen.

Darf meine Katze Fleisch vom Metzger bekommen?

Als gelegentliche Zugabe ja, am besten gegart und ungewürzt, ohne Zwiebeln, Knoblauch und Salz. Als Hauptnahrung reicht Fleisch vom Metzger nicht, weil Kalzium, Vitamine und Spurenelemente fehlen. Rohes Schweinefleisch ist tabu, und rohes Geflügel kann Salmonellen übertragen.

Meine Katze hat verdorbenes Fleisch gefressen – was nun?

Beobachten Sie sie genau. Erbrechen und Durchfall können harmlos verlaufen, aber verdorbenes Fleisch kann Bakteriengifte enthalten. Rufen Sie den Tierarzt an, wenn Ihre Katze mehrmals erbricht, Blut im Erbrochenen oder Kot hat, apathisch wird, nicht trinkt oder länger als 24 Stunden nichts frisst.

Meine Katze frisst kein Fleisch mehr – ist das ernst?

Eine Katze, die plötzlich ihr gewohntes Futter verweigert, hat oft Zahnschmerzen, Übelkeit oder eine andere Erkrankung. Frisst sie länger als 24 Stunden gar nichts, muss sie zum Tierarzt, weil eine gefährliche Leberverfettung droht. Mehr dazu unter Katze frisst nicht.