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katzenwelt

Wohnungskatze artgerecht halten: Platz, Beschäftigung, Gesellschaft

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Katze spielt auf Bett
Eine Wohnungskatze, die nie nach draußen kommt, benötigt viel Aufmerksamkeit
Inhalt8 Abschnitte
  1. Wohnungshaltung oder Freigang?
  2. Was eine Wohnungskatze braucht
  3. Die Wohnung als Revier gestalten
  4. Beschäftigung: das Wichtigste, was draußen fehlt
  5. Einzelkatze oder zwei Katzen?
  6. Gefahren in der Wohnung
  7. Gesund bleiben: Gewicht und Vorsorge
  8. Häufige Fragen

Eine Wohnungskatze kann ein gutes, langes Leben führen – vorausgesetzt, die Wohnung ersetzt ihr ein Stück weit das Revier draußen. Dazu gehören Klettermöglichkeiten, Aussichtsplätze, tägliches Spiel, eine gesicherte Umgebung und bei vielen Katzen ein Artgenosse. Reine Wohnungskatzen leben im Durchschnitt sogar länger als Freigänger, weil ihnen Verkehr, Kämpfe und viele Infektionen erspart bleiben.

Wohnungshaltung oder Freigang?

Die Entscheidung hängt vor allem von der Umgebung ab. An stark befahrenen Straßen, in der Innenstadt oder in hohen Stockwerken ohne Garten ist Wohnungshaltung oft die vernünftigere Wahl. Auch Katzen, die taub, blind oder chronisch krank sind, oder Katzen, die andere anstecken könnten, bleiben besser drinnen. Katzen, die von klein auf in der Wohnung leben, vermissen die Welt draußen in der Regel nicht.

Schwierig ist dagegen der Wechsel: Eine Katze, die jahrelang Freigang hatte, lässt sich nur mit viel Geduld auf reine Wohnungshaltung umstellen. Einen Vergleich beider Haltungsformen finden Sie unter Die Freigänger-Katze.

Was eine Wohnungskatze braucht

ToilettenFaustregel: eine mehr als Katzen im Haushalt, an ruhigen Orten, täglich gereinigt
Futter und WasserFutterplatz getrennt von Wasser und Toilette, mehrere Wasserstellen in der Wohnung
Kratzenein stabiler Kratzbaum oder mehrere Kratzstellen, mindestens so hoch, dass die Katze sich ganz strecken kann
HöheAussichtsplätze, Wandbretter, Fensterplatz mit Blick nach draußen
RückzugHöhlen, Kisten, ruhige Schlafplätze, an denen die Katze nicht gestört wird
Beschäftigungmehrmals täglich Spiel mit Ihnen, dazu Futterspiele und wechselnde Spielsachen
Transportboxfür Tierarztbesuche; am besten dauerhaft offen in der Wohnung stehen lassen

Die Toiletten sollten groß genug sein – etwa anderthalbmal so lang wie die Katze – und mit einer feinkörnigen, möglichst geruchsneutralen Streu gefüllt werden, die die meisten Katzen bevorzugen. Klumpstreu und Silikatstreu gehören in den Restmüll, nicht in die Toilette, weil sie Rohre verstopfen und Krankheitserreger in Gewässer gelangen können.

Katze auf dem Kratzbaum zu Hause
Eine Katze liegt auf einem Kratzbaum mit integrierter Höhle

Die Wohnung als Revier gestalten

Katzen denken in drei Dimensionen. Eine kleine Wohnung wird für eine Katze größer, wenn sie auch die Höhe nutzen kann: Wandbretter, ein deckenhoher Kratzbaum, freigeräumte Schrankoberseiten und ein Fensterbrett mit Kissen schaffen Laufwege und Aussichtspunkte. Stellen Sie den Kratzbaum dort auf, wo das Leben stattfindet, etwa im Wohnzimmer oder am Fenster, nicht in eine abgelegene Ecke. Achten Sie auf Standfestigkeit: Ein Kratzbaum, der beim Sprung wackelt, wird gemieden.

Genauso wichtig sind Rückzugsorte: eine Höhle im Kratzbaum, ein Karton, ein Platz unter dem Bett. Katzen, die sich jederzeit zurückziehen können, sind entspannter, auch in lauten Haushalten oder mit Kindern.

Ein Fensterplatz ist für viele Wohnungskatzen das Fernsehprogramm. Ein Futterhäuschen für Vögel vor dem Fenster sorgt für Abwechslung. Ein gesicherter Balkon ist ein großer Gewinn, aber nur mit Netz oder Gitter, siehe Balkon katzensicher gestalten.

Balkon ist mit einem Katzengitter gesichert
Ein mit einem Katzennetz gesicherter Balkon

Beschäftigung: das Wichtigste, was draußen fehlt

Einer Wohnungskatze fehlt vor allem die Jagd. Ersetzen können Sie sie durch tägliches Spiel, das den Ablauf einer Jagd nachahmt: Beute bewegt sich, versteckt sich, flieht, die Katze lauert, springt und „fängt“ sie. Eine Katzenangel eignet sich dafür am besten. Zwei bis drei kurze Spielrunden von etwa zehn Minuten am Tag sind besser als eine lange. Beenden Sie das Spiel mit einem Fang und einer kleinen Mahlzeit – so ist die Jagd für die Katze abgeschlossen.

Futterspiele wie ein Fummelbrett oder ein Futterball lassen die Katze für ihr Futter arbeiten und beugen Langeweile und Übergewicht vor. Ideen finden Sie unter Katzen beschäftigen. Wechseln Sie Spielzeug regelmäßig aus; was eine Woche weggeräumt war, ist danach wieder interessant. Laserpointer sind umstritten, weil die Katze den Lichtpunkt nie fangen kann – wenn überhaupt, dann nur kurz und mit einem echten Spielzeug als Abschluss.

Einzelkatze oder zwei Katzen?

Viele Wohnungskatzen profitieren von einem Artgenossen. Zwei Katzen, die sich verstehen, spielen, jagen sich durch die Wohnung, putzen sich und schlafen zusammen. Das ersetzt zwar nicht die Zuwendung des Menschen, füllt aber die Stunden, in denen niemand zu Hause ist. Besonders junge Katzen sollten nicht allein gehalten werden, wenn ihre Menschen tagsüber arbeiten.

Nicht jede Katze will aber Gesellschaft. Manche, meist ältere oder schlecht sozialisierte Katzen, sind als Einzelkatzen glücklicher. Entscheidend ist der Charakter, nicht eine Regel. Wie Sie eine zweite Katze einführen, lesen Sie unter Die Katze vergesellschaften.

Gefahren in der Wohnung

Auch drinnen gibt es Unfallquellen:

  • Gekippte Fenster: Katzen versuchen hindurchzuklettern, rutschen nach unten und werden eingeklemmt. Die Folgen sind schwere Verletzungen bis zur Lähmung der Hinterbeine – ein Notfall. Schutzgitter für Kippfenster lösen das Problem.
  • Offene Fenster und Balkone ohne Netz, auch in niedrigen Stockwerken.
  • Giftige Pflanzen: Lilien sind für Katzen lebensgefährlich, schon Pollen und Vasenwasser; dazu Dieffenbachie, Weihnachtsstern, Efeu und viele andere. Eine Übersicht finden Sie unter giftige Pflanzen für Katzen.
  • Medikamente und Lebensmittel: Paracetamol, Ibuprofen und viele andere Arzneien für Menschen sind für Katzen giftig. Zwiebeln, Knoblauch, Schokolade und Alkohol ebenso.
  • Schnüre, Gummibänder, Nähgarn, Lametta: werden gern verschluckt und können den Darm gefährlich verletzen.
  • Waschmaschine, Trockner, Schränke: vor dem Schließen hineinsehen.

Gesund bleiben: Gewicht und Vorsorge

Wohnungskatzen bewegen sich weniger als Freigänger und neigen zu Übergewicht, dem häufigsten Ernährungsproblem bei Katzen. Ein ständig gefüllter Napf ist deshalb keine gute Idee. Richten Sie sich nach der Fütterungsempfehlung auf dem Etikett des Alleinfutters, passen Sie die Menge an das Gewicht Ihrer Katze an und rechnen Sie Leckerli mit. Grundlagen lesen Sie unter Die richtige Ernährung für die Katze.

Wasser trinken Katzen oft wenig; mehrere Wasserstellen an verschiedenen Orten, ein Trinkbrunnen und ein Anteil Nassfutter helfen. Katzengras fressen manche Katzen gern, notwendig ist es nicht; wenn Sie es anbieten, dann weiche Sorten wie Zyperngras oder Hafer statt scharfkantiger Gräser.

Weiße Katze frisst Katzengras
Eine weiße Katze knabbert an Katzengras

Auch Wohnungskatzen brauchen einmal im Jahr einen Gesundheitscheck. Nach der Leitlinie der StIKo Vet sind die Kernimpfungen gegen Katzenseuche und Katzenschnupfen für alle Katzen empfohlen, auch für reine Wohnungskatzen, weil die Erreger an Schuhen und Kleidung in die Wohnung gelangen können. Entwurmt wird nach ESCCAP bei Wohnungskatzen seltener als bei Freigängern, oft ein- bis zweimal im Jahr oder nach Kotuntersuchung.

Die Empfehlung lautet: Planen Sie für eine Wohnungskatze täglich Zeit zum Spielen ein, nutzen Sie die Höhe Ihrer Wohnung, sichern Sie Fenster und Balkon und überlegen Sie ehrlich, ob Ihre Katze mit einem Artgenossen glücklicher wäre.

Häufige Fragen

Ist Wohnungshaltung Tierquälerei?

Nein. Eine Wohnungskatze kann artgerecht leben, wenn sie genug Platz, Beschäftigung, Rückzugsorte und Zuwendung bekommt. Problematisch wird es, wenn die Katze sich langweilt, allein ist und keinerlei Anregung hat. Dann zeigen sich Übergewicht, Unsauberkeit oder übermäßiges Putzen.

Wie viel Platz braucht eine Wohnungskatze?

Eine feste Quadratmeterzahl gibt es nicht. Wichtiger als die Grundfläche sind Höhe, Rückzugsorte und Abwechslung. Auch in einer kleinen Wohnung kann eine Katze gut leben, wenn sie Kletter- und Aussichtsplätze hat und täglich beschäftigt wird. Für zwei Katzen braucht es genug Platz, um sich aus dem Weg zu gehen.

Muss eine Wohnungskatze geimpft werden?

Ja. Die StIKo Vet empfiehlt die Kernimpfungen gegen Katzenseuche und Katzenschnupfen auch für Wohnungskatzen. Die Erreger können über Schuhe, Kleidung oder andere Tiere in die Wohnung gelangen. Tollwut- und Leukoseimpfung sind bei reinen Wohnungskatzen in der Regel nicht nötig, außer bei Reisen.

Kann eine Wohnungskatze allein bleiben?

Einen Arbeitstag lang kommen viele erwachsene Katzen zurecht, wenn sie danach Zuwendung und Spiel bekommen. Mehrere Tage allein sind dagegen keine Lösung. Für Urlaube braucht es einen Katzensitter oder eine gute Pension.