Zum Inhalt springen
katzenwelt

Norwegische Waldkatze: Wesen, Haltung und Gesundheit

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Norwegische Waldkatze mit halblangem Fell im Freien
Norwegische Waldkatzen haben ein wasserabweisendes Fell und klettern gern – Freigang ist aber keine Pflicht
Inhalt9 Abschnitte
  1. Steckbrief der Norwegischen Waldkatze
  2. Herkunft: eine Landrasse, keine Perser-Kreuzung
  3. Aussehen und Fell
  4. Wesen: gelassen, sozial und verspielt
  5. Haltung: Wohnung oder Freigang?
  6. Fellpflege im Jahreslauf
  7. Rassetypische Erkrankungen
  8. Worauf Sie beim Züchter achten sollten
  9. Häufige Fragen

Die Norwegische Waldkatze ist eine große, halblanghaarige Katze aus Skandinavien mit ruhigem, freundlichem Wesen. Kater wiegen meist zwischen 4,5 und 9 kg, Kätzinnen zwischen 3,5 und 8 kg. Sie gilt als unkompliziert, braucht aber Platz zum Klettern, regelmäßige Fellpflege im Fellwechsel und einen Züchter, der seine Tiere auf die bekannten Erbkrankheiten testen lässt.

Steckbrief der Norwegischen Waldkatze

HerkunftNorwegen und Skandinavien, als Rasse seit den 1970er-Jahren anerkannt (FIFe 1977)
Größe und Gewichtgroß; Kater meist 4,5–9 kg, Kätzinnen 3,5–8 kg
Fellhalblang, doppellagig mit dichter Unterwolle und wasserabweisendem Deckhaar, Halskrause, buschiger Schwanz
Farbenfast alle Farben und Muster, häufig Tabby mit Weiß; Pointzeichnung sowie Chocolate und Lilac sehen die Standards nicht vor
Lebenserwartungwie bei anderen gesunden Hauskatzen häufig 12–16 Jahre
Wesenausgeglichen, freundlich, verspielt, meist wenig aufdringlich
Pflegeaufwandmittel; wöchentlich kämmen, im Fellwechsel täglich

Herkunft: eine Landrasse, keine Perser-Kreuzung

Die Norwegische Waldkatze – auf Norwegisch „Norsk skogkatt“ – ist keine Zuchterfindung, sondern eine Landrasse. Halblanghaarige Katzen lebten seit Jahrhunderten auf Höfen in Norwegen und Schweden; das kalte, nasse Klima begünstigte Tiere mit dichtem, wasserabweisendem Fell und kräftigem Körperbau. In nordischen Sagen tauchen große Katzen mit buschigem Schwanz auf, die Göttin Freya soll einen Wagen gefahren haben, der von Katzen gezogen wurde. Belegen lässt sich daraus keine Rassegeschichte, es zeigt nur, wie alt die Vorstellung von der „Waldkatze“ ist.

Die immer wieder erzählte Geschichte, Seefahrer hätten Perserkatzen mitgebracht, aus denen durch Kreuzung mit Hauskatzen die Norweger entstanden seien, ist eine Legende ohne Beleg. Perser und Norweger unterscheiden sich in Körperbau, Kopfform und Fellstruktur grundlegend.

Planmäßig gezüchtet wird die Rasse seit den 1930er-Jahren; der Zweite Weltkrieg unterbrach die Arbeit. In den 1970er-Jahren nahmen norwegische Züchter sie wieder auf, 1977 erkannte der europäische Dachverband FIFe die Rasse an. Seitdem ist sie in ganz Europa verbreitet und gehört zu den beliebtesten Rassekatzen.

Aussehen und Fell

Die Norwegische Waldkatze wirkt durch ihr Fell noch größer, als sie ist. Typisch sind ein dreieckiger Kopf mit geradem Profil, große, hoch angesetzte Ohren, oft mit Luchspinseln, mandelförmige Augen und ein langer, buschiger Schwanz. Zwischen den Zehen wachsen Haarbüschel.

Das Fell besteht aus einer dichten Unterwolle und einem langen, glänzenden, wasserabweisenden Deckhaar. Im Winter kommen eine ausgeprägte Halskrause und „Hosen“ an den Hinterbeinen dazu. Im Frühjahr verliert die Katze einen großen Teil der Unterwolle – dann liegen tatsächlich viele Haare in der Wohnung. Für Menschen mit Katzenallergie ist die Rasse deshalb keine gute Wahl.

Norweger wachsen langsam. Ihr endgültiges Gewicht und die volle Statur erreichen viele erst mit drei bis vier Jahren. Kater sind deutlich größer als Kätzinnen. Norweger sind groß, aber keine Riesen – Angaben von bis zu 45 cm Schulterhöhe sind stark übertrieben.

Halblanghaarige Katze in Schildpatt mit Weiß schaut in den Kühlschrank
Neugierig und verfressen: Auch große Katzen brauchen abgemessene Portionen statt offener Kühlschranktür

Wesen: gelassen, sozial und verspielt

Norwegische Waldkatzen gelten als freundlich, ausgeglichen und menschenbezogen, ohne ständig Aufmerksamkeit einzufordern. Viele folgen ihren Menschen durch die Wohnung, liegen gern in der Nähe, lassen sich aber nicht gern lange herumtragen. Sie spielen bis ins Alter und sind geschickte Kletterer, die hohe Aussichtsplätze lieben.

Mit Artgenossen kommen die meisten gut aus. Eine zweite Katze ist für jede Wohnungskatze sinnvoll, wenn tagsüber niemand zu Hause ist – das gilt für Norweger genauso wie für andere Rassen. Wie Sie zwei Katzen behutsam aneinander gewöhnen, lesen Sie unter Die Katze vergesellschaften. Kinder, die ruhig mit Tieren umgehen können, und katzenerfahrene Hunde sind für die meisten Norweger kein Problem.

Für Einsteiger ist die Rasse gut geeignet, solange die Erwartungen stimmen: Sie ist eine aktive Katze mit Bewegungsdrang, kein Sofakissen.

Haltung: Wohnung oder Freigang?

Der Name verleitet zu der Annahme, eine Waldkatze müsse in den Wald. Das stimmt nicht. Norweger können gut als Wohnungskatze leben, wenn die Wohnung ihnen genug bietet: stabile, hohe Kratzbäume oder ein deckenhoher Kratzbaum, Liegeplätze in der Höhe, tägliche Spielzeiten und idealerweise einen mit einem Katzennetz gesicherten Balkon.

Wer Freigang ermöglichen kann, macht eine Norwegische Waldkatze damit glücklich. Beachten Sie dann die Pflichten: Viele Städte und Gemeinden schreiben für Freigänger Kastration, Kennzeichnung per Mikrochip und Registrierung vor.

Wegen ihrer Größe braucht die Rasse eine große Toilette (mindestens eineinhalbmal so lang wie die Katze) und Kratzmöbel mit breiter, standfester Basis. Wackelnde Kratzbäume meiden Norweger – oder sie werfen sie um.

Fellpflege im Jahreslauf

Das Fell ist robuster, als es aussieht: Das Deckhaar verfilzt weniger schnell als das einer Perserkatze. Einmal pro Woche gründlich kämmen reicht außerhalb des Fellwechsels meist aus. Im Frühjahr, wenn die Unterwolle ausfällt, sollten Sie täglich kämmen, damit sich keine Knoten hinter den Ohren, unter den Achseln und an den „Hosen“ bilden und die Katze nicht zu viele Haare verschluckt.

Bewährt haben sich ein Metallkamm mit abgerundeten Zinken und ein Kamm mit weiterem Zinkenabstand für die Unterwolle. Baden ist nur nötig, wenn die Katze sich stark verschmutzt hat. Was Sie tun, wenn sich doch Filz gebildet hat, steht unter Ursachen für verfilztes Fell bei Katzen.

Rassetypische Erkrankungen

Die Norwegische Waldkatze ist insgesamt eine gesunde, robuste Rasse. Die Angabe, sie werde nur acht bis zehn Jahre alt, ist falsch; gut gehaltene Norweger werden so alt wie andere Hauskatzen. Einige erbliche Erkrankungen sind aber bekannt:

  • Glykogenspeicherkrankheit Typ IV (GSD IV): Ein Enzymdefekt, der rezessiv vererbt wird. Betroffene Kätzchen sterben meist kurz nach der Geburt; die wenigen, die überleben, erkranken ab etwa dem fünften Lebensmonat an fortschreitender Muskel- und Nervendegeneration und sterben in der Regel vor dem Alter von 15 Monaten. Ein Gentest der Elterntiere verhindert solche Würfe zuverlässig.
  • Pyruvatkinase-Mangel (PK-Mangel): Ein erblicher Defekt der roten Blutkörperchen, der zu wiederkehrender Blutarmut führen kann. In Untersuchungen trugen etwa 10–12 Prozent der getesteten Norweger die Anlage. Auch hierfür gibt es einen Gentest.
  • Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM): Eine Verdickung des Herzmuskels, die bei vielen Rassen vorkommt. Für Norweger gibt es keinen Gentest; Zuchttiere sollten regelmäßig per Herzultraschall untersucht werden.
  • Hüftgelenksdysplasie: Bei großen Rassen häufiger, bei Norwegern aber seltener beschrieben als etwa bei der Maine Coon.

Wie bei allen großen Katzen gilt: Übergewicht belastet Gelenke und Herz. Füttern Sie abgemessen nach Gewicht und Aktivität, nicht nach Bettelverhalten.

Worauf Sie beim Züchter achten sollten

  1. Gentests zeigen lassen. Beide Elterntiere sollten auf GSD IV und PK-Mangel getestet sein; die Befunde gehören zu den Unterlagen.
  2. Herzultraschall der Eltern. Ein aktueller, nicht zu alter HCM-Befund durch eine kardiologisch erfahrene Tierarztpraxis.
  3. Stammbaum eines anerkannten Vereins. Ein Verein unter einem Dachverband wie FIFe, WCF oder TICA; „Papiere“ ohne Vereinszugehörigkeit sagen nichts.
  4. Abgabe nicht vor der 12. Woche. Geimpft, entwurmt, gechippt und mit Heimtierausweis. Warum das Alter wichtig ist, lesen Sie unter Katzenbabys: Das richtige Alter für die Abgabe.
  5. Die Mutter sehen. Kätzchen wachsen im Haus auf, nicht im Keller oder Zwinger, und die Mutterkatze ist gesund und zutraulich.

Wer keine Papiere braucht, findet in Tierheimen und bei Notvermittlungen regelmäßig Norweger und Norweger-Mischlinge. Einen Überblick über andere große Rassen bietet der Beitrag Große Katzenrassen.

Häufige Fragen

Muss eine Norwegische Waldkatze Freigang haben?

Nein. Sie lebt auch in der Wohnung zufrieden, wenn sie genug Kletterfläche, Beschäftigung und Gesellschaft hat. Ein gesicherter Balkon oder ein Gehege ist ein guter Ausgleich. Freigang ist schön, aber keine Voraussetzung.

Wie unterscheidet sich die Norwegische Waldkatze von der Maine Coon?

Die Norwegerin hat einen dreieckigen Kopf mit geradem Profil und eine eher kompakte Statur, die Maine Coon einen kantigeren Kopf mit ausgeprägter Schnauze und einen längeren, rechteckigen Körper. Das Fell der Norwegerin ist dichter und wirkt glatter. Mehr zur amerikanischen Verwandten unter Die Maine Coon Katze.

Haart die Norwegische Waldkatze stark?

Im Frühjahr ja, dann verliert sie viel Unterwolle. Den Rest des Jahres hält sich der Haarverlust in Grenzen. Für Allergiker ist sie nicht geeignet.

Wie alt wird eine Norwegische Waldkatze?

Ähnlich alt wie andere gesunde Hauskatzen, häufig zwölf bis sechzehn Jahre. Die oft verbreitete Angabe von acht bis zehn Jahren ist nicht haltbar.