Katze aus dem Tierheim: Tipps für die richtige Wahl

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Die richtige Katze aus dem Tierheim ist die, deren Charakter zu Ihrem Alltag passt – nicht unbedingt die, die am süßesten hinter der Scheibe sitzt. Klären Sie vorher, wie viel Zeit Sie haben, ob die Katze Freigang bekommen kann und ob schon Tiere im Haushalt leben, und lassen Sie sich im Tierheim ausführlich beraten. Planen Sie danach Zeit für die Eingewöhnung ein; viele Tierheimkatzen brauchen einige Wochen, bis sie ihr neues Zuhause wirklich angenommen haben.
Warum eine Katze aus dem Tierheim?
In deutschen Tierheimen warten jedes Jahr sehr viele Katzen auf ein Zuhause: Fundkatzen, abgegebene Katzen nach Umzug, Trennung oder Allergie, Kätzchen aus unkastrierten Beständen und ältere Tiere, deren Halter gestorben sind. Wer eine Katze aus dem Tierheim holt, gibt einem Tier eine Chance und macht einen Platz für das nächste frei.
Ein praktischer Vorteil: Erwachsene Tierheimkatzen haben einen erkennbaren Charakter. Bei einem Kätzchen weiß niemand, ob es später verschmust oder eigenständig wird; bei einer dreijährigen Katze wissen die Pflegekräfte es oft ziemlich genau. Wer eine ruhige Katze sucht, findet im Tierheim häufig genau das, auch unter Seniorinnen und Senioren, die besonders schwer vermittelt werden. Mehr dazu unter Seniorkatze adoptieren.
Die Fragen vor dem ersten Besuch
Bevor Sie ins Tierheim gehen, sollten Sie für sich klären:
- Wie viel Zeit habe ich? Wer lange arbeitet, sollte eher zwei verträgliche Katzen oder eine eigenständige erwachsene Katze nehmen als ein einzelnes Kätzchen.
- Wohnung oder Freigang? Manche Katzen sind Freigang gewohnt und werden in der Wohnung unglücklich, andere dürfen aus gesundheitlichen Gründen nicht hinaus. Hilfreich dazu: Die Wohnungskatze und Die Freigänger-Katze.
- Wer lebt noch im Haushalt? Kinder, Hunde, andere Katzen – das Tierheim braucht diese Angaben, um eine passende Katze vorzuschlagen.
- Wie viel Erfahrung habe ich? Scheue, ängstliche oder kranke Katzen brauchen Geduld und manchmal regelmäßige Tierarztbesuche. Das ist machbar, aber nicht für jeden.
- Was kann ich mir leisten? Futter, Streu, Tierarzt im Alter und Urlaubsbetreuung kosten über ein Katzenleben einen erheblichen Betrag. Einen Überblick gibt der Beitrag zu den Unterhaltskosten für eine Katze.
Die Frage „Einzelkatze oder zwei?“ lässt sich im Tierheim gut klären, weil die Pflegekräfte wissen, welche Katzen sich mit Artgenossen verstehen und welche lieber allein leben.
Der Besuch im Tierheim
Viele Tierheime vergeben Besuchstermine oder haben feste Öffnungszeiten für Interessenten; informieren Sie sich vorher auf der Internetseite. Beim ersten Gespräch schildern Sie Ihre Wohnsituation, Ihren Alltag und Ihre Wünsche. Die Pflegekräfte schlagen dann Katzen vor, die passen könnten, und erzählen, was sie über deren Vorgeschichte wissen.
Fragen Sie nach:
- Wie verhält sich die Katze gegenüber Menschen, fremden Besuchern, Kindern?
- Kennt sie andere Katzen oder Hunde, und wie reagiert sie auf sie?
- War sie Freigängerin oder Wohnungskatze?
- Hat sie Vorerkrankungen, braucht sie Medikamente oder Spezialfutter?
- Ist sie stubenrein, kratzt sie an Möbeln, hat sie Angst vor bestimmten Situationen?
- Ist sie geimpft, gechippt, kastriert, auf FIV und FeLV getestet?
Lassen Sie sich Zeit. Besuchen Sie die Katze, wenn möglich, mehrmals, bevor Sie sich festlegen. Im Tierheim zeigen viele Katzen nicht ihr wahres Wesen: Die Scheue in der Ecke kann zu Hause eine Schmusekatze werden, der Draufgänger an der Scheibe ein anstrengender Mitbewohner. Die Einschätzung der Pflegekräfte ist deshalb oft verlässlicher als der erste Eindruck.
Besondere Katzen: krank, alt oder FIV-positiv
In jedem Tierheim gibt es Katzen, die schwer vermittelbar sind: Seniorinnen, Katzen mit chronischen Krankheiten wie Diabetes oder Schilddrüsenüberfunktion, Katzen mit nur einem Auge oder drei Beinen, und FIV-positive Katzen. FIV, das Katzenimmunschwächevirus, wird vor allem durch tiefe Bisswunden übertragen. Viele FIV-positive Katzen leben lange und ohne Beschwerden. Sie sollten aber nicht mit FIV-negativen Katzen zusammenleben, die sich beißen, und nicht in den Freigang, wo sie andere Katzen anstecken können.
Wer sich eine solche Katze zutraut, fragt das Tierheim nach Pflegeaufwand und laufenden Kosten. Manche Tierheime unterstützen dabei oder bieten Patenschaften an.
Vorkontrolle, Schutzvertrag, Schutzgebühr
Seriöse Tierheime vermitteln nicht spontan. Üblich sind:
- Vorgespräch und manchmal ein Besuch zu Hause (Vorkontrolle), bei dem geprüft wird, ob etwa der Balkon gesichert ist.
- Schutzvertrag, in dem Sie sich zu artgerechter Haltung, tierärztlicher Versorgung und manchmal zu Wohnungshaltung verpflichten. Oft behält sich das Tierheim vor, die Katze zurückzunehmen, falls Sie sie nicht mehr halten können.
- Schutzgebühr, deren Höhe je nach Tierheim und Tier unterschiedlich ist. Sie deckt nur einen Teil der Kosten für Impfungen, Chip, Kastration und Unterbringung.
- Nachkontrolle nach einigen Wochen.
In der Regel ist die Katze bei der Abgabe tierärztlich untersucht, geimpft, entwurmt, gechippt und – bei erwachsenen Tieren – kastriert. Eine Garantie für völlige Gesundheit ist das nicht; lassen Sie die Katze nach der Eingewöhnung von Ihrem eigenen Tierarzt durchsehen.
Viele Tierheime vermitteln in der Vorweihnachtszeit keine Tiere oder nur eingeschränkt, damit keine Katze als unüberlegtes Geschenk unter dem Baum landet. Das ist kein Hindernis, sondern ein gutes Zeichen.
Die Eingewöhnung zu Hause
Tierheimkatzen haben oft mehrere Umzüge und Verluste hinter sich. Die ersten Wochen entscheiden darüber, wie schnell sie Vertrauen fassen.
- Vorbereiten. Grundausstattung vorher besorgen – eine Liste finden Sie unter Erstausstattung für Katzenbabys, die meisten Punkte gelten auch für erwachsene Katzen. Fragen Sie im Tierheim nach Futter und Streu und übernehmen Sie beides für die ersten Wochen.
- Ein Startzimmer. Richten Sie einen ruhigen Raum mit Toilette, Futter, Wasser, Kratzmöglichkeit, Verstecken und einem erhöhten Platz ein. Eine Decke aus dem Tierheim bringt vertrauten Geruch mit.
- Box öffnen, nicht ausschütten. Stellen Sie die Transportbox ab, öffnen Sie die Tür und lassen Sie die Katze selbst entscheiden, wann sie herauskommt.
- Die Katze kommen lassen. Setzen Sie sich in den Raum, lesen Sie, sprechen Sie leise. Nicht aus dem Versteck ziehen, nicht bedrängen. Leckerli und ruhiges Spiel mit einer Katzenangel helfen beim ersten Kontakt.
- Gleichmäßiger Tagesablauf. Feste Futterzeiten und ein ruhiger Haushalt geben Sicherheit. Besuch und Umräumen warten.
- Wohnung nach und nach öffnen. Erst wenn die Katze im Startzimmer entspannt frisst, spielt und sich zeigt, darf sie die übrige Wohnung erkunden.
- Freigang erst nach Wochen. Freigängerinnen bleiben mindestens drei bis vier Wochen drinnen, bis sie das neue Zuhause kennen.
Viele Tierheimkatzen fressen in den ersten ein bis zwei Tagen wenig. Frisst eine Katze aber länger als 24 Stunden gar nichts, rufen Sie den Tierarzt an: Katzen, besonders übergewichtige, können dann eine gefährliche Leberverfettung entwickeln. Auch Durchfall, der länger als ein, zwei Tage anhält, Niesen und Augenausfluss nach dem Umzug oder eine Katze, die keinen Urin absetzt, gehören in tierärztliche Hände. Hilfreiche Tipps für die Zeit danach lesen Sie unter Tierheimkatze erziehen.
Die Empfehlung lautet: Hören Sie im Tierheim mehr auf die Pflegekräfte als auf den ersten Blick, und geben Sie Ihrer neuen Katze zu Hause Wochen statt Tage.
Häufige Fragen
Was kostet eine Katze aus dem Tierheim?
Die Schutzgebühr ist je nach Tierheim, Alter und Gesundheitszustand der Katze unterschiedlich und deckt meist nur einen Teil der Kosten für Impfungen, Chip und Kastration. Die genauen Beträge nennen die Tierheime auf ihren Internetseiten oder am Telefon.
Wie lange dauert die Eingewöhnung einer Tierheimkatze?
Das ist sehr unterschiedlich. Manche Katzen erkunden schon am ersten Abend die Wohnung, andere verstecken sich tagelang. Bis eine scheue Katze wirklich Vertrauen gefasst hat, können Wochen bis Monate vergehen. Druck verlängert die Zeit, Geduld verkürzt sie.
Kann ich eine Tierheimkatze zurückgeben?
Wenn es gar nicht funktioniert, ja – die meisten Schutzverträge sehen sogar vor, dass die Katze ins Tierheim zurückkommt und nicht weitergegeben wird. Sprechen Sie das Tierheim bei Problemen früh an; oft gibt es Tipps, die helfen, bevor es zur Rückgabe kommt.
Sind Katzen aus dem Tierheim schwierig?
Nicht grundsätzlich. Viele Tierheimkatzen sind ganz normale Katzen, die ihr Zuhause durch Umstände verloren haben. Einige haben schlechte Erfahrungen gemacht und brauchen mehr Geduld. Die Pflegekräfte wissen meist gut, welche Katze für Anfänger geeignet ist und welche erfahrene Halter braucht.



