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katzenwelt

Balinese: die halblanghaarige Siamkatze im Porträt

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Balinesenkatze mit blauen Augen und dunkleren Abzeichen an Ohren, Gesicht und Pfoten
Balinese mit Point-Zeichnung und blauen Augen
Inhalt10 Abschnitte
  1. Steckbrief der Balinese
  2. Wie die Balinese entstand
  3. Aussehen
  4. Wesen: Gesprächspartnerin mit Anspruch
  5. Haltung
  6. Pflege
  7. Rassetypische Erkrankungen
  8. Worauf Sie beim Züchter achten sollten
  9. Für wen die Balinese passt
  10. Häufige Fragen

Die Balinese ist eine Siamkatze mit halblangem, seidigem Fell: schlank, langbeinig, mit blauen Augen und dunkleren Abzeichen an Gesicht, Ohren, Beinen und Schwanz. Im Wesen gleicht sie der Siam – gesprächig, anhänglich und aktiv. Sie passt zu Menschen, die viel Zeit zu Hause verbringen oder ihr eine zweite Katze an die Seite stellen.

Steckbrief der Balinese

HerkunftUSA, aus langhaarigen Siamkatzen gezüchtet
Größe und Gewichtmittelgroß, schlank; etwa 2,5–5 kg, Kater schwerer
Fellhalblang, fein und seidig, fast ohne Unterwolle; am Schwanz federartig
FarbenPoint-Farben wie Seal, Blue, Chocolate, Lilac, je nach Verband auch Red, Cream, Tortie, Tabby
Augenmandelförmig, tiefblau
Lebenserwartunghäufig 12–16 Jahre
Wesengesprächig, menschenbezogen, verspielt, intelligent
Pflegeaufwandmäßig beim Fell, hoch bei Zuwendung

Wie die Balinese entstand

In Würfen von Siamkatzen tauchten immer wieder Kitten mit längerem Fell auf. Das Langhaar-Gen wird rezessiv vererbt, kann also über Generationen unbemerkt mitlaufen. Woher es stammt, ist nicht abschließend geklärt; eine frühere Einkreuzung langhaariger Katzen gilt als wahrscheinlich. Lange galten solche Kitten als Fehlfarbe und wurden als Liebhabertiere abgegeben.

In den 1950er-Jahren begannen Züchterinnen in den USA, die langhaarigen Tiere gezielt weiterzuzüchten. Weil Siam-Züchter den Namen „langhaarige Siam“ ablehnten, bekam die neue Rasse einen eigenen Namen: Balinese, angelehnt an die fließenden Bewegungen balinesischer Tempeltänzerinnen – mit der Insel Bali hat die Katze nichts zu tun. Die Cat Fanciers’ Association (CFA) ließ sie 1970 zu Meisterschaften zu, zunächst nur in den vier klassischen Siam-Farben.

Tiere in weiteren Farben wie Rot, Creme, Tabby oder Schildpatt führte die CFA lange getrennt unter dem Namen „Javanese“. 2008 wurden beide wieder zusammengelegt; seither ist „Javanese“ dort nur noch eine Farbgruppe der Balinese. In Europa ist die Balinese bei den großen Verbänden anerkannt und gehört zur Gruppe der Siam- und Orientalenrassen. Wer bei der Katzensuche auf den Namen Javanese stößt, sollte nachfragen, was genau gemeint ist, denn die Verbände verwenden ihn unterschiedlich.

Aussehen

Die Balinese hat den Körperbau der modernen Siam: lang, schlank, feinknochig und doch muskulös, mit langen Beinen, ovalen Pfoten und keilförmigem Kopf mit großen, breit angesetzten Ohren. Die Augen sind mandelförmig und tiefblau. Das Fell liegt am Körper eher an und wirkt kürzer, als es ist; an Hals und Schultern ist es länger, der Schwanz trägt eine seidige Fahne.

Die Point-Zeichnung ist temperaturabhängig: Das Pigment bildet sich nur an kühleren Körperstellen. Kitten kommen deshalb fast weiß zur Welt, die Abzeichen dunkeln in den ersten Monaten nach. Auch erwachsene Tiere werden mit dem Alter und in kühler Umgebung am Körper oft dunkler. Weiße Katzen dieses Typs werden mancherorts als „Foreign White“ geführt; ihr Weiß überdeckt die Point-Zeichnung.

Weiße Katze orientalischen Typs mit blauen Augen kratzt sich hinter dem Ohr
Weiße Katze orientalischen Typs mit blauen Augen, etwa ein Jahr alt

Wesen: Gesprächspartnerin mit Anspruch

Wie die Siam redet die Balinese viel, ihre Stimme ist etwas weicher, aber ausdauernd. Sie folgt ihren Menschen durch die Wohnung, will bei allem dabei sein und fordert Aufmerksamkeit ein. Viele Balinesen lernen schnell, holen Spielzeug zurück oder gehen am Geschirr spazieren.

Diese Menschenbezogenheit hat eine Kehrseite: Lange Stunden allein vertragen Balinesen schlecht. Wer außer Haus arbeitet, sollte zwei Katzen halten – die zweite muss keine Balinese sein, sollte aber ähnlich aktiv und gesellig sein. Mit Kindern und katzenfreundlichen Hunden kommt die Rasse in der Regel gut zurecht, wenn alle Seiten Zeit zum Kennenlernen bekommen.

Haltung

Die Balinese lebt zufrieden als Wohnungskatze, wenn die Wohnung Abwechslung bietet: Kletter- und Liegeplätze auf mehreren Ebenen, Kratzmöglichkeiten, Fensterplätze und tägliche Spielzeiten. Futterspiele und Intelligenzspielzeug fordern ihren Kopf. Ein gesicherter Balkon mit Katzennetz bringt frische Luft und Beschäftigung. Wie lange Katzen überhaupt allein bleiben können, lesen Sie unter Wie lange kann man Katzen alleine lassen?.

Pflege

Weil die Unterwolle fast fehlt, verfilzt das Fell der Balinese deutlich seltener als bei Perser oder Maine Coon. Einmal pro Woche mit einem Kamm und einer weichen Bürste durchgehen genügt meist, im Fellwechsel häufiger. Das reduziert verschluckte Haare und damit Haarballen. Achten Sie außerdem auf die Zähne: Wie bei der Siam kommen Zahnfleischentzündungen häufiger vor. Regelmäßige Kontrollen und, wenn die Katze es zulässt, Zähneputzen helfen (siehe Zahnfleischentzündung).

Rassetypische Erkrankungen

Die Balinese teilt die Erbrisiken der Siam, weil beide Rassen eng verwandt sind:

  • Progressive Retinaatrophie (PRA, Typ rdAc): Die Netzhaut baut über Jahre ab, bis zur Erblindung. Die zugrunde liegende Mutation ist in der Siam-Gruppe weit verbreitet; ein Gentest zeigt Träger und Betroffene.
  • Amyloidose: Eiweißablagerungen, bei Siam und verwandten Rassen vor allem in der Leber, können zu Leberblutungen und Leberversagen führen. Einen Gentest gibt es nicht.
  • Schielen und Augenzittern: kommen bei Siam-Rassen häufiger vor; meist stören sie die Katze kaum, sollten aber nicht bewusst weitergezüchtet werden.
  • Atemwege: Bei Siam und Orientalen wird Asthma häufiger beschrieben. Husten, der wie Würgen klingt, oder Atmen mit offenem Maul gehören tierärztlich abgeklärt, Atemnot ist ein Notfall.
  • Zähne: siehe Pflege.

Die herzmuskelverdickende Kardiomyopathie (HCM) kommt bei der Balinese vor wie bei vielen Katzen; als besondere Rasseschwäche ist sie nicht belegt. Eine extrem feine, sehr lange Kopfform, wie sie bei manchen Siam-Linien angestrebt wird, sehen viele Tierärzte kritisch; ein mittlerer, harmonischer Typ ist die bessere Wahl.

Worauf Sie beim Züchter achten sollten

  1. Gentest auf PRA (rdAc) für beide Elterntiere; Träger dürfen nur mit freien Tieren verpaart werden.
  2. Stammbaum eines anerkannten Vereins und Auskunft über Amyloidose-Fälle in der Linie.
  3. Kitten im Haushalt aufgewachsen, gut an Menschen gewöhnt, nicht vor der 12. Woche abgegeben, geimpft, entwurmt und gechippt.
  4. Moderater Typ statt extremer Kopfformen.

Für wen die Balinese passt

Die Balinese passt zu Menschen, die eine redselige, anhängliche Katze wollen und Freude daran haben, täglich mit ihr zu spielen und zu sprechen. Wer viel Ruhe braucht oder oft lange unterwegs ist, wird mit ihr nicht glücklich – oder sollte zumindest zwei Katzen halten. Wer ein halblanges Fell mag, aber keine Lust auf tägliches Entfilzen hat, findet in ihr einen guten Kompromiss.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Balinese und Siam?

Im Wesentlichen das Fell: Die Balinese ist halblanghaarig, die Siam kurzhaarig. Körperbau, Augenfarbe, Point-Zeichnung und Charakter sind nahezu gleich. Manche Halter empfinden die Balinese als etwas sanfter, belegen lässt sich das nicht.

Ist die Balinese für Allergiker geeignet?

Das wird oft behauptet, weil sie wenig Unterwolle hat und angeblich weniger Allergen bildet. Wissenschaftlich gesichert ist das nicht. Allergiker sollten vor der Anschaffung mehrere Stunden mit den Katzen des Züchters verbringen und ärztlich klären lassen, wie stark ihre Reaktion ist.

Kommen Balinesen-Kitten weiß zur Welt?

Fast weiß, ja. Die Abzeichen bilden sich temperaturabhängig und dunkeln in den ersten Lebensmonaten nach. Die endgültige Färbung ist oft erst nach einem bis zwei Jahren erreicht.

Wie alt werden Balinesen?

Viele werden 12 bis 16 Jahre alt, manche älter. Entscheidend sind gesunde Elterntiere, ein normales Gewicht, gute Zahnpflege und regelmäßige Vorsorge beim Tierarzt.