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katzenwelt

Zahnfleischentzündung bei Katzen: Anzeichen und Behandlung

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Katze mit Zahnfleischentzündung
Eine Katze mit entzündetem Zahnfleisch lässt sich oft ungern ins Maul schauen
Inhalt9 Abschnitte
  1. Wie eine Zahnfleischentzündung entsteht
  2. Andere Ursachen, die bei Katzen wichtig sind
  3. Woran Sie eine Zahnfleischentzündung erkennen
  4. Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss
  5. Behandlung beim Tierarzt
  6. Warum Hausmittel keine Behandlung sind
  7. So beugen Sie vor
  8. Unsere Empfehlung
  9. Häufige Fragen

Eine Zahnfleischentzündung erkennen Sie bei der Katze an einem roten Saum dort, wo das Zahnfleisch an die Zähne grenzt, oft zusammen mit Mundgeruch. Meist ist Zahnbelag die Ursache, bei Katzen stecken aber auch häufig schmerzhafte Zahnresorptionen oder eine chronische Entzündung der gesamten Maulschleimhaut dahinter. Die Behandlung gehört in die Tierarztpraxis; zu Hause können Sie vor allem vorbeugen.

Wie eine Zahnfleischentzündung entsteht

Auf den Zähnen bildet sich ständig ein weicher, bakterienhaltiger Belag, die Plaque. Wird er nicht entfernt, lagern sich Mineralien ein, und nach einigen Tagen entsteht harter Zahnstein. Die Bakterien und ihre Stoffwechselprodukte reizen das Zahnfleisch, es entzündet sich: die Gingivitis.

Solange nur das Zahnfleisch betroffen ist, lässt sich die Entzündung vollständig zurückdrängen. Schreitet sie fort, greift sie auf den Zahnhalteapparat über. Das ist die Parodontitis: Zahnfleisch zieht sich zurück, Knochen wird abgebaut, Zähne lockern sich und fallen schließlich aus. Parodontitis zählt zu den häufigsten Erkrankungen erwachsener Katzen überhaupt.

Andere Ursachen, die bei Katzen wichtig sind

  • Zahnresorptionen (FORL): Bei vielen Katzen, besonders älteren, löst der Körper Zahnsubstanz von innen oder am Zahnhals auf. Das ist sehr schmerzhaft. Oft sieht man nur eine gerötete Zahnfleischwulst, die in ein Loch am Zahnhals wächst. Das volle Ausmaß zeigt erst ein Röntgenbild.
  • Chronische Gingivostomatitis: Eine heftige, oft sehr schmerzhafte Entzündung von Zahnfleisch und Maulschleimhaut, besonders im hinteren Rachenbereich. Die genaue Ursache ist nicht geklärt; eine Überreaktion des Immunsystems auf Zahnbelag spielt eine Rolle, das Calicivirus aus dem Katzenschnupfen-Komplex wird bei vielen betroffenen Katzen gefunden.
  • Juvenile Gingivitis: Manche Katzen haben schon während oder kurz nach dem Zahnwechsel stark gerötetes Zahnfleisch und brauchen früh konsequente Zahnpflege.
  • Allgemeinerkrankungen: Nierenerkrankungen, Diabetes oder Virusinfektionen wie FIV und FeLV können Entzündungen im Maul begünstigen.
  • Verletzungen und Fremdkörper: Eingeklemmte Grannen, Knochensplitter oder Fäden reizen das Zahnfleisch örtlich.

Woran Sie eine Zahnfleischentzündung erkennen

Beim Blick ins Maul:

  • roter, geschwollener Saum am Zahnfleischrand
  • gelblich-brauner Zahnstein, vor allem an den Backenzähnen
  • Zahnfleisch, das bei Berührung blutet oder über den Zahn wächst
  • gerötete, wunde Stellen hinten im Rachen

Im Verhalten:

  • Mundgeruch
  • vermehrtes Speicheln, manchmal mit Blut – siehe Katze sabbert
  • Kauen nur auf einer Seite, Futter fällt aus dem Maul
  • Trockenfutter wird verweigert oder ganz geschluckt
  • Kopfschütteln, Pfote am Maul, Zähneklappern beim Fressen
  • weniger Putzen, dadurch struppiges Fell
  • Gewichtsverlust

Um nachzusehen, heben Sie bei ruhiger Katze vorsichtig die Oberlippe seitlich an. Das Maul dafür aufzuzwingen ist nicht nötig; die Backenzähne sieht man so am besten. Wehrt sich die Katze heftig, lassen Sie es – Schmerzen sind dann wahrscheinlich, und das Maul gehört in die Praxis.

Katze bekommt beim Tierarzt die Zähne geputzt
Regelmäßige Zahnpflege beugt Zahnfleischentzündungen vor

Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss

In den nächsten Tagen, wenn Sie gerötetes Zahnfleisch, Zahnstein oder anhaltenden Mundgeruch bemerken oder die Katze beim Fressen auffällig ist. Eine Zahnfleischentzündung heilt nicht von allein, solange Belag und Zahnstein bleiben.

Sofort, wenn die Katze wegen Schmerzen nicht mehr frisst – länger als 24 Stunden ohne Futter kann bei Katzen eine lebensgefährliche Leberverfettung auslösen –, wenn sie stark blutet, das Gesicht anschwillt oder sie kaum noch schlucken kann.

Behandlung beim Tierarzt

  1. Untersuchung in Narkose. Nur in Narkose lassen sich alle Zähne und Zahnfleischtaschen gründlich untersuchen und reinigen. Bei Katzen gehören dazu heute Röntgenaufnahmen der Zähne, weil Resorptionen und Wurzelreste unter dem Zahnfleisch liegen.
  2. Professionelle Zahnreinigung. Zahnstein wird mit Ultraschall entfernt, auch unter dem Zahnfleischrand, danach werden die Zähne poliert, damit neuer Belag schlechter haftet.
  3. Zahnentfernung, wo nötig. Lockere Zähne, Zähne mit Resorptionen und Wurzelreste werden gezogen. Katzen kommen mit weniger Zähnen erstaunlich gut zurecht, auch mit Trockenfutter.
  4. Bei chronischer Gingivostomatitis: Hier hilft oft nur die Entfernung aller Backenzähne oder aller Zähne. Bei der Mehrheit der Katzen bessert sich die Entzündung danach deutlich oder heilt ganz ab. Für die übrigen gibt es entzündungshemmende und immunregulierende Medikamente.
  5. Medikamente: Schmerzmittel für Katzen und bei Bedarf Antibiotika. Antibiotika allein heilen eine Zahnfleischentzündung nicht, solange die Ursache bleibt. Kortison wird wegen möglicher Nebenwirkungen nur gezielt und möglichst kurz eingesetzt.

Für schwierige Fälle gibt es Tierärztinnen und Tierärzte mit Weiterbildung in Zahnheilkunde. Ihre Praxis kann Sie überweisen.

Warum Hausmittel keine Behandlung sind

Kamillentee, Salzwasser, Natron oder Aloe vera beseitigen weder Zahnstein noch Resorptionen. Sie können allenfalls den Zeitpunkt verschieben, an dem eine Behandlung nötig wird, und die Katze hat bis dahin Schmerzen. Ätherische Öle wie Teebaum-, Nelken- oder Pfefferminzöl sind für Katzen giftig und gehören weder ins Maul noch ins Trinkwasser. Auch Zahnpasta für Menschen ist ungeeignet: Sie enthält Fluorid und Schaumbildner, die Katzen verschlucken.

So beugen Sie vor

  1. Zähne putzen. Am wirksamsten ist tägliches Putzen mit einer weichen Katzenzahnbürste oder Fingerling und Zahnpasta für Katzen. Wer es nicht täglich schafft: Jedes zweite Mal ist besser als gar nicht.
  2. Langsam gewöhnen. Erst nur die Lippe anheben und loben, dann mit dem Finger über das Zahnfleisch fahren, dann mit Zahnpasta, zuletzt mit Bürste. Über mehrere Wochen, immer kurz und mit Belohnung. Bei Kätzchen gelingt das am leichtesten.
  3. Zahnpflege-Futter und Kauhilfen können Belag verringern, ersetzen das Putzen aber nicht. Als Orientierung dient das Siegel des Veterinary Oral Health Council (VOHC), das eine belegte Wirkung auf Belag oder Zahnstein bestätigt.
  4. Regelmäßige Kontrolle. Lassen Sie bei der jährlichen Untersuchung und beim Impftermin immer auch ins Maul schauen. Die Impfung gegen Katzenschnupfen schützt übrigens nicht direkt vor Zahnfleischentzündungen, verringert aber schwere Calicivirus-Infektionen.

Wie das Katzengebiss aufgebaut ist und wann der Zahnwechsel stattfindet, erklärt der Beitrag Katzengebiss.

Unsere Empfehlung

Werfen Sie einmal im Monat einen Blick auf die Backenzähne Ihrer Katze und nehmen Sie Mundgeruch ernst. Sehen Sie einen roten Zahnfleischsaum oder Zahnstein, lassen Sie die Katze untersuchen und gegebenenfalls in Narkose reinigen – mit Röntgen. Danach lohnt es sich, das Zähneputzen zu üben: Es ist die einzige Vorbeugung, deren Wirkung gut belegt ist.

Häufige Fragen

Ist eine Narkose für die Zahnreinigung nicht zu gefährlich?

Für gesunde Katzen ist das Narkoserisiko heute gering, bei älteren Katzen wird vorher Blut untersucht und die Narkose angepasst. Eine Zahnsteinentfernung ohne Narkose ist bei Katzen nicht sinnvoll: Sie entfernt nur sichtbaren Belag, lässt die Taschen unbehandelt und ist für die Katze belastend.

Kann eine Zahnfleischentzündung andere Organe schädigen?

Eine lang bestehende Parodontitis ist eine dauernde Entzündungsquelle. Beim Menschen und beim Hund werden Zusammenhänge mit Herz-, Nieren- und Lebererkrankungen diskutiert, für Katzen ist die Datenlage dünner. Unabhängig davon verursacht sie Schmerzen, und das allein ist Grund genug zur Behandlung.

Ist Zahnfleischentzündung ansteckend?

Die Entzündung selbst nicht. Das Calicivirus, das bei chronischer Maulschleimhautentzündung eine Rolle spielt, ist aber zwischen Katzen übertragbar. Katzen mit starkem Katzenschnupfen sollten deshalb Näpfe nicht mit anderen teilen.

Was kostet eine Zahnbehandlung bei der Katze?

Das hängt stark vom Umfang ab: Eine einfache Reinigung kostet deutlich weniger als eine Behandlung mit Röntgen und mehreren Zahnentfernungen. Die Kosten richten sich nach der Gebührenordnung für Tierärzte. Lassen Sie sich vorher einen Kostenvoranschlag geben. Manche Tierkrankenversicherungen übernehmen Zahnbehandlungen – siehe Krankenversicherung für Katzen.