Abessinierkatze: Wesen, Haltung und typische Erbkrankheiten

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Die Abessinier ist eine schlanke, mittelgroße Kurzhaarkatze mit auffällig getickten Fell, großen Ohren und einem Bewegungsdrang, der bis ins Alter bleibt. Sie ist menschenbezogen und klug, aber keine Katze für Menschen, die abends vor allem ihre Ruhe wollen. Wer sich für die Rasse interessiert, sollte ihre Erbkrankheiten kennen – vor allem den PK-Mangel und die Netzhautdegeneration PRA, für die es Gentests gibt.
Steckbrief der Abessinier
| Herkunft | Rasse entstand in Großbritannien, Ausgangstiere vermutlich aus Nordostafrika bzw. dem Raum am Indischen Ozean |
| Größe und Gewicht | mittelgroß, schlank; Katzen meist 3–4 kg, Kater etwa 4–5 kg |
| Fell | kurz, fein, dicht anliegend, jedes Haar mehrfach gebändert (Ticking) |
| Farben | wildfarben (rötlich-braun), Sorrel, Blau, Fawn, je auch in Silber; weitere Farben nicht bei allen Verbänden |
| Lebenserwartung | meist 12–15 Jahre, gesunde Tiere auch älter |
| Wesen | aktiv, neugierig, verspielt, menschenbezogen, gesellig |
| Pflegeaufwand | gering beim Fell, hoch bei Beschäftigung |
Woher die Abessinier wirklich stammt
Der Name verweist auf Abessinien, das heutige Äthiopien. Tatsächlich wurde 1871 auf der Katzenausstellung im Londoner Crystal Palace eine Katze namens Zula gezeigt, die ein britischer Offizier nach dem Feldzug in Abessinien mitgebracht haben soll. Ob die heutige Rasse von ihr abstammt, ist nicht belegt. Genetische Untersuchungen sprechen eher dafür, dass die Vorfahren aus dem Raum um den Indischen Ozean stammen, möglicherweise auch aus Südostasien.
Sicher ist: Die eigentliche Zucht fand in Großbritannien statt, später auch in den Niederlanden und den USA. Der britische Dachverband GCCF erkannte die Abessinier 1929 an. Damit gehört sie zu den älteren anerkannten Rassen. Heute führen sie alle großen Zuchtverbände. Die halblanghaarige Variante ist als eigene Rasse unter dem Namen Somali bekannt.
Aussehen: das Fell mit dem Ticking
Auffälligstes Merkmal ist das getickte Fell. Jedes einzelne Haar trägt mehrere dunkle und helle Farbbänder, dadurch wirkt das Fell gleichmäßig schimmernd, fast wie bei einem Wildkaninchen oder Puma. Eine Tabby-Zeichnung ist bei der Abessinier nur noch angedeutet: am Kopf mit einem „M“ auf der Stirn und dunklen Linien an den Augen. Streifen an Beinen oder Schwanz gelten im Standard als Fehler.
Der Körper ist schlank, muskulös und mittelgroß, die Beine sind lang, der Schwanz lang und spitz zulaufend. Die großen, breit angesetzten Ohren und die mandelförmigen Augen in Bernstein, Haselnuss oder Grün geben dem Kopf den typischen wachen Ausdruck. Kitten kommen meist dunkler zur Welt, die endgültige Farbe und das Ticking entwickeln sich über viele Monate.

Wesen: neugierig, klug und selten still
Die Abessinier will überall dabei sein. Sie untersucht Schränke, Taschen und jede Tätigkeit ihrer Menschen, klettert gern hoch hinaus und spielt bis ins Alter. Viele Tiere lernen schnell, Türen zu öffnen oder Spiele mit Futterbelohnung zu lösen. Das macht sie zu einer unterhaltsamen, aber anspruchsvollen Mitbewohnerin.
Anhänglich ist sie durchaus, sie sucht die Nähe ihrer Menschen und schläft oft bei ihnen. Eine Katze, die stundenlang auf dem Schoß liegt, ist sie aber meist nicht. Wer sie unterfordert, erlebt Langeweile in Form von Unfug: umgeworfene Gegenstände, nächtliche Rennen, Dauermaunzen. Für Familien mit Kindern, die gern mit der Katze spielen, passt sie oft gut – sofern die Kinder gelernt haben, sie in Ruhe zu lassen, wenn sie sich zurückzieht.
Haltung: Platz, Beschäftigung und Gesellschaft
Die Abessinier lässt sich gut als Wohnungskatze halten, wenn die Wohnung genug bietet: Kletter- und Liegeflächen in verschiedenen Höhen, Kratzmöglichkeiten, Verstecke und tägliche Spielzeiten. Ein einzelner Kratzbaum reicht selten; besser sind mehrere Ebenen, etwa ein deckenhoher Kratzbaum und Wandbretter. Ein gesicherter Balkon oder ein eingezäunter Garten ist ein großer Gewinn.
Allein halten sollte man sie nicht, besonders nicht bei Berufstätigen. Eine zweite Katze mit ähnlichem Temperament ist fast Pflicht – das muss keine Abessinier sein, aber eine behäbige Senior-Katze wäre mit ihr überfordert. Futterspiele, Fummelbretter und kurze Trainingseinheiten, etwa mit Clickertraining, fordern ihren Kopf.
Pflege
Das kurze, anliegende Fell braucht wenig Hilfe. Einmal pro Woche mit einer weichen Bürste oder einem Gummihandschuh darüberzugehen genügt, im Fellwechsel etwas häufiger. Mehr Aufmerksamkeit verdienen die Zähne: Abessinier gelten als anfällig für Zahnfleischentzündungen und Parodontitis. Kontrollieren Sie das Zahnfleisch regelmäßig, gewöhnen Sie die Katze früh ans Zähneputzen und lassen Sie die Zähne bei der jährlichen Untersuchung ansehen. Mehr dazu unter Zahnfleischentzündung bei der Katze.
Rassetypische Erkrankungen
Die Abessinier ist keine kränkliche Rasse, trägt aber einige Erbkrankheiten, die ein verantwortungsvoller Züchter kennt und ausschließt, so weit das möglich ist:
- Pyruvatkinase-Mangel (PK-Mangel): Ein erblicher Enzymdefekt der roten Blutkörperchen führt zu einer Blutarmut, die oft in Schüben verläuft. Betroffene Katzen sind matt, haben blasse Schleimhäute, manchmal eine vergrößerte Milz. Die Vererbung ist rezessiv; ein Gentest zeigt Träger und Betroffene.
- Progressive Retinaatrophie (PRA): Die Netzhaut baut langsam ab, bis zur Erblindung. Bei der Abessinier sind zwei Formen bekannt: eine rezessive, die meist im Alter von einigen Jahren beginnt (Gentest „rdAc“), und eine dominante, die schon junge Kitten betrifft (Gentest „Rdy“).
- Familiäre Amyloidose: Ablagerungen eines abnormen Eiweißes, vor allem in den Nieren, führen zu einer Niereninsuffizienz, oft schon im jungen oder mittleren Alter. Einen Gentest gibt es nicht; Züchter können nur die Linien im Blick behalten.
- Zahnfleisch und Zähne: siehe Pflege.
- Kniescheibenluxation: Eine verrutschende Kniescheibe kommt bei der Rasse häufiger vor als bei Hauskatzen und kann zu Lahmheit führen.
Achten Sie im Alltag auf Mattigkeit, blasse Schleimhäute, vermehrtes Trinken, Gewichtsverlust oder darauf, dass die Katze im Dämmerlicht unsicher wird. Solche Zeichen gehören zeitnah in die Tierarztpraxis. Eine jährliche Vorsorge mit Blut- und Urinuntersuchung ab dem mittleren Alter hilft, eine Nierenerkrankung früh zu erkennen (siehe Niereninsuffizienz).
Worauf Sie beim Züchter achten sollten
Die Abessinier ist in Deutschland nicht selten, aber auch keine Massenrasse. Ein seriöser Züchter lässt sich Zeit mit Ihnen und stellt selbst Fragen. Achten Sie auf diese Punkte:
- Gentests der Eltern. Ergebnisse für PK-Mangel und PRA (rdAc, Rdy) liegen schriftlich vor, idealerweise aus einem anerkannten Labor.
- Stammbaum eines anerkannten Vereins. Züchter, die einem Dachverband wie FIFe, TICA, WCF oder einem großen nationalen Verein angehören, halten sich an Zuchtordnungen.
- Mutter vor Ort. Die Kitten wachsen im Haushalt auf, nicht in einem Nebenraum, und die Mutterkatze ist zu sehen.
- Abgabealter. Kitten ziehen nicht vor der 12. Woche aus, geimpft, entwurmt, gechippt und mit Kaufvertrag.
- Keine Dauerwürfe. Wer viele Rassen gleichzeitig und ständig Kitten anbietet, züchtet selten mit Sorgfalt.
Rassekatzen landen auch im Tierheim oder bei Rassekatzen-Nothilfen. Eine erwachsene Abessinier, deren Temperament man schon kennt, kann eine sehr gute Wahl sein. Was bei der Anschaffung allgemein zu bedenken ist, steht unter Das sollte man bei der Anschaffung einer Katze beachten.
Für wen die Abessinier passt
Die Abessinier passt zu Menschen, die eine aktive, kommunikative Katze wollen und bereit sind, täglich mit ihr zu spielen – und die ihr eine zweite Katze an die Seite stellen. Wer eine ruhige Katze sucht, die viele Stunden allein zufrieden schläft, ist mit einer gelasseneren Rasse wie der Britisch Kurzhaar besser beraten. Wer sich für die Abessinier entscheidet, bekommt eine Katze, die das Zusammenleben mit ihr zu einem gemeinsamen Projekt macht.
Häufige Fragen
Ist die Abessinier eine Schmusekatze?
Sie ist anhänglich und sucht die Nähe ihrer Menschen, legt sich aber selten lange auf den Schoß. Viele Abessinier zeigen ihre Zuneigung, indem sie überall dabei sind, auf der Schulter sitzen oder nachts ins Bett kommen. Wer eine Katze sucht, die stundenlang gestreichelt werden will, sollte sich eher bei ruhigeren Rassen umsehen.
Kann eine Abessinier allein gehalten werden?
Als einzige Katze in einer Wohnung mit berufstätigen Menschen langweilt sie sich fast immer. Mit einer zweiten, ähnlich aktiven Katze ist sie deutlich ausgeglichener. Die Partnerkatze muss nicht derselben Rasse angehören, sollte aber jung und spielfreudig sein.
Welche Gentests sollte ein Züchter vorlegen?
Mindestens die Ergebnisse der Elterntiere für den Pyruvatkinase-Mangel und die beiden PRA-Formen (rdAc und Rdy). Gegen die Amyloidose gibt es keinen Test; fragen Sie, ob in der Linie Nierenerkrankungen bei jungen Katzen bekannt sind.
Haart die Abessinier wenig?
Das kurze, anliegende Fell ohne viel Unterwolle hinterlässt weniger Haare als dichtes Plüschfell. Haarfrei ist aber keine Katze, und für Allergiker ist auch die Abessinier nicht geeignet, weil das Allergen vor allem aus Speichel und Hautdrüsen stammt.



