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katzenwelt

Rinderfettpulver für Katzen: Wann es hilft und wann nicht

Christoph · 5 Min. Lesezeit

Kleines, schmales Katzenbaby
Kleines Katzenbaby
Inhalt7 Abschnitte
  1. Was in Rinderfettpulver steckt
  2. Wofür Rinderfettpulver gedacht ist
  3. Erst die Ursache: Warum ist die Katze zu dünn?
  4. Trächtige und säugende Katzen, Kitten
  5. Bessere Alternativen zum Aufpäppeln
  6. Wenn Sie Rinderfettpulver verwenden
  7. Häufige Fragen

Rinderfettpulver ist getrocknetes, pulverisiertes Rinderfett, oft mit Traubenzucker und etwas Rinderbrühe. Es liefert viel Energie auf kleinem Raum, aber kaum etwas anderes. Für eine gesunde Katze mit vollwertigem Futter ist es überflüssig, in wenigen Fällen kann es nach Absprache mit dem Tierarzt helfen, Gewicht aufzubauen.

Was in Rinderfettpulver steckt

Die üblichen Produkte bestehen zum größten Teil aus Rinderfett (Talg), dazu je nach Hersteller sprühgetrocknete Rinderbrühe, Glukose oder ein pflanzliches Antioxidans wie Rosmarinextrakt. Rechtlich ist es ein Ergänzungsfuttermittel: Es ist nicht dafür gemacht, eine Katze zu ernähren, sondern wird dem Futter zugegeben. Weil Fett rund 9 kcal je Gramm liefert, stecken in einem halben Teelöffel Pulver (etwa 1 bis 2 g) rund 10 bis 15 kcal – bei einer Wohnungskatze gut ein Zehntel des Tagesbedarfs. Eiweiß, Taurin, Vitamine und Mineralstoffe bringt es dagegen praktisch nicht mit.

„Natürlich“ oder „ohne Chemie“ auf der Packung sagt über die Eignung für Ihre Katze nichts. Entscheidend ist, ob sie zusätzliche Energie braucht und ob ihr Grundfutter vollständig ist.

Wofür Rinderfettpulver gedacht ist

Die Idee dahinter ist einfach: Mehr Energie pro Löffel Futter, ohne dass die Katze mehr fressen muss. Das kann in einzelnen Situationen sinnvoll sein, etwa bei einer abgemagerten Fundkatze nach der tierärztlichen Erstuntersuchung, bei einer Katze, die sich nach einer Krankheit langsam erholt und nur kleine Portionen schafft, oder bei einem sehr aktiven, schlanken Freigänger, der trotz ausreichender Futtermenge nicht zulegt.

In allen diesen Fällen gibt es aber einen Haken: Jede Kalorie aus dem Pulver ist eine Kalorie ohne Nährstoffe. Frisst die Katze wegen des Fetts weniger von ihrem eigentlichen Futter, bekommt sie weniger Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe. Bei Katzen, die ohnehin schlecht fressen, ist das ein echtes Risiko. Die Alternativen stehen weiter unten.

Graue Katze sitzt vor ihrem roten Futternapf im Wohnzimmer
Graue Katze vor ihrem roten Futternapf – bevor ein Zusatz in den Napf kommt, sollte klar sein, warum sie abnimmt

Erst die Ursache: Warum ist die Katze zu dünn?

Eine Katze, die abnimmt oder nicht zunimmt, obwohl sie frisst, ist fast immer krank oder falsch gefüttert. Häufige Ursachen sind Würmer und andere Parasiten (siehe Katzenwürmer), eine Schilddrüsenüberfunktion bei älteren Katzen, Diabetes, Nierenerkrankungen, Zahnschmerzen, chronische Darmerkrankungen oder Tumoren. Fett im Napf behandelt keine dieser Ursachen, es verschleiert sie nur, bis wertvolle Zeit vergangen ist.

Zum Tierarzt sollte Ihre Katze deshalb, bevor Sie zufüttern, wenn sie ohne erkennbaren Grund Gewicht verliert, mehr trinkt oder frisst als sonst, Durchfall hat oder erbricht. Sofort in die Praxis gehört eine Katze, die länger als 24 Stunden nichts frisst: Bei Katzen, besonders bei übergewichtigen, droht dann eine Leberverfettung (hepatische Lipidose), die lebensgefährlich ist. Auch Kitten, die nicht wachsen, gehören in tierärztliche Hände.

Trächtige und säugende Katzen, Kitten

Rinderfettpulver wird oft ausdrücklich für trächtige und säugende Katzen empfohlen. Sinnvoll ist das nicht. Diese Katzen brauchen zwar deutlich mehr Energie, vor allem in der Säugezeit, aber genauso mehr Eiweiß, Kalzium, Phosphor und Vitamine. Das bekommen sie mit einem vollwertigen Kittenfutter (Futter für Wachstum und Fortpflanzung), das sie ab der zweiten Hälfte der Trächtigkeit und während der Säugezeit nach Bedarf fressen dürfen. Reines Fett obendrauf verdünnt diese Nährstoffe eher. Mehr dazu lesen Sie unter Trächtigkeit einer Katze.

Für Kitten gilt dasselbe: Ein gutes Kittenfutter ist so zusammengesetzt, dass es das Wachstum trägt. Wie lange Katzen wachsen und was sie dabei brauchen, erklärt der Beitrag Wie lange wachsen Katzen?. Ein dünnes, aber munteres Kitten ist häufig einfach im Wachstum – ein mageres, struppiges mit dickem Bauch hat oft Würmer.

Bessere Alternativen zum Aufpäppeln

Wenn eine Katze Gewicht aufbauen soll, gibt es Wege, die mehr bringen als reines Fett:

  • Kittenfutter für erwachsene Katzen: energie- und eiweißreicher als Erhaltungsfutter und vollwertig.
  • Rekonvaleszenz- oder Päppelfutter aus der Tierarztpraxis: sehr energiedicht, vollständig, oft auch per Spritze zu geben.
  • Mehrere kleine Mahlzeiten: Katzen, die wenig fressen, schaffen fünf kleine Portionen eher als zwei große.
  • Futter leicht anwärmen: auf Körpertemperatur riecht Nassfutter intensiver und wird lieber gefressen.
  • Ruhiger Futterplatz: Stress, Konkurrenz durch andere Katzen oder ein Napf neben dem Katzenklo halten viele vom Fressen ab.

Wenn Sie Rinderfettpulver verwenden

Hat der Tierarzt keine Einwände, beachten Sie Folgendes:

  1. Nach Packungsangabe dosieren. Die Hersteller nennen meist einen halben bis einen Teelöffel täglich je nach Katze. Mehr ist nicht besser.
  2. Langsam einschleichen. Mit einer kleinen Prise beginnen, sonst drohen weicher Kot und Durchfall.
  3. Gewicht wöchentlich kontrollieren. Sobald das Zielgewicht erreicht ist, das Pulver absetzen. Rinderfettpulver ist nichts für die Dauerfütterung.
  4. Auf die Zusammensetzung achten. Produkte mit Glukose sind für Katzen mit Diabetes ungeeignet; Katzen verwerten Zucker ohnehin schlecht und brauchen ihn nicht.
  5. Kleine Packung kaufen. Fett wird mit der Zeit ranzig, angebrochene Großgebinde halten meist nicht so lange, wie es dauert, sie aufzubrauchen.

Nicht geben sollten Sie Rinderfettpulver Katzen mit Übergewicht, mit Diabetes, mit chronischem Durchfall oder einer Bauchspeicheldrüsenentzündung und Katzen mit Diätfutter, außer der Tierarzt rät ausdrücklich dazu. Mit Fell und Unterwolle hat Rinderfettpulver übrigens wenig zu tun: Ein stumpfes, dünnes Fell hat meist eine medizinische oder ernährungsbedingte Ursache, die der Tierarzt klären sollte.

Die klare Empfehlung: Für die allermeisten Katzen ist Rinderfettpulver entbehrlich. Wo eine Katze wirklich zulegen muss, gehört die Ursache geklärt und ein vollwertiges, energiereiches Futter in den Napf. Das Pulver ist dann höchstens ein kurzzeitiger Zusatz. Grundlagen zur Fütterung finden Sie unter Die richtige Ernährung für die Katze.

Häufige Fragen

Kann Rinderfettpulver meiner Katze schaden?

Bei gesunden Katzen in der empfohlenen Menge meist nicht akut. Auf Dauer macht die zusätzliche Energie aber dick, und Übergewicht ist das häufigste Ernährungsproblem bei Katzen. Zu viel auf einmal verursacht Durchfall. Katzen mit Diabetes, Bauchspeicheldrüsen- oder Darmerkrankungen sollten es nur nach tierärztlicher Absprache bekommen.

Wie lange darf ich Rinderfettpulver füttern?

Nur so lange, bis die Katze ihr Zielgewicht erreicht hat oder wieder normal frisst, also meist wenige Wochen. Wiegen Sie die Katze einmal pro Woche und setzen Sie das Pulver ab, sobald das Gewicht stimmt.

Hilft Rinderfettpulver gegen stumpfes Fell?

Nicht zuverlässig. Für ein gesundes Fell braucht die Katze vor allem ausreichend Eiweiß und bestimmte Fettsäuren, die ein vollwertiges Futter liefert. Stumpfes oder schütteres Fell kann auf Parasiten, Hautprobleme oder andere Erkrankungen hinweisen und sollte tierärztlich angesehen werden.

Ist Rinderfettpulver mit oder ohne Glukose besser?

Für Katzen spricht mehr für die Variante ohne Glukose. Katzen decken ihre Energie vor allem aus Eiweiß und Fett und brauchen keinen Zucker. Für Katzen mit Diabetes oder Übergewicht kommt Glukose nicht infrage.