Fleisch und Wurst für Katzen: Was erlaubt ist

Inhalt11 Abschnitte
- Warum Katzen Fleisch brauchen
- Nur Fleisch reicht trotzdem nicht
- Welches Fleisch Katzen dürfen – die Übersicht
- Rohes Schweinefleisch und Wildschwein: das einzige absolute Verbot
- Roh oder gekocht?
- Knochen: gekocht nie
- Leber und Innereien: gesund, aber mit Maß
- Wurst, Schinken und Gegrilltes
- Wie viel Fleisch als Leckerli?
- Unsere Empfehlung
- Häufige Fragen
Katzen dürfen Fleisch essen – es ist sogar die Grundlage ihrer Ernährung. Gegartes, ungewürztes Fleisch von Huhn, Pute, Rind oder Lamm ist als Leckerli unbedenklich. Rohes Schweinefleisch und Wildschwein sind dagegen tabu, Leber gibt es nur in kleinen Mengen, und Wurst gehört grundsätzlich nicht in den Napf.
Warum Katzen Fleisch brauchen
Katzen sind obligate Fleischfresser. Anders als Hunde oder Menschen können sie einige lebenswichtige Nährstoffe nicht oder kaum selbst bilden und müssen sie mit tierischem Gewebe aufnehmen: die Aminosäure Taurin, die Fettsäure Arachidonsäure und fertiges Vitamin A. Pflanzen liefern davon nichts. Ein Taurinmangel führt zu einer Herzmuskelerkrankung (dilatative Kardiomyopathie) und zu Netzhautschäden bis zur Erblindung. Dazu kommt ein hoher Eiweißbedarf: Katzen nutzen Eiweiß auch zur Energiegewinnung und können diesen Stoffwechsel nicht herunterfahren, wenn wenig Eiweiß kommt.
Deshalb ist eine vegetarische oder vegane Ernährung für Katzen nicht geeignet – mehr dazu unter Vegetarisch oder vegan für Katzen?. Welche Nährstoffe im Einzelnen zählen, erklärt der Beitrag zum Nährstoffbedarf der Katze.
Nur Fleisch reicht trotzdem nicht
Der Satz „Katzen brauchen Fleisch“ wird oft zu „Katzen brauchen nur Fleisch“ verkürzt. Das stimmt nicht. Reines Muskelfleisch enthält viel Phosphor, aber kaum Kalzium. Eine Maus dagegen frisst die Katze mit Knochen, Innereien und Mageninhalt – und bekommt so alles, was sie braucht. Wird eine Katze über längere Zeit fast nur mit Muskelfleisch gefüttert, holt sich der Körper das fehlende Kalzium aus den Knochen. Das MSD Veterinary Manual beschreibt die Folge als ernährungsbedingten sekundären Hyperparathyreoidismus: Die Knochen werden weich, es kommt zu Lahmheiten und Spontanbrüchen. Besonders gefährdet sind wachsende Kätzchen.
Fleisch aus der Küche ist deshalb eine Beigabe, kein Ersatz für ein Alleinfuttermittel. Wer seine Katze ganz selbst versorgen möchte, braucht einen berechneten Plan mit Mineralstoffen und Vitaminen – siehe Katzenfutter selber kochen und BARF für Katzen.
Welches Fleisch Katzen dürfen – die Übersicht
| Fleisch | Geeignet? | Worauf achten |
| Huhn und Pute | ja, gegart | ohne Haut, Gewürze und Knochen; roh hohes Keimrisiko (Hähnchen) |
| Rind, Kalb, Lamm | ja | mageres Stück, gegart am sichersten |
| Kaninchen, Wild (außer Wildschwein) | ja, gegart | Wild roh kann Parasiten übertragen |
| Schwein | nur durchgegart | roh nie – Aujeszky-Virus (Schweinefleisch) |
| Wildschwein | nur durchgegart | roh lebensgefährlich, auch Aufbruch und Innereien |
| Leber | in kleinen Mengen | viel Vitamin A (Leber) |
| Herz, Magen | ja | Herz liefert viel Taurin |
| Wurst, Schinken, Speck | nein | Salz, Fett, Gewürze (Wurst) |
Rohes Schweinefleisch und Wildschwein: das einzige absolute Verbot
Schweine und Wildschweine können das Virus der Aujeszkyschen Krankheit (Pseudowut) tragen, ohne selbst krank zu wirken. Für Katzen und Hunde verläuft die Infektion nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts immer tödlich, meist innerhalb von ein bis drei Tagen. Typisch sind starker Juckreiz am Kopf, Speicheln und Unruhe. Eine Behandlung gibt es nicht.
Hausschweine in Deutschland gelten seit 2003 als frei von der Krankheit, bei Wildschweinen wird das Virus aber in weiten Teilen des Landes regelmäßig nachgewiesen. Das Virus übersteht Einfrieren: Bei −18 °C kann Fleisch nach Angaben des niedersächsischen Landesamts LAVES bis zu 36 Tage infektiös bleiben. Sicher ist nur vollständiges Durchgaren. Gegart ist Schweinefleisch für Katzen unbedenklich. Die Einzelheiten stehen unter Dürfen Katzen Schweinefleisch essen?.
Roh oder gekocht?
Katzen fressen in der Natur rohes Fleisch, und viele Halter barfen. Rohes Fleisch aus dem Handel ist aber nicht dasselbe wie eine frisch erlegte Maus. Die europäische Parasiten-Expertengruppe ESCCAP nennt Salmonellen, Campylobacter und Parasiten wie Toxoplasma als Risiko, für die Katze und für die Menschen im Haushalt. Einfrieren bei −20 °C für mindestens eine Woche macht die meisten Parasiten unschädlich, Bakterien und das Aujeszky-Virus aber nicht. Die ESCCAP rät deshalb: Wer roh füttert, sollte besonders auf Hygiene achten, und am sichersten ist es, gar nicht roh zu füttern.
Gegartes Fleisch ist die einfache und sichere Lösung. Garen Sie es ohne Salz, Öl und Gewürze, am besten gedünstet oder in wenig Wasser gekocht. Taurin ist wasserlöslich und geht beim Kochen zum Teil ins Kochwasser über – geben Sie einen Schuss davon mit in den Napf. Braten ohne Fett geht auch, Paniertes und Mariniertes nicht. Die Abwägung im Einzelnen lesen Sie unter Dürfen Katzen rohes Fleisch essen?.
Knochen: gekocht nie
Gegarte Knochen – vom Brathähnchen, vom Kotelett, vom Grill – werden hart und spröde und splittern beim Kauen. Die Splitter können Maul, Speiseröhre oder Darm verletzen oder zu einem Darmverschluss führen. Nehmen Sie gegarte Knochen deshalb nie in den Napf und entsorgen Sie Reste so, dass die Katze nicht an den Müll kommt. Rohe, weiche Knochen wie Hühnerhälse werden beim BARF verwendet; sie liefern Kalzium, bergen aber ebenfalls Risiken und gehören nur in einen durchdachten Rationsplan.
Leber und Innereien: gesund, aber mit Maß
Innereien sind nährstoffreich. Herz enthält viel Taurin, Magen ist gut kaubar. Leber dagegen ist ein Sonderfall: Sie enthält so viel Vitamin A, dass eine Katze bei häufiger Fütterung über Monate eine Vitamin-A-Vergiftung entwickeln kann. Das MSD Veterinary Manual beschreibt schmerzhafte Knochenwucherungen an der Halswirbelsäule, die sich nur teilweise zurückbilden. Ein kleines Stück ab und zu ist in Ordnung, mehr dazu unter Dürfen Katzen Leber essen?.
Wurst, Schinken und Gegrilltes
Wurst ist verarbeitetes Fleisch mit viel Salz, viel Fett, Gewürzen und oft Zwiebeln oder Knoblauch. Zwiebelgewächse schädigen die roten Blutkörperchen der Katze, auch in kleinen Mengen, die sich über Tage summieren. Die meisten Wurstsorten sind zudem mit Nitritpökelsalz hergestellt. Roher Schinken, Salami, Mettwurst und Mett bestehen oft aus rohem Schweinefleisch. Leberwurst vereint mehrere Probleme auf einmal – siehe Dürfen Katzen Leberwurst essen?.
Ähnliches gilt für Grillfleisch, Döner, Bratwurst, Frikadellen und Braten mit Soße: Mariniert, gewürzt und gesalzen sind sie nichts für Katzen. Ein zufällig geklautes Stück Fleischwurst ist meist harmlos, zur Gewohnheit sollte es nicht werden. Welche Zutaten wirklich gefährlich sind, fasst der Beitrag Giftige Lebensmittel für Katzen zusammen.
Wie viel Fleisch als Leckerli?
Eine verbreitete tierärztliche Faustregel: Leckerlis aller Art sollten zusammen höchstens etwa zehn Prozent der täglichen Energie liefern. Für eine erwachsene Katze mit 4 kg sind das je nach Fleischsorte etwa 10–20 g gegartes mageres Fleisch am Tag, wenn es sonst keine anderen Leckerlis gibt – ungefähr ein bis zwei gehäufte Esslöffel. Diese Menge ziehen Sie vom normalen Futter ab, sonst nimmt die Katze zu. Wie viel Ihre Katze insgesamt braucht, errechnet der Futterrechner.
Verdorbenes, stark riechendes oder abgelaufenes Fleisch gehört nicht in den Napf. Katzen sind bei altem Futter zwar oft wählerisch, aber nicht zuverlässig. Frisst Ihre Katze verdorbenes Fleisch und erbricht danach wiederholt, hat blutigen Durchfall, wirkt matt oder hat Fieber, rufen Sie die Tierarztpraxis an.
Unsere Empfehlung
Geben Sie Ihrer Katze ein vollwertiges Alleinfuttermittel mit hohem Fleischanteil als Grundlage und gegartes, ungewürztes Fleisch als gelegentliche Belohnung. Huhn, Pute und Rind sind die einfachsten Sorten. Rohes Schweinefleisch und Wildschwein lassen Sie konsequent weg, Leber gibt es nur als kleines Extra, und Wurst bleibt auf dem Frühstückstisch. Einen Überblick über alle Lebensmittel finden Sie im Lebensmittel-Lexikon.
Häufige Fragen
Darf ich meiner Katze Hackfleisch geben?
Gegartes Hackfleisch von Rind oder Geflügel ja, ohne Gewürze und krümelig in wenig Wasser gegart. Rohes Hackfleisch ist wegen der großen Oberfläche besonders keimbelastet, und gemischtes Hackfleisch enthält fast immer Schwein – roh also tabu.
Ist Fleisch vom Metzger besser als Katzenfutter?
Nein, nur anders. Frisches Fleisch ist ein gutes Leckerli, aber ohne berechnete Ergänzung fehlen Kalzium, Vitamine und Spurenelemente. Ein Alleinfuttermittel ist so zusammengesetzt, dass es den Bedarf deckt.
Darf die Katze Fleischbrühe trinken?
Selbst gekochte Brühe ohne Salz, Zwiebeln und Gewürze darf sie in kleinen Mengen haben, etwa zum Anfeuchten des Futters. Brühe aus Würfeln oder Pulver ist stark gesalzen und enthält oft Zwiebel- oder Knoblauchpulver. Mehr unter Was dürfen Katzen trinken?.
Meine Katze frisst plötzlich kein Fleisch mehr – was tun?
Verweigert eine Katze Futter, das sie sonst gern mag, stecken oft Zahnschmerzen, eine Zahnfleischentzündung oder eine andere Erkrankung dahinter. Frisst sie länger als 24 Stunden gar nichts, muss sie zum Tierarzt – Katzen können dann eine lebensgefährliche Leberverfettung entwickeln. Hintergründe unter Katze frisst nicht.
Ist getrocknetes Fleisch als Snack geeignet?
Reines, ungewürztes Trockenfleisch ohne Salz ist ein brauchbarer Kausnack, aber sehr energiedicht – kleine Stücke reichen. Trockenfleisch für Menschen (Jerky, Beef Jerky) ist gesalzen und gewürzt und daher ungeeignet.
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