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katzenwelt

Ragdoll-Katze: Wesen, Pflege und rassetypische Krankheiten

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Ragdoll-Katze mit blauen Augen im Garten
Ragdolls sind große, halblanghaarige Pointkatzen mit ruhigem Wesen
Inhalt9 Abschnitte
  1. Steckbrief der Ragdoll
  2. Herkunft: Ann Baker und Josephine
  3. Aussehen und die drei Zeichnungen
  4. Wesen: sanft, gesellig, eher leise
  5. Haltung: gut für die Wohnung
  6. Fellpflege
  7. Rassetypische Erkrankungen
  8. Worauf Sie beim Züchter achten sollten
  9. Häufige Fragen

Die Ragdoll ist eine große, halblanghaarige Katze mit blauen Augen, dunklen Abzeichen und einem ungewöhnlich sanften, menschenbezogenen Wesen. Viele Ragdolls lassen sich entspannt auf den Arm nehmen – daher der Name, „Stoffpuppe“. Sie eignet sich gut für die Wohnung und für Familien, braucht aber Gesellschaft, regelmäßige Fellpflege und Eltern, die auf die erbliche Herzerkrankung HCM getestet sind.

Steckbrief der Ragdoll

HerkunftKalifornien, USA, ab den 1960er-Jahren; von der FIFe seit Anfang der 1990er-Jahre anerkannt
Größe und Gewichtgroß und schwer; Kätzinnen etwa 4–6 kg, Kater etwa 6–9 kg
Fellhalblang, seidig, wenig Unterwolle; Pointzeichnung in Seal, Blue, Chocolate, Lilac, dazu Red, Cream und Tabby-Varianten
ZeichnungenColourpoint, Mitted, Bicolour
Lebenserwartungbei gesunden Tieren häufig 12–15 Jahre
Wesenruhig, freundlich, anhänglich, verträglich, eher leise
Pflegeaufwandmittel; zwei- bis dreimal pro Woche kämmen

Herkunft: Ann Baker und Josephine

Die Ragdoll entstand in den 1960er-Jahren in Riverside, Kalifornien. Die Züchterin Ann Baker baute die Rasse auf den Nachkommen einer weißen, halblanghaarigen Nachbarskatze namens Josephine auf. Josephine gehörte keiner bestimmten Rasse an, ebenso wenig die Kater, die ihre ersten Würfe zeugten; Baker selbst sprach von Straßenkatzen. Vermutlich flossen Katzen vom Typ der Birma, der Burma und der Perser ein – belegt ist das nicht.

Ann Baker verbreitete zu ihren Katzen ungewöhnliche Geschichten: Josephine sei nach einem Autounfall genetisch verändert worden, und ihre Nachkommen spürten keinen Schmerz. Beides ist Unsinn. Ragdolls empfinden Schmerz wie jede andere Katze, sie zeigen ihn nur, wie Katzen allgemein, oft sehr zurückhaltend. Wer sich darauf verlässt, übersieht Krankheiten.

Andere Züchter lösten sich später von Bakers eigenem Verband und entwickelten den heutigen Standard. In Europa kamen die ersten Ragdolls in den 1980er-Jahren an, der Dachverband FIFe erkannte die Rasse Anfang der 1990er-Jahre an.

Aussehen und die drei Zeichnungen

Ragdolls sind groß, lang und kräftig mit breiter Brust, großen runden Pfoten und einem langen, buschigen Schwanz. Kater sind deutlich schwerer als Kätzinnen. Ragdolls wachsen langsam und sind oft erst mit drei bis vier Jahren ganz ausgewachsen.

Alle Ragdolls sind Pointkatzen: Der Körper ist hell, Gesicht, Ohren, Beine und Schwanz sind dunkler. Die Kätzchen kommen fast weiß zur Welt, die Abzeichen entwickeln sich in den ersten Wochen und dunkeln über Jahre nach. Die Augen sind immer blau. Der Standard unterscheidet drei Zeichnungen:

  • Colourpoint: klassische Pointzeichnung wie bei der Siamkatze, ganz ohne Weiß.
  • Mitted: Pointzeichnung mit weißen „Handschuhen“ an den Vorderpfoten, weißen „Stiefeln“ an den Hinterbeinen, weißem Kinn und einem weißen Streifen am Bauch.
  • Bicolour: viel Weiß, dunkle Maske mit einem weißen, umgekehrten „V“ im Gesicht, weiße Beine; Ohren und Schwanz bleiben dunkel.

Das Fell ist halblang, seidig und hat vergleichsweise wenig Unterwolle, im Gesicht ist es kurz.

Ragdoll-Katze mit kurzem Fell im Gesicht und längerem Fell am Körper
Ragdolls haben im Gesicht kurzes, am Körper halblanges Fell

Wesen: sanft, gesellig, eher leise

Ragdolls gelten als besonders ausgeglichen und menschenbezogen. Viele begrüßen ihre Menschen an der Tür, folgen ihnen von Raum zu Raum und liegen gern dabei, wo etwas passiert. Sie sind meist verträglich mit Kindern, anderen Katzen und katzenfreundlichen Hunden. Ihre Stimme ist eher leise; Dauermiauen ist bei dieser Rasse untypisch und hat, wenn es auftritt, meist einen Grund – mehr dazu unter Die Katze miaut ständig.

Die Kehrseite dieser Menschenbezogenheit: Ragdolls kommen mit langen Phasen des Alleinseins schlecht zurecht. Wer tagsüber lange außer Haus ist, sollte zwei Katzen halten. Wie das gelingt, lesen Sie unter Die Katze vergesellschaften.

Ein Wort zum Tragen: Dass sich viele Ragdolls entspannt hochnehmen lassen, heißt nicht, dass es jede mag. Stützen Sie beim Hochheben immer Brust und Hinterteil; eine große, schwere Katze darf nicht am Vorderkörper baumeln. Kinder sollten Ragdolls nur im Sitzen auf den Schoß nehmen.

Haltung: gut für die Wohnung

Ragdolls sind weniger sprunggewaltig und weniger draufgängerisch als viele andere Rassen. Sie leben gut als Wohnungskatze, wenn sie Spielzeiten, stabile Kratz- und Klettermöbel und Gesellschaft haben. Ein gesicherter Balkon ist ein Gewinn. Für unbeaufsichtigten Freigang sind Ragdolls wegen ihrer Arglosigkeit gegenüber Fremden, Hunden und Verkehr weniger geeignet.

Weil Ragdolls ruhig sind und gern fressen, neigen sie zu Übergewicht. Füttern Sie abgemessen, beschäftigen Sie die Katze täglich und kontrollieren Sie das Gewicht. Übergewicht erhöht unter anderem das Risiko für Diabetes bei Katzen.

Fellpflege

Weil die Unterwolle nur schwach ausgeprägt ist, verfilzt das Fell einer Ragdoll weniger leicht als das einer Perserkatze. Zwei- bis dreimal pro Woche gründlich kämmen genügt meist, im Fellwechsel täglich. Besondere Aufmerksamkeit brauchen die Stellen hinter den Ohren, unter den Achseln und die „Hosen“ an den Hinterbeinen. Eine geeignete Katzenbürste oder ein Metallkamm reicht aus. Bleibt doch ein Knoten hängen, finden Sie Hilfe unter Ursachen für verfilztes Fell bei Katzen.

Rassetypische Erkrankungen

  • Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM): Bei Ragdolls ist eine Mutation im Gen MYBPC3 bekannt (R820W), die mit dieser Herzmuskelverdickung zusammenhängt. Katzen, die die Mutation von beiden Eltern geerbt haben, haben in Studien eine deutlich kürzere Lebenserwartung. Ein Gentest ist verfügbar. Da HCM auch ohne diese Mutation auftreten kann, sollten Zuchttiere zusätzlich regelmäßig per Herzultraschall untersucht werden.
  • Polyzystische Nierenerkrankung (PKD): Weil in manchen Linien Perserblut steckt, wird bei Ragdolls häufig auch auf PKD getestet.
  • Harnwegsprobleme und Übergewicht sind bei ruhigen, schweren Katzen allgemein häufiger.

Warnzeichen für eine Herzerkrankung sind schnelle Atmung in Ruhe, Atmen mit offenem Maul, Leistungsschwäche und plötzliche Lähmung der Hinterbeine (durch ein Blutgerinnsel). Atemnot und Lähmung sind Notfälle – dann sofort zum Tierarzt oder in die Tierklinik. Ein Kater, der wiederholt auf die Toilette geht und keinen Urin absetzt, ist ebenfalls ein Notfall.

Worauf Sie beim Züchter achten sollten

  1. HCM-Gentest beider Eltern. Beide sollten negativ (N/N) sein; dazu ein aktueller Herzultraschall.
  2. PKD-Test. Idealerweise ebenfalls für beide Elterntiere belegt.
  3. Stammbaum eines anerkannten Vereins. Ein Verein unter einem Dachverband wie FIFe, WCF oder TICA.
  4. Abgabe nicht vor der 12. Woche. Geimpft, entwurmt, gechippt, mit Heimtierausweis.
  5. Aufzucht im Haus. Die Kätzchen wachsen im Familienalltag auf und sind an Geräusche, Menschen und Berührung gewöhnt.

Ragdolls sind beliebt und werden entsprechend häufig ohne Papiere und Tests angeboten. Ein Kätzchen ohne Gentest der Eltern ist kein Schnäppchen, sondern ein Risiko. Einen Vergleich mit anderen großen Rassen finden Sie unter Große Katzenrassen.

Häufige Fragen

Spüren Ragdolls wirklich keinen Schmerz?

Doch. Die Behauptung stammt aus der Anfangszeit der Rasse und ist falsch. Ragdolls empfinden Schmerz wie jede Katze, zeigen ihn aber oft nur leise – durch Rückzug, weniger Fressen oder veränderte Haltung. Nehmen Sie solche Zeichen ernst.

Ist die Ragdoll eine gute Anfängerkatze?

Ja, wenn sie nicht lange allein ist. Ihr ruhiges, verträgliches Wesen macht sie für Einsteiger und Familien angenehm. Die Fellpflege ist überschaubar.

Sind Ragdolls laut?

Eher nicht. Die meisten haben eine leise Stimme und miauen wenig. Eine Ragdoll, die plötzlich viel miaut, hat meist einen Anlass, etwa Langeweile, Hunger oder Schmerzen.

Wie groß wird eine Ragdoll?

Kater erreichen meist 6 bis 9 kg, Kätzinnen 4 bis 6 kg. Die volle Größe haben viele erst mit drei bis vier Jahren.