Zum Inhalt springen
katzenwelt

Diabetes bei Katzen: Anzeichen, Behandlung und Remission

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Insulin Spritze für eine Katze mit Diabetes
Insulin Spritze für eine Katze mit Diabetes
Inhalt9 Abschnitte
  1. Was bei Diabetes im Körper passiert
  2. Woran Sie Diabetes erkennen
  3. Welche Katzen besonders gefährdet sind
  4. Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss
  5. Wie der Tierarzt Diabetes feststellt
  6. Wie Diabetes behandelt wird
  7. Remission: Leben ohne Insulin
  8. So beugen Sie vor
  9. Häufige Fragen

Diabetes mellitus ist bei Katzen eine häufige Hormonerkrankung, vor allem bei übergewichtigen älteren Katern. Die typischen Anzeichen sind großer Durst, viel Urin, Heißhunger und Gewichtsverlust. Diabetes ist gut behandelbar, meist mit Insulin und angepasstem Futter. Anders als beim Hund haben Katzen, die früh und gut eingestellt werden, eine echte Chance, wieder ohne Insulin auszukommen.

Was bei Diabetes im Körper passiert

Das Hormon Insulin aus der Bauchspeicheldrüse sorgt dafür, dass Zucker aus dem Blut in die Körperzellen gelangt. Bei den meisten zuckerkranken Katzen ähnelt die Krankheit dem Typ-2-Diabetes des Menschen: Die Körperzellen sprechen schlechter auf Insulin an, meist wegen Übergewicht, und die insulinbildenden Zellen erschöpfen sich mit der Zeit. Anhaltend hoher Blutzucker schädigt sie zusätzlich, ein Teufelskreis.

Der Zucker, den die Zellen nicht aufnehmen können, bleibt im Blut und wird über die Nieren ausgeschieden. Er zieht Wasser mit sich. Deshalb uriniert die Katze viel und trinkt viel. Weil die Zellen hungern, frisst sie mehr und baut trotzdem Muskeln und Fett ab.

Woran Sie Diabetes erkennen

  • Vermehrter Durst: Die Katze trinkt sichtbar mehr, sitzt häufig am Napf oder am Wasserhahn. Mehr dazu unter Die Katze trinkt viel.
  • Viel Urin: größere und mehr Klumpen im Katzenklo, manchmal Unsauberkeit.
  • Heißhunger bei Gewichtsverlust: Die Katze bettelt mehr und wird trotzdem dünner.
  • Stumpfes, ungepflegtes Fell, weil die Katze sich weniger putzt.
  • Sohlengang: Bei länger bestehendem Diabetes laufen manche Katzen auf den ganzen Hinterfußsohlen statt auf den Zehen. Ursache ist eine Nervenschädigung.

Gerade übergewichtige Katzen fallen spät auf, weil ein langsamer Gewichtsverlust anfangs gewünscht wirkt. Auch viel Durst und mehr Urin sind keine Zeichen des Alters, sondern immer ein Grund für eine Blutuntersuchung.

Welche Katzen besonders gefährdet sind

  • Übergewichtige Katzen: Übergewicht ist der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor.
  • Ältere Katzen, meist ab etwa acht Jahren.
  • Kater, besonders kastrierte, weil sie nach der Kastration leicht zunehmen.
  • Burma-Katzen: Bei dieser Rasse ist eine Veranlagung beschrieben, vor allem in Linien aus Europa und Australien.
  • Katzen, die Kortison oder Gestagene bekommen, etwa gegen Allergien oder zur Rolligkeitsunterdrückung.
  • Katzen mit anderen Erkrankungen wie Bauchspeicheldrüsenentzündung oder einer Überproduktion von Wachstumshormon.

Die oft zu lesende Behauptung, Zucker im Futter mache Katzen zuckerkrank, greift zu kurz. Entscheidend sind Übergewicht und eine Ernährung mit hohem Kohlenhydratanteil über Jahre, die Übergewicht begünstigt.

Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss

In den nächsten Tagen sollte die Katze untersucht werden, wenn sie mehr trinkt, mehr uriniert oder trotz gutem Appetit abnimmt.

Sofort in die Praxis muss eine Katze mit bekanntem oder vermutetem Diabetes, wenn sie erbricht, nicht mehr frisst, sehr schwach ist oder schnell atmet. Das kann eine diabetische Ketoazidose sein: Der Körper verbrennt ungebremst Fett, Ketonkörper übersäuern das Blut. Manchmal riecht der Atem süßlich-fruchtig. Unbehandelt ist die Ketoazidose tödlich.

Ebenfalls ein Notfall ist eine Unterzuckerung bei einer Katze, die Insulin bekommt. Anzeichen sind Unruhe, Zittern, Taumeln, Schwäche bis hin zu Krampfanfällen und Bewusstlosigkeit. Streichen Sie der Katze etwas Honig oder Traubenzuckersirup aufs Zahnfleisch, auch wenn sie benommen ist, gießen Sie aber nichts ins Maul, und fahren Sie sofort in die Praxis.

Ängstliche Katze beim Tierarzt
Ängstliche Katze auf dem Untersuchungstisch in der Tierarztpraxis

Wie der Tierarzt Diabetes feststellt

Ein einzelner hoher Blutzuckerwert beweist bei Katzen noch keinen Diabetes. Stress beim Tierarzt kann den Blutzucker deutlich erhöhen. Deshalb bestimmt die Praxis zusätzlich den Fruktosaminwert, der den durchschnittlichen Blutzucker der letzten ein bis zwei Wochen widerspiegelt, und untersucht den Urin auf Zucker und Ketonkörper. Weitere Blutwerte klären, ob andere Erkrankungen mitspielen, etwa eine Harnwegsinfektion, die bei zuckerkranken Katzen häufig ist, oder eine Schilddrüsenüberfunktion.

Wie Diabetes behandelt wird

Insulin ist die Standardbehandlung. Es wird meist zweimal täglich mit einer sehr feinen Nadel unter die Haut gespritzt, jeweils zur Mahlzeit. Die meisten Halter lernen das in wenigen Tagen, und die meisten Katzen nehmen es gelassen hin. Die Dosis legt die Tierärztin fest und passt sie anhand von Blutzuckerkurven an. Viele Halter messen den Blutzucker nach Anleitung selbst zu Hause an der Ohrspitze, weil die Werte ohne Praxisstress aussagekräftiger sind. Auch Glukosesensoren, die für einige Tage auf der Haut kleben, werden bei Katzen eingesetzt.

Tabletten: Seit einigen Jahren ist in der EU ein Wirkstoff aus der Gruppe der SGLT2-Hemmer für Katzen zugelassen. Er lässt überschüssigen Zucker über den Urin ausscheiden. Geeignet ist er nur für bestimmte Katzen, meist frisch diagnostizierte, die noch ausreichend eigenes Insulin bilden. Er birgt ein Risiko für eine Ketoazidose, deshalb sind engmaschige Kontrollen nötig. Ob er infrage kommt, entscheidet die Tierärztin.

Futter: Empfohlen wird ein eiweißreiches, kohlenhydratarmes Futter, meist Nassfutter oder ein spezielles Diätfutter. Übergewichtige Katzen sollten unter tierärztlicher Begleitung langsam abnehmen. Ändern Sie das Futter nie eigenmächtig, wenn die Katze Insulin bekommt: Weniger Kohlenhydrate senken den Insulinbedarf, und die Dosis muss angepasst werden, sonst droht eine Unterzuckerung.

Remission: Leben ohne Insulin

Weil die insulinbildenden Zellen bei vielen Katzen nur erschöpft und nicht zerstört sind, können sie sich erholen, wenn der Blutzucker rasch gut eingestellt wird. Dann braucht die Katze irgendwann kein Insulin mehr. Die Chancen sind am besten in den ersten Monaten nach der Diagnose, mit konsequenter Einstellung, kohlenhydratarmem Futter und Gewichtsabnahme. Eine Remission ist kein Freibrief: Die Veranlagung bleibt, Rückfälle sind möglich, und Kontrollen gehören weiter dazu.

So beugen Sie vor

  1. Schlank halten. Wiegen Sie Ihre Katze regelmäßig und passen Sie die Futtermenge an. Wie eine ausgewogene Ration aussieht, lesen Sie unter Artgerechte Katzennahrung.
  2. Bewegen. Tägliche Jagdspiele, Kletter- und Suchmöglichkeiten helfen besonders Wohnungskatzen.
  3. Nach der Kastration Menge reduzieren, weil der Energiebedarf sinkt.
  4. Kortison nur so lange wie nötig, und bei Langzeitgabe Blutzucker kontrollieren lassen.
  5. Ältere Katzen jährlich untersuchen lassen, mit Blut- und Urinwerten.

Die Empfehlung: Achten Sie auf Durst und Gewicht Ihrer Katze. Wer einen Diabetes früh erkennen lässt und konsequent behandelt, gibt seiner Katze die beste Chance auf ein normales Leben – und manchmal eines ohne Spritze.

Häufige Fragen

Wie lange lebt eine Katze mit Diabetes?

Gut eingestellte Katzen können noch viele Jahre mit guter Lebensqualität leben. Entscheidend sind eine frühe Diagnose, eine zuverlässige Behandlung und regelmäßige Kontrollen. Katzen, die bei der Diagnose schon eine Ketoazidose haben oder weitere schwere Erkrankungen, haben schlechtere Aussichten.

Tut das Insulinspritzen weh?

Die Nadeln sind sehr dünn, und gespritzt wird in die lockere Haut an Flanke oder Nacken. Die meisten Katzen bemerken den Stich kaum, besonders wenn er während des Fressens erfolgt.

Was tun, wenn ich eine Insulinspritze vergessen habe?

Geben Sie keine doppelte Dosis. Eine fehlende Gabe ist in der Regel weniger gefährlich als eine zu hohe. Rufen Sie im Zweifel in der Praxis an und fragen Sie, wie Sie weitermachen sollen.

Darf eine zuckerkranke Katze Leckerlis bekommen?

Nur wenige, eiweißreiche und kohlenhydratarme, am besten in die tierärztliche Futterplanung eingerechnet. Getreidehaltige Knabbereien und Katzenmilch treiben den Blutzucker nach oben.