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katzenwelt

Katzengeschirr: Das richtige Modell und die Gewöhnung Schritt für Schritt

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Bengal Katze mit Katzengeschirr an der Leine
Bengal Katze mit Katzengeschirr an der Leine
Inhalt7 Abschnitte
  1. Wofür ein Geschirr sinnvoll ist
  2. Die Formen im Vergleich
  3. So muss ein Katzengeschirr sitzen
  4. Worauf Sie beim Kauf achten sollten
  5. Gewöhnung Schritt für Schritt
  6. Sicherheit draußen
  7. Häufige Fragen

Ein Katzengeschirr ist ein System aus Gurten oder eine Weste, die um Hals und Brust der Katze liegt und an der eine Leine befestigt wird. Es sichert eine Katze, wenn sie außerhalb der Wohnung nicht in einer Box sitzt, etwa beim Tierarzt, auf Reisen oder bei einem Aufenthalt im Garten. Damit es funktioniert, muss es gut sitzen, ausbruchsicher sein und die Katze behutsam daran gewöhnt werden.

Wofür ein Geschirr sinnvoll ist

Katzen lassen sich nicht wie Hunde an der Leine spazieren führen. Sie gehen nicht neben ihrem Menschen her, sondern erkunden, verharren, verstecken sich und entscheiden selbst über Richtung und Tempo. Ein Geschirr dient deshalb vor allem der Sicherung, nicht der Führung.

Sinnvolle Einsätze sind:

  • Tierarzt und Reisen: Entwischt die Katze beim Öffnen der Transportbox, hält das Geschirr sie fest.
  • Gesicherter Aufenthalt im Garten für Wohnungskatzen, die draußen etwas Gras und Sonne erleben sollen, unter Aufsicht.
  • Ausflüge in ruhige Umgebung für Katzen, die neugierig und gelassen sind, zum Beispiel beim Camping mit Katze.
  • Notfall und Evakuierung, wenn man die Katze schnell sichern muss.

Nicht jede Katze wird am Geschirr entspannt. Sehr ängstliche Katzen oder Katzen, die bei ungewohnten Geräuschen in Panik geraten, bleiben besser zu Hause oder in der Box. Eine panische Katze kann sich aus fast jedem Geschirr winden, und eine Leine schützt sie nicht vor Hunden.

Maine-Coon-Katze mit Geschirr an der Leine
Tabby Maine Coon mit Geschirr an der Katzenleine

Die Formen im Vergleich

FormAufbauStärkenSchwächen
H-GeschirrHalsring und Brustgurt, auf dem Rücken durch einen Steg verbundenLeicht, gut verstellbar, wenig Stoff auf dem KörperSchmale Gurte; eine rückwärts ziehende Katze kann herausschlüpfen, wenn es nicht genau sitzt
AchtergeschirrEin Band in Form einer Acht um Hals und BrustEinfach und leichtZieht sich unter Zug zu, verteilt den Druck schlecht; nicht zu empfehlen
Westen- oder JackengeschirrStoffweste, oft mit Klett- und SteckverschlussVerteilt den Druck breit, schwer abzustreifen, beruhigt manche KatzenWärmer; manche Katzen mögen die Enge nicht

Für die meisten Katzen ist ein gut sitzendes Westengeschirr die sicherste Wahl, vor allem für Anfänger und für schlanke Katzen, die gern rückwärts ausweichen. Ein H-Geschirr ist leichter und für Katzen geeignet, die an Geschirre gewöhnt sind.

So muss ein Katzengeschirr sitzen

  1. Zwei-Finger-Regel. Zwischen Gurt und Körper passen genau zwei Finger flach hindurch. Enger scheuert es, weiter kann die Katze herausschlüpfen.
  2. Brustgurt hinter den Vorderbeinen. Er liegt auf dem Brustkorb, nicht auf dem weichen Bauch und nicht in den Achseln.
  3. Halsteil nicht auf der Kehle. Beim Zug an der Leine sollte der Druck auf Brust und Schultern gehen, nicht auf den Hals.
  4. Leine am Rücken. Der Ring für die Leine sitzt zwischen den Schulterblättern.
  5. Nachmessen. Messen Sie Halsumfang und Brustumfang hinter den Vorderbeinen und vergleichen Sie mit der Größentabelle. Kitten wachsen schnell heraus – kontrollieren Sie den Sitz regelmäßig.

Die Leine gehört nie an ein Katzenhalsband. Katzen haben einen empfindlichen Hals, ein Ruck kann Kehlkopf und Luftröhre verletzen, und aus einem Halsband mit Sicherheitsverschluss ist die Katze beim ersten Zug frei. Als Leine eignet sich eine leichte Leine von etwa 1,5 bis 2 m oder eine dünne Schleppleine. Rollleinen für Hunde sind oft zu schwer und das plötzliche Stoppen erschreckt die Katze.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

  • Material: weich, atmungsaktiv, ohne scharfe Nähte; Nylon ist leicht und waschbar, Leder wird bei Nässe hart.
  • Verschlüsse: zwei getrennte Verschlüsse (Hals und Brust) machen das Anlegen leichter, weil nichts über den Kopf gezogen werden muss.
  • Verstellbarkeit: an Hals und Brust getrennt verstellbar.
  • Reflektoren: helle Streifen helfen, die Katze in der Dämmerung zu sehen.
  • Gewicht: so leicht wie möglich, besonders bei kleinen Katzen.

Einfache Geschirre mit Leine kosten meist zwischen 10 und 30 Euro, gut verarbeitete Westen etwas mehr.

Gewöhnung Schritt für Schritt

Die meisten Katzen reagieren beim ersten Anlegen mit Erstarren, Umfallen oder rückwärts Robben. Das ist normal. Planen Sie Tage bis Wochen ein und gehen Sie erst zum nächsten Schritt, wenn die Katze beim vorherigen entspannt ist.

  1. Kennenlernen. Legen Sie das Geschirr einige Tage offen neben Futter- oder Schlafplatz, damit es vertraut riecht.
  2. Kurz auflegen. Legen Sie es der Katze über den Rücken, ohne es zu schließen, und belohnen Sie sie sofort mit einem Leckerli oder Spiel.
  3. Schließen. Schließen Sie die Verschlüsse für wenige Sekunden, dann Minuten. Lenken Sie die Katze mit Futter oder einer Katzenangel ab.
  4. Tragen in der Wohnung. Lassen Sie die Katze das Geschirr unter Aufsicht tragen, bis sie normal läuft und spielt.
  5. Leine dazu. Hängen Sie die Leine ein und lassen Sie sie locker hinterherschleifen, dann halten Sie sie, folgen der Katze und ziehen nicht.
  6. Nach draußen. Beginnen Sie an einem ruhigen Ort, etwa im eigenen Garten oder auf dem gesicherten Balkon, und bleiben Sie anfangs nur wenige Minuten.

Wer die Katze beim Training belohnt statt festhält, kommt schneller voran. Hilfreich ist ein Signal, das Futter ankündigt, wie beim Clickertraining für Katzen.

Getigerte Katze an der Leine mit Geschirr
Getigerte Katze an der Leine mit einem Katzengeschirr

Sicherheit draußen

Draußen gilt: Die Katze bleibt immer unter Aufsicht. Binden Sie sie nie irgendwo fest und lassen Sie sie nicht allein an der Leine im Garten. Sie kann sich verheddern, strangulieren oder von einem Hund angegriffen werden, ohne fliehen zu können. Meiden Sie Straßen, Hundewiesen und Orte mit viel Lärm.

Ihre Katze sollte gechippt und registriert sein, falls sie doch entwischt. Katzen, die nach draußen kommen, brauchen Schutz gegen Flöhe und Zecken und die empfohlenen Impfungen. Geht es mit der Katze im Auto auf Reisen, gehört sie in die gesicherte Transportbox. Ein Geschirr ersetzt dort keine Box, es sichert sie nur beim Öffnen. Mehr dazu unter Autofahren mit der Katze.

Unsere Empfehlung: Beginnen Sie mit einem gut verstellbaren Westengeschirr, gewöhnen Sie die Katze geduldig in der Wohnung daran und nutzen Sie es vor allem als Sicherung bei Tierarzt und Reisen. Ob Ihre Katze Ausflüge genießt, zeigt sie Ihnen selbst.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter kann man eine Katze an ein Geschirr gewöhnen?

Junge Katzen gewöhnen sich meist am leichtesten, oft schon nach dem Einzug mit etwa zwölf Wochen. Auch erwachsene Katzen können es lernen, brauchen aber mehr Geduld.

Meine Katze fällt mit Geschirr um und bewegt sich nicht – was tun?

Das ist eine häufige erste Reaktion. Nehmen Sie das Geschirr wieder ab und gehen Sie einen Schritt zurück: kürzer, mit mehr Belohnung und Ablenkung. Zwingen Sie die Katze nicht, sich zu bewegen.

Kann eine Katze sich aus dem Geschirr befreien?

Ja, vor allem aus schlecht sitzenden H- und Achtergeschirren, wenn sie rückwärts zieht. Ein eng anliegendes Westengeschirr mit zwei Verschlüssen ist deutlich sicherer.

Darf ich meine Katze am Geschirr im Garten anbinden?

Nein. Angebunden kann sich eine Katze verheddern und verletzen oder strangulieren, und sie kann vor Hunden nicht fliehen. Bleiben Sie immer dabei.