Krallen schneiden bei der Katze: Wann und wie es richtig geht

Inhalt9 Abschnitte
- Wann Krallenschneiden nötig ist – und wann nicht
- Wie eine Katzenkralle aufgebaut ist
- Das richtige Werkzeug
- Schritt für Schritt: so kürzen Sie die Krallen
- Dunkle Krallen: so gehen Sie auf Nummer sicher
- Wenn es doch blutet
- Die Katze ans Krallenschneiden gewöhnen
- Kratzmöglichkeiten statt Schere – und was verboten ist
- Häufige Fragen
Die meisten Katzen brauchen keine geschnittenen Krallen: Beim Kratzen am Kratzbaum lösen sich die alten Hornschichten, und beim Laufen und Klettern nutzen sich die Spitzen ab. Kürzen sollten Sie nur, wenn Krallen zu lang werden, sich verhaken oder in den Ballen wachsen – das betrifft vor allem alte Katzen, Wohnungskatzen mit wenig Abrieb und die Daumenkralle an den Vorderpfoten. Geschnitten wird dann nur die durchsichtige Spitze.
Wann Krallenschneiden nötig ist – und wann nicht
Katzenkrallen wachsen wie unsere Fingernägel ständig nach. Beim Kratzen streift die Katze die äußere Hornhülle ab; darunter kommt eine neue, spitze Kralle zum Vorschein. Deshalb finden Sie am Kratzbaum oft halbmondförmige Hülsen. Das ist normal.
Kürzen ist sinnvoll, wenn:
- Sie die Krallen auf Fliesen oder Parkett klacken hören, obwohl die Katze entspannt läuft,
- die Katze mit den Krallen in Teppich, Decken oder Kleidung hängen bleibt,
- eine Kralle so stark gebogen ist, dass sie den Ballen berührt,
- eine ältere Katze kaum noch kratzt und ihre Krallen dick und stumpf werden.
Ein häufiges Problem ist die Daumenkralle an der Innenseite der Vorderpfote. Sie berührt den Boden nicht und nutzt sich kaum ab. Bei Senioren wächst sie manchmal im Kreis in den Ballen und entzündet sich.
Bei Freigängern sollten Sie zurückhaltend sein: Sie brauchen ihre Krallen zum Klettern, zur Flucht auf einen Baum und zur Verteidigung. Mehr zum Leben draußen im Beitrag Die Freigänger Katze.
Wie eine Katzenkralle aufgebaut ist
Jede Katze hat an den Vorderpfoten je fünf Krallen (vier plus die Daumenkralle) und an den Hinterpfoten je vier, zusammen also 18. Katzen mit Vielzehigkeit haben mehr. Im Inneren der Kralle liegt ein durchbluteter Kern mit Nerven, bei hellen Krallen als rosa Bereich gut zu erkennen. Nach vorn endet er ein Stück vor der Spitze. Nur der durchsichtige, nicht durchblutete Teil darf gekürzt werden. Wird der rosa Kern verletzt, tut es weh und blutet.
Halten Sie deshalb etwa 2 mm Abstand zum rosa Bereich. Lieber zu wenig abschneiden und in einer Woche nachkürzen als einmal zu viel.
Das richtige Werkzeug
Nehmen Sie eine Krallenschere oder -zange für Katzen. Die Klingen sind so geformt, dass sie die runde Kralle glatt durchtrennen, ohne sie zu quetschen oder splittern zu lassen. Wichtig ist, dass die Schere scharf ist; stumpfe Klingen drücken, und das mag keine Katze. Nagelknipser für Menschen quetschen die Kralle eher, Haushalts- und Küchenscheren sind ungeeignet.
Legen Sie außerdem Leckerli bereit und für den Notfall etwas Blutstillpulver aus dem Tierbedarf oder ein sauberes Tuch.
Schritt für Schritt: so kürzen Sie die Krallen
- Ruhigen Moment abpassen. Am besten, wenn die Katze müde und entspannt ist, etwa nach dem Fressen oder beim Dösen auf dem Schoß.
- Bequem halten. Die Katze sitzt oder liegt auf Ihrem Schoß, mit dem Rücken zu Ihnen. Eine Rückenlage erzwingen Sie besser nicht. Unruhige Katzen lassen sich locker in ein Handtuch wickeln, sodass nur eine Pfote herausschaut.
- Kralle ausfahren. Nehmen Sie die Pfote in die Hand und drücken Sie sanft von oben und unten auf den Zehenballen. Die Kralle kommt heraus.
- Rosa Bereich suchen. Schauen Sie von der Seite auf die Kralle, am besten bei gutem Licht.
- Spitze abschneiden. Die Schere quer zur Kralle ansetzen, etwa 2 mm vor dem rosa Bereich, und zügig schneiden.
- Loben und belohnen. Nach jeder Kralle oder jeder Pfote ein Leckerli.
Sie müssen nicht alle 18 Krallen auf einmal schaffen. Zwei oder drei Krallen pro Sitzung sind am Anfang völlig in Ordnung. Wehrt sich die Katze, hören Sie auf und versuchen es später wieder – mit Gewalt wird jede weitere Runde schwieriger.

Dunkle Krallen: so gehen Sie auf Nummer sicher
Bei schwarzen oder dunkel pigmentierten Krallen ist der rosa Kern nicht zu sehen. Manchmal hilft es, eine Taschenlampe hinter die Kralle zu halten. Sieht man trotzdem nichts, schneiden Sie nur die äußerste, deutlich gebogene Spitze ab, und zwar in mehreren sehr kleinen Schnitten. Schauen Sie nach jedem Schnitt auf die Schnittfläche: Wird in der Mitte ein kleiner dunkler oder feucht glänzender Punkt sichtbar, sind Sie nah am lebenden Teil und hören auf.
Wenn es doch blutet
Das passiert auch Geübten. Drücken Sie ein sauberes Tuch auf die Krallenspitze oder tupfen Sie Blutstillpulver auf; zur Not tut es etwas Speisestärke. Meist hört die Blutung innerhalb weniger Minuten auf. Blutet es nach zehn Minuten Druck noch, ist die Kralle eingerissen, oder die Katze lahmt in den folgenden Tagen, gehört die Pfote in die Tierarztpraxis. Beenden Sie die Sitzung und machen Sie an einem anderen Tag weiter.
Die Katze ans Krallenschneiden gewöhnen
Am leichtesten lernen Katzen die Krallenpflege als Kitten, aber auch erwachsene Katzen gewöhnen sich daran, wenn Sie in kleinen Schritten vorgehen:
- Pfoten anfassen. Beim Schmusen kurz die Pfote halten, loslassen, belohnen. Mehrmals täglich, über einige Tage.
- Ballen drücken. Sanft die Krallen ausfahren, ohne zu schneiden, belohnen.
- Schere zeigen. Die Katze darf die Schere beschnuppern; das Klicken hören, ohne dass etwas passiert.
- Eine Kralle. Erst eine einzige Kralle kürzen, belohnen, aufhören.
Hilfreich ist ein Markerwort oder Clicker, mehr dazu unter Clickertraining für Katzen. Katzen, die jede Berührung der Pfoten ablehnen, bringen Sie besser zum Tierarzt oder in eine Tierarztpraxis mit ruhiger Hand. Viele Praxen kürzen Krallen bei einem Routinetermin mit und zeigen Ihnen, worauf Sie achten müssen.
Kratzmöglichkeiten statt Schere – und was verboten ist
Der beste Schutz vor zu langen Krallen ist Kratzen. Bieten Sie mehrere Kratzstellen an, senkrecht und waagrecht, stabil und hoch genug, dass sich die Katze ganz strecken kann: einen Kratzbaum, ein Kratzbrett oder eine Kratzsäule an Lieblingsstellen und neben dem Schlafplatz.
Das Entfernen der Krallen (Onychektomie) ist keine Pflege, sondern die Amputation des letzten Zehenglieds. In Deutschland ist es nach dem Tierschutzgesetz verboten. Aufklebbare Krallenkappen halten Kratzspuren fern, hindern die Katze aber am natürlichen Kratzen und Krallenwetzen; sie sind keine Dauerlösung.
Die Empfehlung lautet: Schauen Sie sich die Krallen Ihrer Katze alle paar Wochen an, besonders bei einer älteren Katze, kürzen Sie nur, was nötig ist, und machen Sie aus der Pflege eine kurze, gut belohnte Routine.
Häufige Fragen
Wie oft muss man einer Katze die Krallen schneiden?
Viele Katzen nie. Bei Wohnungskatzen mit wenig Abrieb und bei Senioren reicht meist ein Blick alle zwei bis vier Wochen, gekürzt wird nur bei Bedarf.
Tut Krallenschneiden der Katze weh?
Nicht, wenn nur die durchsichtige Spitze gekürzt wird. Schmerzhaft wird es, wenn der durchblutete Kern getroffen wird oder eine stumpfe Schere die Kralle quetscht.
Muss ich die Hinterkrallen auch schneiden?
Meist nicht. Die Hinterkrallen nutzen sich beim Laufen stärker ab. Kontrollieren Sie sie trotzdem, besonders bei alten Katzen.
Was tun, wenn eine Kralle in den Ballen gewachsen ist?
Nicht selbst herausziehen. Eine eingewachsene Kralle muss der Tierarzt kürzen, weil die Wunde darunter oft entzündet ist und versorgt werden muss.



