Katze oder Kater – wer passt zum jeweiligen Halter?

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Ob Katze oder Kater zu Ihnen passt, entscheidet vor allem der Charakter des einzelnen Tieres, nicht das Geschlecht. Nach der Kastration unterscheiden sich Kater und Kätzinnen im Verhalten nur wenig: Kater gelten im Durchschnitt als etwas verspielter und verfressener, Kätzinnen als etwas eigenständiger, aber jede einzelne Katze kann das Gegenteil sein. Wirklich groß sind die Unterschiede nur bei unkastrierten Tieren.
Was an den Klischees dran ist
Über Kater und Kätzinnen kursieren viele Zuschreibungen: Die Kätzin sei die Diva, schneller gereizt und feinfühliger; der Kater der gemütliche Kumpel, verspielt, verschmust und weniger empfindlich. Wissenschaftlich gut belegt ist davon wenig. Studien zu Persönlichkeitsunterschieden zwischen kastrierten Katern und Kätzinnen finden allenfalls kleine Unterschiede, die von der Streuung innerhalb jedes Geschlechts weit übertroffen werden. Eine ruhige Kätzin und ein zickiger Kater sind keine Seltenheit.
Viel stärker prägen andere Dinge das Wesen einer Katze:
- Sozialisierung: Kätzchen, die in den ersten Lebenswochen freundlichen Umgang mit Menschen hatten, sind später meist zutraulicher.
- Genetik: Auch die Persönlichkeit des Vaters beeinflusst, wie zutraulich die Jungen werden.
- Erfahrungen: Schlechte Erlebnisse mit Menschen, Hunden oder anderen Katzen wirken lange nach.
- Rasse: Manche Rassen gelten als besonders gesprächig oder besonders ruhig, doch auch hier entscheidet das Einzeltier.

Die tatsächlichen Unterschiede
| Merkmal | Kätzin | Kater |
| Größe und Gewicht | meist etwas kleiner und leichter | meist größer, breiterer Kopf, kräftiger |
| Unkastriert | wiederkehrende Rolligkeit mit Rufen und Unruhe, ungewollter Nachwuchs | Urinmarkieren mit starkem Geruch, weites Streunen, Revierkämpfe |
| Revier bei Freigang | meist kleiner | meist größer, unkastriert oft sehr groß |
| Gesundheit | ohne Kastration Risiko für Gebärmutterentzündung und Gesäugetumoren | engere Harnröhre, Harnröhrenverschluss möglich; neigt eher zu Übergewicht |
| Verhalten nach Kastration | kaum Unterschiede | kaum Unterschiede |
Am deutlichsten zeigt sich der Unterschied im Körperbau: Kater werden je nach Rasse meist spürbar schwerer und haben einen breiteren Kopf, besonders wenn sie spät kastriert wurden.
Unkastriert: da wird es wirklich anders
Ein unkastrierter Kater markiert sein Revier mit stark riechendem Urin, oft auch in der Wohnung. Er streift auf der Suche nach rolligen Kätzinnen weit umher, verschwindet manchmal tagelang, kämpft mit Rivalen und kehrt mit Bisswunden zurück. Über Bisse wird unter anderem das Katzenimmunschwächevirus FIV übertragen.
Eine unkastrierte Kätzin wird während der Fortpflanzungszeit immer wieder rollig, oft alle zwei bis drei Wochen. Sie ruft laut, wälzt sich, ist unruhig und will nach draußen. Wie das aussieht, lesen Sie unter Katze rollig. Wird sie nicht gedeckt, kann das über Monate so weitergehen, und hormonelle Unterdrückungsmittel haben erhebliche Nebenwirkungen.
Deshalb ist die Kastration für beide Geschlechter der Normalfall, wenn keine Zucht geplant ist. Viele Städte und Gemeinden schreiben sie für Freigänger ohnehin vor. Katzen werden heute häufig mit etwa vier bis fünf Monaten kastriert, also vor der Geschlechtsreife; den Zeitpunkt legen Sie mit dem Tierarzt fest. Bei Kätzinnen senkt eine frühe Kastration zusätzlich das Risiko für Gesäugetumoren deutlich. Mehr dazu unter Kastration bei Katzen.
Nach der Kastration brauchen Katzen weniger Energie. Wer die Futtermenge nicht anpasst, bekommt schnell eine übergewichtige Katze – bei Katern kommt das besonders häufig vor.
Gesundheit: der Unterschied, den Sie kennen sollten
Kater haben eine längere und engere Harnröhre als Kätzinnen. Harngrieß, Harnsteine oder Entzündungspfropfen können sie verstopfen. Ein Kater, der immer wieder erfolglos auf die Toilette geht, presst, dabei jammert und keinen oder kaum Urin absetzt, ist ein Notfall: Ohne Behandlung kann ein Harnröhrenverschluss innerhalb von ein bis zwei Tagen zum Tod führen. Er muss sofort zum Tierarzt, auch nachts. Oft wird das mit Verstopfung verwechselt. Mehr dazu unter Blasenentzündung bei der Katze.
Kätzinnen, die nicht kastriert sind, können eine eitrige Gebärmutterentzündung entwickeln und erkranken häufiger an Gesäugetumoren, die bei Katzen meist bösartig sind.
Welches Geschlecht zu einer anderen Katze passt
Wenn bereits eine Katze im Haushalt lebt, spielt das Geschlecht des Neuzugangs bei kastrierten Tieren eine kleinere Rolle als Alter, Temperament und Erfahrung mit Artgenossen. Zwei kastrierte Kater können unzertrennlich sein, zwei Kätzinnen ebenso. Wichtiger ist, dass beide ähnlich aktiv sind: Ein wilder junger Kater überfordert eine ruhige Seniorin, egal welchen Geschlechts. Worauf es bei der Zusammenführung ankommt, lesen Sie unter Die Katze vergesellschaften.
So finden Sie die passende Katze
- Nach dem Charakter fragen, nicht nach dem Geschlecht. Tierheime, Pflegestellen und seriöse Züchter kennen ihre Tiere und können einschätzen, welches zu Ihnen passt.
- Erwachsene Katzen in Betracht ziehen. Bei ihnen ist der Charakter schon erkennbar.
- Kastration einplanen. Bei Kätzchen den Zeitpunkt mit dem Tierarzt besprechen, bei erwachsenen Katzen aus dem Tierheim ist sie meist schon erledigt.
- An die zweite Katze denken. Wer tagsüber lange weg ist, nimmt am besten zwei Katzen, die sich verstehen.
Die Empfehlung lautet: Lassen Sie das Geschlecht bei der Wahl in den Hintergrund treten, sorgen Sie für eine rechtzeitige Kastration und achten Sie beim Kater auf die Anzeichen eines Harnröhrenverschlusses.
Häufige Fragen
Ist ein Kater verschmuster als eine Katze?
Das wird oft behauptet, ist aber nicht belegt. Nach der Kastration unterscheiden sich Kater und Kätzinnen im Verhalten kaum; ob eine Katze verschmust ist, hängt vor allem von ihrer Prägung als Kätzchen, ihren Erfahrungen und ihrem Charakter ab.
Markieren kastrierte Kater?
Die meisten nicht. Eine frühe Kastration verhindert das Markieren in den meisten Fällen. Markiert eine kastrierte Katze – egal ob Kater oder Kätzin –, stecken oft Stress, Konflikte mit anderen Katzen oder eine Erkrankung der Harnwege dahinter. Dann sollte der Tierarzt medizinische Ursachen ausschließen.
Wann sollte eine Katze kastriert werden?
Heute meist mit etwa vier bis fünf Monaten, also bevor die Katze geschlechtsreif wird. Das gilt für Kater und Kätzinnen gleichermaßen. Den genauen Zeitpunkt legen Sie mit dem Tierarzt fest.
Ist ein Kater oder eine Katze besser für Anfänger?
Das Geschlecht spielt dabei kaum eine Rolle. Für Anfänger eignen sich vor allem ausgeglichene, gut sozialisierte Katzen, am besten erwachsene Tiere, deren Charakter man kennt. Hinweise dazu finden Sie unter Welche Katze passt zu mir.



