Harnsteine bei Katzen: Struvit, Calciumoxalat und das Futter

Inhalt8 Abschnitte
Bei Harnsteinen hängt das richtige Futter davon ab, um welche Steine es sich handelt. Struvitsteine lassen sich bei Katzen oft mit einem Diätfutter auflösen, Calciumoxalatsteine dagegen nicht; sie müssen, wenn sie Beschwerden machen, entfernt werden, und das Futter soll danach neue verhindern. Für beide Steinarten gilt: Je verdünnter der Urin, desto schwerer bilden sich Kristalle. Deshalb ist Wasser, vor allem über Nassfutter, die wichtigste Maßnahme. Ohne tierärztliche Diagnose sollten Sie kein Harnsteinfutter füttern.
Wann Ihre Katze sofort zum Tierarzt muss
Harnsteine und Harngrieß können die Harnröhre verstopfen, besonders bei Katern, deren Harnröhre lang und eng ist. Sofort, auch nachts, muss Ihre Katze in die Praxis, wenn sie auf dem Klo presst, aber keinen oder nur tropfenweise Urin absetzt, dabei schreit, erbricht oder matt wirkt. Ein Harnröhrenverschluss kann innerhalb von ein bis zwei Tagen tödlich enden. In den nächsten 24 Stunden sollte sie untersucht werden, wenn sie Blut im Urin hat, häufig kleine Mengen absetzt oder neben das Klo pinkelt. Mehr zu den Anzeichen steht unter Blasenentzündung bei Katzen.
Struvit und Calciumoxalat: zwei Steine, zwei Strategien
Nach dem MSD Veterinary Manual und der Konsensus-Empfehlung des American College of Veterinary Internal Medicine (ACVIM) machen diese beiden Steinarten bei Katzen die große Mehrheit aus.
| Struvit | Calciumoxalat | |
| Woraus | Magnesium, Ammonium, Phosphat | Kalzium und Oxalat |
| Begünstigt durch | konzentrierten, eher alkalischen Urin | konzentrierten, eher sauren Urin |
| Auflösen mit Futter | meist möglich, wenn keine Infektion dahintersteckt | nicht möglich |
| Ziel beim Urin | verdünnt, leicht sauer | verdünnt, etwa neutral |
| Wo meist | Blase, Harnröhrenpfropfen bei Katern | Blase, auch Nieren und Harnleiter |
Welche Steinart vorliegt, lässt sich nicht am Verhalten der Katze erkennen. Der Tierarzt stellt sie per Röntgen, Ultraschall und Urinuntersuchung fest; Gewissheit bringt die Analyse eines abgegangenen oder entfernten Steins. Das ist wichtig, denn ein Futter gegen Struvit säuert den Urin an, und genau das kann Calciumoxalatsteine begünstigen.
Struvitsteine mit Diätfutter auflösen
Bei Katzen sind Struvitsteine meist steril, also nicht durch Bakterien entstanden. Solche Steine lassen sich mit einem Diätfutter auflösen, das wenig Magnesium und Phosphor enthält und den Urin leicht ansäuert. Nach der ACVIM-Empfehlung gelingt das meist innerhalb von zwei bis fünf Wochen. In der EU heißen solche Futter Diätfuttermittel „zur Auflösung von Struvitsteinen“; die EU-Verordnung 2020/354 nennt eine empfohlene Fütterungsdauer von fünf bis zwölf Wochen und schreibt den Hinweis vor, vor der Verwendung tierärztlichen Rat einzuholen.
Damit die Auflösung klappt, gilt:
- Nur dieses Futter. Jede andere Mahlzeit, jedes Leckerli verändert den Urin und bremst die Wirkung.
- Keine zusätzlichen Harnansäuerer. Vitamin C, Methionin oder ähnliche Mittel aus dem Internet nicht dazugeben, denn zu viel Säure schadet.
- Kontrolle per Röntgen. Der Tierarzt prüft nach einigen Wochen, ob die Steine kleiner werden, und legt fest, wie lange das Futter weitergegeben wird.
- Nicht für alle Katzen. Kitten, trächtige und säugende Katzen sowie Katzen mit bestimmten Nieren- oder Herzerkrankungen bekommen solche Futter meist nicht.
Löst sich ein Stein nicht, besteht er vermutlich aus etwas anderem oder hat eine Oxalat-Hülle. Dann muss er entfernt werden.
Calciumoxalat: neue Steine verhindern
Calciumoxalatsteine lassen sich nicht auflösen. Machen sie Beschwerden oder verlegen sie die Harnwege, entfernt der Tierarzt sie. Danach geht es um Vorbeugung, denn sie kommen gern wieder. Die ACVIM-Empfehlung nennt dafür vor allem:
- Feuchtes Futter mit mehr als 75 Prozent Wasser, damit der Urin verdünnt ist. Als Zielwert gilt ein spezifisches Gewicht des Urins unter 1,030, das der Tierarzt misst.
- Etwa neutraler Urin statt dauerhaft angesäuertem.
- Keine Vitamin-C-Präparate, weil Vitamin C im Körper zu Oxalat abgebaut werden kann.
Auch dafür gibt es Diätfuttermittel „zur Verringerung der Oxalsteinbildung“. Katzen mit Oxalatsteinen sind oft älter, und nicht selten kommen Nierenwerte ins Spiel. Dann wägt der Tierarzt ab, welches Futter Vorrang hat, siehe Nierenfutter für Katzen.
Wasser: die wichtigste Vorbeugung
Nassfutter besteht zu rund 75–80 Prozent aus Wasser, Trockenfutter nur zu etwa 10 Prozent. Katzen, die Trockenfutter fressen, trinken zwar mehr, gleichen den Unterschied aber meist nicht vollständig aus. Für Katzen mit Harnsteinen empfehlen Fachleute deshalb überwiegend Nassfutter, siehe Nassfutter oder Trockenfutter. So bringen Sie zusätzlich Wasser in die Katze:
- Wasser ins Futter. Ein bis zwei Esslöffel lauwarmes Wasser unter das Nassfutter rühren, schrittweise mehr.
- Mehrere Wasserstellen. Breite Schalen an verschiedenen Orten, nicht direkt neben Futter oder Klo.
- Fließendes Wasser. Viele Katzen trinken an einem Trinkbrunnen deutlich mehr.
- Täglich frisch. Abgestandenes Wasser wird ungern getrunken.
Mehr Ideen stehen unter Was dürfen Katzen trinken?
Weitere Risikofaktoren: Gewicht, Bewegung, Stress
Übergewichtige, bewegungsarme Wohnungskatzen erkranken häufiger an Harnwegsproblemen. Abnehmen lohnt sich also doppelt, aber langsam – mehr dazu unter Übergewicht bei Katzen. Stress spielt vor allem bei der idiopathischen Blasenentzündung eine Rolle, die oft zusammen mit Harngrieß auftritt: genug saubere Katzenklos, Rückzugsorte und feste Abläufe helfen.
Mythen rund ums Harnsteinfutter
- „Magnesiumarm reicht.“ Magnesium ist nur ein Baustein von Struvit. Entscheidend sind auch pH-Wert und Verdünnung des Urins.
- „Urinary-Futter schadet nie.“ Futter, das den Urin ansäuert, ist für Katzen mit Oxalatsteinen ungeeignet. Ein Futter zur Vorbeugung ist außerdem nicht dasselbe wie ein Futter zur Auflösung.
- „Kristalle im Urin sind schon Steine.“ Nicht unbedingt. Kristalle entstehen auch in Urin, der vor der Untersuchung länger gestanden hat oder gekühlt wurde. Aussagekräftig ist frischer Urin.
- „Cranberry hilft.“ Für Katzen ist keine Wirkung gegen Harnsteine belegt.
Die klare Empfehlung: Lassen Sie die Steinart bestimmen, füttern Sie das Diätfutter genau so lange und so ausschließlich, wie es der Tierarzt vorgibt, und sorgen Sie danach dauerhaft für viel Wasser im Futter.
Häufige Fragen
Wie lange muss meine Katze Harnsteinfutter fressen?
Zum Auflösen von Struvit meist einige Wochen, bis das Röntgenbild keine Steine mehr zeigt. Danach entscheidet der Tierarzt, ob ein Futter zur Vorbeugung von Rückfällen sinnvoll ist oder ob normales Nassfutter mit viel Wasser genügt. Bei Oxalatsteinen ist die Vorbeugung meist dauerhaft.
Darf eine Katze mit Harnsteinen Leckerlis bekommen?
Während der Auflösung nicht. Zur Vorbeugung sind wenige Leckerlis möglich, besonders solche, die zum Diätfutter passen. Käse, Milchprodukte und mineralstoffreiche Knabbereien sind ungünstig.
Kann ich Harnsteinfutter vorbeugend für alle Katzen füttern?
Nein. Gesunde Katzen brauchen kein Diätfutter. Ein ansäuerndes Futter kann bei ihnen sogar Oxalatsteine begünstigen. Für gesunde Katzen ist ein vollwertiges Alleinfutter mit hohem Wasseranteil die beste Vorbeugung.
Sind Harnsteine bei Katzen erblich?
Bei manchen Rassen treten Oxalatsteine gehäuft auf, eine Veranlagung spielt also mit. Die wichtigsten Faktoren bleiben aber Futter, Wasseraufnahme, Gewicht und Bewegung.



