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katzenwelt

Olivenöl und Leinöl für Katzen: sinnvoll oder nicht?

Christoph · 5 Min. Lesezeit

Glasschälchen mit Olivenöl, umgeben von Olivenblättern
Olivenöl schadet Katzen in kleinen Mengen nicht – nötig ist es aber nicht
Inhalt7 Abschnitte
  1. Welche Fette Katzen brauchen
  2. Olivenöl: harmlos, aber ohne Nutzen
  3. Leinöl: Omega-3, das Katzen kaum nutzen können
  4. Fisch- und Lachsöl: sinnvoll, wenn es einen Grund gibt
  5. Thunfisch in Öl, Kokosöl und andere Fragen
  6. Öle, die für Katzen gefährlich sind
  7. Häufige Fragen

Öl ist für Katzen nicht nötig, wenn sie ein vollwertiges Alleinfutter bekommen. Ein paar Tropfen Olivenöl schaden nicht, bringen aber auch keinen belegten Nutzen. Sinnvoll sein kann Fisch- oder Lachsöl als gezielter Zusatz bei bestimmten Erkrankungen und in selbst zusammengestellten Rationen – dann aber in abgestimmter Menge und nach Rücksprache mit dem Tierarzt.

ÖlWas es liefertEinschätzung
Olivenölvor allem Ölsäure, wenig Omega-3unbedenklich in Tropfen, kein belegter Nutzen
Leinöl, Hanfölpflanzliches Omega-3 (Alpha-Linolensäure)Katzen bilden daraus kaum EPA und DHA; wird schnell ranzig
Fischöl, LachsölEPA und DHA direktsinnvoll als gezielter Zusatz, Menge mit dem Tierarzt
Sonnenblumen-, Distel-, RapsölLinolsäure (Omega-6)im Alleinfutter bereits ausreichend enthalten
Kokosölvor allem gesättigte Fettsäurenkein belegter Nutzen, sehr kalorienreich
Paraffinölunverdauliches Mineralölnur auf tierärztliche Anweisung – Gefahr einer Lungenentzündung

Welche Fette Katzen brauchen

Katzen brauchen Fett als Energiequelle und für bestimmte Fettsäuren, die sie nicht selbst bilden können. Nach dem MSD Veterinary Manual gehört dazu die Linolsäure, eine Omega-6-Fettsäure aus Pflanzenölen. Anders als Hunde brauchen Katzen zusätzlich Arachidonsäure, weil ihnen ein Enzym (die Delta-6-Desaturase) weitgehend fehlt, mit dem andere Säugetiere sie aus Linolsäure herstellen. Arachidonsäure kommt in Pflanzenölen nicht vor, sondern nur in tierischem Fett, etwa von Fleisch, Geflügel und Eiern. Für Wachstum und Fortpflanzung gelten auch Omega-3-Fettsäuren als unentbehrlich.

Ein Alleinfuttermittel ist so zusammengesetzt, dass es all diese Fettsäuren in ausreichender Menge enthält. Wer zusätzlich Öl gibt, erhöht vor allem die Kalorien. Mehr zum Bedarf unter Nährstoffbedarf der Katze.

Olivenöl: harmlos, aber ohne Nutzen

Olivenöl besteht überwiegend aus einfach ungesättigter Ölsäure und enthält nur wenig der Fettsäuren, auf die es bei Katzen ankommt. Einige Tropfen über dem Futter vertragen die meisten Katzen gut, und wenn die Katze einmal den Rest vom Teller leckt, ist das kein Problem.

Das Problem ist die Menge. Ein Teelöffel Öl wiegt etwa 4 bis 5 g und liefert rund 40 kcal. Eine kastrierte Wohnungskatze mit 4 kg braucht nach den Richtwerten der FEDIAF nur etwa 130 bis 190 kcal am Tag. Ein täglicher Teelöffel Olivenöl macht ein Fünftel bis ein Viertel ihres Bedarfs aus – das reicht, um eine Katze über Monate deutlich zunehmen zu lassen. Größere Mengen Öl auf einmal lösen zudem oft weichen Kot oder Durchfall aus.

Oft wird Olivenöl gegen Haarballen oder Verstopfung empfohlen. Belegt ist eine Wirkung nicht. Eine Katze, die häufig würgt, erbricht oder schwer Kot absetzt, sollte tierärztlich untersucht werden. Mehr dazu unter Katze würgt.

Leinöl: Omega-3, das Katzen kaum nutzen können

Leinöl ist reich an Alpha-Linolensäure, einer pflanzlichen Omega-3-Fettsäure. Die gesundheitlich interessanten Omega-3-Fettsäuren sind aber EPA und DHA. Menschen und Hunde können einen kleinen Teil der Alpha-Linolensäure darin umwandeln, Katzen nach dem Stand der tierärztlichen Ernährungsforschung praktisch gar nicht, weil ihnen das nötige Enzym fehlt. Wer seiner Katze wegen des Omega-3 Leinöl gibt, erreicht das Ziel also nicht.

Dazu kommt: Leinöl wird sehr schnell ranzig. Es sollte kühl und dunkel gelagert und nach dem Öffnen rasch aufgebraucht werden. Ranziges Öl riecht bitter und schadet mehr, als es nützt.

Fisch- und Lachsöl: sinnvoll, wenn es einen Grund gibt

Fischöl und Lachsöl liefern EPA und DHA direkt. Sie werden in der Tiermedizin unter anderem bei Hauterkrankungen, Gelenkbeschwerden, Nierenerkrankungen und Herzleiden eingesetzt. Viele Diätfuttermittel für diese Erkrankungen enthalten bereits Fischöl. Ob ein zusätzlicher Zusatz sinnvoll ist und in welcher Menge, entscheidet der Tierarzt – wer ohne Plan zugibt, riskiert eine zu hohe Menge und Durchfall.

Wichtig ist Vitamin E. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren oxidieren leicht, und eine Katze braucht mit jedem zusätzlichen Fischöl auch mehr Vitamin E. Fehlt es über längere Zeit, droht die Gelbfettkrankheit, eine schmerzhafte Entzündung des Fettgewebes, die vor allem von Katzen bekannt ist, die viel Fisch bekommen. Mehr dazu unter Thunfisch für Katzen.

Beim BARFen gehört ein Öl oft zur Ration, weil Muskelfleisch allein zu wenig Omega-3 liefert. Welches Öl in welcher Menge, sollte eine Rationsberechnung festlegen, am besten durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt mit Schwerpunkt Ernährung.

Als Mittel zum Zunehmen taugt Lachsöl nicht. Eine Katze, die abnimmt, braucht zuerst eine Untersuchung – mehr dazu unter Zu dünne Katze.

Thunfisch in Öl, Kokosöl und andere Fragen

Thunfisch in Sonnenblumen- oder Olivenöl ist für Katzen keine gute Wahl: Das Öl macht aus einem Happen eine kleine Mahlzeit und kann Durchfall auslösen. Wenn überhaupt, dann Thunfisch im eigenen Saft, abgespült und selten.

Kokosöl wird für Katzen gegen alles Mögliche empfohlen, von Parasiten bis Fell. Belegt ist davon nichts. Es besteht überwiegend aus gesättigten Fettsäuren und ist genauso kalorienreich wie andere Öle.

Öle, die für Katzen gefährlich sind

Ätherische Öle wie Teebaumöl, Eukalyptus-, Zitrus- oder Pfefferminzöl sind für Katzen giftig. Katzen können viele ihrer Bestandteile in der Leber kaum abbauen; schon kleine Mengen auf der Haut oder im Fell, die beim Putzen abgeleckt werden, können Vergiftungen auslösen. Auch Duftlampen und Diffusoren sind in Katzenhaushalten keine gute Idee.

Paraffinöl wird manchmal bei Verstopfung eingesetzt, aber nur auf tierärztliche Anweisung. Es ist geschmacklos und löst kaum einen Schluckreflex aus. Verschluckt sich die Katze beim Eingeben, kann es in die Lunge gelangen und eine schwere Lungenentzündung verursachen. Geben Sie es nie mit der Spritze ins Maul, solange die Praxis Ihnen das nicht gezeigt hat.

Hat Ihre Katze ätherisches Öl abgeleckt oder zeigt sie nach Kontakt Sabbern, Erbrechen, Taumeln, Zittern oder Atemnot, rufen Sie sofort die Tierarztpraxis oder den Notdienst an. Lösen Sie kein Erbrechen aus.

Die Empfehlung: Bekommt Ihre Katze ein vollwertiges Alleinfutter, braucht sie kein Öl. Olivenöl in Tropfen schadet nicht, Leinöl bringt Katzen wenig. Fischöl ist ein Werkzeug für bestimmte Situationen – mit Plan und tierärztlicher Beratung.

Häufige Fragen

Darf meine Katze Olivenöl lecken?

Ja, ein paar Tropfen vom Teller oder aus der Pfanne sind harmlos, sofern keine Gewürze, Knoblauch oder Zwiebeln darin waren. Ein ganzer Löffel kann Durchfall auslösen.

Wie viel Lachsöl darf eine Katze bekommen?

Das hängt vom Futter, vom Gewicht und vom Grund ab, und die Angaben auf den Flaschen unterscheiden sich stark. Viele Futtermittel enthalten bereits Fischöl. Lassen Sie die Menge deshalb vom Tierarzt festlegen, besonders wenn die Katze krank ist oder Medikamente bekommt.

Braucht eine Wohnungskatze Öl für das Fell?

Nein. Ein stumpfes, schuppiges Fell hat meist andere Ursachen: unpassendes Futter, Parasiten, Übergewicht, das die Fellpflege erschwert, oder Krankheiten. Mehr dazu unter Katze hat Schuppen.

Welches Öl ist beim BARFen richtig?

Meist wird ein Fischöl oder Lachsöl eingesetzt, weil es EPA und DHA liefert, oft ergänzt um Vitamin E. Menge und Sorte sollten aus einer Rationsberechnung stammen, nicht aus einer Faustregel.