Zum Inhalt springen
katzenwelt

Nierenfutter für Katzen bei Niereninsuffizienz

Christoph · 5 Min. Lesezeit

Getigerte Katze mit weißer Brust trinkt aus einer breiten Wasserschale
Viel Flüssigkeit gehört zur Nierendiät dazu
Inhalt8 Abschnitte
  1. Was eine Nierendiät anders macht
  2. Ab wann eine Katze Nierenfutter bekommt
  3. Die Umstellung: langsam und im richtigen Moment
  4. Genug Flüssigkeit
  5. Leckerlis, Fisch und Fleisch
  6. Selbst kochen oder BARF bei Nierenkatzen?
  7. Wenn die Katze abnimmt
  8. Häufige Fragen

Nierenfutter ist bei chronischer Niereninsuffizienz der Katze die am besten belegte Behandlung: Katzen, die eine Nierendiät bekommen, geraten in Studien seltener in eine Krise und leben länger als Katzen mit normalem Futter. Entscheidend ist vor allem ein niedriger Phosphorgehalt. Ab wann umgestellt wird, richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung. Die Erkrankung selbst, ihre Anzeichen und die Medikamente beschreibt der Beitrag Niereninsuffizienz bei Katzen; hier geht es um das Futter.

Was eine Nierendiät anders macht

Kranke Nieren scheiden Phosphat schlechter aus. Es sammelt sich im Blut, regt die Nebenschilddrüsen an und schädigt die Nieren weiter. Eine Nierendiät setzt genau hier an:

  • Wenig Phosphor. Das ist der wichtigste Unterschied zu normalem Futter.
  • Maßvoll reduziertes, hochwertiges Eiweiß. So entstehen weniger stickstoffhaltige Abbauprodukte, die Übelkeit machen. Zu wenig Eiweiß wäre aber schädlich, weil nierenkranke Katzen leicht Muskeln abbauen.
  • Mehr Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl, die Entzündungsprozesse in der Niere bremsen sollen.
  • Mehr Kalium, weil viele nierenkranke Katzen Kalium verlieren, und meist mehr B-Vitamine, die mit dem vielen Urin verloren gehen.
  • Oft puffernde Zusätze, die einer Übersäuerung des Blutes entgegenwirken.

Taurin ist wie in jedem Alleinfutter enthalten; eine zusätzliche Gabe ist nicht nötig. In der EU heißen solche Futter Diätfuttermittel „zur Unterstützung der Nierenfunktion bei chronischer Niereninsuffizienz“. Nach der EU-Verordnung 2020/354 muss auf dem Etikett stehen, dass vor der Verwendung und vor einer Verlängerung der Fütterungsdauer tierärztlicher Rat eingeholt werden soll.

Ab wann eine Katze Nierenfutter bekommt

Die International Renal Interest Society (IRIS) teilt die chronische Niereninsuffizienz in vier Stadien ein. In ihren Behandlungsempfehlungen für Katzen gilt vereinfacht:

IRIS-StadiumFutterZiel für den Phosphatwert im Blut
1meist normales Alleinfutter; Nierendiät, wenn Eiweiß im Urin verloren geht–
2Nierendiät erwägen – die Umstellung gelingt früh leichter, bevor der Appetit nachlässt0,9–1,5 mmol/l
3Nierendiät empfohlenunter 1,6 mmol/l
4Nierendiät, Futteraufnahme sichern, notfalls Ernährungssondeunter 1,9 mmol/l

Bleibt der Phosphatwert trotz Diät zu hoch, verschreibt der Tierarzt einen Phosphatbinder, der unter das Futter gemischt wird. Umgekehrt kann bei manchen Katzen mit normalem Phosphatwert der Kalziumwert steigen, wenn sie auf Nierendiät umgestellt werden; die IRIS rät deshalb zu Kontrollen und gegebenenfalls zu einem weniger phosphorarmen Futter. Das zeigt: Nierenfutter ist Behandlung und gehört in tierärztliche Begleitung. Gesunde Katzen brauchen es nicht „zur Vorbeugung“.

Die Umstellung: langsam und im richtigen Moment

Viele Katzen mögen Nierenfutter weniger, weil Phosphor und Eiweiß auch Geschmacksträger sind. So klappt es besser:

  1. Nicht in der Krise umstellen. Eine Katze, der gerade übel ist oder die in der Klinik liegt, verbindet das neue Futter mit dem Unwohlsein und lehnt es später ab. Erst stabilisieren, dann umstellen.
  2. Über zwei bis drei Wochen mischen. Beginnen Sie mit einem Teelöffel Nierenfutter im gewohnten Futter und steigern Sie langsam.
  3. Sorten ausprobieren. Es gibt Nierendiäten als Nass- und Trockenfutter und in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Konsistenzen. Nassfutter ist wegen des Wassers meist vorzuziehen.
  4. Anwärmen. Handwarmes Nassfutter riecht stärker und wird lieber gefressen.
  5. Übelkeit behandeln lassen. Frisst die Katze schlecht, liegt das oft an Übelkeit durch die Erkrankung. Mittel gegen Übelkeit und Appetitanreger helfen dann mehr als der zehnte Futterwechsel.

Wichtig ist die Rangfolge: Eine Katze, die ihr normales Futter frisst, ist besser dran als eine, die die Diät verweigert und hungert. Frisst Ihre Katze länger als 24 Stunden nichts, gehört sie in die Praxis. Mehr Tipps stehen unter Katzenfutter umstellen.

Genug Flüssigkeit

Nierenkranke Katzen verlieren viel Wasser über den Urin. Nassfutter enthält rund drei Viertel Wasser, ein zusätzlicher Schuss Wasser im Napf erhöht die Menge weiter. Mehrere breite Wasserschalen an verschiedenen Orten und ein Trinkbrunnen regen zum Trinken an. In späten Stadien gibt der Tierarzt oder der Halter nach Anleitung Flüssigkeit unter die Haut.

Leckerlis, Fisch und Fleisch

Leckerlis sind nicht verboten, sollten aber wenig Phosphor enthalten und klein bleiben. Phosphorreich sind Käse, Milchprodukte, Wurst, Innereien, Eigelb, Knochen und viele Fischsorten. Gut geeignet sind einige Bröckchen der Nierendiät selbst, als Trockenfutter aus der Hand gegeben. Leckerlis mit dem Hinweis „für nierenkranke Katzen“ lohnen einen Blick auf den Phosphorgehalt.

Fisch ist nicht grundsätzlich tabu; manche Nierendiäten enthalten sogar Fisch. Als Extra sind Fisch und besonders gesalzener Dosenfisch aber ungünstig, siehe Thunfisch für Katzen. Bei der Frage „welches Fleisch“ zählt weniger die Tierart als der Anteil an Knochen und Innereien: Muskelfleisch hat deutlich weniger Phosphor als Knochen.

Selbst kochen oder BARF bei Nierenkatzen?

Möglich, aber nur mit einem Rezept, das ein Fachtierarzt für Ernährung für genau diese Katze berechnet hat. Eine Untersuchung der Universität Kalifornien in Davis prüfte 2012 veröffentlichte Rezepte für selbst gekochte Nierendiäten aus Büchern und dem Internet, darunter 28 für Katzen. Mehr als der Hälfte fehlten wichtige Nährstoffe wie Cholin, Kalzium, Zink oder Vitamin B12 in ausreichender Menge – obwohl die meisten Rezepte von Tierärzten stammten. Beim Barfen kommt hinzu, dass Knochen viel Phosphor liefern. Die Grundlagen stehen unter Katzenfutter selber kochen.

Wenn die Katze abnimmt

Gewichtsverlust ist bei Nierenkatzen häufig und ein schlechtes Zeichen, weil er meist Muskeln betrifft. Wiegen Sie Ihre Katze einmal pro Woche. Nimmt sie ab, sprechen Sie mit dem Tierarzt über Mittel gegen Übelkeit und zur Appetitanregung, über ein energiereicheres Nierenfutter und in fortgeschrittenen Stadien über eine Ernährungssonde, über die sich auch Wasser und Medikamente stressfrei geben lassen. Die klare Empfehlung: Stellen Sie früh und behutsam auf Nierenfutter um, solange die Katze noch gut frisst, und behalten Sie Gewicht und Appetit im Blick. Weitere Tipps finden Sie unter Zu dünne Katze.

Häufige Fragen

Darf eine nierenkranke Katze Trockenfutter fressen?

Ja, wenn es eine Nierendiät ist und die Katze ausreichend trinkt. Nassfutter ist wegen des Wassers meist besser, aber eine Katze, die nur Trockenfutter frisst, soll nicht hungern. Stellen Sie dann zusätzlich viel Wasser bereit.

Kann ich normales Seniorenfutter statt Nierendiät geben?

Seniorenfutter enthält oft etwas weniger Phosphor als normales Futter, aber deutlich mehr als eine Nierendiät. Für eine Katze mit festgestellter Niereninsuffizienz ab Stadium 2 ist es kein gleichwertiger Ersatz. Im Stadium 1 kann es eine Übergangslösung sein, das entscheidet der Tierarzt.

Muss ich Taurin oder Vitamine ergänzen?

Nein, Nierendiäten sind Alleinfuttermittel und enthalten Taurin und Vitamine in ausreichender Menge. Zusätzliche Präparate nur auf tierärztlichen Rat, denn manche enthalten Phosphor oder belasten die Nieren.

Darf meine nierenkranke Katze Katzengras fressen?

Ja, Katzengras ist unbedenklich und liefert praktisch keinen Phosphor. Achten Sie nur darauf, dass es wirklich Katzengras ist und keine giftige Zimmerpflanze.