Zum Inhalt springen
katzenwelt

Ernährung bei Diabetes der Katze

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Zwei getigerte Katzen fressen gemeinsam Nassfutter aus einer Metallschale
Nassfutter enthält meist wenig Kohlenhydrate und passt deshalb gut zu zuckerkranken Katzen
Inhalt9 Abschnitte
  1. Warum Kohlenhydrate für zuckerkranke Katzen ein Problem sind
  2. Das richtige Futter auswählen
  3. Kohlenhydrate auf dem Etikett berechnen
  4. Füttern und Insulin: feste Zeiten, feste Mengen
  5. Futterwechsel nur mit Absprache
  6. Abnehmen mit Diabetes
  7. Leckerlis für zuckerkranke Katzen
  8. Futter in der Remission
  9. Häufige Fragen

Eine zuckerkranke Katze sollte ein eiweißreiches, kohlenhydratarmes Futter bekommen, meist Nassfutter oder ein spezielles Diätfutter. Die Konsensusleitlinie der International Society of Feline Medicine (ISFM) nennt als Richtwert höchstens etwa 12 Prozent der Futterenergie aus Kohlenhydraten; die Leitlinie der AAHA von 2026 empfiehlt ebenfalls kohlenhydratarm und eiweißreich. Genauso wichtig wie die Zusammensetzung ist die Regelmäßigkeit: gleiches Futter, gleiche Menge, feste Zeiten, abgestimmt auf das Insulin. Anzeichen, Diagnose und Behandlung beschreibt der Beitrag Diabetes bei Katzen; hier geht es um das Futter.

Warum Kohlenhydrate für zuckerkranke Katzen ein Problem sind

Katzen sind obligate Fleischfresser. Ihr Stoffwechsel ist darauf eingestellt, Energie aus Eiweiß und Fett zu gewinnen und Blutzucker selbst aus Eiweiß herzustellen. Große Mengen Stärke aus Getreide, Kartoffeln oder Erbsen verarbeitet eine Katze zwar, doch sie lassen den Blutzucker nach dem Fressen stärker ansteigen. Bei einer gesunden Katze fängt Insulin das ab. Bei einer zuckerkranken Katze, deren Zellen schlecht auf Insulin reagieren und deren Bauchspeicheldrüse erschöpft ist, verstärkt jeder Zuckerschub das Problem.

Kohlenhydratarmes Futter senkt deshalb den Insulinbedarf, glättet die Blutzuckerkurve und verbessert nach Studien die Chance auf eine Remission, also ein Leben ohne Insulin. Eiweißreiches Futter hilft zusätzlich, beim Abnehmen die Muskulatur zu erhalten.

Das richtige Futter auswählen

  • Nassfutter bevorzugen. Die meisten Nassfutter mit hohem Fleischanteil liefern nur wenige Prozent ihrer Energie aus Kohlenhydraten. Viele Trockenfutter liegen dagegen bei 30 Prozent und mehr, weil Trockenfutter für die Herstellung Stärke braucht. Die Unterschiede erklärt Nassfutter oder Trockenfutter.
  • Diätfutter für Diabetiker. Es gibt Diätfuttermittel „zur Regulierung der Glucoseversorgung (Diabetes mellitus)“ nach der EU-Verordnung 2020/354, als Nass- und als Trockenfutter. Sie sind meist sehr kohlenhydratarm. Vorsicht: Der vorgeschriebene Hinweis „niedriger Mono- und Disaccharidgehalt“ bedeutet nur wenig Zucker, nicht automatisch wenig Stärke. Fragen Sie in der Praxis, welches Futter passt.
  • Ohne Zucker und Getreide-Snacks. Katzenmilch, Soßen mit Zucker oder Karamell, Knabberstangen mit Getreide gehören nicht in den Napf einer zuckerkranken Katze.
  • „Getreidefrei“ ist kein Diabetesfutter. Getreidefreies Trockenfutter enthält statt Weizen oft Kartoffeln oder Erbsen, also ebenfalls Stärke.

Kohlenhydrate auf dem Etikett berechnen

Katzenfutter muss den Kohlenhydratanteil nicht angeben. Sie können ihn aber grob aus den Analysewerten schätzen, wie es auch die AAHA beschreibt. Ziehen Sie von 100 die Werte für Rohprotein, Rohfett, Rohasche, Rohfaser und Feuchtigkeit ab; der Rest sind in etwa die Kohlenhydrate. Fehlt die Rohasche, nehmen Sie bei Nassfutter etwa 2–3 und bei Trockenfutter 5–8 Prozent an.

Ein Rechenbeispiel mit ausgedachten Werten: Ein Nassfutter mit 11 % Protein, 5 % Fett, 2 % Asche, 0,5 % Faser und 80 % Feuchtigkeit enthält rund 1,5 % Kohlenhydrate. Rechnet man mit den üblichen Energiefaktoren für Tierfutter (3,5 kcal je Gramm Eiweiß und Kohlenhydrat, 8,5 kcal je Gramm Fett), stammen nur etwa 6 % der Energie aus Kohlenhydraten. Ein Trockenfutter mit 32 % Protein, 12 % Fett, 7 % Asche, 3 % Faser und 8 % Feuchtigkeit enthält dagegen rund 38 % Kohlenhydrate – und bezieht gut ein Drittel seiner Energie daraus. Wie Sie die übrigen Angaben lesen, steht unter Katzenfutter-Etikett lesen.

Füttern und Insulin: feste Zeiten, feste Mengen

Die meisten zuckerkranken Katzen bekommen zweimal täglich Insulin, im Abstand von etwa zwölf Stunden. Das Futter wird darauf abgestimmt:

  1. Zur Spritze füttern. Meist bekommt die Katze eine Mahlzeit direkt vor oder während der Insulingabe. So sehen Sie, dass sie frisst, bevor sie ihre volle Dosis erhält.
  2. Gleiche Menge, gleiches Futter. Wiegen Sie die Tagesration ab. Wechselnde Mengen oder Sorten machen den Blutzucker unberechenbar.
  3. Rest über den Tag verteilen. Viele Katzen fressen von Natur aus mehrere kleine Mahlzeiten. Ob die Ration auf zwei Hauptmahlzeiten oder mehrere Portionen verteilt wird, legt die Tierärztin fest.
  4. Frisst die Katze nicht: Fragen Sie schon bei der Einstellung, was dann zu tun ist. Eine volle Insulindosis ohne Futter kann eine Unterzuckerung auslösen. Frisst die Katze länger als 24 Stunden nicht oder erbricht sie, muss sie in die Praxis, denn dahinter kann auch eine gefährliche Ketoazidose stecken.

Wie oft Katzen grundsätzlich gefüttert werden, steht unter Wie oft am Tag sollte man eine Katze füttern?

Futterwechsel nur mit Absprache

Das ist die wichtigste Regel in diesem Beitrag: Stellen Sie das Futter einer Katze, die Insulin bekommt, nie eigenmächtig um. Ein Wechsel von kohlenhydratreichem Trockenfutter auf kohlenhydratarmes Nassfutter kann den Insulinbedarf innerhalb weniger Tage deutlich senken. Bleibt die Dosis gleich, fällt der Blutzucker zu tief.

Anzeichen einer Unterzuckerung sind Unruhe, Zittern, Taumeln, Schwäche, Desorientierung bis hin zu Krampfanfällen und Bewusstlosigkeit. Dann gilt, wie im Beitrag über Diabetes beschrieben: etwas Honig oder Traubenzuckersirup aufs Zahnfleisch streichen, nichts ins Maul gießen und sofort in die Praxis fahren. Wer den Blutzucker nach Anleitung zu Hause messen kann, erkennt eine Überdosierung nach einem Futterwechsel früher.

Abnehmen mit Diabetes

Übergewicht ist der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor für Diabetes, und Abnehmen verbessert die Wirkung des Insulins. Eine übergewichtige zuckerkranke Katze sollte deshalb abnehmen, aber besonders behutsam: etwa 1 Prozent des Körpergewichts pro Woche, unter tierärztlicher Begleitung und mit regelmäßigen Blutzuckerkontrollen, weil der Insulinbedarf beim Abnehmen sinkt. Crash-Diäten sind verboten; sie können eine Leberverfettung auslösen. Wie eine Diät im Alltag funktioniert, steht unter Übergewicht bei Katzen.

Umgekehrt sind viele Katzen bei der Diagnose schon abgemagert, weil der Körper ohne wirksames Insulin Muskeln und Fett abbaut. Sie brauchen genug Energie, um wieder aufzubauen. Das Ziel ist also nicht „weniger Futter“, sondern das richtige Gewicht.

Leckerlis für zuckerkranke Katzen

Leckerlis sind erlaubt, wenn sie eiweißreich und kohlenhydratarm sind und in die Tagesration eingerechnet werden. Gut geeignet sind gefriergetrocknete Fleischstückchen ohne Zusätze, ein paar Stückchen gegartes Hähnchen ohne Haut und Gewürze oder einige Bröckchen des eigenen Diätfutters. Ungeeignet sind die meisten Knabberstangen, Cremes zum Schlecken mit Zucker oder Stärke und Katzenmilch. Faustregel: Leckerlis liefern höchstens etwa 10 Prozent der Tagesenergie. Mehr dazu unter Leckerlis für Katzen.

Futter in der Remission

Kommt eine Katze ohne Insulin aus, ist sie nicht geheilt. Die Veranlagung bleibt, und Rückfälle kommen vor. Behalten Sie das kohlenhydratarme Futter bei, halten Sie das Gewicht im Normalbereich und lassen Sie die Kontrollen weiterlaufen. Achten Sie auf Rückkehr von vermehrtem Durst und Urin. Die Empfehlung für jede zuckerkranke Katze: kohlenhydratarm füttern, regelmäßig und abgewogen, Übergewicht langsam abbauen und jeden Futterwechsel vorher mit der Tierärztin besprechen.

Häufige Fragen

Ist BARF gut für zuckerkranke Katzen?

Rohes Fleisch ist von Natur aus kohlenhydratarm. BARF hat aber eigene Risiken: Keime, Nährstofflücken und schwankende Zusammensetzung, die die Insulineinstellung erschwert. Eine selbst zusammengestellte Rohfütterung sollte bei Diabetes nur mit einem berechneten Plan und nach Absprache mit der Praxis erfolgen, siehe BARF für Katzen.

Darf eine zuckerkranke Katze Trockenfutter fressen?

Ja, wenn es ein kohlenhydratarmes Diätfutter ist und die Katze gut eingestellt ist. Normales Trockenfutter ist meist zu stärkereich. Nassfutter hat zusätzlich den Vorteil, dass es Wasser liefert.

Wie viel Futter braucht eine Katze mit Diabetes?

Das hängt von Gewicht, Zielgewicht und Futter ab. Die Tierärztin berechnet die Kalorienmenge; sie bleibt dann möglichst konstant, damit Insulin und Futter zusammenpassen.

Kann Diabetes allein mit Futter behandelt werden?

In der Regel nicht. Futter ergänzt die Behandlung mit Insulin oder Tabletten. Gelegentlich gelingt eine Remission schon mit Futterumstellung und Abnehmen, wie die AAHA schreibt – erwarten sollte man das aber nicht, und ohne Kontrolle der Blutzuckerwerte ist es riskant.