Katze: Auge tränt – Ursachen und wann es ernst wird

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Tränt das Auge einer Katze nur kurz und die Flüssigkeit ist klar, hat meist Staub, ein Haar oder Zugluft die Augenoberfläche gereizt. Hält das Tränen länger als einen Tag an, wird der Ausfluss trüb, gelblich oder grünlich oder kneift die Katze das Auge zu, sollte ein Tierarzt nachsehen. Häufige Ursachen sind Katzenschnupfen, Bindehautentzündungen und Hornhautverletzungen – bei kurznasigen Rassen zusätzlich die Kopfform.
Tränen ohne Gefühle
Katzen weinen nicht aus Trauer oder Freude. Tränenflüssigkeit hält das Auge feucht, spült Fremdkörper heraus und wehrt Keime ab. Normalerweise fließt sie über den Tränen-Nasen-Kanal in die Nase ab. Läuft sie über das Gesicht, wird entweder zu viel gebildet, weil das Auge gereizt ist, oder der Abfluss ist behindert. Mehr zum Thema unter Können Katzen weinen?.
Was der Ausfluss verrät
| Aussehen | Mögliche Ursachen | Einschätzung |
| klar, wässrig, kurzzeitig | Staub, Haar, Zugluft, Reizung | beobachten; bleibt es länger als 24 Stunden, zum Tierarzt |
| klar, dauerhaft, braune Tränenstraße | verengter Tränen-Nasen-Kanal, Kurznasigkeit, eingerolltes Lid | abklären lassen, regelmäßig pflegen |
| schleimig, gelb oder grün | Katzenschnupfen, bakterielle Bindehautentzündung, Chlamydien | zum Tierarzt in den nächsten ein bis zwei Tagen |
| mit Blut, Auge trüb oder verletzt | Verletzung, Hornhautgeschwür, Entzündung im Augeninneren | noch am selben Tag zum Tierarzt |
Beachten Sie, dass eingetrocknete Tränen oft bräunlich aussehen, auch wenn der frische Ausfluss klar ist. Achten Sie auch darauf, ob ein Auge oder beide betroffen sind: Einseitiges Tränen spricht eher für einen Fremdkörper oder eine Verletzung, beidseitiges eher für eine Infektion oder Allergie.
Die häufigsten Ursachen
Reizung durch Staub, Zugluft oder Rauch: Das Auge produziert mehr Tränen, um sich zu reinigen. Nach einigen Stunden sollte das vorbei sein.
Katzenschnupfen: Die häufigste ernste Ursache. Katzenschnupfen ist eine ansteckende Infektion der Atemwege und Augen, an der vor allem Herpesviren (FHV-1), Caliciviren und Bakterien wie Chlamydien beteiligt sind. Typisch sind Niesen, Nasenausfluss, entzündete Augen und Fieber. Für Kitten und ungeimpfte Katzen kann er lebensgefährlich werden. Katzen, die einmal eine Herpesinfektion hatten, tragen das Virus oft lebenslang und können bei Stress erneut Augenprobleme bekommen. Mehr unter Katze erkältet und Katze niest.
Bindehautentzündung: Rote, geschwollene Bindehaut, Blinzeln, schleimiger Ausfluss. Auslöser sind meist die Erreger des Katzenschnupfens, seltener Allergien oder Fremdkörper.
Verletzungen und Fremdkörper: Bei Freigängern nach Raufereien oder im Gebüsch häufig. Kratzer auf der Hornhaut schmerzen stark: Die Katze kneift das Auge zu, ist lichtempfindlich, das Auge tränt stark. Unbehandelt kann sich ein Hornhautgeschwür bilden.
Kurznasigkeit: Perser, Exotic Shorthair und andere stark kurznasige Katzen haben oft einen geknickten oder verengten Tränen-Nasen-Kanal, flache Augenhöhlen und hervortretende Augen. Die Tränen laufen dauerhaft über und hinterlassen die typische braune Tränenstraße. Das ist eine Zuchtfolge, die unter das Verbot der Qualzucht fallen kann, und kein harmloses Merkmal. Näheres im Beitrag über die Perserkatze.
Eingerolltes Augenlid (Entropium): Die Wimpernhaare reiben auf der Hornhaut, das Auge tränt und entzündet sich. Das wird meist operativ korrigiert.
Allergien: Seltener als beim Hund, aber möglich, etwa gegen Pollen, siehe Pollenallergie bei Katzen.
Augenwurm: Der Augenwurm (Thelazia callipaeda) wird von Fruchtfliegen übertragen und breitet sich in Teilen Europas aus. Befallene Katzen haben tränende, entzündete Augen, manchmal sieht man die dünnen weißen Würmer. Der Tierarzt entfernt sie und behandelt mit einem Wurmmittel.

Was Sie selbst tun können
- Genau hinsehen. Bei gutem Licht: Ist das Auge gerötet, trüb, zugekniffen? Sitzt etwas im Augenwinkel? Fotografieren Sie das Auge für den Tierarzt.
- Vorsichtig säubern. Verkrustungen mit einem weichen, fusselfreien Tuch oder Wattepad und lauwarmem abgekochtem Wasser von innen nach außen abwischen, für jedes Auge ein eigenes Tuch.
- Nichts hineinträufeln. Kein Kamillentee, der die Bindehaut reizen kann und Fussel hinterlässt; keine Augentropfen oder -salben für Menschen, weil manche Wirkstoffe wie Kortison ein Hornhautgeschwür verschlimmern können.
- Fremdkörper nicht selbst herauszupfen. Ein locker aufliegendes Haar spült die Katze meist selbst heraus. Alles, was festsitzt oder die Hornhaut berührt, gehört in die Praxis.
- Andere Katzen schützen. Bei Verdacht auf Katzenschnupfen Näpfe und Hände nach dem Kontakt waschen.
Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss
Sofort, wenn das Auge verletzt ist, stark schmerzt, die Katze es fest zukneift, die Hornhaut trüb oder bläulich wird, Blut im Auge ist, das Auge hervortritt oder die Katze plötzlich schlecht sieht. Augen verzeihen wenig: Ein Hornhautgeschwür kann innerhalb kurzer Zeit tiefer werden.
In den nächsten ein bis zwei Tagen, wenn der Ausfluss eitrig, gelb oder grün ist, das Tränen länger als einen Tag anhält, die Katze niest, Fieber hat oder schlecht frisst. Bei Kitten mit verklebten Augen nicht lange warten.
Der Tierarzt untersucht das Auge mit Licht und Lupe, färbt die Hornhaut mit einem Farbstoff an, der Verletzungen sichtbar macht, prüft die Tränenproduktion und spült bei Bedarf den Tränen-Nasen-Kanal. Behandelt wird je nach Ursache mit Augentropfen oder -salben, bei Virusinfektionen mit antiviralen Mitteln, bei Fehlstellungen mit einer Operation. Antibiotika helfen bei Katzenschnupfen gegen die bakteriellen Begleiterreger, nicht gegen die Viren selbst.
Vorbeugen
Die wichtigste Vorbeugung ist die Impfung gegen Katzenschnupfen, die nach der Leitlinie der StIKo Vet zu den Kernimpfungen jeder Katze gehört, auch der Wohnungskatze. Sie verhindert nicht jede Ansteckung, mildert den Verlauf aber deutlich. Mehr dazu unter Katzen impfen. Katzen mit kurzer Nase brauchen tägliche Augenpflege. Und wer eine Katze kaufen möchte, sollte keine extrem kurznasigen Tiere wählen – deren Augenprobleme begleiten sie ein Leben lang.
Die Empfehlung lautet also: Kurzes, klares Tränen beobachten, alles, was trüb, eitrig, schmerzhaft oder dauerhaft ist, beim Tierarzt abklären lassen – und nie selbst mit Hausmitteln im Katzenauge experimentieren.
Häufige Fragen
Warum tränt nur ein Auge meiner Katze?
Einseitiges Tränen spricht oft für eine örtliche Ursache: einen Fremdkörper, einen Kratzer auf der Hornhaut, ein eingerolltes Lid oder einen verstopften Tränen-Nasen-Kanal auf dieser Seite. Auch Katzenschnupfen kann auf einem Auge beginnen. Hält es länger als einen Tag an, sollte der Tierarzt nachsehen.
Wie entferne ich Tränenstraßen bei meiner Perserkatze?
Täglich mit einem weichen, angefeuchteten Tuch vorsichtig abwischen und die Haut trocken halten, damit sie sich nicht entzündet. Spezielle Augenreinigungslösungen für Tiere können helfen. Die Ursache, meist die Kopfform, lässt sich damit nicht beheben – lassen Sie die Augen regelmäßig tierärztlich kontrollieren.
Hilft Kamillentee bei tränenden Katzenaugen?
Nein. Kamille kann die Bindehaut reizen, und Teeteilchen oder Fussel gelangen leicht ins Auge. Zum Säubern reicht lauwarmes, abgekochtes Wasser. Behandeln sollte der Tierarzt.
Ist tränendes Auge bei Katzen ansteckend?
Das hängt von der Ursache ab. Steckt Katzenschnupfen dahinter, kann er auf andere Katzen übergehen, auf Menschen in aller Regel nicht. Eine Reizung durch Staub oder eine Verletzung ist nicht ansteckend.



