Zum Inhalt springen
katzenwelt

Sind Tulpen giftig für Katzen?

Christoph · 5 Min. Lesezeit

Katze beschnuppert einen Strauß Tulpen
Tulpen in der Vase sind für knabbernde Katzen keine gute Idee
Inhalt9 Abschnitte
  1. Welche Stoffe in Tulpen stecken
  2. Tulpe ist nicht gleich Lilie
  3. Warum Katzen an Tulpen knabbern
  4. Anzeichen einer Tulpenvergiftung
  5. Was Sie selbst tun können
  6. Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss
  7. Tulpen und Katze im selben Haushalt
  8. Unsere Empfehlung
  9. Häufige Fragen

Ja, Tulpen sind für Katzen giftig – allerdings meist in einem Maß, das Maul, Magen und Darm reizt und nicht lebensgefährlich ist. Die höchste Konzentration der Giftstoffe steckt in der Zwiebel, deutlich weniger in Blättern und Blüten. Eine Katze, die an einer Tulpe geknabbert hat, speichelt und erbricht häufig; zum Tierarzt sollte sie, wenn sie eine Zwiebel angefressen hat, mehrfach erbricht oder matt wirkt.

Welche Stoffe in Tulpen stecken

Tulpen enthalten sogenannte Tulipaline (Tulipalin A und B), die aus Vorstufen namens Tuliposiden entstehen, wenn Pflanzengewebe verletzt wird. Diese Stoffe reizen Haut und Schleimhäute. Beim Menschen sind sie als Auslöser der „Tulpenfinger“ bekannt, eines Hautausschlags bei Gärtnern und Floristen, die viel mit Tulpenzwiebeln arbeiten.

Die ASPCA führt Tulpen in ihrer Giftpflanzendatenbank als giftig für Katzen, Hunde und Pferde und nennt als Hauptanzeichen Erbrechen, Speicheln, Durchfall und Mattigkeit. Die höchste Konzentration findet sich in der Zwiebel. Nach sehr großen Mengen Zwiebel, wie sie vor allem Hunde beim Ausgraben fressen, sind in tiermedizinischen Giftinformationen auch Herzrhythmusveränderungen und Atemprobleme beschrieben.

Die gelegentlich zu lesende Behauptung, Tulpen enthielten Lektine, die „als Rattengift“ ein inneres Verbluten auslösten, ist falsch. Rattengifte sind Blutgerinnungshemmer, mit Tulpen haben sie nichts zu tun.

Tulpe ist nicht gleich Lilie

Tulpen gehören botanisch zur Familie der Liliengewächse. Das führt oft zu Verwechslungen, denn die echten Lilien (Gattung Lilium) und Taglilien (Hemerocallis) sind für Katzen eine der gefährlichsten Pflanzen überhaupt: Schon das Ablecken von Pollen aus dem Fell oder ein Schluck Vasenwasser kann ein akutes Nierenversagen auslösen. Tulpen wirken anders und schädigen die Nieren nach heutigem Wissen nicht.

Gefährlich wird es, wenn Tulpen in einem gemischten Frühlingsstrauß mit Lilien stehen oder wenn nicht klar ist, was die Katze gefressen hat. Dann ist ein Anruf beim Tierarzt immer richtig. Auch andere Frühblüher sind nicht harmlos: Narzissen (Osterglocken) und Hyazinthen enthalten ebenfalls reizende bis giftige Stoffe, bei Narzissen gilt das auch für das Vasenwasser. Eine Übersicht finden Sie unter Giftige Pflanzen für Katzen.

Warum Katzen an Tulpen knabbern

Katzen fressen keine Pflanzen, weil sie Nährstoffe daraus bräuchten. Sie knabbern aus Neugier, aus Spieltrieb, aus Langeweile oder weil sie lange, schmale Blätter mögen, die an Gras erinnern. Tulpen im Frühjahr sind oft die einzigen frischen Halme in einer Wohnung. Junge Katzen probieren am meisten aus, Wohnungskatzen knabbern häufiger als Freigänger.

Dass Katzen „instinktiv“ wüssten, was ihnen schadet, ist ein Irrglaube. Manches schmeckt ihnen nicht, aber auf Geschmack als Schutz sollten Sie sich nicht verlassen.

Junge Katze sitzt im Kratzbaum neben Tulpen
Tulpen in Reichweite einer jungen Katze sind keine gute Idee

Anzeichen einer Tulpenvergiftung

Wie stark eine Katze reagiert, hängt davon ab, welcher Teil der Pflanze und wie viel davon gefressen wurde. Die Beschwerden beginnen meist innerhalb weniger Stunden:

  • vermehrtes Speicheln, Lecken der Lippen, Kopfschütteln
  • Erbrechen, oft mit Pflanzenresten
  • Durchfall
  • Mattigkeit, Rückzug, verminderter Appetit
  • selten und nach großen Mengen: beschleunigte Atmung, unregelmäßiger Herzschlag

Hat die Katze nur in ein Blatt gebissen und sind lediglich Zahnabdrücke zu sehen, bleibt es meist bei Speicheln. Fehlen größere Stücke oder wurde eine Zwiebel angenagt, ist mit stärkeren Beschwerden zu rechnen.

Was Sie selbst tun können

  1. Ruhig bleiben und Reste entfernen. Nehmen Sie Pflanzenteile aus dem Maul, soweit die Katze das zulässt. Das Maul nicht mit Wasser ausspülen, die Katze könnte es einatmen.
  2. Pflanze sichern. Heben Sie ein Stück der Tulpe und gegebenenfalls anderer Pflanzen aus dem Raum auf oder fotografieren Sie sie. So weiß der Tierarzt, womit er es zu tun hat.
  3. Kein Erbrechen auslösen. Salzwasser, Senf oder Wasserstoffperoxid sind für Katzen gefährlich. Ob Erbrechen ausgelöst werden soll, entscheidet der Tierarzt mit geeigneten Medikamenten.
  4. Keine Hausmittel und keine Medikamente für Menschen. Milch „zum Binden“ hilft nicht und verursacht bei vielen Katzen zusätzlich Durchfall. Menschliche Magenmittel und Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen sind für Katzen gefährlich.
  5. Beobachten. Frisches Wasser anbieten, Futter erst nach einigen Stunden ohne Erbrechen.

Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss

Rufen Sie sofort in der Praxis oder Tierklinik an, wenn:

  • die Katze eine Tulpenzwiebel angefressen hat,
  • sie mehrfach erbricht, Blut im Erbrochenen oder im Kot ist,
  • sie sehr matt ist, schnell atmet, taumelt oder krampft,
  • Sie nicht sicher sind, ob auch Lilien oder andere Pflanzen im Spiel waren,
  • es sich um eine sehr junge, sehr alte oder vorerkrankte Katze handelt,
  • die Katze länger als 24 Stunden nichts frisst.

Beim Tierarzt wird die Katze untersucht, bei Bedarf wird Erbrechen ausgelöst oder Aktivkohle gegeben, dazu gibt es Infusionen und Mittel gegen Übelkeit. Die Aussichten sind bei Tulpen in aller Regel gut.

Tulpen und Katze im selben Haushalt

  1. Vase außer Reichweite. Ein hohes Regal ohne Absprungmöglichkeit oder ein Raum ohne Katze. Die Fensterbank ist keine Lösung.
  2. Vasenwasser nicht vergessen. Katzen trinken gern aus Vasen. Eine schwere Vase mit schmaler Öffnung verhindert beides: Umkippen und Trinken.
  3. Welke Blätter wegräumen. Heruntergefallene Blütenblätter sind Spielzeug.
  4. Zwiebeln sicher lagern. Blumenzwiebeln im Herbst nie offen im Keller, Schuppen oder auf dem Balkon liegen lassen.
  5. Beim Pflanzen im Garten. Frisch gesetzte Zwiebeln werden manchmal ausgegraben – eher von Hunden, aber auch von Katzen, die das Beet als Toilette nutzen. Beete abdecken, bis der Boden sich gesetzt hat.
  6. Grüne Alternative anbieten. Katzengras in einer eigenen Schale gibt knabbernden Katzen, was sie suchen. Auch auf einem gesicherten Balkon lässt sich ein Topf aufstellen – siehe Balkon katzensicher gestalten.

Unsere Empfehlung

Einen Tulpenstrauß müssen Sie als Katzenhalter nicht verbieten, aber er gehört dorthin, wo die Katze nicht hinkommt. Achten Sie beim Kauf gemischter Sträuße darauf, dass keine Lilien darin stecken, und lagern Sie Tulpenzwiebeln verschlossen. Wer eine Katze hat, die grundsätzlich alles anknabbert, fährt mit Zimmerpflanzen aus der Liste Ungiftige Pflanzen für Katzen entspannter.

Häufige Fragen

Gibt es Tulpensorten, die für Katzen ungiftig sind?

Nein. Alle Tulpen enthalten die reizenden Tulipaline beziehungsweise ihre Vorstufen, auch Wildtulpen. Die Menge schwankt je nach Sorte und Pflanzenteil, eine für Katzen unbedenkliche Sorte gibt es aber nicht.

Ist das Vasenwasser von Tulpen gefährlich?

Es enthält gelöste Pflanzenstoffe und oft Frischhaltemittel, deshalb sollte die Katze es nicht trinken. Ein paar Schlucke führen bei Tulpen meist höchstens zu Magenbeschwerden. Anders bei Lilien: Deren Vasenwasser kann schon in kleinen Mengen die Nieren schädigen.

Wie lange nach dem Fressen zeigen sich Symptome?

Speicheln setzt oft sofort ein, weil die Stoffe die Maulschleimhaut reizen. Erbrechen und Durchfall folgen meist innerhalb weniger Stunden. Ist die Katze am nächsten Tag munter und frisst normal, ist das Schlimmste überstanden.

Sind getrocknete Tulpen weniger gefährlich?

Getrocknete Pflanzenteile enthalten weiterhin Giftstoffe, oft sogar konzentrierter. Trockensträuße gehören deshalb ebenfalls außer Reichweite.