Katzengebiss: Zähne, Zahnwechsel und Zahnpflege bei Katzen

Inhalt8 Abschnitte
Eine erwachsene Katze hat 30 Zähne, ein Kätzchen 26 Milchzähne. Das Gebiss ist das eines Fleischfressers: lange Fangzähne zum Packen, scharfe Backenzähne zum Zerschneiden, kaum Flächen zum Mahlen. Zahnerkrankungen sind bei Katzen sehr häufig und bleiben lange unentdeckt, weil Katzen Schmerzen gut verbergen – regelmäßige Kontrolle und Pflege lohnen sich deshalb.
So ist das Katzengebiss aufgebaut
Das Katzengebiss besteht aus vier Zahnarten: Schneidezähne (Incisivi), Eckzähne oder Fangzähne (Canini), vordere Backenzähne (Prämolaren) und hintere Backenzähne (Molaren). In der Zahnformel stehen Großbuchstaben für bleibende Zähne, Kleinbuchstaben für Milchzähne.
| Bleibendes Gebiss, Oberkiefer je Seite | 3 Schneidezähne, 1 Eckzahn, 3 Prämolaren, 1 Molar |
| Bleibendes Gebiss, Unterkiefer je Seite | 3 Schneidezähne, 1 Eckzahn, 2 Prämolaren, 1 Molar |
| Zähne insgesamt | 30 |
| Milchgebiss, Oberkiefer je Seite | 3 Schneidezähne, 1 Eckzahn, 3 Prämolaren |
| Milchgebiss, Unterkiefer je Seite | 3 Schneidezähne, 1 Eckzahn, 2 Prämolaren |
| Milchzähne insgesamt | 26 |
Das Milchgebiss hat noch keine Molaren. Sie kommen erst mit dem bleibenden Gebiss hinzu.
Was die einzelnen Zähne leisten
Die Fangzähne fallen als Erstes auf. Mit ihnen packt und hält die Katze ihre Beute und setzt den Nackenbiss, mit dem sie kleine Beutetiere tötet. Die Zähne sind lang, spitz und leicht gebogen; wer schon einmal im Spiel gebissen wurde, weiß, wie tief sie eindringen.
Die Backenzähne arbeiten wie eine Schere. Der größte Zahn im Oberkiefer, der letzte Prämolar, und der Molar im Unterkiefer bilden zusammen die sogenannte Brechschere, auch Reißzahn genannt. Mit ihr schneidet die Katze Fleisch in schluckbare Stücke. Deshalb nimmt eine Katze einen größeren Brocken seitlich ins Maul. Richtig kauen und mahlen wie ein Mensch kann sie nicht; sie schluckt Stücke weitgehend ganz.
Die kleinen Schneidezähne wirken unscheinbar, sind aber vielseitig. Mit ihnen knabbert die Katze Fleischreste von Knochen, zupft Federn, löst Schmutz und Knoten aus dem Fell und zieht beim Putzen die alten Hüllen von den Krallen. Bei Langhaarkatzen reicht das Beknabbern allerdings oft nicht gegen Knoten, siehe Ursachen für verfilztes Fell bei Katzen.
Eine Katzenmutter trägt ihre Jungen mit den Zähnen am Nackenfell, ohne sie zu verletzen, und durchtrennt nach der Geburt die Nabelschnur mit den Backenzähnen.
Zahnwechsel beim Kätzchen
Die ersten Milchzähne brechen im Alter von etwa zwei bis drei Wochen durch, mit etwa sechs bis acht Wochen ist das Milchgebiss vollständig. Ab dem dritten bis vierten Lebensmonat werden die Milchzähne nach und nach durch die bleibenden Zähne ersetzt, zuerst die Schneidezähne, zuletzt die Eck- und Backenzähne. Mit etwa sechs bis sieben Monaten ist der Wechsel abgeschlossen.

Während des Zahnwechsels kauen viele Kätzchen mehr auf Gegenständen herum, manche fressen kurz schlechter oder haben leicht gerötetes Zahnfleisch. Das ist normal. Die ausgefallenen Milchzähne werden meist verschluckt und fallen gar nicht auf. Bleibt ein Milchzahn neben dem bleibenden Zahn stehen, meist ein Eckzahn, spricht man von einem persistierenden Milchzahn. Er sollte vom Tierarzt gezogen werden, weil er den bleibenden Zahn in eine Fehlstellung drängen kann und sich zwischen beiden Zähnen Futterreste festsetzen. Gewöhnen Sie Ihr Kätzchen in dieser Zeit behutsam daran, dass Sie ihm ins Maul schauen; das macht spätere Kontrollen viel einfacher (siehe Katzenbabys erziehen).
Häufige Zahnerkrankungen
Zahnprobleme gehören zu den häufigsten Erkrankungen erwachsener Katzen. Die wichtigsten:
- Zahnstein und Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Aus Belägen wird Zahnstein, an dessen Rand sich das Zahnfleisch rötet und entzündet. Mehr dazu unter Zahnfleischentzündung bei der Katze.
- Parodontitis. Die Entzündung greift auf den Zahnhalteapparat über, der Knochen um den Zahn baut ab, Zähne lockern sich.
- Resorptive Läsionen (FORL). Körpereigene Zellen bauen die Zahnsubstanz ab, oft vom Zahnhals aus. Die Löcher sind sehr schmerzhaft und bei älteren Katzen häufig. Ein Teil liegt unter dem Zahnfleisch und ist nur im Röntgenbild zu sehen. Betroffene Zähne werden in der Regel gezogen.
- Chronische Maulhöhlenentzündung (Gingivostomatitis). Eine schwere, schmerzhafte Entzündung der Maulschleimhaut, an der unter anderem Caliciviren beteiligt sein können. Die Behandlung ist langwierig und erfordert oft das Ziehen vieler Zähne.
- Abgebrochene Zähne. Vor allem die Fangzähne brechen bei Stürzen oder Unfällen. Liegt der Nerv offen, ist das schmerzhaft und kann zu einer Entzündung an der Wurzel führen.
Ohne Zähne zu leben ist für Katzen übrigens weniger schlimm, als es klingt. Da sie ohnehin kaum kauen, fressen viele nach dem Ziehen schmerzender Zähne besser als vorher.
Woran Sie Zahnschmerzen erkennen
Katzen hören selten auf zu fressen, nur weil ihnen ein Zahn wehtut. Achten Sie auf leisere Zeichen:
- Die Katze frisst nur noch auf einer Seite, lässt Futter fallen oder schüttelt beim Fressen den Kopf.
- Sie bevorzugt plötzlich Nassfutter oder lässt Trockenfutter stehen.
- Sie sabbert, reibt sich mit der Pfote am Maul oder hat Mundgeruch (siehe Die Katze hat Mundgeruch).
- Das Zahnfleisch ist rot, geschwollen oder blutet; auf den Zähnen liegt gelbbrauner Zahnstein.
- Sie putzt sich weniger, wirkt gereizt oder zieht sich zurück.
Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss
Sofort, wenn Ihre Katze einen abgebrochenen Zahn mit sichtbarem rotem Punkt in der Mitte hat, nach einem Unfall aus dem Maul blutet, das Maul nicht mehr richtig schließen kann oder eine Schwellung am Kiefer oder unter dem Auge entwickelt. Frisst sie länger als 24 Stunden gar nichts, gehört sie ebenfalls umgehend in die Praxis, weil Katzen dann eine gefährliche Leberverfettung entwickeln können.
In den nächsten Tagen sollten Sie einen Termin machen, wenn eines der oben genannten Anzeichen für Zahnschmerzen auftritt. Der Tierarzt untersucht das Maul zunächst im Wachzustand. Für eine gründliche Behandlung – Zahnstein entfernen, Zähne röntgen, kranke Zähne ziehen – braucht die Katze eine Narkose. Anders lassen sich die Zähne weder unter dem Zahnfleisch reinigen noch sicher beurteilen. Eine Zahnsteinentfernung ohne Narkose, wie sie gelegentlich angeboten wird, ist deshalb keine Alternative.
Zähne putzen und andere Zahnpflege
Die wirksamste Vorsorge ist das Zähneputzen, am besten täglich, mindestens aber mehrmals pro Woche. So gewöhnen Sie Ihre Katze daran:
- Klein anfangen. Heben Sie ein paar Tage lang nur kurz die Lefze an und belohnen Sie Ihre Katze danach.
- Zahnpasta schmecken lassen. Geben Sie etwas Katzenzahnpasta auf den Finger und lassen Sie die Katze daran lecken. Katzenzahnpasta darf verschluckt werden. Zahnpasta für Menschen ist tabu: Sie enthält Fluorid und Schaumbildner und soll nicht geschluckt werden.
- Mit dem Finger reiben. Reiben Sie mit einem Fingerling oder einem Stück Mull über die Außenseiten der Backenzähne.
- Zur Bürste wechseln. Nehmen Sie eine weiche, kleine Zahnbürste für Katzen und putzen Sie mit kreisenden Bewegungen vom Zahnfleisch zum Zahn, vor allem die Außenseiten im Oberkiefer. Die Innenseiten reinigt die Zunge weitgehend selbst.
- Kurz halten. Eine halbe Minute pro Seite reicht. Hören Sie auf, bevor die Katze sich wehrt, und belohnen Sie sie.
Bei bereits entzündetem Zahnfleisch sollte zuerst der Tierarzt behandeln, sonst tut das Putzen weh und die Katze verknüpft es mit Schmerzen. Kauartikel und spezielle Zahnpflegefutter können Beläge etwas verringern, ersetzen das Putzen aber nicht. Knochen sind keine gute Zahnpflege: Gekochte Knochen splittern, und auch rohe Knochen können Zähne abbrechen oder im Darm stecken bleiben. Rohes Schweinefleisch ist für Katzen wegen des Aujeszky-Virus ohnehin tabu.
Die verbreitete Annahme, Freigänger hätten durch Mäuse von selbst gesunde Zähne, stimmt so nicht. Auch jagende Katzen bekommen Zahnstein und resorptive Läsionen.
Unsere Empfehlung: Gewöhnen Sie Ihre Katze früh an das Zähneputzen, schauen Sie einmal im Monat selbst ins Maul und lassen Sie beim jährlichen Gesundheitscheck die Zähne ansehen. Bei älteren Katzen lohnt sich ein genauerer Blick, weil Zahnprobleme mit dem Alter zunehmen.
Häufige Fragen
Wachsen bei Katzen Zähne nach?
Nein. Ist ein bleibender Zahn verloren, kommt kein neuer nach. Berichte über „nachgewachsene“ Zähne bei erwachsenen Katzen gehen meist auf Milchzähne zurück, die lange stehen geblieben sind, oder auf einen Zahn, der verspätet durchgebrochen ist.
Ist Trockenfutter besser für die Zähne als Nassfutter?
Kaum. Weil Katzen Trockenfutter nur wenig kauen, reinigt normales Trockenfutter die Zähne kaum. Spezielle Zahnpflegefutter mit großen, faserigen Kroketten können Beläge etwas verringern. Wichtiger als die Futterform ist das Putzen.
Wie gefährlich ist ein Katzenbiss für Menschen?
Katzenbisse sind tückisch. Die spitzen Fangzähne bringen Bakterien tief ins Gewebe, die Wunde schließt sich oben schnell. Gerade Bisse in die Hand entzünden sich häufig. Waschen Sie die Wunde gründlich und gehen Sie zum Arzt, wenn sie tief ist, an der Hand liegt oder rot und dick wird.
Braucht eine Katze mit gesunden Zähnen eine Zahnreinigung?
Nicht zwingend. Ob eine Reinigung in Narkose nötig ist, entscheidet der Tierarzt nach dem Befund. Wer regelmäßig putzt, verlängert die Abstände zwischen solchen Behandlungen oft deutlich.



