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katzenwelt

Zu dünne Katze: Zunehmen lassen und Ursachen klären

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Schlanke rotweiße Katze frisst aus einem Napf auf einer Treppenstufe
Gewichtsverlust hat bei Katzen fast immer einen Grund, den es zu finden gilt
Inhalt8 Abschnitte
  1. Ist meine Katze zu dünn?
  2. Häufige Ursachen für Gewichtsverlust
  3. Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss
  4. Das richtige Futter zum Zunehmen
  5. So bringen Sie eine Katze zum Fressen
  6. Zunehmen bei Nieren-, Schilddrüsen- und Zuckerkrankheit
  7. Wie schnell darf eine Katze zunehmen?
  8. Häufige Fragen

Eine zu dünne Katze braucht zuerst eine Ursache und dann das passende Futter. Nimmt eine erwachsene Katze ohne Diät ab, steckt meist eine Erkrankung dahinter, bei älteren Katzen häufig die Schilddrüse, die Nieren, ein Diabetes oder schmerzende Zähne. Solange die Ursache nicht behandelt ist, bringt auch das beste Futter oft wenig. Zusätzlich helfen energiereiche, gut verdauliche Mahlzeiten, die über den Tag verteilt werden.

Ist meine Katze zu dünn?

Bei einer zu dünnen Katze sind Rippen, Wirbelsäule und Beckenknochen deutlich tastbar oder sogar sichtbar, die Taille ist stark eingezogen, und am Rücken fehlt die Muskulatur. Tierärzte bewerten den Körperzustand auf einer Skala von 1 bis 9 der WSAVA; 5 gilt als ideal, Werte unter 4 als zu dünn. Wichtig ist auch der Muskelzustand: Ältere Katzen verlieren oft Muskeln an Rücken und Hinterbeinen, auch wenn sie am Bauch noch Fett haben.

Wiegen Sie Ihre Katze regelmäßig, am besten einmal im Monat, ältere Katzen alle zwei Wochen. Ein Verlust von zehn Prozent – bei einer 4-kg-Katze also 400 Gramm – fällt beim Streicheln kaum auf, auf der Waage schon.

Häufige Ursachen für Gewichtsverlust

UrsacheTypische Hinweise
ZahnproblemeKatze geht zum Napf, frisst aber zögerlich, lässt Brocken fallen, kaut einseitig, riecht aus dem Maul
Schilddrüsenüberfunktionältere Katze, großer Appetit und trotzdem Abnahme, Unruhe, mehr Durst
Chronische Niereninsuffizienzmehr Durst und Urin, wählerisches Fressen, Erbrechen, stumpfes Fell
Diabetes mellitusHeißhunger, viel Durst, viel Urin, Abnahme trotz Fressen
Darmerkrankungen, TumorenErbrechen, Durchfall oder weicher Kot, Appetit wechselnd
Parasitenvor allem bei jungen Katzen und Freigängern, stumpfes Fell, aufgeblähter Bauch
Stress und Konkurrenzandere Katze verdrängt sie vom Napf, Umzug, neue Mitbewohner

Ohne Krankheit kann eine Katze dünn werden, wenn sie zu wenig Futter bekommt, das Futter nicht mag oder im Alter schlechter verdaut. Studien zeigen, dass viele Katzen ab etwa zwölf Jahren Fett und Eiweiß weniger gut aufnehmen und deshalb mehr Energie brauchen, nicht weniger. Mehr dazu unter Futter für ältere Katzen.

Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss

Sofort oder zum Notdienst, wenn Ihre Katze länger als 24 Stunden nichts frisst, mehrmals am Tag erbricht, Blut erbricht, sehr schwach ist, schnell atmet oder kaum noch Urin absetzt. Ein Futterstreik ist bei Katzen kein Warten wert: Schon nach wenigen Tagen ohne Nahrung kann sich eine lebensgefährliche Leberverfettung entwickeln – mehr dazu unter Katze frisst nicht.

In den nächsten Tagen sollten Sie einen Termin machen, wenn Ihre Katze sichtbar abnimmt, mehr trinkt, schlechter frisst oder beim Fressen Schmerzen zu haben scheint. Der Tierarzt untersucht Maul und Zähne, tastet Bauch und Schilddrüse ab und lässt meist Blut und Urin untersuchen, bei älteren Katzen einschließlich Schilddrüsenwert und Blutdruck.

Das richtige Futter zum Zunehmen

Ist die Ursache geklärt oder ausgeschlossen, geht es um Energie. Eine Katze, die zunehmen soll, braucht mehr Kalorien, ohne dass die Portionen riesig werden:

  • Energiedichtes Alleinfutter. Kittenfutter oder Futter für aktive Katzen enthält mehr Fett und Eiweiß je Gramm als normales Erwachsenenfutter und ist für gesunde erwachsene Katzen zum Zunehmen geeignet. Bei Nierenerkrankungen ist es wegen des Phosphors ungeeignet.
  • Diätfutter zur Rekonvaleszenz. Für geschwächte Katzen gibt es Diätfuttermittel „zur ernährungsphysiologischen Wiederherstellung“ nach der EU-Verordnung 2020/354. Sie sind sehr energiereich und leicht verdaulich und werden meist tierärztlich empfohlen.
  • Nass- und Trockenfutter kombinieren. Trockenfutter ist energiedichter, Nassfutter schmeckt vielen Katzen besser. Ein Napf Trockenfutter zur freien Verfügung neben den Nassfutter-Mahlzeiten ist für dünne Katzen ausnahmsweise sinnvoll.
  • Fett gezielt ergänzen. Etwas Fett erhöht die Energie deutlich. Wann Rinderfettpulver oder ein Öl sinnvoll ist, klären Sie am besten mit dem Tierarzt, denn bei Bauchspeicheldrüsenentzündung oder Durchfall kann zu viel Fett schaden.

Stellen Sie nicht abrupt um. Eine Katze, die schon schlecht frisst, lehnt ein fremdes Futter leicht ganz ab. Mischen Sie Neues schrittweise unter.

So bringen Sie eine Katze zum Fressen

  1. Futter anwärmen. Nassfutter auf Körpertemperatur, also handwarm, duftet stärker und lockt mehr. Nie heiß servieren, und Mikrowellen-Futter gut umrühren.
  2. Kleine, häufige Portionen. Vier bis sechs kleine Mahlzeiten überfordern eine kranke Katze weniger als zwei große. Frisches Futter wird lieber gefressen als angetrocknetes.
  3. Flache, breite Schalen. Viele Katzen mögen nicht, dass die Schnurrhaare am Napfrand anstoßen. Ein flacher Teller ist oft besser.
  4. Ruhiger Platz. Futter weit weg vom Katzenklo, ohne Hund, Kinder oder konkurrierende Katzen in der Nähe. In Mehrkatzenhaushalten dünne Katzen getrennt füttern.
  5. Abwechslung anbieten. Manche Katzen fressen wieder, wenn Konsistenz oder Sorte wechselt: Pastete statt Stückchen oder umgekehrt. Tipps für wählerische Tiere stehen unter Mäkelige Katze.
  6. Kleine Hausmittel. Ein Löffel ungewürzte, selbst gekochte Hühnerbrühe ohne Zwiebel und Knoblauch über dem Futter oder ein paar Stückchen gegartes Hähnchen können den Appetit anregen. Milch ist kein Hausmittel: Viele Katzen bekommen davon Durchfall.

Geben Sie keine Appetitanreger oder Medikamente für Menschen. Für Katzen gibt es zugelassene Mittel gegen Übelkeit und zur Appetitanregung, darunter eine Salbe, die auf die Innenseite des Ohres aufgetragen wird. Ob und welches Mittel passt, entscheidet der Tierarzt.

Zunehmen bei Nieren-, Schilddrüsen- und Zuckerkrankheit

Bei chronisch kranken Katzen hat die Behandlung der Grunderkrankung Vorrang, und die Futterwahl ist eingeschränkt. Eine nierenkranke Katze sollte kein phosphorreiches Kittenfutter bekommen; bei ihr helfen Mittel gegen Übelkeit oft mehr als jedes Futter. Wie Nierenkatzen gut versorgt werden, steht unter Nierenfutter für Katzen. Katzen mit Schilddrüsenüberfunktion nehmen meist von selbst wieder zu, sobald die Werte eingestellt sind. Bei Diabetes bestimmt das Futter den Insulinbedarf mit, deshalb nie eigenmächtig die Menge erhöhen.

Frisst eine schwer kranke Katze über längere Zeit zu wenig, kann eine Ernährungssonde sinnvoll sein. Das klingt drastisch, wird aber von vielen Katzen gut vertragen und nimmt den Druck, Futter in eine Katze hineinzuzwingen. Zwangsfüttern mit der Spritze dagegen verdirbt manchen Katzen das Futter dauerhaft.

Wie schnell darf eine Katze zunehmen?

Ohne Eile. Eine stark abgemagerte Katze darf nicht plötzlich große Mengen bekommen, weil der Stoffwechsel dann entgleisen kann (Refeeding-Syndrom). Bei ihr steigert der Tierarzt die Menge über mehrere Tage. Bei leicht untergewichtigen Katzen ist ein Zuwachs von wenigen Prozent im Monat ein gutes Ergebnis. Die klare Empfehlung lautet: erst Ursache klären, dann langsam und regelmäßig füttern und alle ein bis zwei Wochen wiegen.

Häufige Fragen

Welches Futter hilft einer alten Katze beim Zunehmen?

Ein gut verdauliches, energiereiches Alleinfutter mit hochwertigem Eiweiß, oft als Nassfutter in kleinen, angewärmten Portionen. Vorher sollte der Tierarzt Nieren, Schilddrüse und Zähne prüfen, weil diese die Futterwahl bestimmen.

Hilft Lachsöl beim Zunehmen?

Öl liefert viele Kalorien, und Fischöl enthält Omega-3-Fettsäuren. Kleine Mengen können sinnvoll sein, zu viel verursacht aber Durchfall und kann bei Bauchspeicheldrüsenproblemen schaden. Die Menge sollte der Tierarzt festlegen.

Meine Katze frisst viel und nimmt trotzdem ab – was ist das?

Das ist ein typisches Zeichen für eine Schilddrüsenüberfunktion oder einen Diabetes, seltener für eine Darmerkrankung oder Würmer. Lassen Sie die Katze zeitnah untersuchen.

Sind Nahrungsergänzungsmittel zum Zunehmen sinnvoll?

Nur selten. Ein vollwertiges Alleinfutter enthält alle nötigen Vitamine und Mineralstoffe. Zusätze ohne tierärztlichen Rat können die Nährstoffbilanz stören, bei Nierenkatzen etwa durch zusätzlichen Phosphor.