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katzenwelt

Thunfisch für Katzen: Wie oft er unbedenklich ist

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Thunfisch für Katzen
Für Katzen gibt es Katzenfutter mit nur wenig Thunfisch
Inhalt8 Abschnitte
  1. Warum Katzen Thunfisch so lieben
  2. Warum Thunfisch kein vollwertiges Futter ist
  3. Quecksilber: das unterschätzte Risiko
  4. Gelbfettkrankheit: wenn zu viel Fisch das Fettgewebe entzündet
  5. Salz, Öl und Gewürze
  6. So oft und so viel ist in Ordnung
  7. Thunfisch als Appetitanreger
  8. Häufige Fragen

Thunfisch ist für Katzen als gelegentliches Häppchen erlaubt, als regelmäßiges Futter aber ungeeignet. Ein Teelöffel ungewürzter Thunfisch im eigenen Saft einmal pro Woche schadet einer gesunden Katze nicht. Wer dagegen täglich Thunfisch füttert, riskiert eine Quecksilberbelastung, eine Gelbfettkrankheit und eine einseitig ernährte Katze, die bald nichts anderes mehr fressen will.

Warum Katzen Thunfisch so lieben

Thunfisch riecht stark, ist eiweiß- und fettreich und trifft damit genau den Geschmack eines Fleischfressers. Viele Katzen gewöhnen sich schnell daran und lehnen danach ihr normales Futter ab. Dann bekommt die Katze, was sie mag, statt was sie braucht. Was eine ausgewogene Ration ausmacht, lesen Sie unter Artgerechte Katzennahrung.

Warum Thunfisch kein vollwertiges Futter ist

Thunfisch aus der Dose ist ein Lebensmittel für Menschen, kein Alleinfutter für Katzen. Katzen sind obligate Fleischfresser mit einem sehr speziellen Bedarf: Taurin, Arachidonsäure, vorgebildetes Vitamin A, ausreichend Kalzium im richtigen Verhältnis zu Phosphor und Vitamin E. Reines Fischfleisch deckt diesen Bedarf nicht. Besonders Kalzium und Vitamin E fehlen, dafür enthält es reichlich mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Genau diese Kombination ist das Problem – siehe Gelbfettkrankheit.

Auch Katzenfutter mit der Aufschrift „mit Thunfisch“ ist kein Freibrief. Ob es ein Alleinfuttermittel ist, steht auf dem Etikett. Ergänzungsfuttermittel, etwa reine Fischfilets in Gelee, sind nur als Beigabe gedacht.

Quecksilber: das unterschätzte Risiko

Thunfische stehen als große Raubfische am Ende der Nahrungskette und reichern Methylquecksilber an. Für Menschen empfehlen Behörden deshalb, großen Raubfisch nur in Maßen zu essen – eine Katze mit 4 kg bekommt bei gleicher Portion ein Vielfaches der Menge je Kilogramm Körpergewicht.

Methylquecksilber schädigt vor allem das Nervensystem. Das MSD Veterinary Manual nennt bei Katzen Gangunsicherheit, Koordinationsstörungen, Zittern, Verhaltensänderungen, Sehstörungen bis zur Blindheit und in schweren Fällen Krampfanfälle. In älteren Fütterungsversuchen traten solche Störungen bei Katzen auf, die über viele Monate täglich belasteten Thunfisch bekamen. Magen-Darm-Beschwerden, Zahnverlust oder ein „Quecksilbersaum“ am Zahnfleisch, wie sie oft genannt werden, gehören nicht zum typischen Bild einer Methylquecksilbervergiftung. Die Schäden am Nervensystem sind oft nicht mehr rückgängig zu machen – deshalb zählt die Vorbeugung.

Thunfisch in der Dose
Geöffnete Dose Thunfisch – als Katzenfutter nur ein gelegentliches Häppchen

Gelbfettkrankheit: wenn zu viel Fisch das Fettgewebe entzündet

Die Gelbfettkrankheit (Steatitis) entsteht, wenn eine Katze über längere Zeit viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren aus Fisch und zu wenig Vitamin E bekommt. Die Fette im Körper oxidieren, das Fettgewebe entzündet sich und färbt sich gelblich-braun. Nach dem MSD Veterinary Manual betrifft das vor allem junge, oft übergewichtige Katzen, deren Futter ganz oder überwiegend aus Fisch bestand. Rotes Thunfischfleisch ist dafür besonders bekannt.

Typische Anzeichen:

  • Fieber, das fast immer vorhanden ist
  • Bewegungsunlust, die Katze wirkt steif und wenig beweglich
  • starke Schmerzempfindlichkeit, wenn man Rücken oder Bauch berührt
  • tastbare, druckempfindliche Knoten unter der Haut
  • Appetitlosigkeit und Mattigkeit

Die Behandlung gehört in tierärztliche Hände: Futterumstellung auf ein ausgewogenes Alleinfutter, Vitamin E und Schmerzmittel. Geben Sie Ihrer Katze niemals Schmerzmittel für Menschen – Paracetamol ist für Katzen hochgiftig, auch Ibuprofen und ASS sind gefährlich.

Salz, Öl und Gewürze

Thunfisch „im eigenen Saft“ ist meist gesalzen, und Thunfisch in Öl liefert eine Menge zusätzlicher Kalorien. Katzen verdauen Fett zwar gut, doch das Öl macht aus einem Happen schnell eine kleine Mahlzeit und kann Durchfall auslösen. Spülen Sie Thunfisch im eigenen Saft vor dem Füttern kurz ab und lassen Sie Öl-Varianten weg.

Tabu sind Thunfischsalat, Thunfischpizza, Sandwichfüllungen und Soßen: Sie enthalten oft Zwiebeln oder Knoblauch, die bei Katzen die roten Blutkörperchen schädigen, dazu Salz und Gewürze. Bei Sushi kommen Sojasoße (sehr salzig), Wasabi und Reisessig hinzu. Rohen Fisch sollten Katzen generell nur in kleinen Mengen bekommen: Manche Fischarten enthalten Thiaminase, ein Enzym, das Vitamin B1 zerstört, und roher Fisch kann Parasiten übertragen.

Katzen mit Niereninsuffizienz erhalten eine Diät mit wenig Phosphor. Fisch ist phosphorreich, gesalzener Fisch belastet zusätzlich. Solche Katzen sollten Thunfisch nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt bekommen. Gleiches gilt für Katzen mit Harnsteindiät und für Katzen mit einer jodarmen Schilddrüsendiät, denn Seefisch enthält Jod.

So oft und so viel ist in Ordnung

Eine offizielle Höchstmenge für Katzen gibt es nicht. Als vernünftige Richtschnur gilt:

  1. Klein. Ein Teelöffel bis ein Esslöffel, je nach Größe der Katze.
  2. Selten. Einmal pro Woche oder seltener, nicht täglich und nicht als feste Gewohnheit.
  3. Pur. Im eigenen Saft, kurz abgespült, ohne Öl, Salzlake, Gewürze oder Zwiebeln.
  4. Nicht als Ersatz. Die Hauptmahlzeit bleibt ein vollwertiges Alleinfutter.
  5. Abwechseln. Wer gern Fisch gibt, wechselt mit kleinen Portionen gegartem, entgrätetem Magerfisch wie Kabeljau oder Seelachs ab. Lachs ist fettreich und sollte ebenfalls nur selten in den Napf.

Eine verbreitete tierärztliche Faustregel lautet, dass alle Leckerlis zusammen höchstens etwa zehn Prozent der Tagesenergie liefern sollten.

Thunfisch als Appetitanreger

Nach einer Krankheit kann ein Klecks Thunfisch auf dem gewohnten Futter helfen, dass eine Katze wieder frisst. Das ist für ein paar Tage in Ordnung. Frisst Ihre Katze allerdings länger als 24 Stunden gar nichts, ist das kein Fall für Thunfisch, sondern für die Tierarztpraxis: Katzen, besonders übergewichtige, können dann eine lebensgefährliche Leberverfettung entwickeln. Wenn eine Katze gleichzeitig nicht trinkt, lesen Sie auch Die Katze trinkt nicht.

Zum Tierarzt sollte Ihre Katze außerdem sofort, wenn sie nach längerer Fischfütterung taumelt, zittert, schlecht sieht oder Krämpfe hat, oder wenn sie Fieber zeigt und bei Berührung vor Schmerz zusammenzuckt. Auch nach Thunfischsalat mit Zwiebeln oder Knoblauch sollten Sie die Praxis anrufen.

Die Empfehlung lautet also: Thunfisch darf eine seltene Freude bleiben, aber nicht zur Gewohnheit werden. Wer seiner Katze regelmäßig etwas Besonderes geben möchte, wechselt die Sorten und hält die Mengen klein. Mehr zu anderen menschlichen Lebensmitteln im Napf finden Sie unter Dürfen Katzen Käse essen?.

Häufige Fragen

Darf meine Katze das Wasser aus der Thunfischdose trinken?

Ein paar Tropfen sind harmlos, als Getränk taugt es nicht. Das Wasser aus der Dose ist meist gesalzen, und bei Öl-Konserven ist es obendrein fett. Das einzige Getränk, das eine Katze braucht, ist frisches Wasser.

Ist Katzenfutter mit Thunfisch unbedenklich?

Ein Alleinfuttermittel mit Thunfisch ist so zusammengesetzt, dass es alle nötigen Nährstoffe einschließlich Vitamin E enthält. Trotzdem ist es sinnvoll, zwischen Sorten mit Fleisch und Fisch abzuwechseln und nicht ausschließlich Fischsorten zu füttern, schon wegen der Quecksilberbelastung großer Raubfische.

Dürfen Katzenwelpen Thunfisch essen?

Kitten brauchen ein vollwertiges Aufzuchtfutter, weil sie im Verhältnis zum Körpergewicht besonders viele Nährstoffe benötigen. Thunfisch verdrängt einen Teil davon und ist für junge Katzen wegen des Quecksilbers besonders ungünstig. Verzichten Sie deshalb bei Kitten darauf.

Meine Katze frisst nur noch Thunfisch – was tun?

Stellen Sie schrittweise um: Mischen Sie über ein bis zwei Wochen immer mehr vollwertiges Futter unter und reduzieren Sie den Thunfisch. Lassen Sie die Katze dabei nie hungern, denn ein längerer Futterstreik ist für Katzen gefährlich. Klappt die Umstellung nicht, holen Sie sich Hilfe beim Tierarzt.