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katzenwelt

Jodarme Diät bei Schilddrüsenüberfunktion der Katze

Christoph · 5 Min. Lesezeit

Zwei getigerte Katzen sitzen draußen an einem Futternapf zwischen Grashalmen
Jeder fremde Bissen kann die Wirkung einer jodarmen Diät aufheben
Inhalt8 Abschnitte
  1. Wie jodarmes Diätfutter wirkt
  2. Für welche Katzen die Diät infrage kommt
  3. Ausschließlich heißt ausschließlich
  4. Freigänger und Mehrkatzenhaushalte
  5. Umstellung und Kontrollen
  6. Jodarmes Futter selbst kochen?
  7. Unsere Empfehlung
  8. Häufige Fragen

Eine jodarme Diät ist eine von vier Behandlungen der Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen. Das Prinzip ist einfach: Die Schilddrüsenhormone T4 und T3 enthalten Jod, und ohne Jod kann auch eine überaktive Schilddrüse sie nicht in großer Menge bilden. Das MSD Veterinary Manual beschreibt, dass die meisten Katzen, die ausschließlich ein solches Futter fressen, nach 8 bis 12 Wochen normale Schilddrüsenwerte erreichen. Der Haken ist genau dieses „ausschließlich“ – schon kleine Mengen Jod aus anderem Futter machen die Wirkung zunichte. Die Erkrankung selbst und alle Behandlungswege beschreibt der Beitrag Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen.

Wie jodarmes Diätfutter wirkt

Jod ist ein lebensnotwendiges Spurenelement. Normales Katzenfutter enthält es deshalb in ausreichender Menge, oft aus Fisch, Meeresalgen oder als Zusatz. Ein jodarmes Diätfutter enthält dagegen so wenig Jod, dass die Hormonbildung gebremst wird. Nach dem MSD Veterinary Manual liegt die Grenze bei höchstens 0,32 mg Jod je Kilogramm Futter, bezogen auf die Trockenmasse.

Die Diät greift an der Hormonbildung an, nicht an der Ursache. Die gutartigen Knoten in der Schilddrüse bleiben bestehen. Setzt man das Futter ab, steigen die Werte wieder. Die EU-Verordnung 2020/354 führt solche Futter als Diätfuttermittel „zur Verringerung des Jodgehalts in Futtermitteln im Fall einer Schilddrüsenüberfunktion“; auf dem Etikett steht eine empfohlene Dauer von zunächst bis zu drei Monaten und der Hinweis, vor der Verwendung und vor einer Verlängerung tierärztlichen Rat einzuholen.

Für welche Katzen die Diät infrage kommt

Das MSD Veterinary Manual sieht die Diät vor allem für Katzen, bei denen Radiojodtherapie oder Operation nicht infrage kommen und die entweder keine täglichen Tabletten nehmen oder sie nicht vertragen. Außerdem wirkt sie bei mäßig erhöhten Werten besser als bei einer schweren Überfunktion.

Dafür
  • keine Tabletten, kein Eingriff, keine Narkose
  • gut für Katzen, die sich nicht behandeln lassen
  • bei reinen Wohnungskatzen mit einer Katze im Haushalt gut umsetzbar
  • Wirkung ist über Blutwerte leicht zu kontrollieren
Dagegen
  • lebenslang und ausnahmslos, sonst wirkungslos
  • kaum machbar bei Freigängern und mit mehreren Katzen
  • keine Heilung, die Knoten bleiben
  • bei schwerer Überfunktion oft nicht ausreichend
  • manche Katzen mögen das Futter nicht

Welche Behandlung für Ihre Katze die richtige ist, hängt von ihrem Alter, von Herz und Nieren, vom Temperament und vom Alltag ab. Die Entscheidung trifft der Tierarzt mit Ihnen gemeinsam. Setzen Sie Tabletten nicht eigenmächtig ab, um auf die Diät umzusteigen; der Wechsel wird in der Praxis geplant.

Ausschließlich heißt ausschließlich

Katzen, die jodarm gefüttert werden, dürfen nach dem MSD Veterinary Manual kein anderes Katzenfutter, keine Essensreste, keine Leckerlis und keine Beutetiere fressen. Das betrifft im Alltag mehr, als man denkt:

  • Leckerlis und Snacks aller Art, auch Katzenmilch, Paste und Schleckcremes.
  • Fisch und Meeresfrüchte, denn Seefisch ist besonders jodreich – auch als winziges Häppchen. Mehr dazu unter Fisch und Meeresfrüchte für Katzen.
  • Futter anderer Katzen, ob im eigenen Haushalt oder beim Nachbarn.
  • Beute: Mäuse und Vögel enthalten Jod.
  • Tablettenverstecke wie Leberwurst, Käse oder Tablettenpasten. Fragen Sie in der Praxis, wie Sie andere Medikamente geben können.

Füttern Sie am besten nur die jodarme Diät als Nass- und Trockenfutter; Leckerlis sind dann einige Bröckchen desselben Futters aus der Hand.

Freigänger und Mehrkatzenhaushalte

Bei Freigängern ist die Diät selten zuverlässig, weil man nicht kontrollieren kann, was sie draußen fressen. Hier sind Tabletten oder eine heilende Behandlung meist die bessere Wahl.

Leben mehrere Katzen im Haushalt, muss die kranke Katze getrennt fressen. Gesunde Katzen sollten die jodarme Diät nicht dauerhaft bekommen, weil sie für sie zu wenig Jod enthält; umgekehrt darf die kranke Katze nicht an deren Napf. Getrennte Räume mit festen Fütterungszeiten oder ein Futterautomat mit Chiperkennung helfen, Trockenfutter zur freien Verfügung für alle ist dagegen tabu.

Umstellung und Kontrollen

Stellen Sie über etwa eine bis zwei Wochen um, indem Sie die Diät schrittweise untermischen. Viele Katzen mit Schilddrüsenüberfunktion sind abgemagert; sie sollen dabei nicht noch weniger fressen. Frisst Ihre Katze die Diät nicht oder länger als 24 Stunden gar nichts, rufen Sie in der Praxis an.

Nach einigen Wochen kontrolliert der Tierarzt den T4-Wert und die Nierenwerte. Wichtig ist das, weil eine Überfunktion eine gleichzeitig bestehende Nierenerkrankung verschleiern kann: Sinkt der Hormonspiegel, zeigen sich manchmal erst dann erhöhte Nierenwerte. Braucht die Katze dann zusätzlich eine Nierendiät, muss der Tierarzt abwägen, welches Futter Vorrang hat, siehe Nierenfutter für Katzen. Steigen die Schilddrüsenwerte trotz Diät nicht ab, steckt meist ein fremder Futterbissen oder eine zu schwere Überfunktion dahinter.

Jodarmes Futter selbst kochen?

Davon ist abzuraten. Den Jodgehalt einzelner Zutaten kann man zu Hause weder zuverlässig bestimmen noch senken, und ein selbst gekochtes Futter, das dauerhaft extrem jodarm und trotzdem vollwertig ist, lässt sich kaum berechnen. Hinzu kommt, dass Taurin, Kalzium und Vitamine stimmen müssen. Mehr zu den allgemeinen Grenzen steht unter Katzenfutter selber kochen.

Unsere Empfehlung

Die jodarme Diät ist eine gute Lösung für eine einzelne Wohnungskatze, die sich schlecht Tabletten geben lässt und für die eine Radiojodtherapie nicht infrage kommt. Sie ist eine schlechte Lösung für Freigänger, für Haushalte mit mehreren Katzen und für alle, die ab und zu „nur ein Stückchen“ geben möchten. Fragen Sie Ihren Tierarzt bei einer sonst gesunden Katze ausdrücklich auch nach der Radiojodtherapie, der einzigen Behandlung, die ohne Narkose heilt.

Häufige Fragen

Wie schnell wirkt jodarmes Futter?

Nach dem MSD Veterinary Manual erreichen die meisten Katzen bei ausschließlicher Fütterung nach 8 bis 12 Wochen normale Werte. Bei manchen geht es schneller. Voraussetzung ist, dass wirklich kein anderes Futter gefressen wird.

Darf meine Katze mit Schilddrüsenüberfunktion normales Futter fressen?

Ja, wenn sie mit Tabletten, Operation oder Radiojod behandelt wird. Nur bei der jodarmen Diät ist jedes andere Futter tabu. Seefisch als Extra sollte bei jeder schilddrüsenkranken Katze nur nach Rücksprache in den Napf.

Kann eine gesunde Katze jodarmes Futter mitfressen?

Gelegentliche Bissen schaden ihr nicht, als Dauerfutter ist es für gesunde Katzen aber ungeeignet, weil es zu wenig Jod enthält. Füttern Sie deshalb getrennt.

Kann meine Katze irgendwann wieder normales Futter bekommen?

Nicht, solange die Diät die einzige Behandlung ist. Die veränderten Schilddrüsenknoten bleiben, und mit normalem Futter steigen die Hormonwerte wieder an. Das MSD Veterinary Manual spricht deshalb von einer lebenslangen Fütterung. Wer davon wegkommen möchte, bespricht mit dem Tierarzt einen Wechsel auf Tabletten oder eine heilende Behandlung.