Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen: Anzeichen und Behandlung

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Eine Schilddrüsenüberfunktion ist bei älteren Katzen eine der häufigsten Erkrankungen überhaupt. Das auffälligste Zeichen: Die Katze frisst mehr als früher und wird trotzdem immer dünner. Die Krankheit lässt sich gut behandeln – je nach Weg mit täglichen Tabletten, einer Spezialdiät oder einer einmaligen Behandlung, die sie dauerhaft heilen kann.
Was bei der Schilddrüsenüberfunktion passiert
Die Schilddrüse sitzt als zwei kleine Lappen links und rechts der Luftröhre am Hals. Sie bildet die Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3), die den Stoffwechsel antreiben. Bei der Überfunktion, fachlich Hyperthyreose, bildet sie zu viel davon. Der ganze Körper läuft dann auf Hochtouren: Das Herz schlägt schneller, der Energieverbrauch steigt, Muskeln werden abgebaut.
Ursache ist in den allermeisten Fällen eine gutartige Wucherung des Schilddrüsengewebes (Adenom oder adenomatöse Hyperplasie), oft in beiden Lappen. Nur bei wenigen Prozent der Katzen steckt ein bösartiger Schilddrüsenkrebs dahinter. Warum die Erkrankung seit den späten 1970er-Jahren so häufig geworden ist, ist nicht abschließend geklärt; diskutiert werden Umweltstoffe und Futterbestandteile.
Betroffen sind fast ausschließlich Katzen ab etwa acht bis zehn Jahren. Unter Senioren ist sie so verbreitet, dass Tierärzte bei älteren Katzen den Schilddrüsenwert oft routinemäßig bestimmen.
Woran Sie eine Schilddrüsenüberfunktion erkennen
Die Anzeichen kommen schleichend und werden anfangs gern für „Altersfrische“ gehalten:
- Gewichtsverlust trotz gutem oder gesteigertem Appetit, oft regelrechter Heißhunger
- vermehrtes Trinken und größere Urinmengen – siehe auch Die Katze trinkt viel
- Unruhe, Rastlosigkeit, nächtliches Schreien, manchmal Reizbarkeit
- struppiges, ungepflegtes Fell
- häufigeres Erbrechen, weicher Kot oder größere Kotmengen
- schneller Herzschlag, manchmal hechelnde Atmung bei Aufregung
- mit der Zeit Muskelschwund an Rücken und Hinterbeinen
Bei einem kleineren Teil der Katzen verläuft die Erkrankung „untypisch“: Sie fressen schlecht und wirken matt statt aufgedreht. Auch dann kann die Schilddrüse die Ursache sein.

Warum die Behandlung nicht warten sollte
Die Überfunktion ist keine Krankheit, mit der eine Katze gut lebt. Unbehandelt führt sie zu:
- Herzerkrankung: Der Herzmuskel verdickt sich, es können Herzrhythmusstörungen und Herzversagen entstehen.
- Bluthochdruck: Er schädigt Augen, Nieren und Gehirn. Eine plötzliche Erblindung durch Netzhautablösung kann die Folge sein.
- Auszehrung: Muskelabbau und Gewichtsverlust schwächen die Katze zunehmend.
Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss
In den nächsten Tagen, wenn eine ältere Katze abnimmt, obwohl sie gut frisst, mehr trinkt oder ungewohnt unruhig ist. Schon eine Gewichtsabnahme allein ist bei Senioren immer ein Grund zur Abklärung – eine Waage für die Katze lohnt sich.
Sofort, wenn die Katze schwer oder mit offenem Maul atmet, plötzlich nicht mehr sieht, die Hinterbeine nicht mehr bewegen kann oder zusammenbricht. Das können Folgen einer Herzerkrankung oder eines Bluthochdrucks sein und sind Notfälle. Auch wenn die Katze länger als 24 Stunden nichts frisst, sollte sie in die Praxis.
So stellt der Tierarzt die Diagnose
Beim Abtasten des Halses fühlt der Tierarzt bei vielen Katzen einen vergrößerten Schilddrüsenlappen. Gesichert wird die Diagnose mit einem Bluttest auf das Gesamt-T4. Ist der Wert eindeutig erhöht, steht die Diagnose. Liegt er im oberen Normalbereich, obwohl die Katze typische Anzeichen hat, helfen eine Wiederholung nach einigen Wochen oder die Bestimmung des freien T4 weiter.
Mindestens ebenso wichtig sind die Begleituntersuchungen: Nierenwerte (Kreatinin, SDMA), Urin, Blutdruck und bei Herzgeräuschen oder Rhythmusstörungen ein Herzultraschall. Denn viele Katzen in diesem Alter haben gleichzeitig eine Niereninsuffizienz, die durch die Überfunktion verschleiert wird: Der schnellere Kreislauf lässt die Nieren besser arbeiten, als sie es eigentlich können. Wird die Schilddrüse normalisiert, zeigt sich die Nierenerkrankung manchmal erst.
Die vier Behandlungswege im Vergleich
Nach dem MSD Veterinary Manual stehen vier Wege zur Verfügung:
| Behandlung | So funktioniert sie | Worauf man achten muss |
| Tabletten (Thiamazol oder Carbimazol) | Hemmen die Hormonbildung, meist ein- bis zweimal täglich | Lebenslang und regelmäßig; mögliche Nebenwirkungen wie Erbrechen, Appetitlosigkeit, Juckreiz im Gesicht oder Blutbildveränderungen; Kontrollen nötig |
| Jodarme Diät | Ohne Jod kann die Schilddrüse keine Hormone bilden | Wirkt nur, wenn die Katze ausschließlich dieses Futter frisst – keine Leckerlis, keine Beute, kein Futter der Nachbarn |
| Operation | Entfernung der veränderten Schilddrüsenlappen | Narkose bei oft älteren Katzen; Risiko, die Nebenschilddrüsen zu verletzen (Kalziummangel) |
| Radiojodtherapie | Eine Injektion radioaktiven Jods zerstört gezielt das kranke Gewebe | Heilt die meisten Katzen dauerhaft; nur in spezialisierten Zentren, mit stationärem Aufenthalt aus Strahlenschutzgründen |
Welcher Weg passt, hängt vom Alter und Allgemeinzustand der Katze, von den Nierenwerten, vom Temperament und auch vom Alltag ab. Meist wird die Katze zunächst mit Tabletten eingestellt. So lässt sich auch prüfen, wie die Nieren auf normale Schilddrüsenwerte reagieren, bevor man sich für eine endgültige Behandlung entscheidet.
Leben mit der Behandlung
- Regelmäßig geben. Tabletten zur gleichen Zeit geben, am besten versteckt in einer kleinen Futterportion oder einer Tablettenpaste. Manche Katzen lassen sich die Tablette auch direkt ins Maul legen, wenn man den Kopf sanft nach hinten neigt.
- Vergessene Dosis nicht doppelt geben. Einfach mit der nächsten Gabe weitermachen und im Zweifel in der Praxis nachfragen.
- Kontrollen einhalten. Anfangs nach wenigen Wochen, später meist alle drei bis sechs Monate werden T4, Nierenwerte und bei Bedarf Blutbild und Blutdruck kontrolliert.
- Gewicht notieren. Einmal im Monat wiegen – eine Zunahme zeigt, dass die Behandlung wirkt.
- Bei der Diät konsequent sein. Wer sich für jodarmes Futter entscheidet, kann keine Ausnahmen machen. In Haushalten mit mehreren Katzen oder bei Freigängern ist das oft schwer umzusetzen.
Nebenwirkungen der Tabletten zeigen sich meist in den ersten Wochen. Frisst die Katze schlecht, erbricht sie oder kratzt sie sich das Gesicht wund, rufen Sie die Praxis an, statt die Tabletten eigenmächtig abzusetzen.
Unsere Empfehlung
Lassen Sie Ihre Katze ab etwa zehn Jahren einmal jährlich mit Blutbild durchchecken und wiegen Sie sie zu Hause regelmäßig. Eine Schilddrüsenüberfunktion, die früh entdeckt wird, hat Herz und Augen noch nicht geschädigt. Fragen Sie Ihren Tierarzt ausdrücklich nach der Radiojodtherapie, wenn Ihre Katze sonst gesund ist und die Nierenwerte unter Tabletten stabil bleiben – sie ist die einzige Behandlung, die ohne Narkose heilt und die tägliche Tablette überflüssig macht. Was sich im Alter sonst verändert, lesen Sie unter Wie alt können Katzen werden.
Häufige Fragen
Ist eine Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen heilbar?
Ja, mit einer Radiojodtherapie oder einer Operation. Tabletten und jodarme Diät halten die Erkrankung dagegen nur in Schach und müssen lebenslang weitergeführt werden. Nach einer heilenden Behandlung kann in manchen Fällen eine Unterfunktion entstehen, die dann mit Hormontabletten ausgeglichen wird – siehe Schilddrüsenunterfunktion bei Katzen.
Wie lange lebt eine Katze mit Schilddrüsenüberfunktion?
Gut behandelte Katzen leben oft noch viele Jahre. Die Prognose hängt vor allem davon ab, ob gleichzeitig eine Nieren- oder Herzerkrankung besteht und wie gut die Werte eingestellt sind.
Darf eine Katze mit Schilddrüsenüberfunktion Fisch fressen?
Unter Tabletten ist ein gelegentlicher Happen möglich, Seefisch enthält aber viel Jod. Bei einer jodarmen Diät ist jeder Fisch, auch als Leckerli, tabu, weil schon kleine Mengen Jod die Wirkung aufheben. Mehr dazu unter Thunfisch für Katzen.
Gibt es pflanzliche oder homöopathische Mittel?
Nein. Es gibt keine Hausmittel und keine pflanzlichen Präparate mit belegter Wirkung auf die Schilddrüsenüberfunktion. Wer sie statt einer Behandlung einsetzt, riskiert Herzschäden und Erblindung durch Bluthochdruck.



