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katzenwelt

Kratzbaum für Katzen: Standfestigkeit, Größe und Liegeflächen

Heiner · 6 Min. Lesezeit

Birma Katze in einem Kratzbaum
Birma Katze in einem Kratzbaum
Inhalt8 Abschnitte
  1. Warum Katzen kratzen müssen
  2. Worauf es beim Kauf ankommt
  3. Kratzbaum für große und schwere Katzen
  4. Kratzbaum, Katzenturm und Alternativen im Vergleich
  5. Der richtige Standort
  6. So gewöhnen Sie Ihre Katze an den Kratzbaum
  7. Pflege, Sicherheit und Selbstbau
  8. Häufige Fragen

Ein Kratzbaum ist für Wohnungskatzen fast unverzichtbar: Er bietet eine Stelle zum Krallenwetzen, zum Klettern und zum erhöhten Ruhen. Das wichtigste Kaufkriterium ist Standfestigkeit – ein Kratzbaum, der beim Sprung wackelt oder kippt, wird gemieden oder ist gefährlich. Danach zählen Stammdicke, Liegeflächen und ein Platz, an dem die Katze wirklich sein will.

Warum Katzen kratzen müssen

Kratzen ist kein Unfug, sondern angeborenes Verhalten mit mehreren Aufgaben. Beim Kratzen lösen sich die äußeren, abgenutzten Hornschichten der Krallen – die durchsichtigen Hülsen, die man manchmal am Kratzbaum findet. Die Katze streckt dabei Rücken, Schultern und Beine, besonders nach dem Aufwachen. Und sie markiert: Zwischen den Ballen sitzen Duftdrüsen, die beim Kratzen eine Geruchsmarke hinterlassen, dazu kommen die sichtbaren Kratzspuren. Deshalb kratzen Katzen bevorzugt an auffälligen Stellen – am Sofa neben der Tür, an der Ecke im Flur – und nicht in einem versteckten Winkel.

Die Hauskatze stammt übrigens von der Falbkatze ab, einer kleinen Wildkatze aus Nordafrika und Vorderasien, nicht von Löwen. Das Bedürfnis nach erhöhten Aussichtsplätzen teilt sie trotzdem mit fast allen Katzenarten: Von oben hat sie Überblick und fühlt sich sicher. Wer das weiß, versteht, warum ein Kratzbaum mehr ist als ein Krallenschärfer. Für eine Wohnungskatze ersetzt er ein Stück der fehlenden Umwelt.

Katze sitzt auf einem Kratzbaum im Wohnzimmer
Erhöhte Plätze mit Überblick sind für Katzen so wichtig wie die Kratzfläche

Worauf es beim Kauf ankommt

  • Standfestigkeit: Der Kratzbaum darf auch dann nicht wackeln, wenn die Katze von oben abspringt oder sich mit vollem Gewicht an den Stamm hängt. Eine schwere, große Bodenplatte hilft; Modelle über etwa 1,50 m sollten zusätzlich an der Wand befestigt oder als deckenhoher Kratzbaum zwischen Boden und Decke gespannt werden. Kippgefahr ist das größte Sicherheitsrisiko.
  • Stammdurchmesser: Für normale Hauskatzen reichen Stämme ab etwa 9 bis 10 cm, für große und schwere Katzen sollten es 12 cm und mehr sein, ideal 15 bis 20 cm. Dünne Stämme federn und geben der Katze beim Kratzen keinen Widerstand.
  • Kratzfläche: Mindestens ein Stamm muss so lang sein, dass die Katze sich ausgestreckt daran hochrecken kann – für eine durchschnittliche Katze gut 60 cm freie Sisalfläche. Sisalseil ist robust, Sisalgewebe schont die Krallen etwas mehr.
  • Liegeflächen: Die Katze muss darauf ausgestreckt liegen können, ohne dass Pfoten und Kopf überhängen. Liegeflächen mit erhöhtem Rand oder Mulden werden gern angenommen. Der oberste Platz ist meist der beliebteste.
  • Reinigung: Bezüge sollten abnehmbar und waschbar sein, Kratzstämme einzeln austauschbar. Sisal nutzt sich ab; ersetzbare Stämme verlängern das Leben des ganzen Baums deutlich.
  • Verarbeitung: keine Klammern, Tacker oder Nägel, die hervorstehen; Hängespielzeug an Gummibändern regelmäßig kontrollieren und bei Welpen im Zweifel abnehmen, damit sich nichts um den Hals wickelt.

Ein solider Kratzbaum für eine normal große Katze kostet meist zwischen 60 und 200 Euro, stabile Modelle für große Katzen und deckenhohe Bäume oft 150 bis 400 Euro. Billigmodelle mit dünnen Stämmen und kleiner Bodenplatte sparen genau dort, wo es darauf ankommt.

Kratzbaum für große und schwere Katzen

Große Rassen wie Maine Coon, Norwegische Waldkatze oder Ragdoll bringen als Kater oft 6 bis 9 kg auf die Waage, einzelne mehr. Auch übergewichtige Hauskatzen sind schwer. Für sie reicht ein gewöhnlicher Kratzbaum nicht: Er wackelt beim Absprung, die Liegeflächen sind zu klein, die Höhlen zu eng. Achten Sie dann besonders auf:

  • dicke Stämme ab 12 cm, besser 15 bis 20 cm Durchmesser,
  • Liegeflächen von mindestens etwa 50 × 40 cm oder große Liegemulden,
  • Höhleneingänge, durch die die Katze bequem hindurchpasst,
  • eine sehr schwere oder große Bodenplatte bzw. eine Wand- oder Deckenbefestigung,
  • eine Belastungsangabe des Herstellers, die zu Ihrer Katze passt.

Ein Kratzbaum für große Katzen braucht Platz – rechnen Sie mit der Grundfläche eines Sessels. Messen Sie vor dem Kauf Stellfläche und Raumhöhe.

Katze liegt auf einer großen Liegefläche eines Kratzbaums
Große Liegeflächen machen den Kratzbaum zum Lieblingsplatz

Kratzbaum, Katzenturm und Alternativen im Vergleich

Nicht jede Wohnung verträgt einen ausladenden Kletterbaum. Katzentürme – kompakte, oft geschlossene Säulen mit Höhlen und einer Liegefläche obendrauf – brauchen wenig Grundfläche und bieten Versteck und Aussicht zugleich. Für kleine Wohnungen gibt es außerdem Wandlösungen und reine Kratzmöbel.

ArtGeeignet fürWorauf achten
Klassischer KratzbaumKratzen, Klettern, Ruhen in einemStandfestigkeit, Stammdicke, Platzbedarf
Deckenhoher Kratzbaumgroße Höhe auf kleiner Fläche, sehr stabilDeckenhöhe, tragfähige Decke
Katzenturm / Kratztonnekleine Wohnungen, schüchterne KatzenHöhleneingang groß genug, Innenraum waschbar
WandkratzbaumKletterwege an der Wandsichere Dübel, Abstände passend zur Sprungkraft
Naturkratzbaumechtes Holz, individuelle FormGewicht, Schädlingsfreiheit, Standfuß
Kratzbrett / Kratzsäulezusätzliche Kratzstellen an Problemzonenausreichende Länge, fest montiert

Der richtige Standort

Viele Kratzbäume scheitern nicht am Modell, sondern am Platz. Katzen kratzen dort, wo sie markieren wollen – im Wohnzimmer, in der Nähe des Schlafplatzes, am Eingang eines Raumes. Ein Kratzbaum im Gästezimmer wird bestenfalls als Schlafplatz genutzt. Gute Plätze sind:

  • neben der Stelle, an der die Katze bisher am Sofa oder an der Tapete kratzt,
  • am Fenster, mit Blick nach draußen,
  • in dem Raum, in dem sich die Familie am meisten aufhält.

In Mehrkatzenhaushalten sind mehrere Kratz- und Liegeplätze besser als ein riesiger Baum, damit keine Katze die anderen verdrängt.

So gewöhnen Sie Ihre Katze an den Kratzbaum

  1. Am richtigen Platz aufstellen. Idealerweise direkt vor der bisherigen Lieblingskratzstelle am Möbel.
  2. Attraktiv machen. Etwas Katzenminze oder Baldrian auf Sisal und Liegefläche, ein Leckerli oben auf die Plattform, eine getragene Decke in die Höhle.
  3. Mit Spiel hinlocken. Eine Katzenangel am Stamm entlangführen – die Katze krallt sich fast von selbst hinein.
  4. Loben, nicht zwingen. Die Pfoten der Katze über das Sisal zu führen, ist gut gemeint, schreckt aber viele Katzen ab.
  5. Alte Kratzstellen unattraktiv machen. Vorübergehend abdecken, etwa mit einer glatten Decke oder doppelseitigem Klebeband, bis der Kratzbaum angenommen ist.

Strafen, Anschreien oder Wasserspritzen helfen nicht: Die Katze lernt nur, dass Sie unberechenbar sind, und kratzt, wenn Sie nicht da sind. Auch das Kürzen der Krallen ersetzt keinen Kratzbaum; wann es überhaupt nötig ist, steht unter Krallen schneiden bei der Katze. Das Entfernen der Krallen ist in Deutschland nach dem Tierschutzgesetz verboten.

Katze liegt oben auf ihrem Katzenturm
Ein Katzenturm bietet Höhle und Aussichtsplatz auf wenig Grundfläche

Pflege, Sicherheit und Selbstbau

Prüfen Sie Schrauben und Verbindungen alle paar Wochen und ziehen Sie sie nach – durch das Kratzen und Springen lockern sie sich. Abgewetztes Sisal lässt sich bei vielen Modellen tauschen oder mit neuem Sisalseil (6 bis 8 mm, ohne Öl behandelt) neu umwickeln. Haare entfernen Sie mit Staubsauger und Gummihandschuh, Bezüge wandern in die Waschmaschine.

Selbst gebaute Kratzbäume aus Holz und Sisalseil sind gut machbar, wenn die Statik stimmt: breite, schwere Bodenplatte oder Wandbefestigung, verschraubte statt genagelte Verbindungen, unbehandeltes Holz ohne scharfe Kanten. Für draußen gibt es wetterfeste Varianten – siehe Outdoor-Kratzbaum.

Häufige Fragen

Meine Katze ignoriert den neuen Kratzbaum – was tun?

Meist liegt es am Standort oder an mangelnder Stabilität. Stellen Sie den Baum dorthin, wo die Katze bisher kratzt, prüfen Sie, ob er wackelt, und locken Sie mit Spiel und Katzenminze. Manche Katzen bevorzugen waagerechte Kratzflächen; dann ergänzt ein liegendes Kratzbrett den Baum.

Wie hoch sollte ein Kratzbaum sein?

Für die meisten Katzen sind 120 bis 180 cm ein guter Bereich. Höher ist nur sinnvoll, wenn der Baum an Wand oder Decke fixiert ist. Für alte oder bewegungseingeschränkte Katzen sind niedrigere Modelle mit kurzen Abständen zwischen den Ebenen besser.

Wie oft muss ein Kratzbaum ersetzt werden?

Das hängt von der Nutzung ab. Meist muss nicht der ganze Baum weg, sondern nur das Sisal oder ein Stamm. Ist die Konstruktion wackelig geworden oder das Holz gebrochen, ist ein Ersatz fällig.

Reicht ein Kratzbaum für zwei Katzen?

Nur, wenn er groß ist und mehrere gleichwertige Liegeplätze hat. Besser sind zwei Kratzstellen an verschiedenen Orten, damit sich die Katzen nicht um den besten Platz streiten.