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katzenwelt

Blasenentzündung bei Katzen: Anzeichen, Ursachen, Notfall

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Katze mit Blasenentzündung auf dem Katzenklo
Geht die Katze häufig aufs Klo, kann eine Blasenentzündung vorliegen
Inhalt8 Abschnitte
  1. Was bei einer Blasenentzündung passiert
  2. Mögliche Ursachen
  3. Woran Sie eine Blasenentzündung erkennen
  4. Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss
  5. Was der Tierarzt untersucht
  6. Wie behandelt wird
  7. Vorbeugung: mehr Wasser, weniger Stress
  8. Häufige Fragen

Eine Blasenentzündung zeigt sich bei Katzen durch häufige Toilettengänge mit nur wenig Urin, Pressen, Blut im Urin und Pinkeln außerhalb des Katzenklos. Bei jüngeren Katzen sind Bakterien dabei selten der Grund – meist handelt es sich um eine idiopathische Zystitis, bei der Stress eine große Rolle spielt. Gefährlich wird es, wenn kein Urin mehr kommt: Dann ist die Harnröhre womöglich verschlossen, und Ihre Katze muss sofort zum Tierarzt.

Was bei einer Blasenentzündung passiert

Tierärzte fassen Beschwerden beim Wasserlassen unter dem Begriff FLUTD zusammen (Feline Lower Urinary Tract Disease, Erkrankung der unteren Harnwege). Die Blasenwand ist gereizt und entzündet, manchmal auch die Harnröhre. Das Wasserlassen schmerzt, der Harndrang kommt schon bei kleiner Füllung, oft findet sich Blut im Urin.

Anders als beim Menschen ist eine Katze nicht deshalb krank, weil sie sich „verkühlt“ hat. Die Ursachen liegen fast immer woanders.

Mögliche Ursachen

UrsacheWen es oft trifftWas dahintersteckt
Idiopathische Zystitis (FIC)Katzen etwa zwischen 2 und 10 Jahren, Wohnungskatzen, übergewichtige Katzen, MehrkatzenhaushalteKeine Bakterien, keine Steine; die Blasenschleimhaut ist gestört, Stress löst Schübe aus. Häufigste Ursache bei jüngeren Katzen.
Harnsteine und HarngrießKatzen aller Altersgruppen, Kater mit engerer Harnröhre besonders gefährdetKristalle, meist Struvit oder Calciumoxalat, reizen die Blase oder bilden Pfropfen in der Harnröhre.
Bakterielle Infektionvor allem ältere Katzen, Katzen mit Nierenerkrankung, Diabetes oder SchilddrüsenüberfunktionKeime steigen über die Harnröhre auf; bei jungen, gesunden Katzen selten.
Seltene Ursachenmeist ältere KatzenTumoren, Fehlbildungen, Verletzungen, Nervenstörungen.

Bei der idiopathischen Zystitis spielen Stressfaktoren eine große Rolle: Spannungen mit anderen Katzen, eine unbeliebte oder zu schmutzige Toilette, Umzug, neue Mitbewohner, Langeweile in der Wohnung. Auch wenig Bewegung, Übergewicht und ein konzentrierter Urin durch reine Trockenfütterung erhöhen das Risiko.

Woran Sie eine Blasenentzündung erkennen

Das erste Anzeichen ist meist, dass die Katze öfter aufs Katzenklo geht als sonst. Beobachten Sie genau, was dort passiert:

  • viele kleine Urinmengen statt weniger großer Klumpen in der Streu
  • Pressen oder langes Hocken, ohne dass viel kommt
  • Maunzen oder Schreien beim Wasserlassen
  • rötlicher oder blutiger Urin, rosa Flecken in heller Streu
  • Pinkeln an ungewöhnlichen Stellen, oft auf kühlen, glatten Flächen wie Fliesen, Waschbecken oder Badewanne, aber auch aufs Sofa oder ins Bett
  • häufiges Lecken im Genitalbereich
  • Unruhe, Rückzug, gereiztes Verhalten

Eine Katze, die plötzlich außerhalb der Toilette uriniert, ist nicht „unsauber“ oder trotzig, sondern hat oft Schmerzen. Mehr zu diesem Verhalten lesen Sie unter Warum pinkelt die Katze überall hin? Bestrafen hilft nie, sondern verstärkt den Stress.

Katzenurin entfernen
Urinfleck wird entfernt – Pinkeln außerhalb des Klos kann auf eine Blasenentzündung hinweisen

Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss

Sofort, auch nachts oder am Wochenende, wenn Ihre Katze

  • presst, aber keinen oder nur tropfenweise Urin absetzt – besonders bei Katern kann die Harnröhre durch Grieß, Schleimpfropfen oder Krampf verschlossen sein. Ohne Behandlung steigen Giftstoffe und Kalium im Blut, das Herz gerät aus dem Takt. Ein Harnröhrenverschluss kann innerhalb von ein bis zwei Tagen zum Tod führen.
  • erbricht, nicht frisst, sehr matt wirkt oder sich versteckt und dabei häufig aufs Klo geht,
  • einen harten, schmerzhaften Bauch hat.

In den nächsten 24 Stunden sollte Ihre Katze untersucht werden, wenn sie Blut im Urin hat, häufig kleine Mengen absetzt oder neben das Klo pinkelt, aber noch Urin kommt. Warten Sie nicht ab, ob es von allein besser wird – Schmerzen sind behandelbar, und die Ursache sollte geklärt sein.

Was der Tierarzt untersucht

Der Tierarzt tastet die Blase ab: Ist sie prall und hart, obwohl die Katze presst, liegt ein Verschluss nahe. Wichtig ist eine Urinuntersuchung mit Teststreifen, Dichte und Mikroskop, bei Verdacht auf Bakterien eine Urinkultur. Den Urin gewinnt der Tierarzt am saubersten mit einer feinen Nadel direkt aus der Blase (Zystozentese); das klingt schlimmer, als es ist. Selbst mitgebrachter Urin ist für manche Werte brauchbar, für eine Kultur aber weniger geeignet – fragen Sie vorher nach, wie Sie ihn sammeln sollen.

Mit Ultraschall und Röntgen lassen sich Steine, Grieß und Veränderungen der Blasenwand erkennen. Eine Blutuntersuchung zeigt, ob die Nieren beteiligt sind oder ob eine Grunderkrankung wie Diabetes vorliegt, siehe auch Niereninsuffizienz.

Wie behandelt wird

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache:

  1. Harnröhrenverschluss: Die Katze wird in Narkose mit einem Katheter freigespült und bleibt meist einige Tage in der Klinik, mit Infusionen und Schmerzmitteln. Bei wiederholten Verschlüssen kann eine Operation nötig werden, die die Harnröhre erweitert.
  2. Idiopathische Zystitis: Im Vordergrund stehen Schmerzmittel, mehr Flüssigkeit und weniger Stress. Antibiotika helfen hier nicht. Die meisten Schübe klingen innerhalb von einigen Tagen bis zwei Wochen ab, kommen aber gern wieder.
  3. Struvitsteine: Sie lassen sich oft mit einem speziellen Diätfutter auflösen, das der Tierarzt verordnet.
  4. Calciumoxalatsteine: Sie lösen sich nicht auf und müssen, wenn sie Probleme machen, entfernt werden. Eine Diät soll neue Steine verhindern.
  5. Bakterielle Infektion: Nur wenn Bakterien nachgewiesen sind, verordnet der Tierarzt ein passendes Antibiotikum. Geben Sie es bis zum Ende, auch wenn es der Katze früher besser geht.

Diätfutter für die Harnwege sollte nur nach Rücksprache gefüttert werden: Ein Futter zum Auflösen von Struvit ist für eine Katze mit Oxalatsteinen oder Nierenproblemen nicht geeignet. Kräutertees, homöopathische Mittel oder „Blasentees“ aus dem Internet ersetzen keine Behandlung. Einige Pflanzen, die dafür empfohlen werden, wirken abführend oder sind für Katzen ungeeignet.

Vorbeugung: mehr Wasser, weniger Stress

Gerade bei der idiopathischen Zystitis lässt sich viel gegen Rückfälle tun:

  • Mehr Flüssigkeit: Nassfutter enthält rund 75–80 % Wasser, Trockenfutter etwa 10 %. Wer Trockenfutter füttert, kann es anfeuchten oder schrittweise auf Nassfutter umstellen. Verdünnter Urin reizt die Blase weniger.
  • Mehrere Wasserstellen, weit weg vom Futter, mit breiten Näpfen oder einem Trinkbrunnen, falls Ihre Katze fließendes Wasser mag.
  • Genug Katzenklos: Faustregel eine Toilette mehr als Katzen im Haushalt, an ruhigen, getrennten Orten. Täglich reinigen, Streu nicht plötzlich wechseln.
  • Stress abbauen: Rückzugsorte und erhöhte Plätze, getrennte Futter- und Wasserstellen für Katzen, die sich nicht mögen, feste Abläufe, tägliches Spielen. Veränderungen wie Umzug oder neue Katze behutsam angehen, siehe Die Katze vergesellschaften.
  • Normalgewicht und Bewegung: Übergewichtige, bewegungsarme Katzen erkranken häufiger.

Die Empfehlung lautet: Nehmen Sie Veränderungen beim Wasserlassen immer ernst und lassen Sie Ihre Katze zeitnah untersuchen – bei einem Kater, der nichts mehr absetzt, sofort. Danach entscheidet die Vorbeugung zu Hause, ob es bei einem Schub bleibt.

Häufige Fragen

Ist eine Blasenentzündung bei Katzen ansteckend?

Nein, für andere Katzen und Menschen besteht praktisch keine Ansteckungsgefahr. Wenn mehrere Katzen im Haushalt betroffen sind, liegt das eher an gemeinsamen Faktoren wie Stress, Futter oder zu wenigen Katzenklos.

Hilft viel trinken als Hausmittel?

Mehr Flüssigkeit ist die wichtigste Unterstützung, vor allem über Nassfutter und angefeuchtetes Futter. Eine Behandlung ersetzt sie aber nicht, insbesondere nicht bei Schmerzen, Steinen oder Harnröhrenverschluss. Wärmflaschen oder Tees helfen nicht.

Warum bekommt meine Katze immer wieder eine Blasenentzündung?

Häufig steckt eine idiopathische Zystitis dahinter, die in Schüben verläuft. Stress, wenig Flüssigkeit, Übergewicht und ungeliebte Katzenklos lösen neue Schübe aus. Wiederkehrende Beschwerden sollten gründlich untersucht werden, um Steine, Infektionen und Grunderkrankungen auszuschließen.

Sind Kater häufiger betroffen?

Entzündungen treffen Kater und Katzen ähnlich oft. Kater haben aber eine längere, engere Harnröhre und erleiden deshalb viel häufiger einen lebensgefährlichen Harnröhrenverschluss. Kastration verursacht keine Blasenentzündung, kastrierte Kater neigen aber eher zu Übergewicht.