Epilepsie bei Katzen

Katzen können ebenso an Epilepsie leiden wie wir Menschen. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung des Nervensystems, die sich durch sogenannte Krampfanfälle äußert. Krämpfe und heftige Zuckungen erfassen während eines Anfalls den gesamten Körper. Meist führt ein Anfall auch zu einer kurzzeitigen Bewusstlosigkeit. Epilepsie bei Katzen lässt sich zum Glück relativ gut behandeln.

Gewitter im Gehirn – so entsteht ein epileptischer Anfall

Die oft genutzt Formulierung „Gewitter im Gehirn“ beschreibt eigentlich sehr gut, was sich bei einem epileptischen Anfall abspielt. Dabei kommt es nämlich wie bei einem Gewitter tatsächlich zu einer unkontrollierten Entladung der Nerven im Gehirn. Diese Entladung wirkt sich dann häufig über das periphere Nervensystem auf den gesamten Körper aus. Es kommt zu einer starken Beeinträchtigung der Wahrnehmung. Auch das Bewusstsein wird getrübt. Sehr häufig ist gar eine komplette Bewusstlosigkeit zu beobachten. Ebenso betroffen sind die Muskeln, die sich nicht mehr kontrollieren lassen.

Ein epileptischer Anfall einer Katze dauert meist nur sehr kurz an. In den allermeisten Fällen ist nach spätestens zwei Minuten alles wieder vorbei. Hält der Anfall länger als drei Minuten an, spricht man von einem „Status epilepticus“, der lebensbedrohlich sein kann. Dann muss unbedingt sofort ein Tierarzt aufgesucht werden. Jeder Anfall läuft in drei Phasen ab:

  • Phase 1 (Aura): Ankündigung eines kommenden Anfalls. Eine betroffene Katze ist dann meist sehr unruhig und verhält sich auffällig.
  • Phase 2 (Gran Mal oder Iktus): Der eigentliche Anfall. Die Katze kann stürzen, es kommt zu Zuckungen einzelner Muskeln, zu Krämpfen und unkontrollierten Bewegungen. Auch eine komplette Bewusstlosigkeit ist möglich.
  • Phase 3 (Postiktus): Die Zeit nach dem eigentlichen Anfall. Die Katze ist dann häufig für eine gewisse Zeit benommen, orientierungslos, aggressiv oder ausgesprochen ängstlich.

Der Iktus sieht meist äußerst dramatisch aus und macht Beobachtern Angst. Aller Wahrscheinlichkeit nach bekommt die Katze davon entweder nichts oder nur sehr wenig mit. Mediziner vermuten, dass sie dabei auch keine Schmerzen spürt.

Ursachen für eine Epilepsie bei Katzen

Sowohl die Human- als auch die Tiermedizin unterscheiden zwei Arten von Epilepsie. Die Rede ist jeweils von der primären und der sekundären Epilepsie. Bei der primären Form, die auch als idiopathische Epilepsie bezeichnet wird, ist keine konkrete Ursache feststellbar. Man geht deshalb davon aus, dass sie angeboren ist. Etwa 20 Prozent aller an Epilepsie erkrankten Katzen weisen diese Form auf. Sie tritt meistens innerhalb der ersten sechs Lebensjahre des Tieres auf. Eine Heilung ist nicht möglich. Durch eine entsprechende medizinische Behandlung lassen sich aber Zahl und Intensität der Anfälle erheblich reduzieren.

Die sekundäre Form der Epilepsie bei Katzen wird durch eine konkrete Erkrankung oder Verletzung ausgelöst. Sie betrifft die überwiegende Mehrheit aller mit Epilepsie konfrontierten Tiere. Identifiziert man die vorliegende Erkrankung bzw. Verletzung und behandelt sie, stehen die Chancen ausgesprochen gut, dass damit auch die Epilepsie wieder verschwindet.

Folgende Krankheiten und Verletzugen können ursächlich sein:

  • Vergiftungen
  • Tumore
  • Schlaganfall
  • Gehirnentzündungen
  • Leberschäden
  • Nierenschäden
  • Diabetes
  • Unterzuckerung
  • Infektionen
  • Verletzungen des Gehirns
  • Gefäßmissbildungen im Gehirn

Die Vielzahl der Möglichkeiten führt dazu, dass es meist eine gewisse Zeit dauert, bis die konkrete Ursache vom Tierarzt gefunden wurde.

So verhält man sich bei einem epileptischen Anfall einer Katze richtig

Wer als Katzenbesitzer zum ersten Mal einen epileptischen Anfalls seines Lieblings miterlebt kann sehr leicht in Panik geraten. Panik ist aber das Letzte, was die Katze in dieser Situation braucht. Viel wichtiger ist Ruhe. Deshalb gilt auch: Ruhe bewahren! Auf gar keinen Fall darf die krampfende Katze angefasst oder gar festgehalten werden. Ebenso sollten hektische Bewegungen und lautes Geräusch wie etwa Schreien unbedingt vermieden werden.

Was aber kann und soll man tun? Am wichtigsten ist, dass man Gegenstände, an denen sich die Katze verletzen kann aus dem Weg räumt. Sinnvoll ist es auch, einen gewissen Schutz durch Polsterungen zu schaffen. Hierzu können beispielsweise Kissen an scharfe Möbelkanten oder -ecken gestellt werden. Ansonsten tut man gut daran, der Katze möglichst nicht in die Quere zu kommen. Man muss als Katzenbesitzer den Anfall einfach mit ertragen – auch wenn es vielleicht schwer fällt.

Auch im Anschluss an den Anfall lässt man die Katze am besten weitgehend in Ruhe. Sie wird sich womöglich über Stunden hinweg deutlich anders verhalten als sonst. Das ändert sich aber wieder. Sinnvoll ist es, Futter und Wasser in größeren Mengen bereitzustellen, da die Tiere im Nachgang des Anfalls häufig einen wahren Heißhunger verspüren.

Die Epilepsie bei Katzen richtig behandeln

Entdeckt man bei seiner Katze Symptome, die auf eine Epilepsie hindeuten, ist der Gang zum Tierarzt unausweichlich. Der wird in der Regel damit beginnen, nach der Ursache zu suchen. Entdeckt er eine Erkrankung oder Verletzung steht zunächst deren Behandlung an. Parallel wird er Medikamente verordnen, die die Häufigkeit der Anfälle stark reduzieren. Erst wenn die eigentliche Ursache abgeklungen ist, kann dann abgesehen werden, inwieweit eine weitergehend Behandlung notwendig ist.

Finden sich keine konkreten Ursachen, liegt also eine primäre Form der Epilepsie vor, hilft nur die sofortige Verabreichung von Medikamenten. Dabei handelt es sich um sogenannte Antiepileptika. Die beiden wichtigsten sind Phenobarbital und Kaliumbromid. Auch eine Kombination aus beiden Präparaten ist möglich. Sie sorgen für eine Reduzierung der Anfallshäufigkeit und der Intensität der Anfälle. Zu 100 Prozent verhindern können sie einen Anfall jedoch nicht. Auch eine Heilung ist bislang jedenfalls nicht möglich. Die Medikamente müssen der Katze folglich ein Leben lang verabreicht werden.

Eine Besserung tritt erst ein, wenn ein gewisser Wirkstoffpegel im Blut erreicht worden ist. Das kann bis zu drei Wochen dauern und lässt sich meist nur realisieren, wenn die Anweisungen des Tierarztes genau befolgt worden sind. Wichtig ist in diesem Zusammenhang vor allem, dass die Dosierung genau eingehalten wird. Außerdem sollten die Medikamente immer zur gleichen Zeit verabreicht werden. Auf gar keinen Fall dürfen sie eigenmächtig abgesetzt werden. Meist folgt darauf ein unglaublich schwerer Anfall.

Epilepsie bei Katzen: Mit der Krankheit leben

Katzen, die an einer primären Epilepsie leiden, erfahren durch die verabreichten Medikamente eine gewisse Linderung ihrer Beschwerden. Das bedeutet aber für den Katzenbesitzer, dass er sehr sorgfältig auf die Medikamentengabe achten und insbesondere auch sein Tier im Auge behalten muss. Kleiner Anfälle zwischendurch sind kein Grund zur Panik, sondern vielmehr vollkommen normal. Letztlich geht es bei der Epilepsie bei Katzen meist darum, dass man als Tierhalter lernt, mit der Krankheit seines Lieblings zu leben. Regelmäßige Tierarztbesuche gehören da natürlich auch dazu. Entscheidend ist vor allem, dass gravierende Veränderungen wie vermehrt und kurz hintereinander auftretende Anfälle rechtzeitig erkannt werden.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss eine Katze, die an Epilepsie leidet, eingeschläfert werden?

Nein, dafür gibt es keinen Grund. Eine Epilepsie kann zwar unter Umständen zu Beeinträchtigungen für das Tier führen, jedoch sind damit in der Regel keine dauerhaften Schmerzen verbunden, die sich zu einer wahren Qual auswachsen könnten. Vor permanentem Leid kann also nicht die Rede sein. Außerdem lässt sich Epilepsie bei Katzen zwar nicht unbedingt immer heilen, aber relativ gut behandeln.

Darf eine an Epilepsie erkrankte Katze nach draußen?

Ja. Zwar besteht natürlich die Gefahr, dass die Katze beispielsweise beim Überqueren einer Straße einen epileptischen Anfall erleidet und dann zu Tode kommt. Es wäre jedoch bei einem Freigänger eine große Qual, wenn er aufgrund der Erkrankung nicht mehr nach draußen dürfte. Das Risiko, von einem Auto überfahren zu werden, besteht außerdem immer. Letztlich ist es aber immer eine Abwägung, die der Katzenbesitzer treffen muss.

Wie ist die Lebenserwartung bei einer an Epilepsie leidenden Katze?

Dazu ist eine konkrete Aussage nicht möglich, da hier viele Faktoren eine Rolle spielen. Es kommt zum Beispiel entscheidend darauf an, ob und wenn ja welche andere Erkrankung die Epilepsie auslöst. Auch die konkrete Behandlung durch den Tierarzt spielt eine Rolle. Wenn das Gehirn der Katze vor Beginn der Behandlung noch nicht stark geschädigt wurde, steht einer normalen Lebenserwartung meist nichts im Wege. Allerdings sollte man sich bewusst darüber sein, dass jeder einzelne Anfall zwangsläufig Schäden auslöst, die den Organismus erheblich beeinträchtigen können.

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