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katzenwelt

Mittelgroße Katzenrassen: Welche es gibt und was sie ausmacht

Christoph · 5 Min. Lesezeit

Europäisch-Kurzhaar-Katze mit getigertem Fell
Die Europäisch Kurzhaar sieht einer gewöhnlichen Hauskatze zum Verwechseln ähnlich
Inhalt8 Abschnitte
  1. Was „mittelgroß“ bei Katzen bedeutet
  2. Mittelgroße Rassen im Überblick
  3. Europäisch Kurzhaar: die Rassekatze, die wie eine Hauskatze aussieht
  4. Türkisch Angora: die feine Langhaarige
  5. Weitere Vertreter der Mittelklasse
  6. Worauf es bei der Wahl wirklich ankommt
  7. Rassekatze oder Hauskatze?
  8. Häufige Fragen

Mittelgroß ist bei Katzen der Normalfall: Die meisten Rassen und fast alle Hauskatzen wiegen erwachsen etwa 3 bis 6 kg, Kater meist etwas mehr als Katzen. Dazu gehören so unterschiedliche Tiere wie die robuste Europäisch Kurzhaar, die zierliche Türkisch Angora oder die bewegungsfreudige Abessinier. Wer eine mittelgroße Rasse sucht, sucht deshalb eigentlich nach Wesen und Pflegeaufwand – die Größe ergibt sich fast von selbst.

Was „mittelgroß“ bei Katzen bedeutet

Bei Hunden gibt es klare Größenklassen nach Schulterhöhe. Bei Katzen fehlt so etwas. Die Rassestandards der Zuchtverbände beschreiben den Körperbau in Worten – „mittelgroß“, „kräftig“, „schlank“, „semi-foreign“ – und nennen selten verbindliche Gewichte. Die Gewichtsangaben in Rasseporträts sind deshalb Richtwerte, keine Norm.

Als grobe Orientierung gilt: Kleine Rassen wie die Singapura bleiben oft unter 3,5 kg, mittelgroße Rassen liegen meist bei 3 bis 6 kg, und große Rassen wie Maine Coon oder Norwegische Waldkatze erreichen als Kater 7 kg und mehr. Eine gewöhnliche Hauskatze wiegt in der Regel zwischen 3,5 und 5 kg und ist damit selbst das beste Beispiel für eine mittelgroße Katze. Die beiden Enden der Skala stellen wir unter Kleine Katzenrassen und Große Katzenrassen vor.

Wichtiger als das Gewicht ist der Körperbau. Eine schlanke, langbeinige Orientalin und eine kompakte Kurzhaarkatze können gleich schwer sein und trotzdem völlig verschieden wirken – und sich ebenso verschieden verhalten.

Mittelgroße Rassen im Überblick

RasseFellGewicht etwaTypisch
Europäisch Kurzhaarkurz, dicht3,5–6 kgrobust, ausgeglichen, gern Freigang
Russisch Blaukurz, doppelt, blau3–5,5 kgruhig, zurückhaltend bei Fremden
Abessinierkurz, getickt3–5 kgsehr aktiv, neugierig, kletterfreudig
Türkisch Angorahalblang, seidig2,5–5 kgverspielt, menschenbezogen
Ägyptische Maukurz, getupft3–5 kglebhaft, schnell, eng an ihre Menschen gebunden
Nebelunghalblang, blau3–6 kgruhig, braucht Zeit mit Fremden

Die Spannen überschneiden sich stark, und einzelne Tiere liegen darüber oder darunter. Ein Kater einer „mittelgroßen“ Rasse kann schwerer sein als eine Kätzin einer „großen“.

Europäisch Kurzhaar: die Rassekatze, die wie eine Hauskatze aussieht

Die Europäisch Kurzhaar ist aus den Hauskatzen Mittel- und Nordeuropas hervorgegangen. Lange wurde sie zusammen mit der Britisch Kurzhaar gezüchtet; seit 1982 führt der europäische Dachverband FIFe sie als eigene Rasse. Ziel der Zucht ist ausdrücklich der ursprüngliche, kräftige Typ der Hauskatze – ohne rundes Puppengesicht, ohne verkürzte Nase.

Genau das macht sie zu einer der gesündesten Rassen: kein extremes Merkmal, das Probleme bereitet. Ihr Körper ist muskulös, die Brust breit, der Kopf rundlich mit mittellanger Nase. Das kurze, dichte Fell gibt es in vielen Farben und Zeichnungen, besonders häufig getigert. Die Fellpflege beschränkt sich auf gelegentliches Bürsten im Fellwechsel.

Vom Wesen her ist die Europäisch Kurzhaar anpassungsfähig, neugierig und selbstständig. Viele Tiere genießen Freigang und jagen gern. In der Wohnung braucht sie Beschäftigung und Klettermöglichkeiten. Wer sie mit einer Hauskatze aus dem Tierheim vergleicht, wird im Alltag kaum einen Unterschied bemerken – ein Grund, warum die Rasse trotz ihrer Vorzüge wenige Züchter hat.

Türkisch Angora: die feine Langhaarige

Weiße Türkisch-Angora-Katze mit halblangem Fell
Weiß ist die klassische Farbe der Türkisch Angora, heute sind viele Farben zugelassen

Die Türkisch Angora stammt aus Anatolien und ist eine der ältesten bekannten Langhaarkatzen. Früher nannte man in Europa fast jede langhaarige Katze „Angora“; die heutige Rasse ist ein schlankes, feingliedriges Tier mit seidigem, halblangem Fell ohne dichte Unterwolle. Deshalb verfilzt sie deutlich weniger als eine Perserkatze, ein- bis zweimal Kämmen pro Woche reicht meist.

Sie ist verspielt, aufmerksam und sucht die Nähe ihrer Menschen, ohne sich aufzudrängen. Bei weißen Tieren mit blauen Augen ist angeborene Taubheit häufig – das gilt für weiße Katzen aller Rassen. Mehr zu Herkunft, Farben und Gesundheit steht im Porträt der Türkisch Angora.

Weitere Vertreter der Mittelklasse

Russisch Blau: schlank, mit dichtem, silbrig schimmerndem Doppelfell und grünen Augen. Ruhig, eher scheu bei Fremden, gut für eine ruhige Wohnungshaltung.

Abessinier: kurzes, „getickt“ gezeichnetes Fell, bei dem jedes Haar mehrere Farbbänder trägt. Eine der aktivsten Rassen überhaupt – wer sie in eine kleine Wohnung ohne Kletterfläche setzt, bekommt eine gelangweilte Katze.

Ägyptische Mau: eine der wenigen natürlich getupften Hauskatzenrassen, schnell und sportlich. Braucht viel Beschäftigung.

Nebelung: die halblanghaarige Schwester der Russisch Blau, ruhig und sanft, aber anfangs zurückhaltend.

Auch die meisten „orientalischen“ Rassen wie Siamkatze und Balinese gelten als mittelgroß, wirken aber durch den schlanken Körperbau leichter.

Worauf es bei der Wahl wirklich ankommt

Die Größe sagt wenig darüber, ob eine Katze zu Ihnen passt. Entscheidender sind drei Fragen:

  1. Wie aktiv ist die Rasse? Abessinier oder Mau brauchen täglich Spiel und viel Kletterfläche, eine Russisch Blau ist deutlich ruhiger.
  2. Wie viel Fellpflege wollen Sie leisten? Kurzhaarkatzen sind pflegeleicht, Halblanghaar wie Angora oder Nebelung braucht regelmäßig den Kamm.
  3. Wohnung oder Freigang? Robuste Rassen wie die Europäisch Kurzhaar kommen mit Freigang gut zurecht, andere werden oft reine Wohnungskatzen.

Rassen mit extremen Merkmalen – Faltohren, sehr kurzen Beinen, Haarlosigkeit oder platter Nase – sollten Sie unabhängig von der Größe meiden. Diese Merkmale gehen mit Schmerzen oder Einschränkungen einher und gelten als Qualzucht im Sinne von § 11b Tierschutzgesetz. Warum das so ist, zeigt das Beispiel der Schottischen Faltohrkatze.

Rassekatze oder Hauskatze?

Wer einfach eine mittelgroße, unkomplizierte Katze möchte, findet sie oft im Tierheim. Die dortigen Hauskatzen sind genau das: mittelgroß, meist robust und in allen Farben zu haben. Bei erwachsenen Tieren kennt das Tierheim zudem schon den Charakter.

Soll es eine Rassekatze sein, achten Sie auf einen Züchter, der einem anerkannten Verein angehört, einen Stammbaum ausstellt, Gesundheitsnachweise der Elterntiere zeigt und die Kitten nicht vor der 12. Lebenswoche abgibt. Die Elterntiere sollten Sie vor Ort sehen können.

Häufige Fragen

Wie schwer ist eine mittelgroße Katze?

Erwachsene mittelgroße Katzen wiegen meist zwischen 3 und 6 kg, Kater in der Regel etwas mehr als Katzen. Entscheidend ist aber die Figur: Rippen sollten sich unter einer dünnen Fettschicht leicht ertasten lassen. Eine mittelgroße Katze mit 7 kg ist fast immer übergewichtig und nicht groß.

Ist die Europäisch Kurzhaar dasselbe wie eine Hauskatze?

Nicht ganz. Die Europäisch Kurzhaar ist aus Hauskatzen hervorgegangen und sieht ihnen sehr ähnlich, wird aber mit Stammbaum nach einem festen Standard gezüchtet. Im Wesen und in der Gesundheit unterscheidet sie sich kaum von einer gut ernährten Hauskatze.

Welche mittelgroße Rasse ist für Anfänger geeignet?

Ruhige, robuste Rassen ohne extreme Merkmale, etwa Europäisch Kurzhaar oder Russisch Blau, sind für Einsteiger gut geeignet. Sehr aktive Rassen wie Abessinier setzen mehr Zeit für Beschäftigung voraus.

Brauchen mittelgroße Katzen einen besonderen Kratzbaum?

Nein. Wichtig ist Standfestigkeit: Der Kratzbaum sollte nicht wackeln, wenn die Katze hochspringt, und mindestens eine Liegefläche bieten, auf der sie ausgestreckt liegen kann. Für sehr aktive Rassen lohnen sich mehrere Ebenen.