Zum Inhalt springen
katzenwelt

Russisch Blau: Wesen, Haltung und Pflege der blauen Katze

Christoph · 5 Min. Lesezeit

Russisch Blau Katze mit silberblauem Fell
Russisch Blau: dichtes, silbrig schimmerndes Fell und grüne Augen
Inhalt8 Abschnitte
  1. Steckbrief der Russisch Blau
  2. Herkunft: zwischen Legende und Beleg
  3. Aussehen und das besondere Fell
  4. Wesen: anhänglich, klug, zurückhaltend
  5. Haltung und Pflege
  6. Gesundheit
  7. Worauf Sie beim Züchter achten sollten
  8. Häufige Fragen

Die Russisch Blau ist eine elegante, mittelgroße Kurzhaarkatze mit dichtem, silberblau schimmerndem Fell und leuchtend grünen Augen. Sie gilt als ruhig, sanft und sehr an ihre Menschen gebunden, bleibt Fremden gegenüber aber oft reserviert. Die Rasse ist robust und pflegeleicht und eignet sich gut für die Wohnung – vorausgesetzt, sie bekommt Beschäftigung und einen verlässlichen Alltag.

Steckbrief der Russisch Blau

HerkunftNordrussland, vermutlich Region um die Hafenstadt Archangelsk; als Rasse in Großbritannien geformt
Größe und Gewichtmittelgroß, schlank; meist 3–5,5 kg, Kater schwerer
Fellkurz, sehr dicht, plüschig abstehend, Blau mit silbernen Haarspitzen
Augengrün, bei Kätzchen zunächst anders gefärbt
Lebenserwartunghäufig 14–18 Jahre
Wesenruhig, sanft, verspielt, anhänglich, leise Stimme
Pflegeaufwandgering; wöchentlich kämmen

Herkunft: zwischen Legende und Beleg

Um kaum eine Rasse ranken sich so viele Geschichten. Die Russisch Blau soll am Zarenhof gelebt, Zarenkindern als Geschenk gedient und in russischen Häusern böse Geister vertrieben haben. Belegen lässt sich davon wenig. Sicher ist: Blaue Kurzhaarkatzen kamen im 19. Jahrhundert mit Seeleuten aus Nordrussland nach Großbritannien. 1875 wurden sie im Londoner Crystal Palace als „Archangel Cat“ gezeigt – benannt nach der Hafenstadt Archangelsk am Weißen Meer.

In Großbritannien und Skandinavien wurde die Rasse im frühen 20. Jahrhundert gezielt gezüchtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es nur noch wenige Tiere, und Züchter kreuzten Siamkatzen und Britisch-Kurzhaar-Katzen ein. Das veränderte vorübergehend den Typ; spätere Züchtergenerationen arbeiteten ihn wieder heraus. Daraus stammen die unterschiedlichen Zuchtlinien – skandinavische, englische und amerikanische –, die sich im Typ leicht unterscheiden, aber keine eigenen Rassen sind.

Eine nahe Verwandte mit halblangem Fell ist die Nebelung. In einigen Verbänden gibt es auch weiße und schwarze „Russen“; die FIFe erkennt nur Blau an.

Aussehen und das besondere Fell

Die Russisch Blau ist schlank und langbeinig mit feinen Knochen, aber muskulös. Der Kopf ist keilförmig mit flacher Stirn, geradem Profil und großen, weit gestellten Ohren. Durch die Form der Schnurrhaarkissen wirkt ihr Gesichtsausdruck, als würde sie leicht lächeln. Die Pfotenballen sind rosa-lavendelfarben.

Das Fell ist das Markenzeichen: Es ist ein Doppelfell, bei dem Unterwolle und Deckhaar ähnlich lang sind. Deshalb steht es plüschartig vom Körper ab, statt anzuliegen – man kann mit dem Finger „Muster“ hineinzeichnen, die eine Weile stehen bleiben. Die Haarspitzen sind silbrig und erzeugen den typischen Schimmer. Einzigartig ist das Doppelfell nicht; die Russisch Blau hat es in besonders ausgeprägter Form.

Kätzchen kommen oft mit angedeuteten Tabbystreifen („Geisterzeichnung“) zur Welt, die sich im ersten Jahr verlieren. Die grüne Augenfarbe entwickelt sich erst mit der Zeit.

Graue Katze mit grünen Augen liegt in einer Kuschelhöhle
Russisch Blau mit grünen Augen in ihrer Kuschelhöhle – Rückzugsorte sind dieser Rasse wichtig

Wesen: anhänglich, klug, zurückhaltend

Russisch Blau gelten als intelligent, verspielt und sehr auf ihre Bezugspersonen fixiert. Viele suchen engen Kontakt, liegen gern auf dem Schoß und folgen ihren Menschen. Fremden gegenüber sind sie oft scheu und ziehen sich bei Besuch zurück. Ihre Stimme ist leise und wird selten eingesetzt.

Veränderungen und Unruhe mögen viele Russisch Blau nicht besonders. Ein ruhiger Haushalt mit festen Abläufen passt besser als ein Haus mit ständig wechselnden Gästen. Mit Kindern, die rücksichtsvoll sind, kommen sie meist gut aus; laute, hektische Kleinkindhaushalte überfordern manche.

Die Katze ist gelehrig und löst gern kleine Aufgaben. Intelligenzspielzeug, Futterspiele und Clickertraining lasten sie gut aus. Eine zweite, ähnlich ruhige Katze ist sinnvoll, wenn die Menschen tagsüber lange fort sind.

Haltung und Pflege

Die Russisch Blau lebt gut als Wohnungskatze. Sie braucht Kletter- und Kratzmöglichkeiten, erhöhte Liegeplätze, Rückzugsorte wie eine Höhle und tägliche Spielzeiten. Ein gesicherter Balkon ist eine gute Ergänzung. Freigang ist möglich, aber nicht nötig.

Das Fell ist pflegeleicht. Einmal pro Woche mit einem feinen Kamm oder Gummistriegel durchgehen reicht, im Fellwechsel etwas öfter. Da es sich um ein dichtes Doppelfell handelt, verliert die Katze im Frühjahr und Herbst durchaus Haare. Für Allergiker ist sie nicht besser geeignet als andere Katzen: Das wichtigste Allergen stammt aus Speichel und Hautdrüsen, nicht aus dem Fell selbst. Mehr dazu unter Katzenrassen, die wenig haaren.

Achten Sie auf das Gewicht. Viele Russisch Blau fressen gern und bewegen sich als Wohnungskatze wenig. Abgemessene Portionen und Spielzeit halten sie schlank.

Gesundheit

Die Russisch Blau gilt als robuste Rasse ohne bekannte, weit verbreitete Erbkrankheit. Das heißt nicht, dass sie nie krank wird: Wie alle Katzen kann sie an Herzmuskelerkrankungen, Nierenleiden, Zahnerkrankungen oder Diabetes erkranken, besonders wenn sie übergewichtig ist. Jährliche Gesundheitschecks mit Blick auf Zähne, Gewicht und ab dem Seniorenalter auch Blutwerte sind sinnvoll. Impfungen richten sich nach der Leitlinie der StIKo Vet und danach, ob die Katze Freigang hat – mehr unter Katzen impfen.

Sofort zum Tierarzt sollte Ihre Katze, wenn sie mit offenem Maul atmet, keinen Urin absetzt, länger als 24 Stunden nichts frisst oder plötzlich die Hinterbeine nachzieht.

Worauf Sie beim Züchter achten sollten

  1. Stammbaum eines anerkannten Vereins. Ein Verein unter einem Dachverband wie FIFe, WCF oder TICA.
  2. Gesundheitsnachweise der Eltern. Auch ohne rassetypischen Gentest sollten beide Elterntiere tierärztlich untersucht sein; viele Züchter lassen zusätzlich einen Herzultraschall machen.
  3. Abgabe nicht vor der 12. Woche. Geimpft, entwurmt, gechippt, mit Heimtierausweis.
  4. Sozialisierung. Gerade bei einer eher zurückhaltenden Rasse ist es wichtig, dass die Kätzchen im Haus mit Menschen, Geräuschen und Alltag aufwachsen.
  5. Ehrlichkeit bei Farben. Graue Hauskatzen werden gern als „Russisch Blau“ verkauft. Ohne Stammbaum ist es keine Rassekatze – was an der Katze selbst nichts ändert, am Preis aber schon.

Häufige Fragen

Ist die Russisch Blau für Allergiker geeignet?

Nicht verlässlich. Das Hauptallergen Fel d 1 bildet jede Katze, unabhängig von der Fellart. Manche Allergiker vertragen einzelne Tiere besser als andere; das lässt sich nur durch längeren Kontakt vor der Anschaffung herausfinden.

Kann eine Russisch Blau allein gehalten werden?

Sie ist sehr menschenbezogen und leidet, wenn sie viele Stunden allein ist. Bei Berufstätigen ist eine zweite, ruhige Katze die bessere Lösung.

Worin unterscheiden sich Russisch Blau und Kartäuser?

Die Kartäuser ist eine französische Rasse, kräftiger und rundlicher gebaut, mit kupfer- bis orangefarbenen Augen. Die Russisch Blau ist schlanker, hat einen keilförmigen Kopf und grüne Augen. Die blaue Britisch Kurzhaar ist noch massiger, mit rundem Kopf – mehr dazu unter Die Britisch Kurzhaar Katze.

Wie alt wird eine Russisch Blau?

Gesunde Tiere erreichen häufig 14 bis 18 Jahre. Wichtig dafür sind ein normales Gewicht, gute Zahnpflege und regelmäßige Vorsorge.