Zum Inhalt springen
katzenwelt

Wie viele Katzenrassen gibt es?

Christoph · 5 Min. Lesezeit

Sechs verschiedene Katzenrassen
Sechs verschiedene Katzenrassen
Inhalt8 Abschnitte
  1. Warum es keine einheitliche Zahl gibt
  2. Die großen Zuchtverbände
  3. Wie die Rassezucht entstand
  4. Einteilung nach Felllänge
  5. Einteilung nach Herkunft
  6. Was eine Rassekatze ausmacht
  7. Nicht jede neue Rasse ist ein Fortschritt
  8. Häufige Fragen

Wie viele Katzenrassen es gibt, hängt davon ab, wen man fragt: Der europäische Dachverband FIFe erkennt rund 50 Rassen an, die amerikanische TICA über 70, die ebenfalls amerikanische CFA etwa 45. Dazu kommen Rassen, die nur kleine Vereine führen, und Neuzüchtungen ohne jede Anerkennung. Eine verbindliche Gesamtzahl gibt es deshalb nicht – wohl aber eine klare Antwort darauf, warum das so ist.

Warum es keine einheitliche Zahl gibt

Anders als bei Tierarten gibt es für Katzenrassen keine wissenschaftliche Stelle, die festlegt, was eine Rasse ist. Das entscheiden die Zuchtverbände. Jeder hat eigene Regeln: Manche führen eine Lang- und eine Kurzhaarform als zwei Rassen, andere als eine. Manche erkennen neue Züchtungen schnell an, andere zögern – oder lehnen Rassen aus Tierschutzgründen ab. Die FIFe etwa erkennt weder die Scottish Fold noch die Munchkin an.

Die Zahlen ändern sich zudem laufend, weil Verbände neue Rassen aufnehmen oder Varianten zusammenlegen. Die oben genannten Werte sind deshalb Größenordnungen, keine festen Zahlen. Wer es genau wissen will, schaut in die aktuelle Rasseliste des jeweiligen Verbands.

Die großen Zuchtverbände

VerbandSitz / gegründetRassen etwaBedeutung
FIFe (Fédération Internationale Féline)Europa, 1949rund 50Dachverband vieler nationaler Vereine, auch in Deutschland
WCF (World Cat Federation)1988 gegründet, Sitz in Essenknapp 70internationaler Verband, in Deutschland verbreitet
TICA (The International Cat Association)USA, 1979über 70großer Verband mit genetischem Register
CFA (Cat Fanciers’ Association)USA, 1906etwa 45ältester großer Verband der USA
GCCF (Governing Council of the Cat Fancy)Großbritannien, 1910rund 40britischer Dachverband, lehnt einige Rassen aus Gesundheitsgründen ab

Keiner dieser Verbände ist „der“ Dachverband aller Katzenvereine. In Deutschland gibt es zahlreiche Zuchtvereine, die der FIFe, der WCF, der TICA oder keinem internationalen Verband angehören. Ein Stammbaum ist nur so viel wert wie der Verein, der ihn ausstellt.

Wie die Rassezucht entstand

Katzen leben seit rund 10.000 Jahren in der Nähe des Menschen, doch gezielte Rassezucht ist jung. Lange hielt man Katzen vor allem als Mäusefänger, und die meisten vermehrten sich ohne Zutun des Menschen. Als Beginn der modernen Katzenzucht gilt die erste große Katzenausstellung 1871 im Crystal Palace in London. Damals gab es nur eine Handvoll Rassen, darunter Perser, Siam und Britisch Kurzhaar.

Die meisten heute bekannten Rassen sind im 20. Jahrhundert entstanden, viele erst nach 1950. Auch die Sphynx stammt nicht aus dem alten Ägypten, sondern aus Kanada, wo 1966 ein nacktes Kitten geboren wurde.

Einteilung nach Felllänge

Die bekannteste Einteilung unterscheidet drei Gruppen:

  • Kurzhaar: die größte Gruppe, etwa Britisch Kurzhaar, Siam, Abessinier, Russisch Blau.
  • Halblanghaar: Katzen mit mittellangem Fell, oft mit Halskrause und buschigem Schwanz, etwa Maine Coon, Norwegische Waldkatze, Birma, Türkisch Angora.
  • Langhaar: im Wesentlichen die Perserkatze und ihre Verwandten mit sehr langem, dichtem Fell.

Genetisch ist die Sache einfacher: Kurzes Fell wird dominant vererbt, langes Fell rezessiv. Eine Kurzhaarkatze kann die Langhaar-Anlage verdeckt tragen und weitergeben. „Halblang“ ist deshalb keine eigene Erbanlage, sondern eine Beschreibung dafür, wie lang und dicht das Fell einer Langhaar-Rasse ausfällt.

Maine-Coon-Kitten mit halblangem Fell auf einer Katzenliege
Die Maine Coon gehört zu den Halblanghaar-Rassen

Einteilung nach Herkunft

Naturrassen sind aus regionalen Hauskatzen-Populationen hervorgegangen, die sich über lange Zeit an ihre Umgebung angepasst haben, etwa Maine Coon, Norwegische Waldkatze, Sibirische Katze, Türkisch Van oder Korat. Sie gelten oft als robust, sind aber nicht automatisch frei von Erbkrankheiten – bei Maine Coon und Sibirischer Katze kommt etwa die Herzerkrankung HCM vor.

Zuchtrassen entstanden durch gezielte Kreuzung bestehender Rassen oder durch das Weiterzüchten einer spontanen Genveränderung. Beispiele sind die Colourpoint-Perser, die Rex-Rassen mit lockigem Fell oder die Nacktkatzen.

Hybridrassen stammen aus Kreuzungen von Hauskatzen mit Wildkatzenarten: die Bengal mit der asiatischen Leopardkatze, die Savannah mit dem Serval, die Chausie mit der Rohrkatze. Tiere der ersten Generationen sind anspruchsvoll, oft sehr bewegungsfreudig und unterliegen teils artenschutz- und haltungsrechtlichen Vorschriften, die je nach Bundesland abweichen.

Was eine Rassekatze ausmacht

Eine Rassekatze ist nicht jede Katze, die wie eine Rassekatze aussieht. Entscheidend ist die nachgewiesene Abstammung: Ein Stammbaum eines anerkannten Vereins dokumentiert die Vorfahren über mehrere Generationen, meist mindestens vier. Ohne diesen Nachweis ist eine Katze – so schön sie ist – eine Hauskatze mit Rasseanteil.

Wer eine Rassekatze kaufen möchte, sollte auf einen Züchter achten, der einem anerkannten Verein angehört, Gesundheitsnachweise der Elterntiere vorlegt und die Kitten nicht vor der 12. Lebenswoche abgibt. Angebote „ohne Papiere“ zu Schnäppchenpreisen stammen meist aus unkontrollierter Vermehrung.

Nicht jede neue Rasse ist ein Fortschritt

Dass immer neue Rassen entstehen, klingt nach Vielfalt. Einige Neuzüchtungen beruhen aber auf Merkmalen, die den Tieren schaden: verkürzte Beine, gefaltete Ohren, Haarlosigkeit ohne Tasthaare oder extrem verkürzte Nasen. Solche Zuchten gelten als Qualzucht nach § 11b Tierschutzgesetz. Welche Rassen ohne Fell es gibt und warum das problematisch ist, lesen Sie unter Welche Katzenrassen ohne Fell gibt es?.

Und die Mehrzahl der Katzen in Deutschland hat ohnehin keinen Stammbaum: Hauskatzen ohne Rasse sind meist robust, in allen Farben zu haben und warten zu Tausenden in Tierheimen. Tipps dazu gibt Katze aus dem Tierheim.

Häufige Fragen

Wie viele Katzenrassen gibt es weltweit?

Je nach Verband zwischen etwa 45 und über 70 anerkannte Rassen. Zählt man alle Neuzüchtungen und nur regional geführten Rassen dazu, sind es noch mehr. Eine offizielle Gesamtzahl gibt es nicht.

Welche ist die älteste Katzenrasse?

Das lässt sich nicht eindeutig sagen, weil Rassezucht erst im 19. Jahrhundert begann. Zu den ältesten dokumentierten Rassen gehören Perser, Siam und Türkisch Angora; als Naturrassen mit langer regionaler Geschichte gelten etwa Korat und Türkisch Van.

Welche Rasse ist in Deutschland am beliebtesten?

Genaue Statistiken fehlen, weil nur ein kleiner Teil der Katzen registriert ist. Zu den häufigsten Rassekatzen zählen Britisch Kurzhaar, Maine Coon, Ragdoll, Perser und Norwegische Waldkatze.

Ist eine Hauskatze eine Rasse?

Nein. „Europäische Hauskatze“ bezeichnet umgangssprachlich die Katze ohne Stammbaum. Die Europäisch Kurzhaar dagegen ist eine anerkannte Rasse mit festem Standard, die aus solchen Hauskatzen hervorgegangen ist.