Zum Inhalt springen
katzenwelt

Katzen beschäftigen: Spielideen für Wohnung und Alltag

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Katze beschäftigt sich mit einer Katzenangel
Katze beschäftigt sich mit einer Katzenangel
Inhalt9 Abschnitte
  1. Warum Beschäftigung kein Luxus ist
  2. Woran Sie Langeweile erkennen
  3. Jagdspiele richtig spielen
  4. Futterspiele für Kopf und Nase
  5. Die drei Spielarten im Überblick
  6. Eine Wohnung, die beschäftigt
  7. Katzenminze, Baldrian und Matatabi
  8. Welcher Spieltyp ist Ihre Katze?
  9. Häufige Fragen

Katzen brauchen täglich Beschäftigung, Wohnungskatzen ganz besonders: mehrere kurze Spielrunden am Tag und eine Wohnung, in der es etwas zu klettern, zu kratzen, zu beobachten und zu erschnüffeln gibt. Als Richtwert gelten zwei bis drei Spieleinheiten von zehn bis fünfzehn Minuten. Am meisten bringt Spiel, das die Jagd nachahmt – mit einem Erfolg am Ende.

Warum Beschäftigung kein Luxus ist

Katzen sind Jäger. Eine Freigängerin, die Mäuse fängt, geht dafür viele Male am Tag auf die Pirsch, und nur ein Teil der Versuche klappt. Dieses Programm aus Suchen, Lauern, Anschleichen und Zupacken steckt auch in der Wohnungskatze, die ihr Futter fertig im Napf vorfindet. Bekommt der Jagdtrieb kein Ventil, sucht er sich eins: Dann werden Füße unter der Bettdecke zur Beute oder der Vorhang zum Kletterfelsen.

Spielen hält außerdem schlank und beweglich. Übergewicht ist bei Wohnungskatzen verbreitet, und regelmäßige Bewegung ist neben der Futtermenge der wichtigste Hebel dagegen. Außerdem stärkt das gemeinsame Spiel die Bindung – es geht nicht darum, den Willen einer Katze zu „brechen“, sondern ihr zu geben, was ihr fehlt.

Eine Freigängerkatze holt sich viel Abwechslung draußen. Eine Wohnungskatze ist dafür ganz auf Sie angewiesen.

Woran Sie Langeweile erkennen

  • Die Katze miaut viel und folgt Ihnen fordernd.
  • Sie tobt nachts oder am frühen Morgen durch die Wohnung.
  • Sie lauert Ihnen auf und springt nach Füßen und Händen.
  • Sie kratzt an Möbeln, räumt Regale ab oder wirft Dinge vom Tisch.
  • Sie frisst aus Langeweile und nimmt zu.
  • Sie putzt sich übermäßig oder wirkt dauerhaft teilnahmslos.

Vorsicht bei der Deutung: Vieles davon kann auch eine körperliche Ursache haben. Ständiges Miauen bei älteren Katzen etwa passt zu einer Schilddrüsenüberfunktion, kahle Stellen zu Allergien oder Parasiten. Unsauberkeit ist fast nie „Protest“ gegen zu wenig Beachtung, sondern häufig Folge von Blasenproblemen, Schmerzen oder Stress. Solche Veränderungen sollten Sie tierärztlich abklären lassen, bevor Sie sie als Langeweile abtun.

Jagdspiele richtig spielen

Die Katzenangel ist das beste Werkzeug für das gemeinsame Spiel, weil Sie die Beute lebendig bewegen können. Einige Regeln machen den Unterschied:

  1. Beute bewegt sich weg. Eine Maus läuft nie auf die Katze zu. Ziehen Sie das Spielzeug quer oder von der Katze weg, lassen Sie es hinter einem Kissen verschwinden und wieder auftauchen.
  2. Pausen einbauen. Katzen lauern gern. Liegt die Beute still, beginnt die Spannung, nicht die Langeweile.
  3. Erfolg zulassen. Die Katze muss die Beute auch fangen dürfen, sonst frustriert das Spiel.
  4. Ruhig ausklingen lassen. Die Beute wird langsamer, die Katze fängt sie ein letztes Mal. Danach gibt es etwas zu fressen – so schließt sich der Kreis aus Jagen, Fangen und Fressen, nach dem viele Katzen sich zufrieden putzen und schlafen.
  5. Wegräumen. Angeln, Schnüre und Bänder kommen nach dem Spiel in eine Schublade. Verschluckte Fäden können den Darm auffädeln und sind ein Notfall.

Ein Nebeneffekt des Wegräumens: Spielzeug, das nicht immer herumliegt, bleibt interessant. Tauschen Sie das Sortiment alle paar Tage.

Ein Laserpointer bringt Katzen zwar in Bewegung, hat aber einen Haken: Den Lichtpunkt kann die Katze nie fangen. Leuchten Sie nie in die Augen und lassen Sie das Spiel mit einem greifbaren Spielzeug enden, auf das der Punkt zuletzt fällt.

Futterspiele für Kopf und Nase

Katzen in freier Natur arbeiten für jede Mahlzeit. Futterspiele holen diesen Aufwand in die Wohnung zurück und eignen sich gut für die Zeit, in der Sie nicht zu Hause sind.

  • Fummelbrett: Die Katze angelt Futterstücke mit der Pfote aus Mulden und Röhren. Mehr dazu unter Katzenfummelbrett.
  • Futterball: Aus einer rollenden Kugel fällt Trockenfutter, wenn die Katze sie anstupst.
  • Suchspiele: Einzelne Futterstücke in Eierkartons, unter Bechern oder in einer Kiste mit zerknülltem Papier verstecken.
  • Schnüffelteppich: Stofflappen, zwischen denen Futter versteckt ist.

Das Futter stammt aus der Tagesration, sonst wird aus der Beschäftigung ein Kalorienproblem. Beginnen Sie leicht, damit die Katze Erfolge hat, und steigern Sie die Schwierigkeit langsam.

Die drei Spielarten im Überblick

SpielartBeispieleWofür sie gut ist
Gemeinsames SpielKatzenangel, Federwedel, Werfen von BällchenJagdtrieb, Bewegung, Bindung zum Menschen
Allein spielenFellmäuse, Bälle, Tunnel, KartonsZeitvertreib zwischendurch, spontane Jagdszenen
DenkspieleFummelbrett, Futterball, Suchspiele, ClickertrainingKonzentration, langsameres Fressen, Beschäftigung bei Abwesenheit

Keine Spielart ersetzt die andere. Das gemeinsame Spiel ist durch nichts zu ersetzen, denn allein spielen die meisten Katzen nur kurz. Wer Freude an Übungen mit Belohnung hat, findet im Clickertraining eine gute Ergänzung.

Eine Wohnung, die beschäftigt

Beschäftigung ist nicht nur Spiel. Eine gute Umgebung sorgt dafür, dass die Katze sich auch allein sinnvoll die Zeit vertreibt.

  • Höhe: Katzen beobachten gern von oben. Ein stabiler Kratzbaum, Wandbretter oder ein freigeräumtes Regal schaffen Aussichtsplätze.
  • Kratzen: mindestens eine standfeste Kratzmöglichkeit, an der die Katze sich in voller Länge strecken kann.
  • Fensterplatz: Der Blick nach draußen ist für viele Katzen Fernsehen. Sichern Sie Fenster mit einem Gitter oder Netz – gekippte Fenster sind eine Falle, in der sich Katzen einklemmen und schwer verletzen können.
  • Verstecke: Höhlen, Kartons und Decken, in die sich die Katze zurückzieht.
  • Neues: Ein leerer Karton, eine Papiertüte ohne Henkel oder ein Stück Katzengras bringen Abwechslung für wenig Geld.
Kratzbaum mit großen Liegeflächen
Ein Kratzbaum mit großen Liegeflächen dient zum Klettern, Kratzen und Ausruhen

Katzenminze, Baldrian und Matatabi

Duftpflanzen können trägen Katzen einen Schub geben. In einer Studie von Bol und Kollegen (2017) reagierten rund 68 Prozent der untersuchten Hauskatzen auf Katzenminze, etwa 79 Prozent auf Matatabi (Silver Vine) und knapp die Hälfte auf Baldrian. Viele Katzen, die Katzenminze ignorieren, sprechen auf Matatabi an. Jungtiere reagieren oft erst nach einigen Monaten.

Setzen Sie solche Spielzeuge gezielt ein und räumen Sie sie danach weg, sonst lässt der Reiz nach. Ätherische Öle sind dagegen keine Hilfe: Katzen bauen viele ihrer Inhaltsstoffe schlecht ab, manche wie Teebaumöl sind giftig.

Welcher Spieltyp ist Ihre Katze?

Katzen spielen unterschiedlich. Junge, lebhafte Tiere wollen rennen und springen. Ängstliche Katzen trauen sich eher an ein Spielzeug, das langsam unter einer Decke hervorlugt. Ältere Katzen spielen kürzer und lieber am Boden, bleiben aber meist verspielt, wenn man es ihnen anbietet. Manche Katzen fischen auch gern mit der Pfote nach einem Tischtennisball in einer flachen Wasserschale – das ist Geschmackssache und nur unter Aufsicht.

Findet eine Katze gar keinen Zugang zum Spiel, probieren Sie andere Beutetypen: Federn statt Stoff, Rascheln statt Stille, am Boden statt in der Luft. Und akzeptieren Sie, wenn die Katze das Spiel beendet. Das Zeichen ist meist deutlich: Sie wendet sich ab, putzt sich oder geht.

Wer lange außer Haus ist, sollte überlegen, ob eine zweite Katze passt. Zwei gut verträgliche Katzen beschäftigen sich miteinander, ersetzen Ihnen aber nicht das gemeinsame Spiel. Wie das Zusammenführen gelingt, lesen Sie unter Die Katze vergesellschaften.

Häufige Fragen

Wie lange sollte ich täglich mit meiner Katze spielen?

Als Richtwert zwei bis drei Mal am Tag zehn bis fünfzehn Minuten. Mehrere kurze Runden bringen mehr als eine lange, denn Katzen jagen in kurzen, intensiven Sequenzen. Eine Runde am Abend hilft vielen Katzen, nachts ruhiger zu sein.

Meine Katze will nicht spielen – was tun?

Probieren Sie andere Spielzeuge, Tageszeiten und Bewegungen. Viele Katzen sind in der Dämmerung am aktivsten. Hat eine bisher verspielte Katze plötzlich keine Lust mehr, kann eine Erkrankung dahinterstecken, etwa Schmerzen an den Gelenken. Das sollte eine Tierärztin oder ein Tierarzt ansehen.

Ist ein Laserpointer schädlich?

Er kann frustrieren, weil die Katze nie etwas fängt. Wer ihn benutzt, sollte das Spiel mit einem greifbaren Spielzeug beenden und nie in die Augen leuchten.

Kann elektrisches Spielzeug das Spielen mit mir ersetzen?

Nein. Elektrisches Spielzeug bewegt sich meist vorhersehbar, und viele Katzen verlieren schnell das Interesse. Als Ergänzung für zwischendurch ist es in Ordnung, das gemeinsame Spiel bleibt die Hauptsache.