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katzenwelt

Katze erkältet: Katzenschnupfen erkennen und richtig pflegen

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Die Katze ist erkältet
Eine erkältete Katze sollte im Haus bleiben
Inhalt8 Abschnitte
  1. Warum Katzen sich nicht „verkühlen“
  2. Woran Sie Katzenschnupfen erkennen
  3. Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss
  4. Was der Tierarzt tut
  5. Was Sie zu Hause tun können
  6. Was Sie nicht tun sollten
  7. Vorbeugen: Impfen und Stress vermeiden
  8. Häufige Fragen

Wenn Ihre Katze niest, aus der Nase läuft und tränende Augen hat, steckt fast immer Katzenschnupfen dahinter – eine ansteckende Infektion mit Viren und oft auch Bakterien, keine Erkältung durch Kälte. Leichte Verläufe klingen häufig innerhalb von ein bis zwei Wochen ab, wenn Sie Ihre Katze warm halten, zum Fressen bringen und Augen und Nase sauber halten. Frisst sie aber nicht mehr, atmet schwer oder ist sie noch ein Kitten, gehört sie zum Tierarzt.

Warum Katzen sich nicht „verkühlen“

Kälte, Zugluft oder nasses Fell machen allein keine Erkältung. Dafür braucht es Erreger. Bei Katzen sind das vor allem:

  • Felines Herpesvirus (FHV-1): verursacht Niesen, Nasenausfluss und Bindehautentzündung, manchmal Geschwüre auf der Hornhaut. Nach der Erkrankung bleibt das Virus lebenslang im Körper und kann bei Stress wieder aufflammen.
  • Felines Calicivirus (FCV): typisch sind schmerzhafte Geschwüre im Maul und auf der Zunge, dazu Schnupfen, bei Kitten manchmal Lahmheit.
  • Bakterien wie Chlamydien, Bordetellen und Mykoplasmen: Chlamydien verursachen vor allem hartnäckige Bindehautentzündungen, oft setzen Bakterien sich auf eine Virusinfektion drauf.

Übertragen werden die Erreger über Nasen- und Augensekret, Niesen, gemeinsame Näpfe und Hände. Die Zeit zwischen Ansteckung und ersten Anzeichen beträgt meist nur wenige Tage. Kälte und Stress spielen trotzdem eine Rolle: Sie schwächen die Abwehr und können ein schlummerndes Herpesvirus wieder wecken. Deshalb erkranken manche Wohnungskatzen scheinbar „aus dem Nichts“ nach einem Umzug, einem Aufenthalt in der Pension oder einer neuen Katze im Haushalt.

Woran Sie Katzenschnupfen erkennen

Katze friert und zittert in Wäsche
Katze kuschelt sich in warme Wäsche – Wärme tut einer kranken Katze gut

Typische Anzeichen sind:

  • häufiges Niesen, anfangs mit klarem, später oft gelblichem oder grünlichem Nasenausfluss (mehr zu anderen Ursachen unter Katze niest)
  • tränende, gerötete oder verklebte Augen, zusammengekniffene Lider, siehe auch Katze Auge tränt
  • verstopfte Nase, schnarchende Atemgeräusche, Atmen mit offenem Maul
  • Speicheln, Maulgeruch, Probleme beim Fressen durch Geschwüre im Maul
  • Appetitlosigkeit – eine Katze mit verstopfter Nase riecht ihr Futter nicht und frisst dann oft nicht
  • Mattigkeit und Fieber

Husten ist bei Katzenschnupfen eher selten. Hustet Ihre Katze deutlich, können auch Asthma, Lungenwürmer oder eine Lungenentzündung dahinterstecken – das sollte der Tierarzt klären.

Die normale Körpertemperatur einer Katze liegt etwa zwischen 38 und 39,2 °C. Ob eine Katze Fieber hat, lässt sich nur mit einem Thermometer im Po zuverlässig messen. Eine warme oder trockene Nase sagt darüber nichts aus. Mehr dazu unter Fieber bei Katzen.

Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss

Sofort oder im Notdienst, wenn Ihre Katze

  • mit offenem Maul atmet, nach Luft ringt oder bläuliche Schleimhäute hat,
  • ein Kitten ist und nicht mehr trinkt oder saugt – Kitten können an Katzenschnupfen sterben,
  • länger als 24 Stunden gar nichts frisst; besonders bei übergewichtigen Katzen droht eine lebensgefährliche Leberverfettung,
  • sehr matt ist, sich versteckt und nicht mehr aufsteht.

In den nächsten ein bis zwei Tagen, wenn

  • ein Auge zugekniffen, trüb oder verletzt aussieht – Hornhautgeschwüre können das Auge kosten,
  • der Ausfluss eitrig wird, Fieber dazukommt oder die Katze auffällig wenig frisst,
  • die Beschwerden nach drei bis vier Tagen nicht besser werden oder schlimmer werden,
  • eine ältere Katze oder eine Katze mit Vorerkrankungen erkrankt.

Was der Tierarzt tut

Der Tierarzt untersucht Augen, Maulhöhle, Nase und Lunge und misst Fieber. Oft reicht das für die Diagnose. Bei schweren oder wiederkehrenden Fällen lassen sich die Erreger mit einem Abstrich nachweisen. Behandelt wird je nach Befund mit Augensalben, bei bakterieller Beteiligung mit Antibiotika, mit Schmerzmitteln bei Maulgeschwüren, Infusionen bei ausgetrockneten Katzen und manchmal mit Inhalationen. Gegen Herpesviren gibt es wirksame Augenmedikamente und Mittel zum Einnehmen, die der Tierarzt verschreiben kann. Katzen, die nicht fressen, bekommen appetitanregende Mittel oder vorübergehend eine Ernährungssonde.

Was Sie zu Hause tun können

  1. Warm und ruhig halten. Ein warmer, zugfreier Platz mit Decke, gern in der Nähe der Heizung. Die Katze bleibt drinnen, bis sie gesund ist – auch um andere Katzen nicht anzustecken.
  2. Zum Fressen bringen. Wärmen Sie Nassfutter auf etwa Körpertemperatur an, damit es stärker riecht. Stark riechende Sorten und kleine Portionen helfen. Eine ungesalzene, selbst gekochte Hühnerbrühe ohne Zwiebeln und Knoblauch kann den Appetit anregen und liefert Flüssigkeit, ersetzt aber kein Futter. Bei Maulgeschwüren ist weiches Futter besser als Trockenfutter.
  3. Trinken fördern. Frisches Wasser an mehreren Stellen, Nassfutter mit etwas zusätzlichem Wasser.
  4. Augen und Nase sauber halten. Verkrustungen mehrmals täglich mit einem weichen Tuch oder Wattepad und lauwarmem Wasser oder physiologischer Kochsalzlösung abtupfen, für jedes Auge ein neues. Keinen Kamillentee, er kann die Augen reizen.
  5. Feuchte Luft. Trockene Heizungsluft reizt die Schleimhäute. Feuchte Tücher auf der Heizung oder ein Luftbefeuchter helfen. Manche Tierärzte empfehlen, die Katze eine Viertelstunde mit ins dampfige Badezimmer zu nehmen oder mit Kochsalzlösung zu inhalieren.
  6. Kranke Katze trennen. In Mehrkatzenhaushalten eigene Näpfe und Klo für die kranke Katze, Hände waschen nach dem Kontakt.
Süße weiße Katze trinkt aus einem Katzenbrunnen
Weiße Katze trinkt aus einem Trinkbrunnen – Flüssigkeit ist bei Schnupfen besonders wichtig

Was Sie nicht tun sollten

  • Keine Medikamente für Menschen. Paracetamol ist für Katzen hochgiftig, auch Ibuprofen und ASS sind gefährlich. Abschwellende Nasentropfen für Menschen gehören nicht in eine Katzennase.
  • Keine ätherischen Öle. Eukalyptus, Teebaumöl, Menthol und Erkältungsbalsam sind für Katzen giftig, auch als Duftlampe oder Inhalation.
  • Kein Lebertran und keine Vitaminkuren auf eigene Faust. Lebertran enthält viel Vitamin A, das sich bei Katzen anreichert und in hohen Mengen schadet.
  • Keine Milch und keinen Quark. Viele erwachsene Katzen vertragen Milchzucker schlecht und bekommen Durchfall.
  • Kein Honig, keine Tees. Sie helfen nicht und sind überflüssig.

Homöopathische Mittel haben keine nachgewiesene Wirkung gegen Katzenschnupfen, siehe Homöopathie für Katzen.

Katze schläft auf Katzenkissen zugedeckt mit einer Decke
Katze schläft zugedeckt auf einem Kissen – viel Ruhe hilft beim Gesundwerden

Vorbeugen: Impfen und Stress vermeiden

Die wirksamste Vorbeugung ist die Impfung. Nach der Leitlinie der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) gehört die Impfung gegen Katzenschnupfen (Herpes- und Calicivirus) zu den Kernimpfungen für jede Katze, auch für Wohnungskatzen. Sie verhindert eine Ansteckung nicht immer sicher, macht die Erkrankung aber deutlich milder. Einzelheiten zum Impfplan finden Sie unter Katzen impfen.

Weil Stress ein schlummerndes Herpesvirus wecken kann, helfen auch eine ruhige Umgebung, Rückzugsorte, behutsame Eingewöhnung neuer Katzen und gute Vorbereitung auf Pension oder Umzug. Neue Katzen sollten erst nach einem Tierarztcheck zu Ihren anderen Katzen ziehen. Freigänger brauchen im Winter einen trockenen Unterschlupf und einen warmen Platz, wenn sie nass heimkommen – nicht, weil Nässe allein krank macht, sondern weil Kälte die Abwehr schwächt.

Die Empfehlung lautet: Pflegen Sie eine leicht verschnupfte Katze einige Tage selbst, halten Sie sie warm und bringen Sie sie zum Fressen. Sobald sie nicht frisst, schwer atmet, ein Auge zukneift oder es nach drei bis vier Tagen nicht besser wird, gehört sie in die Praxis – Kitten sofort.

Häufige Fragen

Kann ich meine Katze mit meiner Erkältung anstecken?

Die gewöhnlichen Erkältungsviren des Menschen befallen Katzen nicht. Umgekehrt gilt Katzenschnupfen für Menschen als ungefährlich. Sehr selten wurden Bindehautentzündungen beim Menschen durch Katzen-Chlamydien beschrieben; Händewaschen nach dem Augensäubern ist daher sinnvoll.

Wie lange dauert Katzenschnupfen?

Leichte Verläufe bessern sich meist innerhalb von ein bis zwei Wochen, schwere Fälle können mehrere Wochen dauern. Manche Katzen behalten einen chronischen Schnupfen oder bekommen bei Stress immer wieder Schübe, weil das Herpesvirus im Körper bleibt.

Ist Katzenschnupfen für andere Katzen ansteckend?

Ja, sehr. Trennen Sie die kranke Katze, geben Sie ihr eigene Näpfe und eine eigene Toilette und waschen Sie nach dem Kontakt die Hände. Geimpfte Mitbewohner erkranken seltener und milder. Genesene Katzen können die Erreger weiter ausscheiden, auch ohne selbst Anzeichen zu zeigen.

Muss eine Wohnungskatze gegen Katzenschnupfen geimpft werden?

Ja. Die StIKo Vet zählt die Impfung zu den Kernimpfungen für alle Katzen, weil die Erreger auch über Menschen, Kleidung oder neue Mitbewohner in die Wohnung kommen und ungeimpfte Katzen schwer erkranken können.