Katze rollig: Anzeichen, Dauer und was wirklich hilft

Inhalt8 Abschnitte
Eine Katze ist rollig, wenn sie paarungsbereit ist: Sie maunzt laut und klagend, wälzt sich am Boden, reibt sich an allem und streckt das Hinterteil in die Höhe. Die erste Rolligkeit kommt meist zwischen dem fünften und neunten Lebensmonat, eine Phase dauert etwa eine Woche. Wer keinen Nachwuchs will, lässt die Katze vorher kastrieren – sonst wiederholt sich das Ganze alle paar Wochen.
Woran Sie eine rollige Katze erkennen
Die Anzeichen sind unverwechselbar, auch wenn Halter sie beim ersten Mal manchmal für Schmerzen halten:
- lautes, langgezogenes Rufen und Maunzen, gern nachts
- Wälzen und Rollen auf dem Boden – daher der Name
- Duldungsstellung: Vorderkörper geduckt, Hinterteil angehoben, Schwanz zur Seite gelegt, Treteln mit den Hinterbeinen
- auffälliges Reiben von Kopf und Körper an Möbeln, Beinen und Türrahmen
- sehr anhänglich und schmusig, manche Katzen auch gereizt
- starker Drang nach draußen, Ausbruchsversuche an Tür und Fenster
- manchmal weniger Appetit und gelegentlich Markieren mit Urin
Anders als bei der Hündin gibt es bei der Katze keine sichtbare Blutung. Blut aus der Scheide ist bei einer Katze kein Zeichen von Rolligkeit und gehört zum Tierarzt. Das ständige Rufen ist übrigens keine Klage über Schmerzen – mehr zum Thema Lautäußerungen unter Die Katze miaut ständig.
Ab wann eine Katze rollig wird
Die Geschlechtsreife setzt meist zwischen dem fünften und neunten Lebensmonat ein, bei manchen Katzen schon mit vier Monaten, bei anderen erst gegen Ende des ersten Lebensjahres. Frühreif sind oft orientalische Rassen wie Siam, spät dran sind häufig große Rassen und langhaarige Katzen wie Perser. Auch die Jahreszeit spielt mit: Eine Katze, die im Frühjahr geboren ist, wird unter Umständen noch im Herbst rollig, eine Winterkatze erst im folgenden Frühjahr.
Kater werden in einem ähnlichen Alter geschlechtsreif. Unkastrierte Kater markieren dann mit stark riechendem Urin, streunen und kämpfen um Reviere.
Wie lange und wie oft
Katzen sind saisonal polyöstrisch: Sie werden in der Paarungszeit mehrmals rollig, und die wird vom Tageslicht gesteuert. In Mitteleuropa beginnt sie mit den längeren Tagen etwa ab Januar oder Februar und klingt im Herbst aus. Wohnungskatzen, die viel Kunstlicht bekommen, können das ganze Jahr über rollig werden.
Eine Rolligkeit dauert durchschnittlich etwa eine Woche, mit einer Spanne von wenigen Tagen bis gut zwei Wochen. Katzen haben eine sogenannte induzierte Ovulation: Der Eisprung wird in der Regel erst durch den Deckakt ausgelöst. Wird die Katze nicht gedeckt, findet meist kein Eisprung statt, und sie wird nach etwa zwei bis drei Wochen erneut rollig. Bei manchen Katzen folgen die Rolligkeiten so dicht aufeinander, dass sie kaum noch zur Ruhe kommen. Hinter einer Dauerrolligkeit können auch Eierstockzysten stecken – ein Fall für den Tierarzt.
Wird eine Katze gedeckt, dauert die Trächtigkeit rund 63 bis 67 Tage, ein Wurf umfasst meist drei bis fünf Junge. Da eine Katze in einer Rolligkeit von mehreren Katern gedeckt werden kann, haben Geschwister eines Wurfs nicht selten verschiedene Väter. Schon während der Säugezeit oder kurz danach kann die nächste Rolligkeit beginnen. Mehr dazu unter Trächtigkeit einer Katze.

Kastration statt Sterilisation
Wer keine Zucht betreibt, sollte seine Katze kastrieren lassen, und zwar Katze wie Kater. Wichtig ist der Unterschied der Begriffe: Bei der Kastration werden die Eierstöcke (bei älteren Katzen manchmal auch die Gebärmutter) entfernt. Damit fallen die Geschlechtshormone weg – die Katze wird nie wieder rollig. Bei einer Sterilisation werden nur die Eileiter durchtrennt. Die Katze kann dann nicht mehr trächtig werden, die Hormone bleiben aber erhalten, und damit auch das Rufen, Wälzen und Streunen. Deshalb wird bei Katzen fast ausschließlich kastriert.
Den Zeitpunkt bespricht man mit dem Tierarzt; viele Praxen kastrieren heute vor der ersten Rolligkeit, also etwa ab dem vierten bis sechsten Lebensmonat. Das senkt auch das Risiko für Gesäugetumoren und verhindert Gebärmutterentzündungen. Viele Städte und Gemeinden haben inzwischen Katzenschutzverordnungen, nach denen Freigänger kastriert und gekennzeichnet sein müssen – die Grundlage dafür ist § 13b des Tierschutzgesetzes. Mehr zum Eingriff steht unter Kastration bei Katzen.
Warum Hormonpräparate keine Lösung sind
Gegen die Rolligkeit gibt es Hormonspritzen und die sogenannte Katzenpille mit Gestagenen. Sie unterdrücken die Rolligkeit zwar, können aber Diabetes, Gesäugetumoren und eitrige Gebärmutterentzündungen begünstigen. Tierärzte setzen sie daher allenfalls kurzfristig ein, etwa bei Zuchtkatzen, und nie ohne Untersuchung. Für eine Hauskatze, die einfach Ruhe haben soll, ist die Kastration die deutlich schonendere Lösung.
So kommen Katze und Halter durch die rollige Zeit
Bis zum Kastrationstermin lässt sich die Rolligkeit nicht abkürzen, aber erträglicher machen:
- Katze sicher drinnen halten. Fenster und Katzenklappe schließen, gekippte Fenster sichern. Rollige Katzen entwischen erstaunlich einfallsreich.
- Kein unkastrierter Kater in der Nähe. Auch im selben Haushalt müssen Katze und Kater konsequent getrennt werden, sonst ist der erste Wurf nur eine Frage von Tagen.
- Beschäftigen. Ausgiebige Spielrunden mit Angel oder Ball lenken ab und machen müde.
- Wärme und Nähe anbieten. Viele rollige Katzen suchen Körperkontakt und warme Liegeplätze, ein Kirschkernkissen oder eine Decke auf der Heizung kommt oft gut an.
- Toilette sauber halten. Eine sehr saubere Katzentoilette mindert das Risiko, dass die Katze anderswo markiert.
- Geduld statt Strafe. Die Katze kann nichts für ihre Hormone. Schimpfen oder Wegsperren ändert nichts am Verhalten.
Katzenminze kann manche Katzen kurz ablenken, etwa ein Drittel reagiert allerdings gar nicht darauf. Für Pheromonstecker ist ein Nutzen gegen Rolligkeit nicht belegt. Homöopathische Mittel haben keine Wirkung, die über Placebo hinausgeht.
Wann Ihre Katze zum Tierarzt sollte
Rolligkeit ist keine Krankheit. Zum Tierarzt sollten Sie aber, wenn Ihre Katze Ausfluss aus der Scheide hat, besonders eitrigen oder blutigen, wenn sie viel trinkt, matt wirkt oder einen aufgetriebenen Bauch hat – das können Zeichen einer Gebärmutterentzündung sein, die lebensgefährlich werden kann. Auch eine Katze, die kaum noch aus der Rolligkeit herauskommt, sollte untersucht werden. Unsere Empfehlung: Lassen Sie Ihre Katze kastrieren, bevor sie Freigang bekommt und am besten bevor sie das erste Mal rollig wird.
Häufige Fragen
Hat eine rollige Katze Schmerzen?
Nach heutigem Wissen nicht. Das Rufen und Wälzen gehört zum Paarungsverhalten und ist keine Schmerzäußerung. Belastend kann die Rolligkeit trotzdem sein, besonders wenn sie sich ständig wiederholt und die Katze nicht zur Ruhe kommt.
Darf man eine rollige Katze kastrieren?
Grundsätzlich ist das möglich, viele Tierärzte warten aber lieber das Ende der Rolligkeit ab, weil die Gebärmutter dann weniger durchblutet ist. Wie in Ihrem Fall vorgegangen wird, entscheidet die Praxis.
Sollte eine Katze einmal Junge bekommen, bevor sie kastriert wird?
Nein. Für die Gesundheit oder den Charakter der Katze bringt ein Wurf keinen Vorteil. Angesichts voller Tierheime und vieler verwilderter Katzen sprechen Tierschutzorganisationen sich klar dagegen aus.
Wird eine Wohnungskatze auch rollig?
Ja, und oft auch außerhalb der üblichen Saison, weil Kunstlicht die kurzen Wintertage ausgleicht. Auch ohne Kater in Sichtweite rufen und wälzen sich unkastrierte Wohnungskatzen – und versuchen bei jeder Gelegenheit zu entwischen. Mehr zur Haltung unter Die Wohnungskatze.



