Welche Katzenrassen ohne Fell gibt es?

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Katzen ohne Fell gibt es in mehreren Rassen: Am bekanntesten ist die Sphynx aus Kanada, dazu kommen die russischen Rassen Don Sphynx und Peterbald sowie neuere Kreuzungen wie Bambino, Elf und Ukrainische Levkoy. Nacktkatzen sind weder pflegeleicht noch allergikerfreundlich, und weil ihnen oft die Tasthaare fehlen und die Haut schutzlos ist, gilt ihre Zucht als Qualzucht. Hier finden Sie die Rassen im Überblick und was die Haltung bedeutet.
Wie Haarlosigkeit bei Katzen entsteht
Nacktheit ist bei Katzen eine spontane Genveränderung, die immer wieder bei Hauskatzen auftritt. Züchter haben solche Tiere aufgegriffen und gezielt weitervermehrt. Die Rassen beruhen dabei auf unterschiedlichen Genveränderungen: Bei der Sphynx wird die Haarlosigkeit rezessiv vererbt – beide Eltern müssen die Anlage weitergeben. Bei Don Sphynx und Peterbald wird sie dominant vererbt, eine Kopie genügt.
Völlig kahl sind die meisten Nacktkatzen nicht. Viele tragen einen feinen, pfirsichartigen Flaum, besonders an Nase, Ohren, Schwanz und Pfoten, und manche Tiere haben je nach Jahreszeit und Alter mehr oder weniger Haar. Die Haut selbst ist nicht dicker als bei behaarten Katzen und schützt auch nicht besser vor Parasiten, wie gelegentlich behauptet wird.
Die Nacktkatzen-Rassen im Überblick
| Rasse | Herkunft | Vererbung / Abstammung | Besonderheit |
| Sphynx | Kanada, ab 1966 | rezessiv | bekannteste Nacktkatze, kompakt, große Ohren |
| Don Sphynx (Donskoy) | Russland (Rostow am Don), ab 1987 | dominant | kräftig, Fell kann im Lauf des Lebens ausfallen |
| Peterbald | Russland (St. Petersburg), ab 1994 | Don Sphynx × Orientalisch Kurzhaar | schlank, orientalischer Typ |
| Bambino | USA, 2000er Jahre | Sphynx × Munchkin | zusätzlich verkürzte Beine |
| Elf | USA, 2000er Jahre | Sphynx × American Curl | zusätzlich nach hinten gebogene Ohren |
| Ukrainische Levkoy | Ukraine, 2000er Jahre | Don Sphynx × Scottish Fold | zusätzlich gefaltete Ohren |
Bambino, Elf und Levkoy sind von den großen Verbänden überwiegend nicht anerkannt. Bei ihnen kommen zur Haarlosigkeit weitere Merkmale hinzu, die selbst als problematisch gelten: die Wachstumsstörung der Munchkin und die Knorpelerkrankung der Schottischen Faltohrkatze. Eine „Kohana“ aus Hawaii, die angeblich völlig haarlos sein soll, ist keine anerkannte Rasse, und die „Mexican Hairless“ vom Anfang des 20. Jahrhunderts ist nur durch einzelne Berichte bekannt.
Die Sphynx: Herkunft und Wesen

Trotz ihres Namens hat die Sphynx nichts mit dem alten Ägypten zu tun. Der erste bekannte haarlose Wurf, aus dem gezielt weitergezüchtet wurde, kam 1966 in Toronto zur Welt; die heutigen Linien gehen vor allem auf nackte Kitten aus Kanada und Minnesota in den 1970er Jahren zurück, die mit behaarten Katzen weiterverpaart wurden. Sie ist mittelgroß und muskulös, mit großen Ohren, zitronenförmigen Augen und faltiger Haut an Kopf und Schultern. Farben und Muster zeigen sich als Pigmentierung der Haut; es gibt sie in praktisch allen Farben, nicht nur schwarz oder schildpatt.
Vom Wesen her gelten Sphynx-Katzen als ausgesprochen menschenbezogen, neugierig und verspielt. Sie suchen Körperwärme, kriechen unter die Bettdecke und folgen ihren Menschen. Allein bleiben sie ungern; eine zweite Katze ist bei Berufstätigen sinnvoll.
Warum Nacktkatzen als Qualzucht gelten
§ 11b Tierschutzgesetz verbietet, Wirbeltiere zu züchten, wenn bei den Nachkommen erblich bedingt Körperteile fehlen oder untauglich sind und dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden zu erwarten sind. Bei Nacktkatzen trifft das in mehreren Punkten zu:
- Fehlende oder verkrümmte Tasthaare. Schnurrhaare sind ein Sinnesorgan für Orientierung, Beutefang und Kommunikation. Vielen Nacktkatzen fehlen sie ganz oder sie sind kurz und gekräuselt.
- Kein Schutz vor Kälte. Nacktkatzen kühlen rasch aus und brauchen dauerhaft warme Räume.
- Kein Schutz vor Sonne. Die Haut bekommt schnell Sonnenbrand; auf Dauer steigt das Risiko für Hautschäden.
- Hautprobleme. Talg sammelt sich auf der Haut, Akne und Entzündungen, besonders an Krallenfalzen und in den Ohren, sind häufig.
Hinzu kommen rassetypische Erbkrankheiten: Bei der Sphynx ist die Herzmuskelverdickung HCM verbreitet, außerdem eine erbliche Muskelschwäche (kongenitales myasthenes Syndrom), für die ein Gentest existiert. Tierschutzorganisationen und die Tierärzteschaft zählen haarlose Rassen deshalb zu den Qualzuchten. Die ehrliche Empfehlung: Kaufen Sie keine Nacktkatze beim Züchter. Nacktkatzen aus dem Tierschutz ein gutes Zuhause zu geben, ist dagegen sinnvoll.
Nacktkatzen und Allergie
Der häufigste Grund, eine Nacktkatze zu wollen, ist eine Katzenallergie – und genau hier liegt der größte Irrtum. Das wichtigste Katzenallergen, Fel d 1, wird in Speicheldrüsen und Talgdrüsen der Haut gebildet. Beim Putzen verteilt die Katze es auf ihrer Haut, von dort gelangt es in die Wohnung. Ob Fell daran hängt oder nicht, ist zweitrangig. Viele Allergiker reagieren auf Nacktkatzen genauso stark wie auf behaarte Katzen. Wer allergisch ist, sollte vor jeder Anschaffung mit dem Allergologen sprechen und länger Kontakt mit dem Tier haben. Katzen, die wenig Haare verlieren, stellt der Beitrag Katzenrassen, die wenig haaren vor – auch sie sind für Allergiker keine sichere Lösung.
Was die Haltung einer Nacktkatze bedeutet
Wer bereits eine Nacktkatze hat, braucht einige Regeln:
- Warm halten. Raumtemperatur nicht zu niedrig, Kuschelhöhlen und Decken bereitstellen, im Winter keine Zugluft. Freigang ist nicht geeignet.
- Vor Sonne schützen. Pralle Sonne auch hinter Fensterglas meiden. Sonnencreme für Menschen nicht verwenden; manche Inhaltsstoffe sind für Katzen, die sich ablecken, bedenklich.
- Haut pflegen. Talg mit einem feuchten Tuch abwischen oder bei Bedarf mit einem milden Katzenshampoo baden – nicht zu häufig, sonst trocknet die Haut aus. Ohren und Krallenfalze regelmäßig reinigen.
- Augen kontrollieren. Ohne Wimpern gelangen Staub und Fremdkörper leichter ins Auge.
- Etwas mehr Futter. Nacktkatzen verbrauchen Energie zum Warmhalten und brauchen oft mehr Futter als behaarte Katzen. Die Menge richtet sich trotzdem nach Figur und Gewicht, nicht nach dem Betteln.
Mit dem Fell entfällt zwar das Bürsten, der Pflegeaufwand ist aber nicht geringer, sondern nur anders.
Wann eine Nacktkatze zum Tierarzt muss
Gehen Sie zum Tierarzt, wenn die Haut gerötet, verkrustet, nässend oder entzündet ist, wenn sich Pusteln bilden oder die Katze sich ständig kratzt. Sofort bei Atemnot, plötzlicher Lähmung der Hinterbeine, starker Schwäche oder Anzeichen von Unterkühlung wie Zittern und Teilnahmslosigkeit. Ein Herzultraschall ist bei der Sphynx auch ohne Symptome sinnvoll.
Häufige Fragen
Sind Nacktkatzen für Allergiker geeignet?
Nein, nicht zuverlässig. Das Hauptallergen Fel d 1 stammt aus Speichel und Hautdrüsen, nicht aus dem Fell. Viele Allergiker reagieren auf Nacktkatzen genauso.
Welche Katze hat gar keine Haare?
Keine Rasse ist zuverlässig völlig haarlos. Sphynx, Don Sphynx und nackte Peterbalds tragen meist einen feinen Flaum, der sich je nach Alter und Jahreszeit verändert.
Frieren Nacktkatzen?
Ja. Ohne Fell kühlen sie schnell aus und suchen ständig Wärme. Warme Räume, Kuschelplätze und Schutz vor Zugluft sind Pflicht.
Ist die Zucht von Nacktkatzen in Deutschland erlaubt?
Ein ausdrückliches Verbot einzelner Rassen gibt es nicht. § 11b Tierschutzgesetz untersagt aber die Zucht, wenn erblich bedingte Schäden zu erwarten sind, und Fachleute ordnen die Zucht haarloser Katzen genau so ein – vor allem wegen fehlender Tasthaare.



