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katzenwelt

Türkisch Angora: Herkunft, Wesen und Gesundheit

Christoph · 5 Min. Lesezeit

Türkisch Angora
Türkisch Angora
Inhalt8 Abschnitte
  1. Herkunft: die Katze aus Ankara
  2. Aussehen
  3. Wesen: verspielt und menschenbezogen
  4. Haltung
  5. Pflege
  6. Rassetypische Erkrankungen
  7. Worauf Sie beim Züchter achten sollten
  8. Häufige Fragen

Die Türkisch Angora ist eine zierliche, elegante Halblanghaarkatze aus Anatolien mit seidigem Fell, das kaum verfilzt. Sie gilt als verspielt, klug und stark an ihre Menschen gebunden. Klassisch ist sie weiß, heute sind viele Farben zugelassen. Wer eine weiße Angora mit blauen Augen möchte, sollte wissen, dass diese Tiere häufig taub sind – und dass bei der Rasse einige Erbkrankheiten bekannt sind, auf die ein guter Züchter testet.

HerkunftTürkei (Anatolien, Region Ankara)
Größe/Gewichtklein bis mittelgroß, schlank; etwa 2,5–5 kg
Fellhalblang, seidig, kaum Unterwolle; viele Farben, klassisch weiß
Augenbernstein, grün, blau oder verschiedenfarbig
Lebenserwartungmeist 12–16 Jahre
Wesenverspielt, intelligent, menschenbezogen, aktiv
Pflegeaufwandgering bis mittel

Herkunft: die Katze aus Ankara

„Angora“ ist der alte Name der türkischen Hauptstadt Ankara. Langhaarige Katzen aus dieser Region kamen spätestens im 17. Jahrhundert nach Europa und waren an Adelshöfen begehrt. Später wurden sie mit anderen Langhaarkatzen vermischt und gingen in der Zucht der Perserkatze weitgehend auf – in Europa nannte man lange fast jede langhaarige Katze „Angora“.

Die heutige Rasse geht auf Tiere zurück, die im 20. Jahrhundert aus der Türkei exportiert wurden, unter anderem aus dem Zuchtprogramm des Zoos von Ankara, der sich vor allem um weiße Angorakatzen kümmert. In den USA und in Europa wurde die Türkisch Angora ab den 1960er und 1970er Jahren als eigene Rasse aufgebaut; der europäische Dachverband FIFe erkannte sie 1988 an. Zunächst waren nur weiße Tiere zugelassen, inzwischen sind es fast alle Farben.

Aussehen

Die Türkisch Angora ist feingliedrig und langgestreckt, mit schlanken Beinen, kleinen ovalen Pfoten und einem keilförmigen Kopf. Die großen, hoch angesetzten Ohren tragen oft Haarbüschel. Besonders auffällig ist der lange, buschige Schwanz, der wie eine Fahne getragen wird.

Das Fell ist halblang, fein und seidig und hat kaum Unterwolle. Im Winter bildet sich eine Halskrause und dichtere „Hosen“ an den Hinterbeinen; im Sommer wirkt die Katze fast kurzhaarig. Die volle Fellpracht entwickelt sich erst mit etwa zwei Jahren.

Zwischen der Türkisch Angora und der deutlich kräftigeren Türkisch Van wird oft verwechselt. Die Van ist größer, schwerer und trägt Farbe nur an Kopf und Schwanz.

Wesen: verspielt und menschenbezogen

Türkisch Angoras sind aktive, neugierige Katzen, die bis ins Alter gern spielen. Viele lernen schnell Tricks, apportieren oder öffnen Türen. Sie suchen die Nähe ihrer Menschen, begleiten sie durch die Wohnung und wollen beteiligt sein, bestimmen aber selbst, wann geschmust wird.

Mit Kindern, anderen Katzen und katzenerfahrenen Hunden kommen sie bei guter Sozialisierung meist gut aus. Für Einsteiger eignen sie sich, wenn genug Zeit für Spiel und Beschäftigung da ist – mehr dazu unter Welche Katzenrassen für Anfänger geeignet sind.

Haltung

Die Türkisch Angora kann gut in der Wohnung leben, wenn sie genug Kletter- und Aussichtsplätze hat. Ein vernetzter Balkon ist eine gute Ergänzung. Weil sie sehr gesellig ist, sollte sie nicht regelmäßig viele Stunden allein bleiben; bei Berufstätigen ist eine zweite, ähnlich aktive Katze sinnvoll.

Für taube Katzen gilt eine besondere Regel: kein unbeaufsichtigter Freigang. Eine Katze, die kein Auto hört, ist im Straßenverkehr stark gefährdet. In der Wohnung kommen taube Katzen gut zurecht; man verständigt sich über Sichtzeichen, Lichtsignale und Vibrationen.

Weiße Türkisch Angora mit seidigem, halblangem Fell
Weiße Türkisch Angora – bei blauen Augen ist ein Hörtest wichtig

Pflege

Weil die Unterwolle fehlt, verfilzt das Fell der Angora wenig. Ein- bis zweimal pro Woche mit einem Metallkamm mit abgerundeten Zinken durchkämmen genügt meist; im Fellwechsel im Frühjahr öfter. Achten Sie auf Achseln und Hosen, dort bilden sich am ehesten Knoten. Gewöhnen Sie Kitten früh und in kurzen Einheiten an Kamm, Katzenbürste und Krallenkontrolle. Weißes Fell kann sich um Augen und Maul verfärben; sanftes Abwischen mit einem feuchten Tuch reicht in der Regel.

Rassetypische Erkrankungen

  • Taubheit bei weißen Tieren: Weiße Fellfarbe entsteht bei der Angora durch ein dominantes Gen, das bei vielen Tieren auch die Entwicklung des Innenohrs stört. Besonders häufig sind weiße Katzen mit zwei blauen Augen taub; bei verschiedenfarbigen Augen ist oft das Ohr auf der Seite des blauen Auges betroffen. Das gilt für weiße Katzen aller Rassen.
  • Erbliche Ataxie: eine seltene, rezessiv vererbte Erkrankung des Nervensystems. Betroffene Kitten zittern, schwanken und können sich nicht koordiniert bewegen; sie sterben meist früh. Träger sind gesund, deshalb ist eine sorgfältige Zuchtplanung wichtig.
  • Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM): eine Verdickung des Herzmuskels, die auch bei der Türkisch Angora beschrieben ist. Sie lässt sich nur per Herzultraschall erkennen.

Ansonsten gilt die Rasse als robust. Wie bei jeder Katze gehören Impfungen nach der Leitlinie der StIKo Vet, regelmäßige Entwurmung nach Risiko und ein jährlicher Gesundheitscheck dazu.

Worauf Sie beim Züchter achten sollten

  1. Verein und Stammbaum eines anerkannten Verbands.
  2. Hörtest bei weißen Tieren: Ein seriöser Züchter lässt weiße Elterntiere und Kitten mit einem objektiven Hörtest (BAER-Test beim Tierarzt) untersuchen und züchtet nicht mit tauben Katzen.
  3. Herzultraschall der Elterntiere auf HCM.
  4. Keine Ataxiefälle in der Linie – fragen Sie offen danach.
  5. Abgabe nicht vor der 12. Lebenswoche, geimpft, entwurmt, gechippt, mit Kaufvertrag; Besuch der Mutterkatze vor Ort.

Wer eine taube Angora bewusst aufnimmt, muss nicht zögern: Mit Wohnungshaltung und etwas Anpassung leben taube Katzen gut. Nur züchten sollte man mit ihnen nicht.

Häufige Fragen

Sind alle weißen Türkisch Angoras taub?

Nein, aber das Risiko ist hoch, vor allem bei zwei blauen Augen. Weiße Katzen mit bernsteinfarbenen oder grünen Augen sind seltener betroffen. Gewissheit bringt nur ein Hörtest beim Tierarzt.

Wie unterscheidet sich die Türkisch Angora von der Perserkatze?

Die Angora ist schlank und langbeinig, hat einen keilförmigen Kopf und seidiges Fell fast ohne Unterwolle. Die Perserkatze ist kompakt, hat einen runden Kopf, eine oft verkürzte Nase und dichtes Fell mit viel Unterwolle, das täglich gekämmt werden muss.

Braucht eine Türkisch Angora Freigang?

Nein. Mit genug Beschäftigung, Kletterflächen und Gesellschaft ist sie als Wohnungskatze zufrieden. Taube Tiere sollten nie unbeaufsichtigt ins Freie.

Haart die Türkisch Angora stark?

Weniger, als man bei einer Langhaarkatze erwartet, weil die Unterwolle fehlt. Im Fellwechsel verliert sie trotzdem spürbar Haare.