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katzenwelt

Schilddrüsenunterfunktion bei Katzen: selten, aber wichtig

Christoph · 5 Min. Lesezeit

Dicke, müde Katze liegt auf dem Boden
Wird eine Katze träge und dick, steckt nur selten die Schilddrüse dahinter – häufiger ist es schlicht Übergewicht
Inhalt9 Abschnitte
  1. Was die Schilddrüse leistet
  2. Die drei Ursachen
  3. Woran Sie eine Unterfunktion erkennen
  4. Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss
  5. So stellt der Tierarzt die Diagnose
  6. Behandlung
  7. Was Sie begleitend tun können
  8. Unsere Empfehlung
  9. Häufige Fragen

Eine Schilddrüsenunterfunktion ist bei Katzen selten – ganz anders als beim Hund, bei dem sie zu den häufigen Hormonerkrankungen zählt. Wenn sie auftritt, dann meist als Folge der Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion. Seltener ist sie angeboren und zeigt sich dann schon bei Kätzchen. Eine Katze, die einfach dick und träge wird, hat deshalb fast immer eine andere Ursache.

Was die Schilddrüse leistet

Die Schilddrüse liegt mit zwei kleinen Lappen seitlich an der Luftröhre. Ihre Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) regeln, wie schnell der Stoffwechsel läuft: Körperwärme, Herzschlag, Energieverbrauch, Wachstum von Haut, Fell und Knochen. Bildet die Schilddrüse zu wenig davon, läuft alles auf Sparflamme – das ist die Unterfunktion, fachlich Hypothyreose.

Bei Katzen ist das Gegenteil viel häufiger: Die Schilddrüsenüberfunktion betrifft einen großen Teil der Senioren. Die Unterfunktion ist vor allem ihr Schatten.

Die drei Ursachen

Nach der Behandlung einer Überfunktion (am häufigsten)

Wird eine Überfunktion mit radioaktivem Jod oder einer Operation behandelt, kann zu viel gesundes Schilddrüsengewebe mit verloren gehen. Auch Tabletten gegen die Überfunktion können, zu hoch dosiert, die Hormonbildung zu stark drosseln. Tierärzte sprechen dann von einer iatrogenen, also durch die Behandlung ausgelösten Unterfunktion. Das MSD Veterinary Manual nennt sie als bekannte Folge vor allem der Radiojodtherapie.

Das ist kein Behandlungsfehler, sondern ein bekanntes Risiko, auf das die Nachkontrollen achten. Wichtig ist es trotzdem: Eine Unterfunktion verschlechtert bei vielen Katzen die Nierenfunktion. Wird sie ausgeglichen, bessern sich die Nierenwerte oft wieder.

Angeboren

Selten kommen Kätzchen mit einer fehlenden oder nicht richtig arbeitenden Schilddrüse oder einem Fehler in der Hormonbildung zur Welt. In den ersten Wochen fällt das kaum auf. Ab etwa dem zweiten Lebensmonat bleiben sie hinter den Wurfgeschwistern zurück.

Von selbst im Erwachsenenalter

Dass die Schilddrüse einer erwachsenen Katze ohne vorherige Behandlung ihre Arbeit einstellt, ist eine ausgesprochene Rarität und nur in Einzelfällen beschrieben.

Woran Sie eine Unterfunktion erkennen

Bei erwachsenen Katzen, meist einige Wochen bis Monate nach der Behandlung einer Überfunktion:

  • Mattigkeit, viel Schlafen, wenig Interesse an Spiel und Umgebung
  • Gewichtszunahme, obwohl die Katze nicht mehr frisst
  • trockenes, schuppiges, glanzloses Fell, das schlecht nachwächst oder verfilzt, weil die Katze sich weniger putzt
  • Kälteempfindlichkeit, Aufsuchen warmer Plätze
  • langsamer Herzschlag
  • steigende Nierenwerte bei der Kontrolle

Bei Kätzchen mit angeborener Unterfunktion:

  • verzögertes Wachstum mit kurzen Beinen, gedrungenem Körper und breitem Kopf (unproportionierter Zwergwuchs)
  • verzögerter Zahnwechsel
  • Trägheit, wenig Spieltrieb
  • Verstopfung
  • dichtes, flaumiges Welpenfell, das lange erhalten bleibt

Keines dieser Anzeichen ist für sich genommen eindeutig. Mattigkeit und Gewichtszunahme haben bei erwachsenen Katzen viel häufiger andere Gründe: zu viel Futter, zu wenig Bewegung, Gelenkschmerzen oder eine beginnende Krankheit.

Graue Katze liegt auf einem Tisch
Ob die Schilddrüse zu viel oder zu wenig arbeitet, zeigt nur ein Bluttest

Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss

Zeitnah, wenn Ihre Katze wegen einer Überfunktion behandelt wurde und danach deutlich träger wird, zunimmt, ihr Fell struppig wird oder sie weniger frisst. Warten Sie in dem Fall nicht bis zum nächsten Kontrolltermin.

In den nächsten Tagen, wenn ein Kätzchen deutlich langsamer wächst als seine Geschwister oder auffallend teilnahmslos ist.

Sofort, wenn die Katze sehr schwach ist, sich kalt anfühlt, kaum reagiert, nicht mehr frisst oder trinkt, schwer atmet oder keinen Urin absetzt. Das sind Notfälle, gleich welche Ursache dahintersteckt. Eine Katze, die länger als 24 Stunden nichts frisst, muss ebenfalls in die Praxis.

So stellt der Tierarzt die Diagnose

Die Diagnose stützt sich auf einen Bluttest. Ein niedriger T4-Wert allein reicht nicht, denn viele kranke Katzen haben niedrige Schilddrüsenwerte, ohne dass die Schilddrüse krank ist – der Körper fährt bei anderen Erkrankungen die Hormonproduktion herunter. Aussagekräftig ist die Kombination aus niedrigem T4 und erhöhtem TSH, dem Hormon aus der Hirnanhangdrüse, das die Schilddrüse antreibt.

Dazu kommen Blutbild, Nierenwerte und je nach Fall eine Szintigrafie der Schilddrüse oder bei Kätzchen Röntgenaufnahmen des Skeletts. Für die Blutentnahme wird meist an Vorderbein oder Hals ein kleines Stück Fell geschoren, das ist schnell erledigt.

Katze wird beim Tierarzt untersucht
Regelmäßige Blutkontrollen gehören zur Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion

Behandlung

Wie behandelt wird, hängt von der Ursache ab:

  • Nach zu hoch dosierten Tabletten gegen die Überfunktion reicht oft eine Dosisanpassung. Die Schilddrüse arbeitet dann wieder im richtigen Maß.
  • Nach Radiojodtherapie oder Operation und bei angeborener Unterfunktion bekommt die Katze Schilddrüsenhormon (Levothyroxin) als Tablette oder Flüssigkeit. Das fehlende Hormon wird dauerhaft ersetzt. Manchmal erholt sich die Schilddrüse nach Radiojod noch teilweise, dann lässt sich die Dosis später senken.

Die Dosis richtet sich nach Gewicht und Blutwerten und wird vom Tierarzt festgelegt. In den ersten Wochen folgen engmaschige Kontrollen, danach meist in Abständen von einigen Monaten. Menschliche Schilddrüsentabletten aus dem eigenen Medizinschrank sind für Katzen nicht geeignet – die Dosierung stimmt nicht, und eine Überdosis löst eine Überfunktion aus.

Bei Kätzchen mit angeborener Form wirkt die Behandlung am besten, wenn sie früh beginnt. Bereits eingetretene Wachstumsstörungen bilden sich nicht immer ganz zurück.

Was Sie begleitend tun können

  1. Gewicht im Blick behalten. Monatlich wiegen und das Futter nach Bedarf anpassen. Übergewicht ist das häufigste Ernährungsproblem bei Katzen, ganz unabhängig von der Schilddrüse.
  2. Bewegung fördern. Kurze, tägliche Spielrunden, etwa mit einer Katzenangel, helfen beim Abnehmen und halten ältere Katzen beweglich.
  3. Warm halten. Eine Decke an einem zugfreien, warmen Platz tut Katzen mit Unterfunktion gut.
  4. Fellpflege übernehmen. Solange die Katze sich wenig putzt, regelmäßig bürsten, damit das Fell nicht verfilzt.
  5. Medikamente regelmäßig geben. Zur gleichen Tageszeit, vergessene Gaben nicht doppelt nachholen.

Unsere Empfehlung

Wenn Ihre Katze wegen einer Überfunktion behandelt wird, halten Sie die Kontrolltermine ein – gerade in den ersten Monaten. So fällt eine Unterfunktion früh auf, bevor sie die Nieren belastet. Wird eine Katze ohne diese Vorgeschichte einfach dick und träge, denken Sie zuerst an Futtermenge und Bewegung und lassen Sie sie durchchecken; die Schilddrüse ist dann fast nie der Grund. Hinweise zu einer ausgewogenen Ernährung finden Sie unter Die richtige Ernährung für die Katze.

Häufige Fragen

Wie häufig ist eine Schilddrüsenunterfunktion bei Katzen?

Von selbst entstehend ist sie sehr selten. Häufiger ist sie nach der Behandlung einer Überfunktion. Wie oft, hängt von der Behandlungsart ab; nach Radiojodtherapie ist sie ein bekanntes Risiko, auf das die Nachkontrollen gezielt achten.

Muss meine Katze die Tabletten lebenslang nehmen?

Bei angeborener Unterfunktion und meist auch nach Radiojod oder Operation ja. Wurde die Unterfunktion durch zu hoch dosierte Tabletten gegen eine Überfunktion ausgelöst, genügt dagegen oft eine niedrigere Dosis, und zusätzliche Hormongaben sind nicht nötig.

Ist die Unterfunktion erblich?

Bei der angeborenen Form spielen erbliche Faktoren eine Rolle, bei einzelnen Rassen sind Familienhäufungen beschrieben. Tiere mit angeborener Unterfunktion und ihre Eltern sollten nicht zur Zucht eingesetzt werden.

Gibt es Alternativen zur Hormontablette?

Nein. Fehlendes Schilddrüsenhormon lässt sich nur durch Schilddrüsenhormon ersetzen. Pflanzliche oder homöopathische Mittel haben keine belegte Wirkung und können die nötige Behandlung verzögern.