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katzenwelt

Giardien bei der Katze: Anzeichen, Behandlung und Hygiene

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Giardien sind hochansteckend
Giardien sind hochansteckend
Inhalt9 Abschnitte
  1. Was Giardien sind
  2. Woran Sie einen Giardienbefall erkennen
  3. Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss
  4. Diagnose: warum oft mehrere Kotproben nötig sind
  5. Wie Giardien behandelt werden
  6. Hygiene zu Hause: ohne sie kommen Giardien zurück
  7. Füttern bei Durchfall
  8. Vorbeugung
  9. Häufige Fragen

Giardien sind einzellige Parasiten, die sich im Dünndarm der Katze festsetzen und vor allem bei Jungtieren hartnäckigen, immer wiederkehrenden Durchfall auslösen. Der Tierarzt weist sie im Kot nach und behandelt mit einem Tierarzneimittel über wenige Tage. Entscheidend für den Erfolg ist, was Sie zu Hause tun: Ohne gründliche Hygiene steckt sich die Katze an den ausgeschiedenen Zysten immer wieder neu an.

Was Giardien sind

Giardien (Giardia duodenalis, auch Giardia intestinalis) sind keine Würmer, sondern Einzeller. Sie kommen in zwei Formen vor: Im Darm heften sich die beweglichen Trophozoiten an die Darmschleimhaut und vermehren sich. Mit dem Kot werden dann Zysten ausgeschieden, eine Dauerform mit fester Hülle. Diese Zysten sind sofort ansteckend und halten in feuchter, kühler Umgebung wochenlang durch.

Angesteckt wird die Katze, wenn sie Zysten aufnimmt: beim Putzen des eigenen Fells, beim Beschnuppern von Kot, über verschmutztes Katzenklo, Näpfe, Pfützen oder Wasserstellen. Weil wenige Zysten genügen und infizierte Tiere sehr viele davon ausscheiden, verbreiten sich Giardien besonders leicht dort, wo viele Katzen zusammenleben: in Zuchten, Tierheimen und Mehrkatzenhaushalten.

Woran Sie einen Giardienbefall erkennen

Nicht jede infizierte Katze wird krank. Gesunde erwachsene Katzen tragen Giardien oft ohne erkennbare Beschwerden in sich und scheiden sie trotzdem aus. Kätzchen, alte Tiere und Katzen mit geschwächtem Immunsystem erkranken häufiger. Typische Anzeichen sind:

  • wiederkehrender Durchfall, oft weich bis wässrig, schleimig, übelriechend und manchmal mit etwas Blut
  • Durchfall, der kommt und geht, auch wenn er zwischendurch besser schien
  • Blähungen und ein aufgetriebener Bauch
  • Gewichtsverlust oder bei Kätzchen schlechtes Wachstum trotz Appetit
  • stumpfes Fell, Mattigkeit, gelegentlich Appetitlosigkeit
  • seltener Erbrechen

Durchfall kann viele Ursachen haben, von Futterwechsel über Würmer bis zu Infektionen. Die Anzeichen allein beweisen keinen Giardienbefall.

Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss

Hält der Durchfall länger als zwei bis drei Tage an oder kommt er immer wieder, sollte Ihre Katze in die Praxis. Bei Kätzchen warten Sie nicht so lange: Sie trocknen durch Durchfall schnell aus.

Sofort zum Tierarzt oder in den Notdienst muss Ihre Katze, wenn:

  • ein Kätzchen Durchfall hat und schlapp wirkt oder nicht mehr trinkt,
  • der Kot viel Blut enthält oder schwarz und teerartig ist,
  • die Katze mehrmals am Tag erbricht, zusätzlich Durchfall hat oder Fieber zeigt,
  • sie länger als 24 Stunden nichts frisst – besonders übergewichtige Katzen können dann eine lebensgefährliche Leberverfettung entwickeln,
  • sie ausgetrocknet wirkt: Eine hochgezogene Hautfalte im Nacken bleibt stehen, das Zahnfleisch ist trocken und klebrig.

Diagnose: warum oft mehrere Kotproben nötig sind

Der Tierarzt untersucht den Kot. Üblich sind ein Schnelltest oder ein Labortest (ELISA), der Bestandteile der Giardien nachweist, und die mikroskopische Suche nach Zysten. Weil Katzen die Zysten nicht mit jedem Kotabsatz ausscheiden, empfiehlt ESCCAP Deutschland, den Kot über mehrere aufeinanderfolgende Tage zu sammeln. Die Praxis sagt Ihnen, wie viele Proben sie braucht und wie Sie sie aufbewahren – meist genügt eine haselnussgroße Menge je Tag in einem sauberen, verschließbaren Gefäß im Kühlschrank.

Wie Giardien behandelt werden

In Deutschland sind für Katzen Tierarzneimittel mit den Wirkstoffen Fenbendazol oder Metronidazol zugelassen. Fenbendazol wird nach den Angaben von ESCCAP Deutschland über drei bis fünf Tage einmal täglich nach Körpergewicht gegeben, Metronidazol über mehrere Tage zweimal täglich. Die genaue Dosierung und Dauer legt der Tierarzt fest; bei hartnäckigen Fällen wird die Behandlung nach einer kurzen Pause wiederholt.

Katze bekommt Medikament ins Futter
Katze bekommt ihr Medikament mit dem Futter – geben Sie die Behandlung vollständig bis zum letzten Tag

Ausgetrocknete Katzen bekommen zusätzlich Flüssigkeit als Infusion. Nach der Behandlung wird der Kot erneut untersucht. Leben mehrere Katzen im Haushalt, bespricht der Tierarzt, ob alle mitbehandelt oder zumindest untersucht werden – oft ist das sinnvoll, weil symptomlose Mitbewohner die Erreger weitertragen. Hat ein Hund Kontakt, sollte er ebenfalls untersucht werden.

Kolloidales Silber, Homöopathie oder „Darmkuren“ aus dem Internet sind keine Alternative: Eine Wirkung gegen Giardien ist nicht belegt, und die Katze bleibt so lange krank und ansteckend.

Hygiene zu Hause: ohne sie kommen Giardien zurück

Die Zysten sitzen im Fell rund um den After, im Katzenklo, auf Decken und Böden. Deshalb gehört zu jeder Behandlung ein Putzplan, der mindestens bis zum Ende der Behandlung eingehalten wird:

  1. Katzenklo täglich leeren und reinigen. Kot sofort entfernen und im Restmüll entsorgen, nie in die Toilette. Die Schale mit heißem Wasser über 60 °C auswaschen und gut trocknen lassen, denn Trockenheit schadet den Zysten.
  2. Näpfe täglich heiß spülen, am besten in der Spülmaschine.
  3. Decken, Kissen und Textilien waschen, mit mindestens 60 °C, wenn das Material es verträgt. Ihre eigene Bettwäsche gehört dazu, wenn die Katze im Bett schläft.
  4. Glatte Flächen, Spielzeug und Kratzbaum reinigen, Böden feucht wischen und trocknen lassen. Dampfreiniger eignen sich für hitzefeste Flächen.
  5. Das Fell säubern. Kotreste am Hinterteil mit einem feuchten Tuch entfernen. ESCCAP Deutschland rät, die Katze am Ende der Behandlung mit einem Shampoo mit Chlorhexidin zu waschen – lassen Sie sich dazu in der Praxis ein geeignetes Produkt geben.
  6. Hände waschen nach jedem Kontakt mit Klo, Kot und Katze.

Eine unbehandelte Katze sollte in dieser Zeit keinen Zugang zu Pfützen oder Gartenteichen haben, und in Mehrkatzenhaushalten helfen zusätzliche Katzenklos, damit sich nicht alle Katzen dieselbe Schale teilen.

Füttern bei Durchfall

Eine Katze mit Durchfall braucht vor allem Flüssigkeit und leicht verdauliches Futter. Bieten Sie frisches Wasser an mehreren Stellen und kleine Portionen mehrmals am Tag. Der Tierarzt kann ein Diätfutter für den Magen-Darm-Trakt empfehlen; auch gekochtes, ungewürztes Hühnerfleisch ist für ein paar Tage möglich, deckt aber nicht den ganzen Bedarf. Milch lassen Sie weg: Viele erwachsene Katzen vertragen den Milchzucker schlecht, was den Durchfall verstärkt. Lassen Sie Ihre Katze nicht hungern, um den Darm zu „schonen“.

Vorbeugung

Einen Impfstoff gegen Giardien gibt es nicht. Vorbeugen lässt sich vor allem durch Sauberkeit: das Katzenklo täglich reinigen, Näpfe heiß spülen, frisches Wasser statt Pfützen. Neue Katzen, vor allem aus Tierheim oder Zucht, lassen Sie beim ersten Tierarztbesuch auf Parasiten untersuchen, bevor sie zu anderen Katzen ziehen. Mehr zum Umgang mit Neuankömmlingen finden Sie unter Die Katze vergesellschaften.

Die Empfehlung lautet: Lassen Sie wiederkehrenden Durchfall untersuchen, geben Sie die verordnete Behandlung vollständig und nehmen Sie den Putzplan ernst. Der häufigste Grund, warum Giardien „nicht weggehen“, ist eine neue Ansteckung aus der eigenen Wohnung.

Häufige Fragen

Können Menschen sich bei der Katze mit Giardien anstecken?

Grundsätzlich ist das möglich. Katzen tragen aber meist einen Giardien-Typ, der vor allem Katzen befällt und für Menschen selten gefährlich ist. Menschen stecken sich häufiger über verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel an. Waschen Sie trotzdem nach Kontakt mit Katze und Katzenklo die Hände, besonders wenn kleine Kinder, ältere oder immungeschwächte Menschen im Haushalt leben.

Dürfen Kinder mit einer Katze mit Giardien spielen?

Streicheln ist nicht verboten, aber Kleinkinder sollten während der Behandlung nicht mit der Katze kuscheln, nichts in den Mund nehmen, was die Katze berührt hat, und keinen Zugang zum Katzenklo haben. Danach gründlich Hände waschen.

Können sich Hunde bei der Katze anstecken?

Hunde und Katzen tragen überwiegend verschiedene Giardien-Typen, eine Übertragung ist aber nicht ausgeschlossen. Zeigt der Hund ebenfalls Durchfall, sollte auch sein Kot untersucht werden.

Warum hat meine Katze nach der Behandlung wieder Giardien?

Meist ist es eine erneute Ansteckung aus der Umgebung oder durch eine unbehandelte Mitbewohnerkatze. Seltener wirkt ein Mittel nicht ausreichend. Der Tierarzt wiederholt dann die Behandlung, gegebenenfalls mit einem anderen Wirkstoff, und Sie gehen den Putzplan noch einmal gründlich durch.