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katzenwelt

Sind Orchideen giftig für Katzen? Was wirklich gefährlich ist

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Katze sitzt neben einer blühenden Orchidee
Orchideen sind für Katzen meist harmlos – angeknabbert werden sollten sie trotzdem nicht
Inhalt9 Abschnitte
  1. Die Phalaenopsis: die häufigste Orchidee gilt als ungiftig
  2. Und die anderen Orchideen?
  3. Wildorchideen im Garten und in der Natur
  4. Die eigentlichen Gefahren: Dünger, Spritzmittel, Rinde
  5. Woran Sie erkennen, dass die Katze etwas Falsches gefressen hat
  6. Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss
  7. So halten Sie Orchideen und Katze auseinander
  8. Unsere Empfehlung
  9. Häufige Fragen

Die gute Nachricht zuerst: Die Orchidee, die in fast jedem Haushalt steht, die Schmetterlingsorchidee (Phalaenopsis), gilt für Katzen als ungiftig. Auch für die meisten anderen Zimmerorchideen sind keine ernsten Vergiftungen bei Katzen beschrieben. Frisst eine Katze größere Mengen Blätter, Blüten oder Wurzeln, kann sie trotzdem erbrechen oder Durchfall bekommen – und Dünger oder Pflanzenschutzmittel an der Pflanze sind ein eigenes Risiko.

Die Phalaenopsis: die häufigste Orchidee gilt als ungiftig

Die Schmetterlingsorchidee ist die mit Abstand meistverkaufte Zimmerorchidee. Die amerikanische Tierschutzorganisation ASPCA, deren Giftnotruf eine der größten Pflanzendatenbanken für Haustiere führt, stuft die Gattung Phalaenopsis als ungiftig für Katzen, Hunde und Pferde ein. Dasselbe gilt dort für weitere verbreitete Orchideen, etwa die Tanzende-Puppen-Orchidee aus der Gattung Oncidium.

„Ungiftig“ heißt allerdings nicht „bekömmlich“. Pflanzenfasern sind für einen Fleischfresser schwer verdaulich. Frisst eine Katze ein ganzes Blatt, reagiert der Magen häufig mit Erbrechen, manchmal mit weichem Kot. Das ist in aller Regel nach einem Tag vorbei. Eine eigentliche Vergiftung mit Organschäden ist durch Phalaenopsis nicht zu erwarten.

Und die anderen Orchideen?

Orchideen sind mit weit über 25.000 Arten eine der größten Pflanzenfamilien überhaupt. Nur ein kleiner Teil davon ist je auf Inhaltsstoffe untersucht worden, und für Katzen gibt es zu den meisten Arten schlicht keine Daten. Im Internet kursieren trotzdem bestimmte Behauptungen, die sich nicht belegen lassen:

  • Vanille-Orchidee (Vanilla planifolia): Ihr Pflanzensaft kann beim Menschen die Haut reizen, das ist von Arbeitern auf Vanilleplantagen bekannt. Belegte Vergiftungen bei Katzen gibt es nicht. Vorsicht ist trotzdem angebracht: Den Saft sollte eine Katze nicht im Maul haben.
  • Schwielen-Orchidee (Oncidium cebolleta): Sie wird gern als „halluzinogen wie LSD“ und tödlich für Katzen beschrieben. Dafür gibt es keine belastbare Grundlage – die Pflanze ist in völkerkundlichen Berichten aus Mexiko erwähnt, Vergiftungsfälle bei Katzen sind nicht dokumentiert.
  • Venusschuh (Paphiopedilum): Auch hier fehlen Berichte über Vergiftungen bei Katzen. Der verwandte heimische Gelbe Frauenschuh (Cypripedium) enthält Stoffe, die beim Menschen Hautausschläge auslösen können.

Die ehrliche Zusammenfassung: Keine der gängigen Zimmerorchideen ist als gefährliche Giftpflanze für Katzen bekannt. Weil aber für viele seltene Arten Daten fehlen, gilt der gleiche Grundsatz wie bei jeder Zimmerpflanze – die Katze soll sie nicht fressen. Eine Übersicht wirklich gefährlicher Pflanzen finden Sie unter Giftige Pflanzen für Katzen.

Wildorchideen im Garten und in der Natur

Heimische Orchideen wie Knabenkräuter, Waldhyazinthen oder der Frauenschuh stehen in Deutschland unter Naturschutz und wachsen meist auf Magerrasen oder in lichten Wäldern. Freigänger begegnen ihnen selten, und fressen werden sie sie kaum, weil draußen genug Gras zur Verfügung steht. Vergiftungen von Katzen durch Wildorchideen sind nicht beschrieben.

Die eigentlichen Gefahren: Dünger, Spritzmittel, Rinde

Bei Orchideen steckt das Risiko weniger in der Pflanze als in dem, was mit ihr verkauft wird:

  • Pflanzenschutzmittel: Topfpflanzen aus dem Handel sind oft behandelt worden. Rückstände auf Blättern und Blüten nimmt eine knabbernde Katze direkt auf. Neue Pflanzen deshalb abspülen und einige Wochen außer Reichweite stellen.
  • Orchideendünger: Flüssigdünger ist konzentriert. Eine umgekippte Flasche oder ein Übertopf mit gedüngtem Gießwasser kann Erbrechen und Durchfall auslösen. Dünger verschlossen aufbewahren, stehendes Wasser im Übertopf ausgießen.
  • Substrat aus Rinde: Orchideenerde besteht aus groben Rindenstücken. Manche Katzen spielen damit oder scharren im Topf. Große verschluckte Stücke können im Magen-Darm-Trakt stecken bleiben. Abdecken hilft.
  • Stäbe und Clips: Kunststoffclips und dünne Stützstäbe sind für junge Katzen verlockendes Spielzeug. Verschluckte Clips gehören zum Tierarzt.
Katze sitzt vor einer Orchidee auf der Fensterbank
Unbeobachtet knabbern manche Katzen an Blättern und Blüten

Woran Sie erkennen, dass die Katze etwas Falsches gefressen hat

Hat Ihre Katze an einer Orchidee gefressen, beobachten Sie sie die nächsten Stunden. Typische, meist harmlose Reaktionen sind:

  • einmaliges oder zweimaliges Erbrechen, oft mit Pflanzenresten
  • Speicheln oder Lecken der Lippen
  • weicher Kot oder Durchfall am Folgetag
  • vorübergehend weniger Appetit

Wie Sie mit einer Katze umgehen, die sich übergibt, lesen Sie unter Die Katze kotzt – Ursachen und Hilfe.

Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss

Sofort in die Praxis oder Tierklinik sollten Sie, wenn:

  • Sie nicht sicher wissen, welche Pflanze die Katze gefressen hat – vor allem, wenn im Raum oder im Strauß Lilien stehen. Schon wenig Lilienpollen oder Vasenwasser kann bei Katzen ein akutes Nierenversagen auslösen.
  • die Katze mehrfach am Tag erbricht, Blut im Erbrochenen oder Kot ist,
  • sie taumelt, zittert, krampft oder schwer atmet,
  • sie Dünger, Spritzmittel oder Schneckenkorn aufgenommen haben könnte,
  • sie länger als 24 Stunden nichts frisst.

Nehmen Sie ein Stück der Pflanze oder ein Foto mit Etikett und, falls vorhanden, die Düngerflasche mit. Bringen Sie die Katze nicht selbst zum Erbrechen – Salzwasser und andere Hausmittel sind für Katzen gefährlich. Das entscheidet der Tierarzt.

So halten Sie Orchideen und Katze auseinander

  1. Hoch und ohne Anlauf. Eine Fensterbank ist für Katzen kein Hindernis. Besser sind Wandregale oder Hängeampeln ohne Möbel darunter, von denen die Katze abspringen könnte.
  2. Eigenes Zimmer. Orchideen lassen sich gut in einem Raum halten, zu dem die Katze keinen Zutritt hat – etwa ein helles Arbeitszimmer.
  3. Aufgeräumt. Abgefallene Blüten und Blätter sofort wegräumen; sie sind das Spielzeug, das die Katze auf die Idee bringt.
  4. Grüne Alternative. Viele Katzen knabbern, weil sie Halme mögen. Ein Topf Katzengras oder Zyperngras lenkt oft zuverlässig ab.
  5. Keine Abschreckung mit Pfeffer oder Chili. Gewürzpulver reizt Augen und Schleimhäute der Katze. Auch ätherische Öle als „Katzenschreck“ gehören nicht in die Wohnung, weil Katzen viele davon schlecht abbauen können.

Wer beim Pflanzenkauf ganz auf Nummer sicher gehen will, findet unter Ungiftige Pflanzen für Katzen eine Auswahl, die auch Knabberkatzen verzeiht.

Unsere Empfehlung

Eine Phalaenopsis dürfen Sie mit Katze behalten. Stellen Sie sie trotzdem außer Reichweite, spülen Sie neue Pflanzen ab und bewahren Sie Dünger verschlossen auf. Bei unbekannten oder seltenen Orchideen gilt: Die Katze soll nicht daran fressen, auch wenn keine Vergiftung bekannt ist. Und wer Orchideen in einem gemischten Strauß oder Gesteck bekommt, sollte vor allem prüfen, ob Lilien dabei sind – sie sind die weitaus größere Gefahr. Ähnliche Fragen zu Frühlingsblumen beantwortet der Beitrag Sind Tulpen giftig für Katzen?.

Häufige Fragen

Meine Katze hat an der Phalaenopsis geknabbert – was nun?

In aller Regel nichts. Beobachten Sie die Katze einige Stunden, geben Sie normal Futter und frisches Wasser. Einmaliges Erbrechen ist nicht besorgniserregend. Rufen Sie den Tierarzt an, wenn sie mehrfach erbricht, matt wirkt oder wenn die Pflanze kurz zuvor gedüngt oder gespritzt wurde.

Warum fressen Katzen überhaupt Pflanzen?

Genau weiß man es nicht. Katzen fressen gern Halme, vermutlich um Haarballen loszuwerden oder einfach aus Neugier und Langeweile. Junge Katzen probieren fast alles aus. Wer ausreichend Beschäftigung und Katzengras anbietet, hat meist weniger Probleme mit angeknabberten Zimmerpflanzen.

Kann man einer Katze das Knabbern abgewöhnen?

Teilweise. Strafen helfen nicht und belasten die Beziehung. Besser wirkt es, Pflanzen unerreichbar zu machen und gleichzeitig eine erlaubte Alternative anzubieten. Mit dem Alter lässt bei vielen Katzen das Interesse an Pflanzen nach, verlassen sollte man sich darauf aber nicht.

Sind Orchideen für Hunde oder Kinder gefährlich?

Die Phalaenopsis gilt auch für Hunde als ungiftig. Für Kinder gilt dasselbe wie für Katzen: Die Pflanze ist nicht zum Essen gedacht, Dünger und Spritzmittel gehören weggeschlossen.