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katzenwelt

Niereninsuffizienz bei Katzen: Anzeichen, Behandlung, Futter

Christoph · 6 Min. Lesezeit

Katze trinkt Wasser am Wasserhahn
Wenn eine Katze eine Niereninsuffizienz hat, trinkt sie viel
Inhalt9 Abschnitte
  1. Was die Nieren leisten und was bei der Insuffizienz passiert
  2. Woran Sie eine Niereninsuffizienz erkennen
  3. Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss
  4. Wie der Tierarzt die Diagnose stellt
  5. Behandlung: was die Nieren entlastet
  6. Nierendiät und Futter
  7. Genug trinken: kleine Hilfen mit großer Wirkung
  8. Leben mit einer nierenkranken Katze
  9. Häufige Fragen

Die chronische Niereninsuffizienz ist eine der häufigsten Krankheiten älterer Katzen: Studien zufolge ist bei Katzen über 15 Jahren etwa jede dritte bis jede zweite betroffen. Die Nieren verlieren über Monate und Jahre nach und nach ihre Funktion, und die ersten Anzeichen – mehr Durst, mehr Urin – fallen oft erst auf, wenn ein großer Teil des Nierengewebes schon verloren ist. Heilen lässt sich die Erkrankung nicht, gut behandeln aber schon.

Was die Nieren leisten und was bei der Insuffizienz passiert

Die Nieren filtern Abfallstoffe aus dem Blut, vor allem Stickstoffverbindungen aus dem Eiweißstoffwechsel, und scheiden sie mit dem Urin aus. Sie regeln den Wasser- und Salzhaushalt, halten den Blutdruck im Gleichgewicht und bilden ein Hormon, das die Blutbildung anregt.

Bei der chronischen Niereninsuffizienz gehen nach und nach Nierenkörperchen zugrunde. Die übrigen arbeiten mehr, sodass lange nichts auffällt. Erst wenn etwa zwei Drittel der Nierenfunktion verloren sind, kann die Katze den Urin nicht mehr konzentrieren; sie scheidet mehr Wasser aus und trinkt mehr. Später stauen sich Abfallstoffe im Blut, die Übelkeit, Appetitmangel und Erbrechen verursachen. Die Ursache bleibt oft unklar; bekannt sind unter anderem Entzündungen, Nierensteine, frühere Vergiftungen und bei manchen Rassen erbliche Zystennieren.

Davon zu unterscheiden ist das akute Nierenversagen, das innerhalb von Stunden bis Tagen entsteht, zum Beispiel durch Lilien, Frostschutzmittel oder einen Harnröhrenverschluss. Es ist immer ein Notfall.

Woran Sie eine Niereninsuffizienz erkennen

  • Die Katze trinkt deutlich mehr als früher; der Napf ist schneller leer, sie trinkt aus Gläsern oder dem Wasserhahn.
  • Die Klumpen im Katzenklo werden größer oder zahlreicher.
  • Sie frisst wählerischer oder weniger und nimmt langsam ab, oft erst an der Rückenmuskulatur sichtbar.
  • Sie erbricht häufiger, das Fell wird stumpf und struppig.
  • Später kommen Mundgeruch nach Ammoniak, Geschwüre im Maul, Mattigkeit und Verstopfung hinzu.
  • Manche Katzen erblinden plötzlich, weil ein zu hoher Blutdruck die Netzhaut ablösen lässt.

Vermehrter Durst ist kein sicherer Hinweis auf die Nieren; er kommt auch bei Diabetes und einer Schilddrüsenüberfunktion vor. Wie viel eine Katze normalerweise trinkt, lesen Sie unter Die Katze trinkt viel.

Wann Ihre Katze zum Tierarzt muss

Sofort in die Praxis oder zum Notdienst, wenn Ihre Katze:

  • keinen oder kaum Urin absetzt oder wiederholt erfolglos auf dem Klo presst – bei Katern oft ein lebensgefährlicher Harnröhrenverschluss,
  • an einer Lilie geknabbert, ihren Pollen abgeleckt oder aus einer Vase mit Lilien getrunken hat,
  • Frostschutzmittel abgeleckt haben könnte,
  • mehrmals am Tag erbricht, völlig apathisch ist oder krampft,
  • länger als 24 Stunden nichts frisst – besonders übergewichtigen Katzen droht dann eine Leberverfettung.

In den nächsten Tagen sollten Sie einen Termin machen, wenn Ihre Katze mehr trinkt als früher, abnimmt oder schlechter frisst. Mehr zu gefährlichen Pflanzen finden Sie unter Giftige Pflanzen für Katzen.

Wie der Tierarzt die Diagnose stellt

Die Diagnose stützt sich auf Blut- und Urinwerte. Im Blut werden Kreatinin und SDMA gemessen; beide steigen, wenn die Nieren schlechter filtern, SDMA oft schon früher als Kreatinin. Dazu kommen Harnstoff, Phosphat, Kalium und das Blutbild. Im Urin ist das spezifische Gewicht wichtig, also wie konzentriert er ist, und ob Eiweiß verloren geht. Der Blutdruck wird gemessen, bei Bedarf werden die Nieren per Ultraschall untersucht.

Aus diesen Werten ordnet der Tierarzt die Erkrankung einem von vier Stadien nach dem Schema der International Renal Interest Society (IRIS) zu. Das Stadium bestimmt, welche Behandlung sinnvoll ist. Ein einzelner erhöhter Wert reicht für die Diagnose nicht; er wird nach einigen Wochen kontrolliert, bei einer ausgetrockneten Katze erst nach dem Ausgleich des Flüssigkeitsmangels.

Katze mit Nierenleiden bekommt Spritze
Eine Katze bekommt eine Injektion unter die Haut – bei Nierenkranken oft Flüssigkeit oder Medikamente

Behandlung: was die Nieren entlastet

Verlorenes Nierengewebe wächst nicht nach. Ziel der Behandlung ist, das Fortschreiten zu bremsen und der Katze Beschwerden zu nehmen. Pflanzliche Mittel, wie sie früher empfohlen wurden, können das nicht leisten. Je nach Stadium und Befund kommen infrage:

  • Nierendiät. Sie ist die am besten belegte Maßnahme, siehe unten.
  • Phosphatbinder. Sie werden unter das Futter gemischt, wenn der Phosphatwert trotz Diät zu hoch bleibt.
  • Blutdrucksenkende Mittel. Sie schützen Augen, Herz, Gehirn und die Nieren selbst.
  • Mittel gegen Eiweißverlust über den Urin.
  • Mittel gegen Übelkeit und zur Appetitanregung. Eine Katze, die frisst, lebt besser und länger.
  • Kalium, wenn der Wert zu niedrig ist, und Behandlung einer Blutarmut in späten Stadien.
  • Flüssigkeit unter die Haut. In fortgeschrittenen Stadien lernen viele Halter, ihrer Katze zu Hause Infusionen unter die Haut zu geben.

Welche Medikamente in welcher Dosis nötig sind, legt der Tierarzt fest. Geben Sie Ihrer Katze niemals Schmerzmittel für Menschen; sie sind für Katzen giftig und belasten die Nieren zusätzlich.

Nierendiät und Futter

Für Katzen mit chronischer Niereninsuffizienz ist eine Nierendiät die wichtigste Einzelmaßnahme. Studien haben gezeigt, dass Katzen mit Nierendiät seltener in Krisen geraten und länger leben als Katzen mit normalem Futter. Nierendiäten enthalten vor allem wenig Phosphor, dazu eine maßvoll verringerte Menge an hochwertigem Eiweiß, mehr Omega-3-Fettsäuren und Kalium. Ab welchem Stadium umgestellt wird, entscheidet der Tierarzt nach den Blutwerten.

Stellen Sie das Futter langsam um, über zwei bis drei Wochen, und nicht, wenn die Katze gerade übel ist oder im Krankenhaus liegt; sonst verbindet sie das neue Futter mit dem Unwohlsein. Frisst sie die Diät partout nicht, fragen Sie nach anderen Sorten oder Geschmacksrichtungen. Eine Katze, die ein normales Futter frisst, ist besser dran als eine, die gar nicht frisst.

Leckerlis sind nicht grundsätzlich verboten, aber viele sind phosphorreich, etwa Käse, Fisch und Wurst. Halten Sie sie klein und selten. Eine gesunde Katze braucht übrigens kein Nierenfutter „zur Vorbeugung“; mehr zur normalen Ernährung finden Sie unter Artgerechte Katzennahrung.

Genug trinken: kleine Hilfen mit großer Wirkung

Nierenkranke Katzen verlieren viel Wasser über den Urin und trocknen leicht aus. Diese Maßnahmen helfen:

  1. Nassfutter bevorzugen. Es besteht zu rund drei Vierteln aus Wasser. Ein Schuss Wasser zusätzlich im Napf erhöht die Menge weiter.
  2. Mehrere Wasserstellen anbieten. Stellen Sie Näpfe an verschiedenen Orten auf, nicht direkt neben Futter und Katzenklo.
  3. Breite Schalen verwenden. Viele Katzen trinken ungern aus engen Näpfen, an denen die Schnurrhaare anstoßen.
  4. Fließendes Wasser anbieten. Viele Katzen trinken an einem Katzenbrunnen mehr.
  5. Brühe nur ungewürzt. Etwas selbst gekochte, ungesalzene Brühe ohne Zwiebel und Knoblauch kann zum Trinken anregen.

Weitere Tipps stehen unter Die Katze trinkt nicht.

Leben mit einer nierenkranken Katze

Wird die Niereninsuffizienz früh erkannt und behandelt, leben viele Katzen noch mehrere Jahre mit guter Lebensqualität. Regelmäßige Kontrollen gehören dazu: anfangs alle paar Wochen, bei stabilen Werten alle drei bis sechs Monate. Wiegen Sie Ihre Katze einmal pro Woche; ein schleichender Gewichtsverlust ist oft das erste Zeichen, dass sich etwas verschlechtert.

Unsere Empfehlung: Lassen Sie bei Ihrer Katze ab etwa sieben bis acht Jahren einmal im Jahr Blut und Urin untersuchen, bei älteren Tieren häufiger. Je früher die Diagnose, desto mehr gute Jahre lassen sich gewinnen.

Häufige Fragen

Wie lange lebt eine Katze mit Niereninsuffizienz?

Das hängt vom Stadium bei der Diagnose ab. Katzen im frühen Stadium leben mit Behandlung oft noch mehrere Jahre, im Endstadium eher Wochen bis Monate. Auch das Ansprechen auf die Diät und ob Bluthochdruck oder Eiweißverlust hinzukommen, beeinflusst die Prognose.

Ist Niereninsuffizienz schmerzhaft?

Die Erkrankung selbst verursacht meist keine starken Schmerzen, aber Übelkeit, Geschwüre im Maul und Schwäche belasten die Katze. Mittel gegen Übelkeit und Appetitmangel bessern das Befinden oft deutlich.

Kann man einer Niereninsuffizienz vorbeugen?

Nur begrenzt. Ausreichend Flüssigkeit, ein ausgewogenes Alleinfutter, keine giftigen Pflanzen und Chemikalien im Haushalt und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen. Das Alter selbst lässt sich nicht aufhalten, aber eine früh entdeckte Erkrankung lässt sich deutlich besser behandeln.

Woran erkenne ich, dass es zu Ende geht?

Wenn eine Katze trotz Behandlung nicht mehr frisst, stark abmagert, ständig erbricht oder sich zurückzieht und kaum noch bewegt, sollten Sie mit dem Tierarzt über ihre Lebensqualität sprechen. Mehr zu diesem schweren Schritt lesen Sie unter Katze einschläfern.